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brinnmcitb: Hoffentlich mächt's der Müller richtig, hab' nämlich kerne Ahnung!
Leutnant Müller war unterdesseir tiefsinnig vor der Feld- wache auf- und abspäziert. Endlich kam ihm ein rettender Gedanke:
„Unteroffizier Mertens!"
»Herr Leutnant!"
. --Auf den Toppelposten ganz rechts kommt Musketier Krarrse mit vier Mann. Verstanden?"
„Zn Befehl, Herr Leutnant!"
„Haben Sie auf Ihrer Karte den Kreuzweg?"
„Zu Befehl, Herr Leutnant! Kreuzung 18,24."
Leutnant Müller sucht die Kreuzung 18,24. Also dorthin sollte der unglückliche Krause. Merkwürdig, dachte er Bei sich, was doch so ein Unteroffizier alles weist!
, „Richtig^ Nun bringen Sic den Kerl hin. Und bauen Sie Mrr die Posten richtig auf!"
„Zu Befehl, Herr Leutiiant!"
Sprach's und machte stramm kehrt. Rach einem' Augenblick erscholl aber auch schon sein Kommando:
„Krause, Lehmann, Hauke, Kumik, Teyler!"
Wie geölte Blitze flogen die fünf herbei.
„Krause an den rechten Flügel!--Zwei Glieder formiert!
•— Rechts um! - •— Ohne Tritt, marsch!"
Nach ungefähr einer Viertelstunde hatte Unteroffizier Mertens mit Zeinen Getreuen einen Kreuzweg erreicht, der ihm der Richtige schien.
„Halt! -- — Gewehr ab!--So, ihr Kerls, nun hört
zu. Krause, Sie vor allem, weil Sie hier der Wachthabende, also der dümmste Kerl, sind! Krause, der Feind ist zu erwarten von ivoher?"
„Von — von — —"
„Da haben wir's! Vo>i Tifselsbach!"
„Zu Befehl, Herr Unteroffizier!"
-»Was must nun der Toppelposten mit seinem Gesicht tun?" „Nach dein Feinde sehen!"
„Richtig, Krause. Wat sind Sie doch für ein schlauer Kerl! Na, der Einfachheit halber will ich selbst den Doppelposten aufstellen. So! Und alle Viertelstunden ablösen, Krause!"
. Damit verschwand Unteroffizier Mertens. Na, dachte Krause bei sich, die Geschichte ist ja sehr einfach, der Unteroffizier baut den Doppelposten selbst auf; mehr kann man nicht verlangen! Frei aller Sorgen legte er sich unter ein Gebüsch, zündete sich eine Zigarre an und stierte in den blauen Himmel. Aber (er sollte f'-cf) nicht lauge seiner köstlichen Ruhe erfreuen. Auf einmal brüllte jemand:
„Krauseeee!"
Krause sprang entsetzt hoch. D i e Stimme kannte er.
„Herr Leutnant!"
„Was für eine verfluchte Schweinerei ist denn das? Natürlich, weil Sie der dümmste Kerl der Kompagnie sind, glauben See, das Recht zu haben, den Doppelposten verkehrt ausstellen zu dürfen. S o müssen die Leute stehen!"
Leutnant Müller gab feine Anordnungen und verschwand Mit dem verheißungsvollen Zuruf: „Na, warten Sie, morgen!"
,Bei Krauses dickem Fell hielt die Gänsehaut nicht lange an. Gleichmütig suchte.er, als der Leutnant außer Sicht war, seine Zigarre wieder auf und träumte weiter. Mer das dauerte nur wenige Minuten, beim er hörte in der Ferne den Hufschlag eines Pferdes.
„Wachhabender!"
Krause stand schon bereit, slog an die vorschriftsmäßige Seite des Pferdes und brüllte:
„Herr Hauptmann!"
Der Hauptmann sah sich noch einmal den Doppelposten an Nüd machte dann ein Gesicht, als ob er weinen wolle. Jetzt Uber ging das Donnerwetttr über den armen Krause los. Das Ende vom Liede war, bag^er Häuptling den Doppelposten selbst richtig aufbaute. Mit einem Segenswunsch für bcn versteinerten Krause sprengte ber Gewaltige davon. Allmählich hörte das Entsetzen in Krauses klapperndem Gebein auf. Als er seinen Zigarrenstummel wieder in Brand hatte, war auch die Ruhe wiedergekehrt, und gleichmütig .meinte er zu seinen Kameraden:
„Tree.Ecken von den Krüzweg hefst toi nu all probeert. Paßt mol op, off de veerte nich de richtige is!"
Kaum hatte er ausgesprochen, da hörte 'er wieder das Getrappel eines Gaules. Ter Oberst kam angeritten.
„Ter Doppelposten steht ja ganz verkehrt!"
„Zn Befehl, Herr Oberst!"
„Menn Sie das wissen, warum stellen Sie die Leute denn so hin?"
„Hat ber Herr Hauptmann so befohlen, Herr Oberst!"
„Wie stand der Posten denn vorher?"
„So, Herr Oberst!" .
„Tas ist auch falsch, Wachhabeicher!"
-„Hat ber Herr Leutnant so befohlen, Herr Oberst!"
„Und wie war's vorher?"
„So, Herr Oberst, hat der Herr Unteroffizier befohlen!" „Himmelkreuzschockschwerenot! Wie muß der Posten denn stehen, Mensch?"
, Krause dachte: Jetzt nehme ich die vierte Ecke, denn einen anderen Ausweg gibt's ja mcht!
„So, Herr Oberst!"
Der Oberst strahlte. Der einfache Musketier wußte also Be- schech.
„Und Sie sind der düminste Kerl der Kompagnie?" fragte der Gestrenge ungläubig.
„Zu Befehl, Herr Oberst!" antwortete Krause mit voller lleberzeugung.
Kopfschüttelnd ritt der Oberst von dannen. Was er in der Kritik dem Häuptling und dem Leutnant Müller gesagt hat, ist der Nachwelt nicht überliefert worden. Festgestellt ist aber, daß beide vor Rührung über die liebevolle Ansprache noch minutenlang die Hand am Helm hielten, als der Oberst längst gesagt hatte: „Ich danke Ihnen, meine Herren!"
Als Krause einige Wochen später im Schmuck der blank- geputzten Gefreitenknöpfe, die er durch die persönliche Verweim düng des Obersten erhalten hatte, zum Photographen ging und dabei seinem Hauptmann begegnete, hätte dieser bald vor Äerger über die Beförderung seines dümmsten Musketiers vor diesem Front gemacht.
Ein alter Feldwebel, der das Gefechtsterraiu genau kannte, hat später festgestellt, daß der Kreuzweg 18,24 überhaupt nicht ber richtige war. Ter Doppelposten hätte auf 21,47 stehen müssen. Das hatte aber auch ber Herr Oberst nicht gewußt!
Dom Heidekraut.
Nur eilt Blümlein winket hier! Leibeblümlein ungesehen Mußt du blühen jmb vergehen. Keine Quelle rieselt dir Blümlein auf der Heide hier!
Alohs Schreiber.
Unser liebliches Heidekraut, das weit und breit bekannt und der reizvollste Mütenschmuck deutscher Berge, Wälder und Heiden ist, verrät zwar feinen fruchtbaren Boden, begeistert keinen Landwirt, hat aber doch int großen Haushalt ber Natur seine unbestrittenen Verdienste.
Zunächst beansprucht es wegen seines hohen Alters auch Klassizität, denn die Höhen des Hhmettus waren überzogen von duftender Heide, aus deren Blüten die Bienen den berühmten Honig für Jupiter bereiteten, der allein würdig befmideit ivurde, von ihm genossen zu werden und überhaupt auf der Tafel der Götter zu erscheinen. Auf.diesem Gebirge war dem Donnerer ein besonderer Dienst geweiht und Zeus führte von diesen Höhen den Beinamen „Hymettikus". Ter.Name Erika entstammt dem Griechischen und bedeutet „ich breche", weil die alten Griechen an» nahmen, daß die Heidekräuter die Felsen spalteten. Man dichtete später den Erikazeen die Tugend an, daß sie das Eisen an die Oberfläche des Bodens brächten und daß es durch ihre Wurzeln emporgehoben werde. Hierzu hat wohl das Vorkommen von Raseneisenstein Anlaß gegeben.
Tas gemeine Heidekraut, das in Norddeutschland so ausgedehnte Ebenen von vielen Meilen, wie z. B. die Lüneburger Heide überzieht, übt immerhin und überall einen geheimnisvollen Zauber auf bett Volksgeist aus. Tie so ninblüten Strecken sinb das Symbol der Einsamkeit und die Sage geht, das Heidekraut! sei von dem Blute der Heiden, die dort in blutigen Kämpfen fielen, unter den Hünengräberit liegen, so rot gefärbt worden. Eine märkische Sage aus Lüchow bei Salzwedel führt die rote Farbe darauf zurück, daß das Herzblut einer Braut, die ihrem! Geliebten untreu geworden war, die Heideblume rot gefärbt habe. Tas Heibekraut heißt dort deshalb auch „Brauttreue".
Auch mancher Aberglaube hat sich au das Heidekraut geknüpft. Wo Wölfe hausten, band man ein Büschel Heidekraut der Elster zu Ehren auf einen hohen Baum, damit sie durch ihr Geschrei das Nahen des Wolfes, der natürlich den Herden schädlich war, verkünde. In der alten Medizin hielt man von der Erika viel. Wie dieses Kraut den Stein zermalme, erzählt Matthiolus. Es dient wider die Lähmung, gegen Schmerzen und Reißen ber Glieder, die Stein-Milz-Magen- und Rückenbeschwerden und vermehrt die Milch ber Frauen. Das hieraus gefertigte Oel kuriert bie alten, um sich fressenden Geschwüre, das Wasser und die Sehmerzen im Leibe, auch Schmerzen und Röte ber Augen. Nach dem Volksaberglauben bedeutet,es einen strengen Winter, wenn bie Heide gut und völlig ausblüht und je früher sie vor Jakobi (25. Juli) 'zu blühen anfängt und zwar von unten auf, desto früher soll auch ber Winter kommen. In beml mittelalterlichen Buch „die Bedeutung der Blumen" heißt es von der Heide: „Wer Heide ihm! selber treit, mit laube tob mit plüten, ber zeugt, daß er sin gemüdd zur nngesellschaft habe, wann Heide steht gerne inne der wilde, und halt ire wommug nit gerne bei anderm frühe."
Natürlich hat die Heide auch unter den Poeten manchen Freund. Tie Heide „schämt sich", ist von ber verspäteten Blume unserer


