Ausgabe 
14.8.1911
 
Einzelbild herunterladen

> 504

Satten. In einem flachVodigen Gefäße werde« dann die Früchte je nach ihrer Art nnd Festigkeit /?1

Lei 80120° im Wasserbade gekocht (sterilisiert). Man laßt sie erkalten, löst die Drückvorrichtung und die Glaser sind durch das nach dem Kochen über den Früchten rnitstandene Vakuum fest verschlossen. Diese Art des Einkochens ist sehr gut, aber immerhin noch ziemlich umständlich und kostspielig; denn man braucht dazu einen Extraapparat jund must die Gläser so lauge unter Druck stehen lassen, bis sie erkaltet sind. Dadurch geht viel kostbare Zeit verloren.

Neuerdings gibt es ein verbessertes Konservenglas, das smou von vielen maßgebenden Kreisen sehr günstig be­urteilt wurde. Dieses Glas ist zylindrisch, hat nur außen am oberen Rande eine kleine Rinne und darunter einen flachen Wulst. Früchte lassen sich daher leicht emfullen und herausnehmen. Die Gläser sind gut zu reinigen. ~-er Hergang beim Ginmachen ist ein sehr einfacher. Nachdem die Früchte eingefüllt sind, bringt man in die Rinne einen Gummiring, legt oben auf den Glasrand ein rundes -3tntt Pergamentpapier und drückt den Blechdeckel fest auf. Da­durch wird der Gummiring über den Wulst gerollt und bildet so einen sehr guten Verschluß. Die Gläser werden in einem gewöhnlichen Kochtopf mit flachem Boden die ent­sprechende Zeit gekocht. Sie können dann herausgenommen Und zum Erkalten beiseite gestellt werden. Den Kochtopf kann man sofort mit neuen Gläsern beschicken. Durch diese Arbeitsmethode wird viel Zeit, Feuerung und Geld gespart. Nack dem Erkalten ist auch bei diesen Gläsern, em VaMum entstanden, was ein so festes Verschließen bedingt, daß die Deckel nicht ohne weiteres entfernt werden tonnen. Erst nachdem durch eine kleine Blechzunge der Gummiring etwas eingedrückt wurde und dadurch Luft eindringen konnte, laßt sich der Verschluß öffnen. Es ist leicht einzusehen, daß sich die in einem so gut verschlossenen Glase befindlichen Kon­serven s ehr lange halten.

Denmicbte».

* HotelLränd'e. Durch den Brand des Londoner Carlton- Hotels', eines der schönsten und vornehmsten Etablissements der britischen Hauptstadt, des Kurhauses in Pyrmont und einiger Pensionshäuser auf Helgoland ist die Feuersicherheit der Herbergen der internationalen Reisegesellschaft wieder zur Diskussion ge­stellt. Besonders handelt es sich um iene vielgeschosiigen Riesen- häuscr, die ein halbes oder gar ein ganzes Tausend Gäste bequem mifnehmen, mit allem Lurus umgeben imb glänzend bewirten können. Sie erscheinen als außerordentlich komplizierte Organis­men, die, falls sic gut und sicher funktionieren sollen, einer ebenso Aufmerksamen Ueberwachung wie die eines modernen Schnelldamp­fers bedürfen. Das große Publikum macht sich diesen Organis­mus nie so recht klar, weil er ihm in fernem ganzen Untrangc entzogen blecht. Liftverkehr, Telephonverkehr, Heizung, Venti­lation, Beleuchtung, Kanalisation, Badeeinrichtimg, Küche, Bäckerei, Kellerei, Kühlräume, Wäscherei, alle diese Notwcndigteiten des Komforts bedingen viele Kilometer Rohrleitungen und elektriicher Kabel, zahlreicher Mkumulawren, Dampfkessel und Motoren, die mit ihren Kräften an -den verschiedensten Stellen des Riesenbaues in Aktion treten müssen. Nur der Ingenieur vermag diesen, Organismus vollkommen zu überschauen und in ordnungsmäßigem Betrieb zu erhalten. Seine Verantwortimg steigt noch in den hoch zu den Wolken ragenden Riesenhotels Neuyorks, Chicagos und anderer amerikanischer Großstädte, weil bei etwa ausbrechen­dem Brande die Rettung durch die Höhe der Bauten imb die im Erdgeschoß untergebrachten Ladengeschäfte erschwert wird. Aber mich die Gäste müssen sich ihrer Verantwortung bewußt sein. Nur zu oft liegt die Schuld einer Brandkatastrophe bei ihnen. Der vergißt vor dem Schlafengehen die Kerze auszulöschen, der raucht im Bett, der läßt die brennende Zigarre auf der Tischdecke liegen, der wirft achtlos ein glimmendes Streichholz fort, ge­schweige der vielen anderen Nachlässigkeiten, die zu kolossalen, Bränden auswachsen. Aber im Grunde genommen kommen solche Katastrophen trotz der Unsumme der Hotels und Pensionen und trotz des gewaltigen Reiseverkehrs ziemlich selten vor. Beim Bau wird eben auf Feuersicherheit der höchste Wert gelegt, wie denn wich die Erfahrung eine Summe von Fingerzeigen ergeben hat, die überall beachtet werden. Die wundesten Stellen sind noch immer die Lift- unb Bentilationsschächte, sowie die Speiseaufzüge, weil sie, wenn nicht richtig angelegt, wie Schlote wirken und das Feuer von Stockwerk zu Stockwerk tragen. Wer auch diese Schwächen sind mehr und mehr im Schwinden begriffen. Ohne Uehertrinbung und trotz des Brandes im Carlton-Hotel und des vorjährigen im Karersee-Hotel in den Dolomiten läßt sich be- haupttm, daß man in den modernen Rieseuhotels sehr sicher wohnt. Einen sprechenden Beweis liefert Berlin, das feit dem Jahre 1875

keinen größeren Holelbrand aufzuweisen hak. Damals brach ent Großfeuer imKaiserhof" aus. Am 1. Oktober war der umfang­reiche Bau eröffnet worden, und schon am 10. Oktober, einem! Sonntag, loderten in früher Morgenstunde die Flammen zum Dachgeschoß heraus. Die 250 Gäste konnten sich noch rechtzeitig n Sicherheit bringen, aber ein großer Teil des prächtig aus­gestatteten Gebäudes fiel trotz des schnellen Eingreifens der (Feuer­wehr dem verheereichen Element zum Opfer. Die Ursache des, Brandes, der sich von oben nach unten entwickelte, ist nie so recht aufgeklärt worden, jedenfalls sind beim Wiederaufbau der vernichteten Gebäudeteile vermeintliche Mängel, insbesoichere vier große Ventilationsschächte, die von der Decke des Speisesaales durch alle Geschosse emporfiihrten, und eine Anzahl Holzwand« im Dachgeschoß, vermieden worden.

* Adam Oehlenfchläger, von feinen Zeltgenoßen auch außerhalb seiner engeren Heimat derGoethe des Nordens" ge­nannt, gehörte bei Zeinen Lebzeiten zu den geieiertsten Dichtern Europas. Wohin er aus feinen zahlreichen Reisen auch kommen mochte, war es Deutschland, Oesterreich, Frankreich oder England, überall wurde er als der nordische Dichterfürst empfangen. Alle Welt erkannte ihm willig diesen Rang zu. Bei seinen Landsleuten genießt er auch heute noch einen Rui wie in Deutschland unsere großen Klassiker. Es mag um so verwtmderlicher erscheinen, daß er trotzdem in Deutschland bis auf den Namen last völlig in Ver­gessenheit geraten konnte, zumal er doch das Deutsche wie seine Muttersprache beherrschte und von fast allen seinen Werken selbst deutsche Ausgaben veranstaltet hat. Es hat dies seinen Grnnd ivohl darin, daß er hauptsächlich für die Bühne schrieb nnd daß er deshalb aus dem Gesichtskreis des Publtknms verschwand, so­bald seine Dramen durch Neueres von der Bühne verdrängt waren. Ist es doch selbst großen Dichtern unseres Vaterlanves - wir er­innern nur an Hebbel Jahrzehnte lang ähnlich ergangen. Ferner mag schuld daran sein, daß er nut seinen Prosawerken in Deutsch­land nicht bekannt wurde, daß sie, nachdem eine erste Austage bei Cotta vergriffen war, nur innerhalb feiner gesammelten Werke zu haben waren, die noch im ersten Drittel deS 19. Jahrhunderts in Breslau erschienen, das damals noch völlig außerhalb der Ute» rarischen Bewegung in Deutschland lag. Beschwert sich doch auch Hoffmann von Fallersleben, daß seine damals in Breslau er­schienenen Bücher so gut wie totgeboren waren. Nun ist in dem tätigen Holbein-Verlag in Cannstatt eine neue Ausgabe erschienen, der Pros. P. Lang eine prächtige Ausstattung gegeben hat. Mit diesem Neudruck derInseln im Südmeer" soll ein bebeutenber Dichter für unser geistiges Leben neu erweckt werden. Es ist für uns Deutsche von doppelter Bedeutung, beim es ist eine Neu­bearbeitung, d. h. völlige Neuschöpfmia des alten Volksbuches von derInsel Felsenburg", das Oehlenschläger hier allerdings nur als Rohstoff benutzte, um nu§ ihm ein völlig selbständiges klassisches Werk der Erzählnngskunst zu formen. Der geblldete Literalur- freund wird diese literarische Neuentdeckung als ein höchst inter­essantes Literatur- unb Kulturdenkmal gern zur Hand nehmen; für den Leser, der mir zu Seiner Unterhaltung zum Buche greift, unb selbst für bie reifere Jugend ist es ein Werk, das heute noch den gleichen Enthusiasmus erwecken dürfte, wie zu Zeiten des jungen Goethe, und das noch für Jahrhunderte lebendig bleiben kann, denn nur wenige Bücher gibt es, die in gleichem Blaße unterhaltend find wieTie Inseln im Südmeer'. Daß das Werk dabei für Volk und Jugend in geschichtlicher und kulturgeschicht­licher Beziehung auch außerordeiitlich belehrend ist, gestaltet es zu einem Volksbuche, das seinesgleichen sucht, und das deshalb in keiner Volks- und Schulbibliothek >ehlen sollte. Professor Richard M. Meyer, der bekannte Literarhistorlker' und Goelheforscher, hat dem Roman eine Einleitung vorangesetzt, welche die literatur- und kulturgeschichtliche Bedeutung des alten Volksbuches feststellt und des weiteren erläutert, in welchem Verhältnis Oehlenschlägers Bearbeitungs baju steht, und worin die besonderen Vorzüge der letzteren zu erblicken sind.

.* Auch eine Auskunft.Wie komme ich am schnellsten in bas städtische Krankenhaus?"Ganz einfach, gehen Sie mal dicht vor der Elektrischen über die Straße!"

* In junger Ehe.Sei nicht böse, Fritz, ich habe heute das Essen anbrennen lassen!"Gott sei Dank, liebes Klärchen» b<t werden wir wieder 'mal im Hotel speisen!"

Logogriph.

Feinschmecker lieben mich zärtlich, im Meere ist meine Heimat;

Aenderst ein Zeichen bu nur, siehst bu bei Reisenden mich. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des TiamanträtselS in voriger Nummert

B

Cap Stuhl B a a p a c h Gramm A c s h

Redaktion: R, Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Skeindrnckerei, 8t. Lange, Wietze»