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Der König von Thule.
Roman von Paul Grabern.
' (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Sagen Sie mal, Görtz, glauben Sie eigentlich, daß sie wirklich eine geschiedene Frau ist?"
„Frau Söllnitz?"
„Na natürlich! Wer denn sonst?! Sie haben doch gewiß auch schon von gehört. Es wird doch hier auf dem Schiff erzählt."
„Das erste, was ich höre!" staunte der Regierungsrat und trat dichter zu dem guten Bekannten. „Wer sagt's denn?"
„Mein Gott, so allgemeines Gemunkel. Mir hats, glaub ich, Thümmler erzählt." — Er meinte einen Reisegefährten. — „Ihr geschiedener Mann soll ein bekannter Künstler sein, Sänger, Geiger oder irgend sonst so'n Musikathlet."
„Was? Etwa der berühmte Geiger? Professor Gregor Söllnitz?"
„Möglich, ja," zuckte von Kreßmann die Achseln. „Kenne die Herrschaften nicht persönlich. 9ia, gleichviel, wer — können Sie sich eigentlich, vorstellen, daß sie geschieden ist?"
„Hur — ja —" Auch Görtz rauchte nun nachdenklich weiter. „Eigentlich macht sie ja gar nicht den Eindruck, eher hätt ich sie für 'ne Witwe gehalten. — Aber, hören Sie, das ist ja kolossal interessant! Geschieden also!"
Das Faktum — denn das war ... für den Regierungsrat bereits — ließ ihm plötzlich die junge Frau in einem' K anderen Lichte erscheinen. Die Bekanntschaft mit ihr n mit einemmal einen netten, kleinen prickelnden Beigeschmack. Es war, als ob plötzlich einige Schranken einstürzten, die ihre Person bisher abwehrend und schützend Umgeben hatten: unwillkürlich tauchten leise Hoffnungen und Wünsche aus, die sich bisher nicht an sie gewagt hatten.
„Eigentlich begreife ich da nicht, wie sie sich so furchtbar haben kann," bemerkte Görtz aus diesem Gedankengang heraus. „Auch vorhin erst — mit Ihnen."
„Na, das ist doch ganz klar — gerade darum!" belehrte ihn der Jüngere, in diesem Punkte sich als besserer Menschenkenner fühlend. „Wenn eine Frau selber 'ne bißchen wacklige Position in der Gesellschaft hat, ist sie um so krampfhafter bemüht, sich als unnahbar aufzuspielen. Dach sehr plausibel, — nicht?"
„Da haben Sie recht," stimmte der Regierungsrat bei, gedankenverloren. Seine Blicke suchten Frau Söllnitz, die hinten an der Treppe zum unteren Promenadendeck mit einem Ehepaar stand, und musterten nun noch einmal ihre ganze Erscheinung, skeptisch, neugierig und taxierend zu- Aeich. Donnerwetter, jetzt hatte dre Sache ein ganz anderes Gesicht; nun sollte man doch wirklich mal sehen, ob denn Me kalte Unnahbarkeit faktisch so stichhaltig wär. Ent
schlossen richtete er sich aus und warf den Zigarettenrest über Bord.
„Ich will doch auch mal wieder nach der Küste aus- schaun," verabschiedete er sich von dem Bekannten und begann, sich der kleinen Gruppe da hinten zu nähern.
II.
Den ganzen Tag war das schnell segelnde Schiff angesichts der isländischen Küste gefahren. Endlos streckte sich nach rechts und links, den Horizont entlang, die riesige Kette der Randgebirge, die unmittelbar aus dem grauen Meer auftauchten. In ihrem oberen Teil, durch den weißgrauen schweren Wolkenvorhang in einer ebenmäßigen gewaltigen Linie abgeschnitten, glichen die schwarzen Berge in ihrer abgestumpften Gestalt gigantischen, düsteren Särgen, einer hinter dem anderen aufgebahrt, in Unabsehbarer ReiW — wie bei einem Titanenbegräbnis. Keine Spur von Leben, von menschlichen Ansiedlungen zeigte sich von Bord aus dem Auge. So näherte man sich dem sagengrauen unwirtlichen Eilande der Edda, dem Tummelplatz ungefüger Reif- und Nebelriesen, allerhand finsterer Naturgewalten.
Erst als die „Hamburg" Kap Reyjanes umfahren, wurde das Bild ein wenig minder starr in seiner wuchtigen Größe. Die Berge sielen in gewaltigen, dunkeln Stufen zur Ebene ab, und hier und da nahm ein aufschimmernder grünet1 Uferstreifen der Landschaft das Grausige und Tote. Einmal zog ein Geysir aller Augen auf sich, dessen silberweiße Wasserdampffontaine, bald steigend, bald fallend, hinter einer Bodenfalte aufschoß; dann wieder ein Vogelberg. Vom Böllerschuß des Schiffes aufgeschreckt, erhob sich plötzlich eine dichte Wolke, Millionen von aufslatternden Möwen, vom grauschwarzen Felsen, und lvie ein weißer Schleier zog es minutenlang Nor der Bergwand auf und meder.
Wieder eine lange Fahrt — der Lunch, der Tee wär genommen, es ging schon der Dinerzeit entgegen — da endlich fuhr das Schiff in die Bucht von Reykjavik ein. Auf grünem Wiesenplan erschienen plötzlich über der See weiße, rote, gelbe, grüne Flecke, die Häuser der alten Hauptstadt der Insel. Um den bunten Teppich herum dehnte sich das öde Sandbraun der Lavafelder, und drüberhin, die Schu-eehäupter des graublauen Bergrings um die Stadt verhüllend, lagerte schwer eine weiße, wrasige Wolkenschicht, soweit das Auge reichte.
„Die alte Rauchbucht — das bedeutet Reykjavik auf deutsch — macht ihrem Namen wirklich Ehre," bemerkte Kapitän Neidhardt, zu Frau Söllnitz und dem kleinen Kreis ihrer Bekannten tretend, die erwartungsvoll aus die nun schon so nahe Küste schauten.
Em krachender Schüße machte plötzlich die (Damen zu- sammensahren.
„Waren wir das?" erschrocken fragte es die junge Frau.
„Gewiß, gnädige Frau," lachte der alte Seemann. „Wir müssen doch der dänischen Flagge die Honneurs machen."
Und weiter hallte der donnernde Salut. Dann stieg langsam am Vormast der Danebrog, das weiße Kreuz i,m


