Ausgabe 
14.8.1911
 
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ntffn sogar darüber int Zweifel sein, ob mit dem Ersätze eines Fremdwortes wirklich neues Sprachgut gewonnen, ob mit einem neuen Worte auch wirklich ein neuer sprach­licher Wert geschaffen worden ist.

Das liebel liegt tiefer, als daß wir uns an einer äußer­lichen Ausschaltung einer mehr oder weniger großen Zahl von Fremdwörtern genügen lassen könnten. Das beweist schon der Umstand, daß, während es ans der einen Seite wohl gelungen ist, oft mit Aufbietung nicht geringer Wil­lenskraft, so manches Fremdwort durch ein, deutsches tzu ersetzen, wir auf der andern Seite immer aufs neue einen unerschöpflichen Strom von Fremdwörtern in unsere Sprache eindringen sehen. Die unnötigsten Fremdwörter, gegen­wärtig hauptsächlich englische, machen sich! bei uns breit und verdrängen deutsches Sprachgui, oder lassen es erst gar nicht aufkommen. Aber mehr als das. Mit der Ueber- slutung unserer Sprache durch fremde Wörter fassen zu­gleich fremde Sprachgesetze Boden in der unsrigen, und der Meist der fremden Sprache gewinnt Gewalt über uns. Wer von den Gebilveren empfindet beute eigentlich noch ein französisches ou als fremdes Lautzeichen, wer eine MehrzahlDie Blocks" als fremde Bildung, einen Ausdruck wiedie Bismarck" (fürein Bismarck") als Erzeugnis fremden Geistes, wer fühlt noch, daß ein eng­lischesder Atlantik" den Untergang lebendiger deut­scher Form bedeutet? Die Schamröte muß es uns ins Ge­sicht treiben, wenn wir den Namen des deutschen Gottes Odin wie ein Fremdwort (mit dem Tone auf der zweiten Silbe) aussprechen hören.

Aber auch mit diesen tief greifenden ausländischen Ein­flüssen ist der Gegenstand unserer Sprachverderbnis nicht erschöpft. Eine i i e f e E r s ch u t t e r u u g geht heute durch den ganzen Bau unserer Sprache, Gesetze und Formen, die Jahrhunderte uiib Jahrtausende gegolten haben, werden heute verstoßen. Wenn eine Sprache unter Einwirkung ungünstiger Umstände, z. B. politischer Schwäche des Vol­kes, Fremdes aufnimmt, so bleibt die Hoffnung, daß sie einst, neu belebt, und wieder erstarkend, das aufgenom- mene weiiigstens teilweise wieder abstoßen werde. Ein fran- zösisches fMadame, das sich früher bei uns eingebürgert hatte, sind Wir glücklich wieder losgeworden. Was aber nicht wieder gut zu machen ist, ist der Verfall eigener Formen. Wenn wir, z. B. wie heute zu befürchten ist, die lebendigen Bildungen hierher, dorthin unter Eintausch der toten Formeln nach hier, nach dort in nicht ferner .Zukunft verloren haben sollten, dann wird kein noch so ernsthaftes Bestreben eines kommenden, seine Sprache pflegenden Ge­schlechtes imstande sein, das verlorene wieder zum Leben zu erwecken. Und da sehen wir heute emen höchst merk­würdigen Vorgang! Wir sehen weite Kreise^ die unsere Sprache aus ihrer Drangsal aufhelsen mochten, Schul­ter an Schulter kämpfen mit ihren Widersachern, die mit Lust das Werk der Zerstörung betreiben. Denn was ist es anders als eine Zerstörung lebendiger Formen, wenn heute von uns verlangt wird, statt tote bisher Wrlhelm»- platz, Luisengrube, von nun an Wilhelrnplatz, Luise grübe zu schreiben und zu sprechen, wenn man wider alles Sprachgefühl und wider aNe Ueberlieferung bestimmt: Es heißt jetzt nicht mehr: Ba h n Hoss m r t, Anhaltspunkt, Elbhafen, Abfahrtszeit, G a st- w i r t s i n n i, n g, T r e p t o w e r S t e r n w a r t e, sondern Wahnhofwirt, Anhaltepiinkt, Elbehafen, Abfahrzeit, Gast- wirteinnung, Treptow-Sternwarte, und wenn, was eigent­lich unglaublich erscheint, solche Willkürlichkeiten ohne merk­lichen Widerstand Eingang finden. Wer heute vorschrifts­mäßig schreiben und sprechen will, der.muß sich ehrlich quälen, sich die Formen abzugewöhnen, die er von Kindes- beinen an gesprochen hat. Welche andere lebendige Spräche ließe sich wohl eine solche Vergewaltigung gefallen i Der Engländer läßt sich noch nicht einmal seine, um Jahr­hunderte überlebte Rechtschreibung rauben, bei uns läßt die iieneste auttliche Festsetzung zu, in den Namen Berthold, Mathilde, Günther, das h zu tilgen, dessen Notwendigkeit man doch schon mit einem Mindestmaß von Sprachkenntnis erweisen kann.

Wider solche Verfallserscheinungen in unserer Sprache, ganz besonders aber wider die gewaltsamen Eingriffe in die Sprach formen h at Otto !B r i e g l e b seine Schrift Wider die Sprachverderbnis (Verlag von A. Hasert n. Bvrsdor1 b. Leipzig) gerichtet. Sie wendet sich an alle die, in denen die Muttersprache noch lebendig ist, denen sie mehr gilt als

willkürliche Augenblickslaunen einer Mode; sie will sie er­mutigen, das zu wahren und zu hegen, was an Sprach- ormen in ihnen lebt, und> um volkstümlich zu reden, sich jierin nichts weismachen zu lassen. Den Schatz der Muttersprache zu hüten und zu hegen, ist mehr als eine Aufgabe des Philologen, es ist eine völkische Aus­gabe von höchster Bedeutung, jeder Gebildete hat die Pflicht, an der Erfüllung dieser Forderung mitzuarbei- ten, wie es nur irgend in seinen Kräften steht. Jn^diesem Sinne hat es der Verfasser nnteruommen, seine Stimme zum Schutze der Muttersprache zu erheben.

Zur Erleichterung des Einblicks in den Stoff und zur Verweuduug dieses Führers im Handgebrauche, ist ein Wort­verzeichnis beigetilgt, so daß der Leser an der Hand der täglich ihm aüfstoßenden ^Beispiele schwankender Formen leicht in den Inhalt des Buches einbringeii kann.

Uonservlerungsmeihoden im haushalt.

Des Sommers überreiche Fülle an Obst, Beeren, Ge­müsen, Pilsen usw. hat schon in frühester Zeit den Haus­müttern den Gedanken nähegelegt, solche schmackhaften Sachen für den Winter auszubewahren. Die älteste Art der Aufbewahrung ist die in kühlen Höhlen, spater tu den Kellern. Es liegt auf der Hand, daß diese Konservierung sich nur für einige wenige Obstarten bewährte. Wenig be­kannt ist, daß man Weintrauben in einem trockenen, luf­tigen Keller sehr lange aufbewahren kann. Man hängt die Trauben, die nicht ganz reif sein dürfen, an starken Schnüren in Zwischenräuinen auf und entfernt fortlaufend sorgfältig alle Beeren, die etwa schlecht werden, mit einer kleinen Schere sehr vorsichtig. Richtige Wahl vorausgesetzt,, halten sich die Trauben bis Weihnachten, häufig sogar noch erheblich länger. Eine andere Art ist das Dörren oder Trocknen. So ist es auf dem Lande noch vielfach. Sitte, irach dein Backen des Brotes Pflaumen oder Birnen im Backofen in mäßiger Hitze zu dörren. Auch die Industrie hat sich seit langem erfolgreich mit Trocknen von Obst, Gemüsen, Pilzen beschäftigt. In neuerer Zeit wird z. B. Gemüse so gut getrocknet, daß es bei zweckentsprechender Zubereitung kaum . von frischem zu unterscheiden ist und ihm auch tut Nähr­wert nicht wesentlich nachsteht. Es muß jedoch, immer wieder darauf hiugewieseu werden, daß alle getrockneten Gemüse Und Obstsorten mindestens 1012 Stunden vor dem Kochen in kaltem Wasser geweicht werden müssen. Sie werden in demselben Wasser langsam fertig gekocht. Dem Gemüse wird dann kurz vor dem Anrichten ein Stück frischer Butter zugefügt. Viele Hausfrauen kochen das Gemüse erst eine halbe Stunde, gießen dann das Wasser ab und setzen es mit neuem kochenden Wasser auf. Davon ist jedoch ent- schieden abzuraten, denn die leichtlöslichsten Nährst offe gehen zum großen Teile dadurch verloren. all­gemeinen werden jedoch die Hausfrauen tem Gemüse trocknen. Es ist dies eine gar nicht so einfache Sache! Und häufigem Mißlingen unterworfen. Die großen Fabriken haben dazu Spezial-Apparate. ^m Haushalt wird man sich größtenteils auf das Emkochen beschranken. Früher geschah 'das fast ausschließlich in der Art, daß man die Früchte in einem großen Messing- oder Kupferiefsel einkvchte und dann in. Gläser füllte und verschloß. Es kam jedoch häufig vor, daß der Inhalt garte, oder Pilze anseüte. Um dies zu vermeideu, legte man em tut Rum, Spiritus usw. getränktes Papier auf das Eingemachte, oder man streute Salizyl darüber. Ersteres Hiiiterließimmer etwas Geschmack und dem letzteren widersprechen die Nah- rungsmittelhygieniker. .. . _... . ,

Sehr gut halten sich meist Fruchte, die m Essig ein­gelegt oder mit viel Zucker gekocht werden. Auch saure! Kirschen, entfteint und roh mit Zwischenlagen von gutem Zucker in einen irdenen Topf gepackt, lassen sich jahrelang aiufbewahren. Sie behalten den frischen Fruchtgeschmack und liefern einen ganz vorzüglichen Saft, der im Soiilmer mit Wasser verdünnt, eine sehr erfrischende ^unonabe gibt-: Doch wird man trotz besten Verschlusses mitPergament- papier nicht ohne etwas darüber gestreutes Salizylpulver 01 Nun kamen vor einigen Jahren sehr praktische Einkoch- apparatc in den Handel (Weck, Reck usw,). -4/te Frucht« werden in mit einem glattgeschliffenen Absatz versehene Gläser getan. Auf diesen Absatz kommt em ®uinlntretfen und dmauf ein Glasdeckel. Dieser wird durch eme sinn­reiche Vorrichtung des Apparates aufgedruckt und lestge