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anderes, als einen feigen, geckenhaften Schauspieler hör sich zu haben. Man schrie: Feigheit! Feigheit! Schlag ihn nieder! Renn ihn über den Haufen, Telramuud! Rufe, die diesem eine Wut und Verwegenheit der Verzweiflung einflößten. Er ließ durch seinen Herold erklären: Er lehne den knabenhaften Vorschlag des Ritters von der Flaumfeder, mit Entrüstung ab. -Eine -Erklärung, die ihm Stürme des Beifalls einbrachte.
In Schauern der neuerwachten Hoffnung und dann wieder dzr Spannung wegen des endlichen Ausgangs, war inzwischen Herzogin Else gleichsam mehrere Tode gestorben. Auch sie war ein wenig enttäuscht, als es so aussah-, als wenn ihr Ritter den unvermeidlichen Kamps umgehen wollte. Kaum aber verhallte in der Luft, aus dem Munde des Herolds, Telramunds beißend bittere neue Herausforderung, als der silberne Ritter, zugleich mit dem schwarzen, ruhig den gehörigen Abstand nahm, das Visier verschloß und blitzschnell, wie ein Knäuel vom Licht und -Glanz, gegen die schwarze Vermummung airprallte.
-Tas ganze Ereignis war so schnell gekommen und vorübergegangen, daß die meisten der Zuschauer glaubten, der Kampf habe noch nicht angesangen, obgleich -er bereits entschieden war. -Tenn Telramund hatte einen ebenso jämmerlichen, als furchtbaren Fall getan und zappelte hilflos auf der Erde. Es gelang ihm dann noch mit Mühe, halbkniend, das Schwert zu ziehen, als sich der silberne Ritter vom Pferde geschwungen hatte und mit großen Schritten auf ihn zustürmte. Und nun zeigte sich, wie auch in diesem Ritter Hilfreich, der den sanften Schwan zur Helmzier gewählt hatte, der duutpfe und blinde Jähzorn seines Vaters Parsival auflodern konnte. Der Gralritter riß dem Verleumder den Helm vom Haupt, das Schwert aus der «Faust und schlug ihn mit der gepanzerten Rechten nieder, mit furchtbarem -Laut, wie wenn man ein Tier mit der Axt -erschlägt. Die Weiber kreischten und wurden ohnmächtig. Tie silberne Rüstung des Schwanenritters war, wie bei -einer häßlichen Schlächterei, von Blut gefärbt; das seinem Opfer stoßw-eis aus Mund und Nase stürzte. _______________
Vermischtes.
* Der Eherekord der B u r e n i r a u. Aus N a t a wird berichtet: Einen einziaartigen Rekord in der Weltchronik der Ehe dari eine Burenirau für sich in Anspruch nehmen, die in Prätoria lebt, 78 Jahre zählt und sich rühmen kann, mehr Männer gehabt zu haben und mehr Kinder zu besitzen als alle anderen Frauen in Südafrika. Fran Theila de Beer ist heilte Witlve; sie begann die stattliche Reihe ihrer Ehen als 18jähriges Mädchen. Damals heiratete sie Petrus Jacobils Lubbe, der aber bald starb und sie mit einem Kinde zurücklieb. Zean Monate später nahin sie einen zweiten Mann, einen Witwer mit drei Kindern, aber nach einein Jahr und fünf Monaten entriß das Schicksal ihr nncl) diesen Lebensgeiährten und sie blieb als Witlve mit vier Kindern zurück. Zum dritten Male trat sie fünf Monate später vor den Traualtar, auch diesmal schenkte sie einem Witwer ihre Hand, nur daß der diesmal gewählte Gatte gleich sieben Kinder mit in die Familie brachte. 'J9iit ihm lebte sie elf Jahre lang in glücklicher, friedlicher Ehe, schenkte sieben Kindern das Leben, aber dann ward ihr auch dieser Mann eiitrissen. Nun blieb sie fünf Jahre lang Witwe, doch nach Ablauf dieser Zelt heiratete sie zum vierten Male: diesmal einen Witiver mit acht Kindern. Sie schenkte ihrem Manne noch vier Kinder dazu und nach elf Jahren starb der glückliche Vater. Fünf Jahre darauf heiratete sie Hendrik Klapper; nach elf Jahren mußte auch er in die Grube, nachdem er an zehn Kinderir Valer- sreuden erlebt hatte. Nun gingen zivei Jahre ehelos dahin; als aber die Witwe Hendrik van Wyk kennen lernte, sprach ihr Herz noch einmal und sie reichte diesem sechsten Erivählten die Hand; Hendrik vaii Wyck ivar gleich der Mehrzahl seiner Vorgänger Witwer und brachte fünf Kinder mit in die Familie. Vor Kurzem hat ihn nun der Tod dahingerasst, nachdem er elf Jahre lang als glückliches Familienoberhaupt dem höchst stattlichen Haushalte vorgestanden hatte. Die trauernde Witwe ist heute Mutter und Stiefmutter von 4 9 Kindern und zugleich Großmutter von 270.
kf. Das Hotel der Nachtschwärmer. In unserer modernen Zeit muß jeder „nach seiner Fasson" leben können. EI gibt Leute, die bei Tage arbeiten und bei Nacht schlaien. Un- streitia gibt es aber auch solche, die bei Tag schlafen und bei Nacht arbeiten. Die dritte Kategorie, die bei Tag und Nacht schläft, mag außer Acht gelassen werden. Also: für Leute, die bei Tage schlaien und bei Nacht arbeiten, ist nun in New Jork ein Hotel gebaut worden, in dem sie nach ihren „Prinzipien" leben können. Die beiden obersten Stockwerke des Hotels sind nahezu hermetisch von den unteren abgeschlossen. Kein Lüftchen, kein Hauch dringt von unten nach oben, geschweige denn von oben >iach unten. Oben wohnen die Nachtarbeiter uitb Tagschlafer, unten Hansen die Nacht- schlafer und Tagarbeiter. Jede der beiden Abteilungen hat ihr Restaurant, ihre Bar, kurz alles, ivas zum Dafein und zunr Zeitvertreib gehört. Nur werden beifpielsweise die Speifen in dem Restaurant der oberen Abteilung zu anderen Zeiten serviert als in dem der unteren. Gefrühstückt wird oben von 4 Uhr nachmittags on, unb daran schließen sich dann die anderen Mahlzeiten in den üblichen Zeitabständen an. Das Tiner wird zwischen Mitternacht
und 2 Uhr morgens aufgetragen und das Souper .... ja nun, wenn man es eben haben will.
ff. Wer ist der größte ReklaMeheld? Das als etwas indiskret bekannte Pariser Witzblatt „Fantasto" hat jüngst unter seinen Lesern eine Abstimmung darüber veranstaltet, wer der größte Reklameheld sei. Es fragte nach dem größten „raseur“, und unter einem raseur versteht der Pariser jemanden, von demj andauernd geredet wird, einerlei ob mit seiner Einwilligung oder ohne sie. Das Ergebnis der Abstimmung ist nun: der größte Reklameheld ist Roosevelt. Dann folgen in der Liste der Boxer- meister Carpentier, Gunsborg, der Leiter der Oper von Monte Carlo, hierauf Gaby Deslys, die schöne Freundin des einstigen! Portugiesenkönigs, weiter der dichtende Sohn Rostands, hierauf der Schauspieler Le Bargy, von dem bei uns gelegentlich seiner Zweikämpfe viel die Rede war, dann folgt der große Bildhauer Rodin, aber erst ziemlich weit unten in der Liste steht Jaurss. Es ist wahrlich eine recht bunt zusammengewürfelte Gesellschaft tioit Leuten, denen der „Fantasio" den eigentlich nicht sehr ehrenvollen Beinamen „raseur“ verleiht.
* Ordnung muß sein. Schaffner (zu einem Bauern)! „Warum klettern Sie denn wieder heraus? - Der Zug fährt gleich! ab!" — „Da steht „Raucher", und ich hab meine Tabakpfeif vergessen." ____________
Büchertisch.
•— Die Schaubühne, herausgegeben von Siegfried Jaeobsohn, enthält in der Nummer 43 ihres achten Jahrgangs : Matkowsky-Literatur. Von Julius Bab. — Der Liebende und die Schläferin. Von Felix Braun. — König Heinrich der Vierte. Von S. I. —■ Sommer. Von Alfred Polgar. — Weingartner. Von Paul Schlesinger. —iHerrnfeldtheater, Zirkus, Kino. Bon W. Fred. — Die Schauspielerin. Von Artur Müller. — Mannheim Frankfurt, Darmstadt. Von Hermann Sinsheimer. — Tartüff im Reifrock. Von Kurt Pinthns. — Wie man einen Mann! gewinnt. Bon Artur Sakheim. — Münchens „Bonboniere".. Von Artur Reißer. — Neue Werke. Annahmen. Uraufführungen. Bemerkenswerte Aufführungen. Jubiläen. Theater des Auslands. Neue Bücher. Zeitungen und Zeitschriften. Zensur. Bilanzen. Preisausschreiben. Personalia. Engagements. Nachrichten. Die „Schaubiihne" erscheint wöchentlich im Umfang von 32 bis 40 Seiten und kostet: 40 Pfg. die Nummer, 12 Mk. jährlich. Probenummern durch alle Buchhandlungen und Postanstalten sowie durch den Verlag der Schaubühne, Charlottenburg, Derilburg- straße 25.
— D i e deutsche Literatur des neunzehnten Jahrhunderts von Richard M. Meyer, Professor an der Universität Berlin. Volksausgabe: Erstes bis zwölftes Tausend. 704 Seiten 8 °, mit 9 Bildnissen, brosch. 4.50 3Jif.,- geb. 5.50 Mk. (Berlin 1912 bei Georg Bondi). Das berühmte Werk wird von den meisten Kennern für die beste Literaturgeschichte der neueren Zeit erklärt: so kam Professor Otto Haruack in einer eingehenden Kritik zu -dem Schluß: „Wir besitzen bis jetzt keine Darstellung unserer nachklassischen Literatur, die nicht durch R. M. Meyers Buch überholt wäre, und sicherlich wird es für alle Zeit ein Markstein in der Geschichte unserer Literaturbetrachtung bleiben." Aehnlich urteilten sehr viele andere hervorragende Gelehrte, ähnlich urteilte auch das Publikum-, dessen Bilduugs- drang in wenigen Jahren vier Auflagen nötig machte, obgleich eine jede 4000 oder 5000 Exemplare zählte. Um eine noch weit größere Verbreitung zu ermöglichen, läßt der Verlag das Werk jetzt in einer sehr hübsch ausgestatteten Volksausgabe zu einem erstaunlich billigen Preise erscheinen (der weniger als die Hälfte des bisherigen Preises beträgt). Dies ist um so erfreulicher, weil das Buch im höchsten Maße verdient ein Volksbuch zu werden: ist doch diese glänzend geschriebene Literaturgeschichte hierzu wie kaum ein anderes Werk der Wissenschaft berufen.
BilderräW.
AuflöMlig in Huum.t -wummer.
Auslösung des Rätfels in voriger Nmnmerr D a m e n m a n t e I.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lange, Gießen


