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Vermischtes.
* Wie Mignon zur Oper wurde. Anknüpiend an den l°0. Jahrestag der Geburt des Komponisten der „Mignon", Nmbroise Thomas, gibt der Gaulois einen fesselnden Brief von Jules Barbier wieder, der gemeinsam mit Carrö das Libretto her« stellte, in dem die Goethesche Gestalt aus allen Opernbühnen Europas schnell Hausrecht errang. Der Bries, der im Mai 1894 anläßlich der 1000. Mignonaufführung in Paris geschrieben wurde, gibt intereffante Aufschlüffe über die Entstehungsgeschichte des Textbuches, das von den Verehrern Goethes so oit angefeindet wurde und doch mit der Musik von Thoinas berühmt, ja populär wurde. „Unmöglich zu sagen, wie wir auf den Gedanken kamen, die Mignon zu schreiben", erzählt Barbier. „Das ergab sich ganz von selbst bei der Durchsicht der unzähligen Stoffe, die wir täglich prüften tmd erwogen. Wir waren auf den Gedanken gekommen, dem musikalischen Ausdruck Gestalten zuzuführen, die bereits ihren Einzug in die Erinnerung des Publikums gehalten hatten, sei es durch Romane, Theater oder Bilder. So beschäftigten wir uns mit der Margarete, der Julia, der Ophelia, der Virginia, der Mignon usw. Unsere Absicht war, dem Komponisten das Terrain zu ebnen, das Publikum sollte es nidjt nötig haben, in doppelter Arbeit erst die Handlung des Stückes aufzunehncen und dann den musikalischen Eindruck. Und ich glaube, daß wir darin gut taten. Ter Stoff der Mignon reizte uns und die Gestalt mußte unserer Meinung nach auch einen Musiker fesseln. Wir sprachen mit ncehreren Komponisten, u. a. auch mit Meyerbeer, dem wir den Faust vorschlugeit. Aber wie sehr ihn die beiden Stoffe auch an- zogeit: er schien vor seinen Landsleuten eine schreckliche Angst zu haben und wagte es nicht, an die heilige Bundeslade zu rühren, deren hoher Priester Goethe war. So übernahm es Thomas, Mignon unsterblich zu machen. Das Szenarium war schnell entworfen und bei der Ausführung wurde dann fast garnichts geändert. Der Text wies vor der Aufführung 3 Akte und 5 Bilder auf. Im 5. Bilde tauchte inmitten einer sonnigen Landschaft Italiens Philine aus. Ein ländliches Fest begrüßte sie und begleitete ihre Triller mit Tänzen und Freudenrufen. Dann erschien plötzlich Mignon, sah sich unerwartet Philinen gegenüber, wurde von dieser Erscheinung wie von dem Haupt der Medusa getroffen und sank tot nieder. Wenn ich mich nicht täusche, wurde die Oper auch zwei- oder dreimal in dieser Fassung gespielt. Dann aber sagten wir uns als die praktischen Leute, die wir waren: „Aber warum sollen wir jenes Verschwinden der Mignon respektieren, das in dem Roman Goethes kaum angebeutet wird, wir bringen uns damit um das Vergnügen, 7 oder 800 Aufführungen zu erleben ! Es ist viel besser, man verheiratet die beiden wie brave Bürgersleute und schafft Raum für eine zahlreiche Nachkommenschaft!" Gesagt, getan. Und dadurch erklärt es sich auch trotz aller Spötter und Fanatiker, daß das Werk jetzt seine 1000. Aufführung erleben konnte. Heute gibt es nicht einen Zuschauer, der nicht davon überzeugt ist, der ganze brüte. Akt sei von Goethe, ber von einem solchen Ende seiner Mignon wohl nie geträumt hat." Mayerbeer hatte in ber Tat die Komposition des Librettos von Barbier und Karre abgelehnt, aus Pietät und Verehrung für Goethe und dabei käst emphatisch erklärt, daß er um keinen Preis ber Welt die Musik zu biesem Stoffe schreiben würde. Als man ihn bann fragte, warum, erwiberle Mayerbeer: „Weil ich bann nie triebet nach Berlin kommen könnte. Wie, Sie können glauben, daß ich Goethe antaste, Goethe interpretiere und sein Werk verändere ? Ich danke. Man würbe mir zu Hanse die Fensterscheiben einwersen, meinen Wagen in Trümmer verwandeln und meine Frau halbtot schlagen. Nein, nein, niemals I"
* Ein Bild aus dem wilde st en Sibirien. Erholungsbedürftige, die in diesem heißen Sommer die Ruhe der Nerven so nötig brauchen, ist nicht anzuraten, in Irkutsk ihren Ferienaufenthalt zu nehmen, denn die Sicherheit, deren man zu einem geruhigen Leben bedarf, ist hier keineswegs zu finden. Das hat der Korrespondent eines englischen Blattes erfahren, der von dem an Abenteuern und Gefahren reichen Leben in diesem „wildesten Sibirien" ein anschauliches Bild entwirft. In Irkutsk gibt es jährlich viele hundert Morde und noch viel mehr Mordversuche, daneben etwa 10 Verhaftungen und 4 Verurteilungen, die dem Verbrecher durch einige Jahre Zwangsarbeit eine nicht ungewohnte Perspektive eröffnen. Besonders im Frühling treten die Anschläge auf das Leben des Nächsten epidemisch auf. An einem schönen Tag im Monat Mai 1910 kamen nicht weniger als 22 Morde und Mordversuche in den Mauern von Irkutsk vor, worauf unter den Einwohnern eine gewisse Erregung entstand, die sich aber bald wieder legte. Denn man ist an eine gewisse Unsicherheit gewöhnt, sie darf nur nicht „ausarten". Die stärksten Kontraste wohnen ja in Sibirien beieinander. Dafür gibt Irkutsk ein Beispiel, dessen Innenstadt um Mitternacht den Schauplatz lärmender Lcistbarkeiten abgibt, die ganze Maßlosigkeit russischer Orgien entfaltet und in einem bunten Jahrmarktstreiben glänzt, während nicht weit davon tiefe Nacht ihren Mantel über Verbrechen aller Art deckt. Während die Hauptgeschäftsstraßen wenigstensAnsätze einer geregelten Straßenbeleuchtung zeigen, liegen die Wohnviertel in tiefster Düsternis und sind deshalb wie gemacht zum Jagdgebiet ber Verbrecher. „Wenn ntan spät in der Nacht durch diese Straßen schleicht, so wird man
nicht selten plötzlich von einem Schuß hoch über dem Kopf erschreckt und hört eine Kugel am Ohr vorbeipfeifen. Denn vorsichtige Hausväter haben e§ sich zum Prinzip gemacht, bevor sie sich zur Ruhe legen, noch rasch eine Kugel zum Schlafzimmerfenster herauszusenden zum warnenden Zeichen für Verbrecher, die vielleicht das Haus umlauern. Solch eine vorbeipfeifende Kugel soll also nur sagen: „Nimm dich in acht, hier sind Waffen im Haus." Die Stadtpolizet besteht aus Beamten, die sehr schlecht bezahlt sind und nur in seltesten Fällen einschreiten, in welchen Fällen man auch lieber bald die Kosaken mobil macht, und aus privaten Wachtleuten, die der Nacht von Irkutsk das eigentliche Gepräge verleihen. Um Einbrecher vor ihrem Nahen zu warnen und sie zugleich von bösen Taten abzuschrecken, tragen sie hölzerne Klappern, mit denen sie beständig raffeln. Diese schwirrenden Geräusche tönen unheimlich durch das Dunkel. Sie gemahnen durchaus nicht daran, daß das Auge des Gesetzes wacht, sondern daß tausend Augen ber Ungesetzlichkeit auf Beute lauern. Von den vielen Tausenben, die nach Sibirien verbannt werden, nehmen viele ihren Weg nach Irkutsk, um sich hier erst einmal ein paar Wochen zu amüsieren und Pläne für die Zukunft zu machen. Viele Verbrecher, die ihre Strafe verbüßt haben, bleiben hier und verdienen sich ihr Brot, so daß man immer fürchten muß, von Mördern und schweren Uebeltätern umgeben zu sein. Der große Kellner dort mit den ruhelosen Augen und dem langen zweigeteilten Bart, der so eilfertig hin und her läuft, um deine Befehle zu erfüllen, er ist ein Mörder, ber sein Weib und ihren Liebhaber erschlagen hat und seine Strafe in den Baracken des eisigen Nordens verbüßte. Zu dem Dienstpersonal eines der ersten Hotels in Irkutsk gehören allein drei Mörder. Ein aufregendes Fluidum von Gefahren und Verbrechen strömt so durch die ganze Stadt. Irkutsk ist wirklich kein Aufenthalt, wo man Erholung der Nerven und Ruhe des Gemüts finden kann . . ,
* Kleiner Irrtum. Eine gewisse blaublütige Familie, in deren Hause ein Dienstbotenstreik ausgebrochen war, war sehr bestürzt, eines Tages einen Brief zu erhalten, ber ihr den Besuch von Personen angetgte, bereu Bekanntschaft sie schon lange gewünscht hatte. Mit großem Eifer machten sich zwei ber hübschen Töchter des Hauses daran, das Diner zu bereiten, und die dritte, in Haube und Schürze, biente als Hausmädchen. Einige Wochen später trafen sich bie beiden Familien, tmd einer ber Herren, bie ihren Besuch angemelbet hatten, brückte ber brüten Schwester sein Bebauern aus, baß sie bei seinem Besuche nicht zu Hause war. „Ich war zu Hause", sagte ber kleine Schelm ausgelassen. „Ich gab Ihnen ja eine Ohrfeige, als Sie mich an der Korribortüre zu küssen versuchten."
* D i e großen Stiefel. Als ein Sergeant eines Tages in einer Kaserne kommandierte und die Fußreihe beobachtete, iuie bie rohen Rekruten sich bemühten, ben Kommandoworten zu folgen, fand er zu feinem Erstaunen, baß ein Paar Füße, bie durch ihre Größe auffielen, sich nicht umdrehten. Ohne den Blick von ihnen zu wenden, rief er: „Kehrt!" Er sah, daß alle Füße sich bewegten, nur bie nicht, bie er beobachtete. Er lief zu bem Besitzer ber Füße, einem kleinen Burschen, packte ihn bei den Schultern unb rief: „Warum brehen sie sich nicht um?" „Ich habe mich ja umgebreht", erwiderte der zitternde Rekrut. „Neinl Ich habe ihre Füße beobachtet, und die bewegten sich nicht." „Das liegt an ben Stiefeln, bie ich hier bekam", sagte ber arme Bursche. „Sie sind so groß, daß ich mich immer in ihnen umdrehe."
Mingspromenade.
Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in ber Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König auf dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht.
Auslösung in nächster 'Nummer.
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Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Carreau, trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. s. f.
Im Skat lagen aD und b8. Vorhand hatte: aK, a9, a8, a7, bZ, b9, oA, c9, c8, c7, Hinterhand bie übrigen. Spielgang:
1. V. cA M. cD
Sa. = — 64 Augen.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh Aschen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


