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Eriken noch immer ein landläufiger Allsdruck. Schon Walter pon der Vogelweide kennt ihn:
— gegen den vinstern tagen Han ich not, wan daz ich mich rihte nach der Heide, bin sich schämt vor leide,
so si den walt siht grnonen, do Wirts iemer tot.
Jean Jacques Rousseau liebte es und hattö die größte Freude daran, Heidekraut zu suchen. Das Heidekraut genoß zu ferner Zeit die Ehre größter Popularität und wurde vielfach im Haar und auf den Tamenhiiteu als Schmnck getragen. Man verbannte jedoch bald die Heide und freute sich an bunterem Blumenschmuck. In neuester Zeit haben Annette von Droste-Hulshoff und Theodor Storm das Heidekraut stimmungsvoll besungen. Zwei Lieder, die den Preis der Heide enthalten von weniger bekannten Lyrikern, finden sich in dem Bnch „die Blumen im Lied" in Gerlachs Jugendbücherei (Bilder von Rudolf Sieck, Text von Hans Fraun-- gruber gesichtet), „im Heidekraut" von Fmuz Bechert und „lieber die Heide" von Karl Hunnius.
Georg Hoerner, München.
Vermischtes.
kk. Für st l i ch e W ä s ch e g e h e i m N is s e aus alter Zeit. Ein bekanntes Wort bezeichnet den Verbrauch an Sehe als den zuverlässigsten Kulturmesser. Man könnte vielleicht etwas allgemeiner sagen, daß überhaupt das Reinlichkeitsbedürfnis ein sicheres Kulturbarometer bildet. Gar nicht allzu weit braucht man in der Geschichte zurückzugehen, um aus Zustände zu stoßen, die uns völlig unglaubwürdig erscheinen müßten, roriteit, sie nicht zuverlässig verbürgt. Ta starb in den Tagen Heinrichs IV. von Frankreich — desselben Heinrich, der jedem französischen Bauern sein Sonnlagshubn wünschte — eine Hosiväschelieserantiu, über deren Nachlaß beut Könige die Verfügung züfiel. Er überließ ihn im übrigen verschiedenen Miigliedertt des Hoies, aber ein paar Wäschestücke, als z. B. em paar Bettücher, behielt er sich selbst vor. Denn derartige Wäschestücke waren selbst am Hole des französischen Königs dazumal noch kostbare tmd rare Dinge. Es ist bezeugt, daß Heinrich als König von Navarra alles in allent nicht mehr als 11 Hemden besaß und daß diese 11 kostbaren Stücke sämtlich zerrissen waren. Ter König von Navarra in zerrissenem Hemde ist eine Vorstellung, die uns wenig königlich anmuten will. 1585 scheint er, als er sich im Felde befand, überhaupt kein Hemd bei sich gehabt zu haben, denn er schrieb dem Schatzmeister von Bsarn, ihm eins zu schicken. Erst gegen das Ende seiner Regiertmg besserten sich die Verhältnisse der königlichen Wäschekammer so daß sein Nachlaßinventar doch endlich 23 seine Leinen- und Seidenhemden aufzuweisen hatte. Aber das war beim auch eine königliche Wäschekammer, bte sich zu jener Zeit sehen lassen konnte I Eine bet angesehensten Prinzessinnen bes französischen Hoies aber hatte e i n Taghemd und e i n Nachthemd, und nachts wurde das Taghemd, am Tage aber das Nachthemd gewaschen, ein Verfahren übrigens, daß die Prinzessin selbst für recht unbequem erklärte. Man kann selbst in noch spätere Zeit herabgehen, um unglaubliche Zustände anzutreffen. Eine Modenenhett, die am Hofe Ludwigs XV. eingeiührt wurde, gab seiner Gemahlin Bl a r i a Lescinska Anlaß, sich über den einreißenden Sittenverfall auszufprechen. Sie fand, daß die neue Mode nach Protzentum schmecke. Wir anderen Damen vom Hofe hatten nur zwei Hemden; wenn sie gebraucht waren, wurden sie erneuert; wir sahen nicht wie die Fräuleins von heute, wie Grisetten aus. Was würde die Gemahlin Ludwigs XV. dann wohl sagen, wenn sie einen Blick in den Wäscheschrank einer heutigen Modedame werfen könnte!
kf. Wie man ein volles Haus macht. Christine Nilson, die schwedische Nachtigall, gab einmal in Hamburg ein Konzert. Ihr damaliger Impresario war Moritz Strakosch, der Schwager und Lehrer der Adelina Patti. Mehrere Tage vor dem Konzert ging Strakosch, wie I. I. Schurmann im neuesten Hefte der „Annales" erzählt, in eines der größten Goldwarengeschäfte der Stadt und suchte sich ein wundervolles Scbmuckstück aus, das er im Schaufenster hatte liegen sehen. „Wie teuer ist denn dieses Kunstwerk?" — „Es kostet 8 500 Mk." — „Das ist ein wenig teuer; aber gut, ich kaufe es." — „Wohin dürfen wir es schicken?" — „Warten Sie, so weit sind wir noch nicht. Ich bin Bioritz Strakosch, der Impresario der herrlichen Sängerin Christine Nilson, von der Sie natürlich haben sprechen hören?" - „Gewiß, wie die ganze Stadt." — „Uebermorgen gibt Frau Nilson ein großes Konzert, für das jetzt die Karten verkauft werden. Wenn das Haus voll ist, wie das in allen anderen Städten der Fall war, so können Sie mich als Käufer dieses Schmuckstückes ansehen und es mir am Morgen nach dem Konzert mit quittierter Rechnung in den „Hamburger Hof" schicken. Wenn aber Plätze leer bleiben, so wird nichts daraus. Adieu." — Strakosch ging weiter und trat nach kurzer Zeit in Gesellschaft Schurmamis, der ihn auf seinem Wege begleitete, in ein zweites Juweliergeschäft, ivo sich die Szene fast wörtlich wiederholte. Beim Heraustreten aus dem Laden sagte er zu Schur- mann: „Die werden schon dafür sorgen, daß die Karten vertrieben werden. Gehen wir weiter." Und nun suchte Strakosch einen Juwelierladen nach dem anderen auf, um in jedem einen Kauf unter denselben Bedingungen abzuschließen. Am Konzetiabend war
das Haus brechend voll, man schlug sich säst um die Karlen, nrrb Strakosch rieb sich vor Vergnügen die Hände. So traf ihn Schur- mann, der sagte: „Na, da wird Ihre Gattin morgen zufrieden sein." — „Wieso?" — „Nun, Sie wird doch dann eine Menge Schmucksachen bekommen." — „Pah! Nicht für einen Pfennig." — „Ader Sie Haden doch so viele Bestellungen gemacht." — „Freilich." — „Was wollen Sie denn antworten, wenn Ihnen morgen die Sachen abgeliefert werden?" — „Bis dahin werde ich nicht warten." — „Wie?" — „Hier ist schon ein Brief in 27 Exemplaren fertig, die ich in der Pause auf die Post geben werde." — Und Schurmann las nun folgendes: „Mein Herr, ich hatte Ihnen gesagt, daß ich mich als Käufer des ausgesuchten Stückes ansehen würde, wenn beim Konzert von Fran Nilson der Saal voll sein würde Leider aber sind mehr als 30 Plätze leer geblieben, und ich sehe mich infolgedessen veranlaßt, vom Kaufe zurückzutreten. In der Hoffnung, das nächste Stal mehr Glück zu haben, bin ich mit der Versicherung aufrichtigster Hochachtung Moritz Strakosch."
"Ein Schloß, das sich anfAnrnf öffnet. Eine seltsame Mär läßt sich der „Corriere" aus London berichten: Der Physiker Thorne Baker soll ein Schloß konstruiert haben, das sich auf einen bestimmten Anruf hin selbsttätig öffnet, genau wie die Höhle im Märchen von Ali Baba und den 40 Räubern. Tie näheren Angaben, die das Blatt über die seltsame Erfindung hm- zufügt, zeigen übrigens, daß bte Erfindung durchaus möglich ist. Tie menschliche Stimme dient nämlich nur dazu, das Oeffnen des Schlosses auszulösen, das sonst elektromagnetisch betrieben wird. Ter Grundgedanke, auf dem das geistreiche Schloß beruht, ist folgender: eine Platinfvitze liegt in unmittelbarer Nähe eines ge- spannteii Klavierdrahtes, so baß keine Berührung natifindet. Im Augenblicke, wo bte Saite in Schwingungen versetzt ivirb, ivird hierburch ein elektrischer Strom geschlossen unb bie Feber bes Schlosses ge- öffiiek. Slatürlid) kann eine ganze Reihe solcher Auslösungen angebracht werben, ivobei die einzelnen Saiten auf verschiedene Töne abgeftimnit sind. Dann ist nur der imstande, das Schloß zu öffnen, der den Zauberschlüssel des Sesam öffne dich in seiner Gewalt hat. Allerdings gehört dazu, rote uns scheint, auch eilte ungemeine Treffsicherheit, um die richtigen Töne herauszubringen. Sonst singt man seinem Schlosse das schönste Leitmotiv, auf das es sonst zu hören pflegt, einen Viertelton zu hoch ober zu tief vor unb bas Schloß rückt und rührt sich nicht.
* E i n e E h e z w i s ch e n T o t en. In verfchiedeneti Gegenden Chinas besteht die ganz eigentümliche Sitte, eine Ebe zwischen Toten zu fti'ten. Ter „Eclair" gibt darüber interessanten Aufschluß. Ist in einer Familie ein junger, noch unverheirateter Blann gestorben, so herrscht bei den Eltern und Verwandten große Trauer darüber, daß ben Frübverstorbenen nun bte Ehelosigkeit im Jenseits erwartet. Um diese traurige Lage von ihm abzuwenben, sieht man sich nach einer Braut für ihn um: man hält Ausschau nach einen ebenfalls vor kurzem verstorbenen jungen Mädchen. Bet dessc Familie macht der Vater des Verstorbenen einen Bestich unb sofort werden zwischen beiden Familiemiäuptern Eheverhanblungen geführt, gerade als wenn es sich um lebendige Brautleute handelte. Schließlich kommt es sogar zu Hochzeilszetemonie», wobei unter Anwesenheit sämtlicher beiderseitigen Verivandten die Bahre des jungen Mädchens zum Grabe des toten Bräutigams feierlich getragen wird. Tie beiden sind nun nach dem chinesischen Vosts- glauben im Jenseits für immer vereint und haben das Uebel der Ehelosigkeit überwunden.
* Eingegangen. Kellner (beim Berechnen der Zeche) s „Sie haben zwei Glas Bier, macht vierzig Pfennige, — ein« Zigarre, fünfzig, — eine Taffe Bouillon, achtzig . . ." -7- Gast (ironisch): „Zwei Fliegen waren in der Bouillon." — Kellner; „Zwei Fliegen ä zehn: macht zusammen eine Mark!"
* Die Xanthippe. Sie: „An tont denkst du?" — Er: „An dich, mein Lieb," — Sie: „Das wollte ich dir auch geraten Haben!" ~ .
* Stimmt. „Kann man Wchren Dackl auch mit einer Schüssel Würste allein lassen?" — „Warum net; is eahm auf red n Fall lieber, als wenn man zuschaugt!"
Charade.
Recht viel schenk' dir der Hlmmel von den ersten Beiden, Bewahre dich vor Trübsal und vor bösen Leiden.
Wenn Kummer nur und Sorgen arg dein Herz beschweren, Kannst du bisweilen dich der Drei-Vier nicht erroelften. Sind alle Silben nun zum Ganzen eng verbunden, So hast du unverhofft ein großes Glück gefunden.
Auflösung in nächsten Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:
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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße».


