Ausgabe 
25.1.1912
 
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zahlreich sind deren Schuldbekenntnisse tu poetischer Form. Mer »»Polyp" spielt darin eine große Rolle.

In Freiburg ist es böse.

Ist da ein Polyp gewese,

Im Theater er erscheint, _ ,

Wenn man seinen Schmiß beweint. Trotzdem er mit einer Kompresse bederct- Hat ihn der Polyp sofort entbedt.

Und mit zorniger Amtsmiene Spricht er:Ich verhafte Ihne!

Wie heissen Sie?" So hör' ich fragen.- Feyerabend", tu ich lächelnd sagen. , Und durch diesen Polypen, ich dacht's mrr doch» Flog ich 24 Stunden hier ins Lo-ch"

Aber manchem Delinquenten war auch etwaH melancholisch tfli 8)bite. Einer gedenkt der Liebsten:

O laß, mich nur von ferne stehn

Und hangen stumm an deinem Blicks iDu bist so jung, du bist so schön,. Aus deinen Augen lacht das Glmch Und ich so arm, so milde schon. Ich habe nichts, was dich gewinnt,' O war ich doch ein -Königssohn Und du ein arm verlornes Kind."

Wsn anderer faßt Leben und Liebe leichter auf 8

Heut lieb ich die Johanna And morgen die Snsanna. Tie Lieb' ist immer neu, Das ist Studententreu."

Das schon genannteälteste Semester" der Universität Frei- Äurg hat aber nicht allein Karzer-, sondern auchBank-Poesie" ge- kammelt, die Inschriften nämlich, die sich, schön eingeschnitzt, auf den aus Schwarzwälder Holz gezimmerten Bänken in den Hör­sälen der Alma mater Friburgensis fanden. In dieser Abteilung sind besonders häufig die Schlafgedichte. Hier finden wir oft Rassische Klänge:

Ueber allen Bänken ist Ruh, Won dem Katheder hörest du Kaum einen Hauch.

Die Hörer schlafen im Saale, Warte nur, balde Schlafest du auch,"

O schlaf, solang du schlafen launfk, D schlaf, solang du schlafen magst;

Die Stunde kommt, die Stunde kommt, 'Da du dich im Examen plagst."

Ein Blick auf seine Umgebung bekehrte einen andern mlr Einsicht:

Wenn alles schläft, kann Karl allein nicht wachen."

Als Inserat gibt sich folgende Inschrift:

Eine Schlafstelle zu vermieten an ruhigen soliden Herrn für 25 Mk. pro Semestek, Prof. . . .

Auch von den Inschriften, die der Liebs gewidmet Und die sich WÄrlich in Hülle und Fülle finden, seien einige angeführt: Komm mein Schatz und küsse mich. Küß mich auf den Mund!

Küssen schadet sicher nicht, Mssen ist gesund."

-Willst du nicht mein Eousinchen fein?

Später nehm ich dich zur Frau." Nein, daraus laß ich mich nicht ein# Dazu bin ich doch zu schlau."

Uns die Wissenschaft ist mancher nicht viel besser zu sprechen Als der Bacoalaureus im zweiten Seite des Faust:Kapazität ist, wenn jemand nicht mehr nachzudenken braucht," schnitzte ein Philosoph in feilte Bank ein, und sein Nachbar hat diesem Ge­danken poetische Form verliehen:

Wer umstößt, was' schon fest besteht/ Den nennt man erst Kapazität,"

VerlmrschtsS.

'* Dergoldene B e r g", das Ziel aller Goldgräber, hat seine angenäherte Verwirklichung an einem Orte nafye der weftmfte Queenslands. Mount Morgan ist ein Hügel von etwa 180 Meter Höhe, der in der Tonne einige Unzen Gold enthalt. AAer Goldgehalt geht durch den ganzen Hügel hindurch und so läßt es sich denken, was für Erträge diesergoldene Berg" ab­geworfen hat. 1886 wurde er entdeckt. Bis zum vergangeit-en Jahre betrug bte Goldausbeute -etwa 300 Millionen Mark, da­neben wurden noch 33 000 Tonnen Kupfer gewonnen.

ff. EineRiese n" - K rank h e i t'. Die Akromegalie, d. h. die übermäßige Entwicklung der Gliedmaßen, die sonst nur sehr selten auftritt, hat in England ein -Opfer gefunden. Ein Vertreter derDaily Mail" hat den Kranken ausgesucht, der ihm folgendes erzählt hat:Bis zum Alter von 14 Jahren war mein Körper völlig normal, und ich unterschied mich durch nichts von meinen Brüdern und meinen Eltern, die beide mittlerer Große sind. Dann aber schob ich plötzlich in die Höhe, und zu meinem größten Schrecken wuchsen insbesondere die Zehen und die Kinnbacken unverhältnismäßig schnell. Bis zum 21. Lebens­jahre jedoch konnte ich noch meinet täglichen Arbeit ich war Eisenbahnarbeiter nachgehen; bann aber nahm die Krankheit eine solch schnelle Entwicklung, daß ich infolge des ungeheuren Wachstums meines Körpers, das mit der Ernährung keinen Schritt hielt, äußerst schwach wurde und meine Beschäftigung aufgeben mußte. Damals war ich 2 Meter 13 Zentimeter groß und wog 220 Pfund. Ich hatte die größte Vorsicht beim Gehen zu ge* brauchen; meine Gliedmaßen verrenkten sich äußerst leicht bei dem geringsten Fehltritt ober Fehlgriff. 'Dann kam noch das Unglück, daß ich äußerst unregelmäßig wuchs; besonders meine linke Hüfte ist so stark geworden, daß ich kaum aufrecht stehen kann. Nur.wenige Stunden täglich kann , ich sitzen, und beständig leid« ich unter furchtbaren Schmerzen. Infolge der Krankheit habe ich auch ein Auge verloren." So weit bekannt.ist, fügt der medizinische Mitarbeiter der Daily Mail hinzu, gibt es kein Heilmittel für diese furchtbare Krankheit, da ihr Wesen noch, völlig unerforscht ist.

kf. Ein Regenrekord. Im verflossenen Sommer ist ans den Philippinen ein Regenrekord verzeichnet worden. Im Juli haben drei Wirbelstürme die Inseln heimgesucht, nämlich vom 11. bis zum 17. Juni, vom 20. bis zum 27. und vontj 30. Juli bis zum 2. August. Dabei sind ganz erstaunlich großä Wassermengen herabgekommen. In einer Höhe von 1430 m, in Baguio, scheint der Regenfall am stärksten gewesen zu fein. Die jährliche R-egenhöhe beträgt dort etwa 4 m. Im vergangenen Jahre sind- nun am 14. Juli 872 mm Regen gefallens am 15. Juli 734, am 16. Juli 425 und am 17. Juli 201. Das macht int ganzen nicht mehr als in 4 Tagen 2 m 23 cm. Vielleicht ist dies der stärkste Mgenfall in so kurzer Zeit, der bis­her überhaupt gemessen worden ist. Ein aus Indien bekannter Regenfall erreicht diese Höhe nicht ganz. In E he r r a p n n g i hat man, wie dieNature" ihrem Berichte f/ber diesen Regenfall anfügt, in den 5 Tagen vom 12. bis zum 16. Juli 1876 im ganzen eine Regenhöhe von 2,90 m gemessen, was an sich etwas mehr, auf die einzelnen Tage verteilt jedoch etwas we­niger ist.

kf. Die Amerikaner und die zehn Geb Pte. Unsere moderne Zeit liebt es, Vorschriften in das Gewand der alten zehn Gebote einznkleiden. In Amerika ist es geradezu eine Mode ge­worden, zehn Gebote für alle möglichen Stände und Berufe zu schreiben, und Presse und Kanzel können sich nicht genug darin tun, immer neues auf diesem.Gebiete hervorzubringen. Da gibt es ein Gebot für verheiratete Männer, solche für verheiratet« Frauen, andere für Jungfrauen, wieder andere für Junggesellen, kurzum es wird wohl bald keinen Stand mehr geben, dem nicht zehn Gebote zum Geschenk gemacht werden. Sogar die Babys sollen sich in ihrem Verhalten nach zehn Geboten richten. Einer der bekanntesten Neuyorker Prediger äußert sich über diese neue Mode, die er vollauf billigt, wie folgt: Es ist von Nöten, daß wir die alten überlieferten zehn Gebote in ein neues Gewand kleiden. Der moderne Mensch muß überall den anklagenden Finger sehen, damit er sich zu einem Bessern bekehrt. Aber diese Mode hat -den Fehler, daß schließlich jeder sich berechtigt glauben wird, der Allgemeinheit Gebote aufzuzwingen. Leider aber vergessen dieGesetzgeber" hierbei, daß die Menschen nicht alle nach demselben Schema gemacht sind. Wenn es so weiter geht, werden wir wohl baldzehn Gebote für zehn Gebote" haben.

Charade.

Wenn dir einmal das Erste widerfährt, Nickt jedermann:0 wie bedauernswert I* Doch ich. der Zweite, wage keck und munter Dies Erste oft vom höchsten Fels herunter.

Und allen, die mich so als Ganzes sehn, Erscheint der Anblick unvergleichlich schön. Ich bin zugleich ein Jüngling und ein Greis: Ai ein Puls ist rasch, mein langes Haar schneeweiß» Auflösung in nnchster 'Nummer.

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummert

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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Unwersttäls-Vuch- und Stcmdruckerei, N. Lange, Giejem