Ausgabe 
1.5.1911
 
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eilte Selman »ttr Tür und -öffnete sie uni etwa einen , Spalt. Vielleicht war es möglich, zum Sckmß, zu kommen. Aber rn dem­selben Augenblick bebte unsere kleine Hütte unter einem gewaltigen Schlage, der die Tür fast aus den Angeln rifj,. Selman wurde zurückgeschleudert und das Gewehr entglitt seinen Händen, yunt Glück konnte ich sofort den Riegel wieder vorlegen, aber dieser plötzliche Schlag war uns unerklärlich und wir starrten uns kratlos an, bis ein leises Knacken über unseren Häuptern das Rätsel löste. Die schlaue Panthermuther saß auf dem Dache Unserer Hütte, unmittelbar über der Tür und wartete darauf, den ersten, der das Haus verlassen würde, durch einen Schlag ihrer mächtigen Pranken niederzuschmettern. Wir wagten uns nicht mehr hinaus, und jene Nacht in unserer kleinen Bretter-' bude, das furchtbare Raubtier nur durch eine Minne Holzwand von uns getrennt, werde ich nie vergessen." Aber die Panther- Mutter, die mit furchtloser Schlauheit nun einmal den Kampf um ihr Junges ausgenommen hatte, brachte es schließlich doch fertig, die beidenKinderräuber" zu überlisten, trotz Gewehr und Menschenklugheit nahm sie Rache und blieb schließlich Siegerin. Mit Wiederkehr des Tageslichtes war der Panther verschwunden, jäber rm nahen Gehölze hörte mau ihn heulen, es war, als locke er die Feinde zu seiner Verfolgung. Die beiden Männer schlossen das Haus und von ihrem Jagdhund begleitet, folgten sie, Gewehr ßn Hand, der Fährte des Raubtieres. Sie führte in immer größer werdenden Kreisen rund um das Haus, der Hund gibt plötzlich Laut, stürzt ins Dickicht, dann tiefe Stille. Als die Jäger endlich mit größter Vorsicht ins Gebüsch eingedrungeu sind, liegt der treue Hund mit zerschmettertem Schädel und Rückgrat in seinem Blute: die Pantherniutter ist verschwunden. Sie hat die beiden Feinde fortgelockt, um inzwischen einen Versuch zu Machen, in das Gefängnis ihres Kindes einzudringen; als man hastig zum Hause zurückeilt, zeigt die Tür die Spuren des er­duldeten Angriffes. Wer diesmal hat sie noch widerstanden. -Wir müssen die Bestie sofort überlisten, wenn nicht noch größeres Unheil geschehen soll," so lautet der Beschluß der ihres treuen Hundes bereits beraubten Jäger. Sie tragen nun das in einem Fasse eingesperrte Junge hinaus auf die Alles vor dem Hause, suchen im Inneren der Hütte Deckung und warten auf den Augen­blick, da die Panthermutter dem Schreien ihres Kindes nickst widerstehen und zu dem Füsse eilen wird, um ihr die tödliche Kugel zu geben. Aber im Kampfe um ihr Junges wird das Raubtier listiger als ihre Feinde. In dem hinter der Hüthe liegenden Stalle ertönt plötzlich ein furchtbarer Lärm, ein Stöhnen, ein Fauchen und dann tiefe Stille. Die beiden Jäger stürmen heraus, rollen schnell die Tonne mit dem Pantherjungen in die Hütte zurück, schließen die Tür und eilen znm Stall. Ihre einzig« Milchkuh liegt tot am Boden: vom Panther keine Spur. Hastig folgen die Jäger den Abdrücken der Tatzen durch den Sand: sie führen in den Wald, beschreiben wieder einen großen Bogen und nach etwa einer Viertelstunde wenden sie sich von neuem direkt der Hütte zu. Als die beiden Männer ihr Haus wieder erreichen, tst die Tür aus den Angeln geschlagen, das Faß zertrümmert und das Pantherjunge verschwunden. Die Panthermutter hatte gesiegt.

vermischtes.

* Eine mexikanische Jungfrau von Orleans. Wenn auch die mexikanischen Insurgenten für europäische Begriffe auf militärische Heldentaten kaum zurückblicken können, so haben sie wenigsten doch ihreJungfrau von Orleans", ihre junge Heldin, die den Kämpen in die Schlacht vorausreitet und eine vorbildliche Unerschrockenheit und Tapferkeit an den Tag legt. Die junge Dame, die den Oberbefehl über eine der rührigsten Banden führt, ist die Senorita Dona Margarita Neri, Tochter des Generals Neri, der 1898 bei einer erfolglosen Revolution fiel und von dem die Tochter alle Vorliebe für irische, fröhliche Aufstände geerbt hat. Fräulein Neri, die von ihrer getreuen Gefolgschaft vergöttert wird, zählt 18 Jahre und hat erst vor 6 Monaten das Kloster verlassen, in dem sie ihre Erziehung genossen bat. Sie ist Besitzerin eines nach Millionen zählenden Vermögens, von dem sie bereits stattliche Summen für die Revolutionäre geopfert hat. Die Bande, die unter ihrem Befehl steht, ist von ihr selbst ausgerüstet worden und in den roenigen Monaten seit dem Verlassen des Klosters hat das temperamentvolle Fräulein sowohl mit dem Pferd, als auch mit dem Gewehr umzngehen gelernt. Alle ihre Leute sind mit amerikanischen Schnellfeuergewehren und Revolvern bewaffnet. Fräulein Neri hat ihre Bande schon mehrfach ins Treffen geführt und eine ganze Reihe mehr oder minder blutiger Scharmützel mit den Regierungstruppen bestanden. Wo immer Kugeln pfeifen, ist sie an der Spitze, und da sie bisher noch nie trotz ihrer Tollkühn­heit eine Verwundung davongelragen hat, spinnt der A b e r g l a u b e bereits seine Legenden um die Gestalt der jungen Amazone. Ihre Leute halten sie für tniverwnndbar. Margarita Neri ist ein un­gewöhnlich hübsches Mädchen, wenn auch von ausgesprochen in­dianischem Typus, denn von mütterlicher Seite stammt sie von einer Indianerin aus Gnerero ab. Sie spricht neben ihrer spani­schen Muttersprache fließend englisch und französisch und hat sogar einige Kenntnisse in der alten Nahuati-Mundart, der Sprache ihrer indianischen Borfahren.

"Der Schlaf der Fische. Es wäre eine fesselnde Auf" gäbe, zu versuchen, wie iveit das Schlafbedürfnis in der Lebewelt verbreitet ist. Die Säugetiere schlaien sämtlich, ebenso Vögel, Rep­tilien und Amphibien. Dagegen galt es früher als sicher, daß die Fische nicht schlafen. Erst in den letzten Jahren sind ivenigstens bei einigen Fischen Beobachtungen gemacht worden, die den Nach­weis liefern, daß auch sie wenigstens einem schlafähnlichen Zustand zeitiveise unterworfen sind. Alle darüber bisher gemachten Erfah­rungen hat Dr. Reuß in derAllgemeinen Fischerei-Zeitung" zu­sammengestellt. Der erste, der den Schlaf der Fische festgestellt hat, war Boulenger, und dieser Forscher ermittelte auch bereits, daß die Fische sich dabei auf die Sette legen. Tr. F. Werner hat dann ähnliche Ermittelungen an verschiedenen Arten der Welse, am Schlammpeitzger und am Steinbeißer gemacht. MancheWelse nehmen während des Schlafs eine halbmondförmig gekrümmte Stellung ein, wie man sie gewöhnlich an den Schleien sieht, wenn sie gekocht auf die Taiel kommen. Tie Fische verhalten sich im Schlaf so regungslos, daß man sie auf den ersten Blick sür tot halten muß. Es hat sich aber gezeigt, daß sie trotz scheinbar völ­liger Unterbrechung der Almungsbewegungen ganz gesund waren und eben nur schliefen. Eine recht genaue Untersuchung hat dann Romais an den sonderbaren Fischen ansgeiührt, die als Maul- brüter bezeichnet werden, weil die Weibchen die Eier so lange in ihrem Maul tragen, bis sie zu kleinen Fischchen ausgebrütet sind. Auch diese Fische schlafen, indem sie sich ganz auf die Seite legen, jedoch zeigen die Bewegungen der Kiemendeckel an, daß bei ihnen die Atmung nur wenig herabgesetzt ist.

Leuchtende Termitenhügel. Vor vielen Jahren beobachtete Herr Frederick Kuab in Amazonien leuchtende Termtten» Hügel. Er sah diese Erscheinung zlim erstenmal auf einem nächt­lichen Waldspaziergang in der Umgebung von Santarem in Brasi­lien. Unter de>i Bäumen herrschte vollkommene Dunkelheit. Plötzlich wurde eine leuchtende Fläche bemerkbar, die aus unzähligen Punkten phosphoreszierenden Lichtes bestand. Diese Punkte schienen ihre Lage zu wechseln und ineinander überzugehen und bildeten aus diese Weise glänzendere Flecke, die sich beständig auflösten und wieder erschienen. Tie den Beobachter begleitenden Eingeborenen erklärten, daß das Licht von den Termiten erzeugt werde. In der Tat gehörte die leuchtende Fläche einem großen Termitenhügel an. Ter genannte deutsche Ansiedler sah späterhin noch verschiedene derartige leuchtende Termitenhügel, konnte aber, wie in der Wiener ZeitschriftUrania" ansgeiührt wird, niemals seststellen, ob die Insekten selbst die Leuchlkörper sind. Dagegen Hai Joao Severiano da Fonseca in einem schon 1880 eridnenenen Reiscwerk über Brasilien mitgeteilt, daß er im Staate Malta Grosso em Ter- mitennest wie mit Sternchen bedeckt gesehen habe, das einem kleinen, glänzend erleuchteten Turme glich. Als mit einem Stock darausgeschlagen wurde, gingen die Lichter sofort uu§, erschienen aber nach und nach von neuem, und zwar zunächst dort, wo die Schläge am schwächsten waren. Auch Castelnau hat in seiner Reisebeichreibung über die zentralen Gebiete Südamerikas einen solchen ' leuchtenden Termitenhügel beobachtet. Tie Erscheinung wurde nach seiner Ansicht von einer Unmasse kleiner phosphores­zierender Larven hervorgebracht, die sich in ihre Gänge zurück- zogen, wenn versucht wurde, sie zu sangen. Es scheint demnach das Leuchtvermögen auf besondere Arten von Termiten beschränkt zu sein oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen des Termiten- lebens aufzutreten.

* In der Schul«. Lehrer:Was versteht ntton denn unter Tagesgrauen?" Schüler:Wenn man Mlfstehen muß!"

* Stoßseufzer.Ihr« Frau ist di« reine Eva." Ja, aber leider braucht sie mehr und teurere Kleidung als jene.

* Der schalkhafte Fechtbruder. Bettler (der von der Hausfrau eine etwas stark gesalzene Suppe erhalten hat): Ach, gnädige Frau, die Suppe erinnert mich so scheen an meine Militärzeit; mein Schatz von dunnemals war nämlich genau so verliebt in mich."

Skat-Ausgabe.

Hinterhand reizt bis Solo, weshalb Mittelhand Null ouvert spielt mit folgenden Karten:

Q <2 <2 <2 Q <2

O Oxfr

o

V <7

<2V<2

-2 Q

Q <2

Vorhand hat acht Angeii in ihren Blättern mehr als Hinter' Hand. Das Spiel geht verloren, obgleich die übrigen Pique nicht gufammen stehen.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Palindroms in voriger Nummer r Nebel, Leben.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»