Ausgabe 
11.5.1911
 
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Vornan von Georg Freiherrn von O m P t e d L, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wir hatten ein winziges Hans gemietet, das einzige, das zu haben war. Das ließen wir nicht nach üblichem Muster von einemDekorateur" aus Berlin einrichten, son­dern wir machten alles selbst. Erst das Schlafzimmer, damit wir doch wenigstens ein Gelaß für uns hätten, das in Ord­nung war. Dann folgten die anderen Zimmer. Alles stellten wir selbst, alle Bilder hingen wir beide auf. Ich stand auf der Leiter und hämmerte. Maria mit dembe­rühmten Augenmaß", wie wir zum Scherze sagten, rief: Weiter rechts höher Oefer". Und nach jedem Bilde gab es eine Freude über unser Heim, eine Bewunderung, die vielleicht andere Menschen nicht teilten, die uns aber selig machte.

Nun erst das Ereignis, als wir Gäste bei uns hatten,! Maria war aber auch zu reizend als junge Hausfrau. Drei Lage vorher begann schon die Erregung. Alles wurde mit mir besprochen: die Anzahl der Butterbrötchen zum Tee r denn- nun mögen andere, die Diners von vierundzwanzig Personen geben, über unsere Aufregung lachen es war nichts als ein Dee! Dann, ob nur der Bursche servieren oder auch die Jungfer helfen sollte, am Ende gar die Stall- ordonnanz? Doch nein, das war ein braver pommerscher Junge, der die Pferde blank hielt wie einen Spiegel, aber aufwarten konnte er nicht. Ich glaube, er hätte sofort beim Eintreten den Tee tisch umgerissen .!

Endlich rückte der große Tag heran. Marias Mutter hatte aus Berlin allerlei Süßigkeiten geschickt, die wir in silberne, durchbrochene Körbchen, das Hochzeitsgeschenk eines Freundes, verteilten. Das Teewafser summte, denn es sollte »Acht draußen aufgegossen werden, Maria wollte ihre schöne Teemaschine zeigen, die sie von den Eltern bekommen hatte. Ich hatte für die Herren in meinem Zimmer Zigarren bereit- gestellt. Wir beide standen im Wohnzimmer dem Raume, in dem wir lebten denn MariasBoudoir" betrat sie fast nie. ., ,

i1 Es ist nur da, weil ich dje hübschen Rokokomöbel habe fe pflegte sie zu sagen.

Sie war einfach gekleidet. Nie zog sie sich wie eine Mo'dÄdame an nie aber sah sie altmodisch aus oder ver­nachlässigt. Ihr stand alles, was sie nur anlegen wollte, denn alles wußte sie auf besondere Art tragen, so daß ich immer das Gefühl hatte: das besitzt nur sie so und keine andere. Sie verstand die Hüte 'zu biegen, zu drehen, und ne bekamen dadurch eine völlig andere Gestalt. Sie zog Falten und Falbeln zurecht, daß sie für ihre Größe paßten. Ms wählte Farben, die wie eine Ergänzung zu ihrem schwar­zen! Haar,, zu ihrer weißen Haut stimmten,.

Wie sie so dastand neben der summenden Teemaschine, konnte ich nicht anders, fiel ihr um den Hals und küßte sie zum Ersticken. Sie rief zwar empört:

Du zerdrückst mich ja ganz! ,

Aber sie war nicht böse. Wir hatten auch noch Zeit, Lis die ersten Gäste wirklich kamen. Als sie dann erschienen nur Herren und Damen vom Regiment . kam Maria ihren Hausfrauenpflichten nach, als hätte sie nie anderes getan. Sie saß bald hier, bald dort unter den Gästen Und redete mit ihnen, als kennte sie alle seit Fahren. Sie führte die zusammen, die besonders zueinander paßten. Sie trennte solche, von denen bekannt war, daß sie sich nicht ver­standen. Sie wußte aus alle Leiden Md Freuden dieser Men­schen einzugehen, die von sich oder vom Nächsten erzählten mit jener Wichtigkeit kleiner Orte, wo das Geringste zuM Ereignis wird.

Dabei blickte sie mich! ab ilnd zu an, Und es war, als fühlten wir beide den Augenblick, denn zu gleicher Zeit suchte auch ich ihren Blick. Unfr im Grunde hatten wir beide nur einen Gedanken. Als ich neben sie zu stehen kam, flüsterte sie ihn mir ins Ohr:

Wenn wir doch erst wieder allein wären!

Mir ging es durch alle Glieder, es durchzuckte mich tote ein elektrischer Schlag: eine unendliche Sehnsucht überkam mich, wieder allein zu sein mit meinem Weibe. Den Augen­blick konnte ich nicht mehr erwarten, daß die Gäste uns ver­ließen. Am liebsten hätte ich jeden einzeln gefragt:Wieviel Uhr ist es eigentlich?" oder:Sie versäumen doch nichts?" Mir brannte der Stuhl. Mich quälten die Dienstgespräche der Kameraden; das Gerede der Damen über die Bekannten, die Mode, die Gesellschaften hätte mich rasend machen können! Und immer, immer noch fanden unsere Gäste nicht den Weg zur Tür. ,

Endlich standen einige auf. Einzelne gingen. Andere setzten sich von neuem, und ich blickte Maria verzweifelt an. Es waren Damen, die meiner Frau eigens beweisen wollten, daß mau sich angenehm bei uns fühlte und bestrebt war, ihr näher zu kommen. Es waren liebe, gute Menschen, über die wir uns hätten freuen sollen, die unsere Ungeduld, nicht verdienten.

Doch als wir endlich die letzten Gäste, den Major mit einer Frau, zur Tür geleiteten und als das Ehepaar, fast >chon draußen, noch einmal umkehrte, um uns für den kommenden Sonntag zu Tisch zu bitten, da hätte ich fast Nein" gesagt, nur ntn sie los zu werden. Wir taten aber anders; nach einer kurzen Verständigung durch einen Blick nahmen wir an. Dann: Händedruck und Handkuß, die Dur fiel zu, urrd wir traten in das Wohnzimmer zurück. Sobald wir allein waren, hielten wir uns umschlungen und küßten einander, als hätten wir uns viele lange Jahre nicht ge­sehen. Dann aber kam die Glückseligkeit des BewußtseinK über uns, daß wir wirklich wieder für uns waren. Wir be- aannen zu tanzen wie auf dem Ball. Wir drehten uns unter deut Kronleuchter im Kreise auf dem Teppich. Und als de<