Ausgabe 
11.3.1911
 
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Zucker, Kwas, Aepkel, allerlei In,biß, Betten, allerlei Kleidung, Wäsche, Schuhiverk alles, tuchen nur der Mensch bedark. Und alles so viel, wie es für hundert und mehr Menschen reicht. ~er Wohltäter wühle übrigens, daß dieses Weges mcht sehr utel Men­schen zu kommen pflegten. Und er dachte: «Nun denn, mögen sie, so lange es ihnen von nöteit ist, hier bleiben, essen, trinken und was sie brauchen, nehmen. Sobald der Vorrat ausgeht, werde ich netten schassen". So tat er es, richtete alles em und ging selbst 'ort, abzuwarten, was geschehen wurde.

Und es begannen gute Leute emzukehren. Ste aßen, trattken, blieben zu nacht, mich ein bis zwei Tage oder eine ganze Woche. Slb und zu nahmen sie etwas vom Schuhwerk oder von der Klei­dung, soweit sie es nötig hatten, brachten dann das übrige in Ordnung, wie es vor ihrer Ankunft war, damit auch andere Bor- beigehende es benutzen unb dann iveitergehen konnten. Und ste hatten nur eines im Sinne: den, unbekannten Wohltäter zu danken. So ging die Sache in aller Ordnung vor sich, so lange friedliebende, gewissenhafte Me>,scheu einkehrten. Und der Wohl­täter ergänzte alle Vorräte, die die Einkehreilden genommen hatten und freute sich darüber.

Da geschah es aber, daß dreiste, freche und böse Menschen einkehrten. Sie begmmen sofort zu schmausen, sich zu vergnügen, rafften alles, tuns da war, an sich; und es entstand sofort unter ihnen Streit um das, was vorhanden war. Anfangs i'ckerhäusten sie einander mit Schmähreden, dann begannen sie sich zu prügeln; einer nahm dem anderen das fort, was er bei sich halte; sie be­gannen ans Bösiuilligkett die Gaben zu vergeuden, zu verderben, nur, damit der andere nichts davon bekäme. Und sie brachte«, es soweit, daß tveder ihnen noch bett anderen irgend etwas zu­gute kam. Unb als schon alles verborben war und sie selbst zu frieren und zu hungern unb einer die Beleibigungen des anderen zu erbulbett begannen, fingen sie an, beit Geber zu schmähen, warum er es so schlecht eingerichtet, keine Wächter angestellt, so wenig Vorräte beschafft und warum et allerlei böse Menschen zu- gelassen habe. Jeber dachte vott sich, daß er der einzig gute, die anbeten aber schlecht seien. Anbere aber sagten, baß es gar teilten Wirt gebe, baß der Einkehrhof von selbst entstanden sei. Unb so lebten biefe Leute einen, zwei, drei Tage, und als schon nichts mehr im Eiukehthos verblieben war, gingen sie erbost aus den, Hause unb waren nur batans bebacht, einer aus den anberen S schimpfen unb den Eiukehthos sowie den, bet ihn erbaut, zu mähen.

Dasselbe tun auch in der Welt die Menschen, wenn sie nickt in Gott leben; sie richten sich unb die anderen Menschen zugrunde unb benfen nicht daran, sich selbst Schuld zu geben, daß ihr Leben unglücklich ist, sondern schiebet, einer dem anderen die Schuld zu, manche aber auch Gott, weil er die Welt so schlecht eingerichtet habe, manche aber auch dieser Welt selbst, die ebenso tvie bei jenen der Einkehrhof, ihrer fflleittuttg nach, von selbst entstanden sei. Die 'Menschen müssen aber einsehen, daß die Wett nicht von selbst eiitftanben ist, .sondern baß sie der Wohltäter, (Sott, zu ihrem Wohle erschaffen hat; unb sie müssen nur' nicht bas tun, was ihr Leben verdirbt und zugrunde richtet, so wird ihnen so viel Gutes daraus erwachsen, wie es nicht mehr vorhanden ist und vorhanden sein kann.' ______________

vermischte».

Boni täglichen Leben des Prinzregenten> Luit Po Id entwirft der Münchener Prof. Graf Du Moulin-Eckart ein anziehendes Bild in einer Festschrift, die er zum 90. Geburts­tage und zum 25jährigen Regierungsjubiläum «des greisen Fürsten er!deuten läßt. Während dem verstorbenen König Ludwig Sinn und Neigung sowie seine zunehmende Verstimmung in die Ein- Samteit trieben und mehr und mehr seinem Volke entfremdeten, st der Regent von Anfang an so sehr aus seiner fürstlichen Ab­geschlossenheit herausgetreten wie sonst kaum ein Monarch. Die Pflichten der Repräsentation hat er immerdar mit seltener Hin­gebung ausgeübt. Er hat stets mit seinem Volke gelebt und unter ihm. Seine Residenz ward gewissermaßen zum gastfreiesten Hause der Hauptstadt. Stets versammeln sich Offiziere und Beamte, Wnstler und Gelehrte an seiner Tafel und finden sich dann im Arbeitszimmer des Regenten zur anregenden Plauderstunde zu­sammen, wo Prinz Luitpold den Mittelpunkt der Unterhaltung bildet, sich über alles unterrichtet und geistige Fühlung gewinnt mit weiten Kreisen seiner Untertanen. Herrscht so am Hofe die angenehmste und intimste Geselligkeit, so entfaltet sich bei den großen Hoffestlichkeiten in den glänzenden Räumen seiner Residenz ein fürstlich prächtiges und bodj ungezwungenes Treiben. Majestätischen Prunk trägt er zur Schau bei dem Feste des Ordens vom hl. Georg, bei dem der imposante Großmeister jedes Jahr den neuen Ordensherren den Ritterschlag erteilt; voller Leut­seligkeit und Liebenswürdigkeit ist er bei der alljährlichen Neu- lahrseour gegen alle, die ihm gratulieren. Frei und unauffällig, sorglos und gütig hat er sich auch stets unter seinem Volk bewegt «und sich die Liebe zu erhalten und zu bewahren gewußt, die ihm gleich bei. seiner ersten Rundreise durch das ganze Land nach Antritt der Regerstschaft aus allen Herzen zu flog. Oftmals fährt Itt m den stillen Morgenstunden nach dem englischen Garten, wo

man ihn früher so oft zu Fuß und zu Roß' mitten unter Seit Spaziergängern sehen konnte. Dann steigt er wohl aus deut Wagen unb tritt aus Ufer, um die Schwäne und Enten zu füttern^ die ihn alsbald umringen. In dem schönen Nymphenburg, seinem Lieblingsaufenthalt, ist er bei den Schwänen nicht minder gut bekannt. Als echter Waidmann ist er überhaupt ein großer Freunds der Tiere; so hat er int Kleinhesseloher See zahllose Enten ver­schiedenster und seltenster Art ein sehen lassen. Wenn er auf seinen Spaziergängen während des Sommeraufenthaltes im Ge­birge weidenden Kühen begegnet, geht er auf sie zu und streichelt sie, läßt sich auch wohl von einer Schafherde umringen, der ep dann Futter reicht. Alljährlich fährt er noch zur Winterszeit nach Berchtesgaden, um dem idyllischen Bilde der aus den ver­schneiten Waldbergen hervortretenden Rehe und Hirsche zuzu- kbauen, die zu ihren wohlvertrauten Futterstellen kommen. Mit Nymphenburg ist Name und Gestalt des Regenten aufs innigste! verknüpft; in dem alten wundervollen Park, wo auf Schritt und Tritt ihn Erinnerungen an sein ruhmreiches Geschlecht grüßen# wandert er spazieren; an Sommerabenden nimmt er das Abend­brot auf der Terrasse bet Babenburg ein, in einem engen, aus- erwählten Kreise, zu dem Wnstler und Professoren, bisweilen auch ferne Minister gehören. Diese Genossen seiner stillen Stundest sind ast ch-seine Gefährten beim Bad, das der immer rüstige könig­liche Herr (vom Frühling bis in den Herbst hinein in Nymphen­burg zu nehmen pflegt. Die von Jugend auf gehegte Freude ast Leibesübungen, zumal am Schwimmen, hat er sich bis uts hohe Alter betoaljrt. Wie ein Freund der Tiere, ist er auch ein Freund der Blumen. Er freut sich an der blühenden Pracht seiner Treib­häuser, und wenn der Schnee im Winter den Park bedeckt, dann wandelt er still und sinnend durch den Wintergarten, wo ihm die Blütenfülle der Orchideen, Kamelien und Azaleen einen ewigen Frühling entgegen trägt, den der Neunzigjährige mit seinem ewig jungen Herzen wohl nachzufühlen vermag.

* Der Hosenrvck im päpstlichen Rom. Es ivurbd berichtet, daß in den letzten Tagen auch eine Dame in Rom zur allgemeinen Verwunderung den Hosenrock öffentlich zu tragest versuchte, damit jedoch nur sehr wenig Erfolg hatte. Da tst es überraschend, zu hören, daß die Dame bereits Vorgängerinnen gehabt und daß der Hosenrock in der Geschichte des päpftiidjen Rom schon vor Jahrhunderten eine Rolle gespielt hat. In einem WerkeRegrets et untres oeuvres poetiques, das im Jahrs 1558 in Paris erschien, erhob Du Bellay bittere Anklagen gegen die verderbte Gesellschaft der ewigen Stadt und beschwerte such besonders über die Zügellosigkeit derDamen", die sich darast gewöhnt hätten, in der Oeffentlichkeit in Hosen zu erscheinen.. Grossino beschreibt in einem Briefe vom Januar 1512 das Trecken bei dem Feste des hl. Sebastian und spricht dabei von eurersehr großen Menge von Courtisanen, die ganz als Ncänner geklecker find und auf Mauleseln ober auf Pferden daherkommen". Auch Aretino erzählt, daß mehr als eine dieser Damen tu derselben Kleidung in den Straßen der Stabt umherritt. Gegen dieses Treiben vermochten auch die schwersten Strafen nicht viel aus- znrichteii, die von den Päpsten gegen die Frauen verhängt wurden, die sich als Männer ankleibeten; bie öffentliche Auspeitschung war vor allen anderen Strafen gegen solche Damen behebt. IM 17 Jahrhundert waren es, wie bie Tribuna erwähnt, zwei jo launische Geschöpfe wie Christina von Schweden und Olimprst Aldobrandini, Prinzessin von Rossano, die in Welskreisen bett Ton angaben, bie das männliche Kostüm für Damen wieder em» führten, wenn sie es im allgemeinen auch auf sportliche Ver­anstaltungen beschränkten. So waren bei den berühmtenkönig­lichen Jagden", die im Jahre 1668 von den Borghese für den römischen Adel veranstaltet wurden und an denen außer der Königin Christina höchstgestellte Damen der Gesellschaft teilnabmen, tote eine zeitgenössische Chronik erzählt,die Damen nach Manneratt gekleidet, mit dem Hund an der Hand, und da der Tag regnerisch gewesen war, so beschmutzten sie sich gehörig. Sie mürben. Pott Herren dann abgetrocknet, und der Fürst Pansilo hat Christin« wohl bedient, , ."

* Heimgeleuchtet. Meister (zu einem Kollegen, der bankerott gemacht hat, neckend):Ich wollt, ich hätte dein Geld! Kollege:Unb ich deinen Verstand, dann hätten wir bewS 7 nichts," ____________

Magisches Quadrat.

In die Felder liebenstehenden Quadrats sind die Buchstaben AABEEEEHIILLL M N N derart einzntragen, daß die wagerechten u. senkrecht.Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: 1. Emen Strom.

2. Werkzeug.

3. Französische Stadt.

4. Einen Ltederkomponisten. Auflösung tu nächster 'Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer k Flügel,Lüge.

Redaktion: «.Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, (Siebe»