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DoMerrrag den V §e'oruar
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Aber Lüge war's darum nicht mnider. Und --- und das Unglück trieben dich damals
Glückslasten.
Roman von Hanns von ZobeltiK (NaMrruck verboten^ (Fortsetzung.)
Wäre das, was jene Stunde gab, Siebe gewesen, dann hätte es Dauer haben müssen.. Dauer unter taufem zen vielleicht, aber es hätte.aus rhrcm Herzen nicht aus gelöscht werden können, ohne tiefe -Wunden erlassen. Dann hätte sie gekämpft und-gerungen und hatte gefixt oder wäre untergegangen, alles um der.Liebe willen. H Dornenkrone mit Wonnesreuden getragen,, wäre-mit ihm gegangen bis ans Ende der .Welt — einer Welt zum
Nun ja — weh hatte -es ja getan. Das Scheiden. Schmerzlich weh. Aber in die -Tiefe war es doch nicht
Schwapp, war Dodo hoch, machte sechs tiefe Brust- atemzüge und fünf Kniebeugen. „Diese Manner! Fahren, mit Erlaubnis zu sagen. Hab ich je so etwas von miserabler Kinderstube erlebt. „Mir könn'n Se och noch 'ne ^las spendieren, Fräulein!" Denk dir, Signe. Oder in 'ner andern Note: „Merjnädigste, was kostet es mehr, wenn Sie antrinken?" Stell dir vor, Signe. Und Fräulein Barnberg hat's getan . . . nämlich immer mit dem Zusah: zum Besten der Hauspflege. Brrr — brrr — brrr! Nein, da lob ich mir doch unsere Leutnants. Bissel auf den Kopf gefallen ist der eine ja auch, bissel affig der andere — na ja — aber sie haben wenigstens Manieren. Es gibt sogar —
Schwapp, schlug sich Dodo mit der flachen Hand selbst
9e0aE’: bei mir nicht! Sei-ehrlich, Signe: bei dir nicht! Und als er dich fragte: willst du Gedttldhabenundvaruni um unserer Liebe willen? — da hat deut ^a ihn belogen. Nicht so wissentlich, daß du nun selber den wem en Stab über dich zu brechen brauchtest, denn du empfandest nichts von der Luge. Wer Lüae war's darum nicht minder. Und nicht der Schmerz und das ungiua ttieucn ulu# hinaus aus dem Elternhaus, sondern dessen Enge tat § und die Sehnsucht tat's, in die große weite Welt htnauszuschauen. Sei ehrlich, Signe, die Liebe war nur ein gant winziges Rad-
d)en®ä« nud) nur eine Spur großer Liebe in dir gewesen, dann hättest du ihn nicht zurückgewiesen, als er Vater schrie. Denn Liebe wäre nicht erstorben und erloschen in einem ^ahr und nach einem Jahr. o. , ,
Du hast ihn nicht geliebt! Seine heiße Liebe hat nur, wie der Stahl aus dein Stein, ent Fünkchen tn deinem Herzen entzündet. Znr Flamme reichte es nicht
Und Signe sann weiter, sann den beiden Jahren nach, die sie in der Fremde verlebt hatte.
Gesprochen hatte sie nie davon und wurde nie davon sprechen: in der Hast und Unruhe dieses Lebens an der Seite der nervösen, voii Ort zu Ort hetzenden Fürstin hatte es ihr an Huldigungen und Bewerbungen doch nicht gefehlt. Da war der kluge Kunstgelehrte gewesen, der ihr in Siena zu Füßen gelegen — da war der Marchese, der sie von Venedig bis Rom verfolgt hatte. ^tat on um Station, um ihr dann tn den Ruinen ^ Goldenen Hauses heiße Liebesworte zuzuraunen. Der Schotte, den der englische Generalkonsul in Florenz ihr vorgestellt hatte und der zwei Wochen lang den Blumenmarkt für sie
das Herz hatte bei all dem nie gesprochen. Dann und wann — immer ehrlich, Signe — dann und lvann hatte sich wohl deine Eitelkeit umschmeichelt gesuhlt; ebenso oft ist es dir lästig gewesen, wenn die sehnsüchtiges Augen dich anschauten. Gleichgültig blieben sie dir alle " "Grade so gleichgültig, wie dir nun dieser Prinz ist.
Vielleicht ist dein Herz überhaupt des Himmelauf- 'mrchzens und des Zutodebetrübtseins nicht sahtg. Viel-
auss Mäulchen. , .,
„Es gibt sogar — ?" fragte Signe lächelnd vom Schreibtisch herüber. „ ,
„Na, im Grunde, warum soll ich's denn nicht sagen: es gibt sogar sehr nette darnnter." Und sie marschierte Qait§ militärisch mit heruntergedrückten Fußspitzen und wtmderlich wuchtigen Schritten auf die Schwester los, machte kurz vor ti)T gravitätisch Halt, legte die Rechte salutierend an die Stirn und fragte: „Haben Sie eigentlich schon einmal ge- lübt, Fräulein Sügne von Gudarcza?^ Können Sie mich vielleicht sagen, wie das tut, Fräulein Sügne von Gudarcza? Die Düchter lassen mir darüber nämlich int Unklaren, Fraulein Sügne, denn weil sie untereinander uneinig sein sind. Ich möcht's aber gern wissen, denn weil ich tn das Alter bin, wo eine Jungfrau das wissen tun muß!"
Signe hatte herzlich gelacht, hatte „du Schäfchen, gesagt und der Schwester zugleich einen Kuß und einen Klap. gb^Nun saß sie doch und sann selber über den Kern der Frage in der grotesken Hülle nach.
War ihr schon einmal der Glucksbecher gefüllt gewesen? War das wirklich Liebe gewesen, war's nur ein kurzer Rausch, der sie damals mit Viktor zusammenfuhrte? Damals —
Sie schloß die Augen —■
.... damals, als er sie zum ersten Male an sich ritz —-
O es war wohl eine Stunde gewesen, die sie nicht Missen wollte. Mutter hatte neulich über die „^ugend- eselei" gespottet, und sie hatte -das häßliche Wort nicht dulden wollen. Nein — nimmermehr! - Und wenn eS ein Rausch gewesen war, der verflog-wie ent Traum, schon war es dock — schön war -es doch — , .
Ein Hauch holden Idealismus hatte'auf lener Stunde geruht. Eine goldene Znkunftshossnung war -mit ihr verwoben gewesen.


