Ausgabe 
11.10.1911
 
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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Dasselbe Schweigen, welches sie in bezug ans , ihres Mannes Charakter und Betragen beobachtet, übertragt sie auch, in ihren wenigen §inbcutitngen, auf Graf Fosco.

Aus irgend einem unerklärten Grunde scheinen der Graf und seine Gemahlin plötzlich int Herbste ihre Plane geändert zu haben und nach Wien gegangen zu sem, anstarr, wie Sir Percival erwartet hatte, in Rom mrt ihnen zu- saminenzutreffen. Laura schreibt ausführlich gwug Uber ihr Begegnen mit ihrer Tante und versicherte mich, ne habe sich so sehr zu ihrem Vorteile geändert, daß ich sie kaum wieder erkennen werde, wenri ich sie hier wiedersehe. über in bezug auf Graf Fosco ist sie unleidlich zurückhaltend und schweigsam. Sie sagt weiter nichts, als daß er ihr ein Rätsel ist, und daß sie mir ihre Eindrücke über tytt nicht sagen will, bis ich ihn selbst gesehen und meine eigene Meinung von ihm gefaßt habe. Das sieht meiner Änsicht nach nicht günstig für den Grafen aus. Laura hat die feine Kindergabe, durch Instinkt e.nen Freund zu erkennen, in weit vollkommenerem Grade bewahrt, als die meisten Leute sie in späteren Jahren haben.

Den 28. Juni. Ein Tag der Nachforschungen und Entdeckungen aus vielen Gründen ein weit interessanterer Tag, als ich zu erwarten gewagt hatte.

Ich begann natürlich mit den Sehenswürdigkeiten b> y tz^Das Hauptgebäude stammt aus der Zeit jener unend­lich überschätzten Fran, der Königin Elisabeth. Im Erd­geschoße sind zwei ungeheuer lange, niedrige Galeriwi die miteinander parallel laufen und durch scheußliche Hamluu- bilder, die ich alle ohue Ausnahme verbrennen mochte, ein doppelt düsteres und schauerliches Aussehen erhalten. Die Zimmer, welche oberhalb dieser Galerwn liegen, sind in ziemlich gutem Stande gehalten, werden aber wueu benutzt. An jedem Ende des Hauptgebäudes ist ein ö'tiigel anaebaut. Der halb verfallene Flügel links (wenn man sich dem Hause iiähert), itrar einst ein allein stehendes Wohngebäude u,id wirrde im vierzehnten Jahrhundert er­baut. Ich bezeugte kein großes Interesse fürwese alte Architektur, und so gingen wir dre höfliche Haus­hälterin (die Witwe eines Pfarrers) und ich zum rechten Müqel über, der, um den witnderbaren architektonischen Mischmasch von WaMvater Park zu vollenden, zur Zeit Georgs II. erbaut war. Dies ist der bewohnbare Teil des Hauses, welcher um Lauras willen inwendig ausgebessert Und neu eingerichtet worden ist. Weine beiden Zimmer Und alle die besten Schlafzimmer liegen ttn ersten Stock Und im Erdgeschoße: das Ges eilschaftszimmer, Wohnzimmer,

Eßzimmer, eine Bibliothek und ein hübsches kleines «oa- dorr für Laura, die alle sehr hübsch nach neuer Mode ver­ziert und elegant mit all den herrlichen neuen ^uxus- aeqenständen möbliert sind. Keine von den Stuben snd an Größe und Luftigkeit mit unfern Stuben in Stntmetibge zu vergleichen; aber sie haben alte ein gemütliches Mis­sehen. Ich war nach dem, was ich von Mackwater gehört, in einer schrecklichen Angst gewesen, daß ich dort nichts als antike, steife Stühle, klösterlich bemalte Fenster, dumpfe, verinoderte Vorhänge und all jenen barbarischen Plunder finden werde, den Leute, die ohne jeg.ichen Begriff von Komfort geboren sind, ohne alle Rücksicht auf oas, was sie ihren Bekannten schuldig sind, um sich anhaufen. Es nimmt mir daher einen autzerordenlllchen Stan vom Herzen, zu finden, daß das neunzehnte Jahrhundert « diese meine neue Heimat gedrungen und dce garstige,,gute alte Zeit" aus den Pfaden meines tagrichen Lebens hier verdrängt hat.

Ich verbrachte den Morgen teils in den Zimmern des Erdgeschosses, teils außen in dem Quadrate, das von den drei Seiten des Hauses und dem hohen Eisengitt^ mll dem Tore, das es von vorne schützt, gebildet wird. Ein großer runder Fischteich mit steinernen Seitenwid einem allegorischen bleiernen Ungeheuer in der Mute bildet den Mittelpunkt des Vierecks. Der Teich ist volllr Gocd- und Silberfischchen und von dem weichsten Rasenaurtel e.u- aefaßt, den ich je betteten habe. .Nach dem Gabel srah- stück wanderte ich ohne Begleitung in den stponen warme» Sonnenschein hinaus, um mir die Parkanlagen anzusehen.

Das Tageslicht bestärkte den Eindruck vom dlbende vor­her, da'eS nämlich in Blackwater zu viele Bäume gebe, sre ersticken das Haus förmlich. Es sind meistens funge Bäume, und sie sind viel zn dicht gepflanzt, ^ch denke mir, daß vor Sir Percivals Zeiten aus der ganzen Besitzung auf sehr verschwenderische Weise Nutzholz gehauen worden und daß der nächste Besitzer voll empörter Besorgnis gewesen, dw Lücken möglichst schnell wieder zu füllen. Indem tchmich vor dem Hause umschaute, bemerkte ich zu meiner LtickLN eilten Blumengarten und gtng darauf zu, um zu sehen, was ich in dieser Richtung entdecken werde.

Der Garten erwies sich in der Nähe als klein, u'che- beutend und schlecht gehalten. Ich ließ chn htnter nnr, trat durch ein kleiner Pförtchen tn der Kecke, und befand mich an einer Tannenpsianzung. Etn hübscher, künstlicher Pfad schlängelte sich durch die Bäume und ich"schritt aus ihm weiter, wobei meine Erfahrungen tm^rden mich belehrten, daß ich mich sandigem, h^mgem ^den ttäherto. Nachdem ich wohl mehr als eine halbe Mette well: untep den Bäumen daüinspaztert war, machte der Pfad pGtzllch eine scharfe Wendung; die Baume horte« zu beidenlen auf und ich sah Mich am Rande einer großen offenen Ebene und auf den Blackwater See hinab, der dem tz<ms« diesen Namen gibt.