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Das Witwenhaus.
Roman von Helene von Mühlau.
Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
„Beruhigen Sie sich matt, Mau Oberlehrer!" sagte die Kosh herzlich. „Tinge, die einmal geschehen sind, mutz man ruhig hinnehmen; das Ausregen und der Aerger ändern ja doch nichts. Der Sommer ist ja auch noch nicht zu Ende!"
Aber die Specht war für keinen Trost zugänglich. Und wie sie jetzt auf dem Flur die Häuflein in übermäßig liebenswürdiger Weise mit den Herrschaften sprechen hörte Und aus dem, was sie sagten, entnahm, daß die Vermietung perfekt geworden war, blieb sie nicht länger Herr ihrer selbst. Sie weinte laut auf, und wie die Häuflein zurückkehrte, raste sie auf den Flur itnd schrie mit erstickter Stimme:
„Meinen Stickrahmen! Mein Bibliotheksbuch! Augenblicklich! Hören Sie, augenblicklich, Die---"
Das Saalehaus mit seinem schmalen Gärtchen lag nun einige Monate lang in Sonne und Licht gebadet.
„Was ein echter Winter ist^, der bringt auch einen guten Sommer mit sich!" sagte die Kosy gut gelaunt, denn es ging ihr jetzt alles nach Wunsch. Bei Frau von Hil- bach waren ständig Kurfremde, die zum Teil einen anständigen Preis bezahlten; sie selbst hatte die Stelle am Brunnen erhalten und nahm für die paar Stunden Dienst am Tag ein hübsches Geld ein, und zudem hatte sie ihr Schlafstübchen an einen der Schiffer vermietet, die die Motorboote, die vom Restaitrant „Zur Loreley" bis zur Rudels- burg fuhren, bedienten. Die Frau Lengerich Hütte auch vermieten können, wenn sie gewollt hätte. Aber die mußte wieder ihre komische Laune haben, denn sie schloß sich von aller Welt ab, und das Mädchen, das ihr Essen kochte, verwunderte sich auch, weil die alte Frau tagaus taget« bei diesem herrlichen Sommerwetter in der Ofenecke saß, vor sich hinstierte und mit sich selber sprach.
„Meine Frau muß sehen, daß sie die auf gute Art aus dem Haus kriegt!" dachte die Kosy; so eine, die immer mit sich selber spricht und vor jedem Reißaus nimmt, ist fähig, einem das Haus über dem Kopf anzustecken oder sonst was Schreckliches zu tun. An der Gräfin haben wir schon eine, der nicht zu trauen ist."
Die Sommergäste der Frau Häuflein blieben sechs Wochen lang und zahlten einen hohen Preis. Sie hatten sich auch sehr innig mit der liebenswürdigen Frau Hänflein befreundet und forderten sie bei allen Spaziergängen zur Begleitung auf, und wenn die Frau Specht durch ihre Minna von dem guten Einvernehmen hörte, dann wurde sie krank und mußte im dunklen Zimmer auf dem Bett liegen.
Frau von Hilbach hatte Mitleid mit ihr und schütte
ihr zweimal einen mietlustigen Sommergast herauf, aber Frau Specht ließ danken.
Und wenn sie verhungern sollte, von Frau von Hilbach wollte sie keine Wohltaten. Sie hatte ihren Racheplan fertig, und wenn sie erst wieder unter sich waren, wen« all diese unleidlichen Berliner fort waren, dann sollte di« Zeit der Vergeltung kommen.
Fürs erste ließ sie ihre schlechte Laune an ihrer Minnoi aus, und dte gab dafür alle Heimlichkeiten des Spechte schen Haushalts preis. 1
Die Pastorin flatterte wie ein junges Mädchen treppauf, treppab. Sie vergaß ihren Badegästen gegenüber voll- kominen ihre gräfliche Abstammung, bediente sie eigenhändig, wenn ihrer alten Magd die Arbeit zu viel wurde, und erzählte jedem, der es wissen wollte, sie habe jetzt so viel Geld im Haus, daß sie gar nicht mehr wisse, wo fte es unterbringen solle.
„Nähen Sie nur mal nicht wieder die Hundertmarkscheine in Ihre Taschentücher, Frau Gräfin!" riet ihr die Kosy. „Lieber besorgen Sie sich Ihre Winterfeuerung zu Sommerpreisen. Sie wissen, wie das tut, wenn man sich alles zusammenborgen muß!"
„Sie haben recht, Frau von Kosczyskowskh>" sagte die Pastorin, „wenn auch die Art zu reden, deren Sie sich mir gegenüber bedienen, nicht die richtige ist; aber wenn Sie die Güte habeit wollten, und die Besorgung für mich übernehmen würden, so wäre ich Ihnen dankbar!"
„Gewiß, Fran Gräfin! Auch mit Kartoffeln, Aepfeln und anderem Wintervorrat stehe ich zur Verfügung."
„Meinethalben!" antwortet die Pastorin, und sie zahlt« alles bar und war froh und glücklich, daß sie so praktisch gehandelt hatte.
Zehntes Käpitel.
„So, Frau von Hilbach, nu können Sie ruhig wieder Ihre Vorderstübchen beziehen!" sagte die Kosy, als die letzten Sommergäste gegangen waren. „Es ist ja zwar erst Ende September und da kann immer noch der eine oder andere für ein paar Tage kommen, aber das ist Glückssache, und wenn wirklich noch einer nach Wohnung fragt, dann kann er die Mittelstube mit dem Alkoven kriegen. Was meinen Sie?"
„Machen Sie, was Sie wollen, Kosy!" meinte Frau von Hilbach. „Ich bin froh, daß ich wieder mit mir allein bin, und wo ich wohne, ist mir gleichgültig. Einstweilen wohnen wir im Wald!"
„Sehen Sie, so was kann mich erfreuen, Frau von Hilbach, das zeugt doch von ein bißchen Lebenslust, daß Sie das ewige Grübeln und Zimmervermieten satt haben. Nehmen Sie das Jungchen mit heraus, dem tut das auch gut, und unsere Gräfin zottelt ja wohl auch mit. Jetzt, wo ihre Berliner fort sind, sind wir wieder gut genug/*
„Sie müssen mit ihr nicht so genau rechnen, Kosy!** saate Frau von Hilbach, und die Kosy stimmte ihr bei.


