Ausgabe 
30.10.1907
 
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Mittwoch de« 30. Hkioker f #4

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Auf der cigenm Spur.

Kriminalroman von Otto Ho ecker-

(Nachdruck verboten.)

Unterbrechen wir uns einen Augenblick," schlug Hanse manu vor. Er trat an das hurtig von Rokohl geöffnete Kleiderpaket heran.Pfui, will denn dieser abscheuliche Chloroforingeruch gar nicht weichen!" rief er unmutig.

Witte blickte betreten.Meinen Sie damit mich, Herr Rat?" Sie? Wie kommen Sie auf eine solche Vermutung?" Weil ich in der Tat etwas Chloroform bei mir trage. Meine hohlen Zahne machen mir zu schaffen und zum Ziehenlassen bin ich zu feig."

Er wies nach kurzem Besinnen eine winzige Phiole vor, welche er aus der Westentasche zog und, wie Hansemaun mit flüchtigem Blick entzifferte, einer in Berlin W. befindlichen Apotheke ent­nommen.

Sie scheinen ja auf Chloroform versessen zu sein!" konnte der Rat zu bemerken sich nicht enthalten.

»Ich wieso?"

Er bekam keine Antwort; ärgerlich über seine Unvorsichtig­keit beugte sich der Rat tiefer über die Kleider.Da schauen Sie einmal her, Herr Witte! Kennen Sie den Frack etwa?"

Tic Kleider riechen allerdings widerwärtig nach Chloro- frm", beftätoigte nun auch der junge Maler, indem er den Frack zur Hand nahm und ihn eingehend besichtigte.Aber natürlich!" rief er gleich darauf.Tas ist mein Eigentum . . . hier unter dem Aufhänger ist ja auch Bonjours Firma, auch auf den Patcntknöpfen der Beinkleider muß sie sich finden . . . stimmt! Ueberzeugen Sie sich selbst, Herr Rat! Nein, für so niederträchtig hätte ich Schuhmacher nicht gehalten!"

Sie nehmen also ohne weiteres an, daß Ihr bcshcriger Zimmerwirt Ihnen den Gesellschaftsanzug ausgespannt hat?" fragte Hansemann rasch.

Aber natürlich. Er hat ihn vorgestern nacht sicherlich angchabt, wie käme er sonst hierher das ist doch einleuchtend!"

Tas war es freilich. Immerhin fragte der Rat nochmals: Sind Sie fest überzeugt davon, daß Frack und Weste Ihnen gehören?"

Ich werde doch meine Kleider kennen, Herr Rat, noch dazu mein bestes Zeug! Ich habe den Anzug iwch nicht einmal bezahlt!"

Verhält sich die. Geschichte mit dem Anzug so, dann muß der Tote mit diesem Schuhmacher identisch sein!" warf nun Kommissar Thvmmen ein.

Das sollte man allerdings meinen!" brummte der Rat, die Hand an der Stirn.Was sagen Sie dazu, Walden?"

Der Gefragte zog die Achseln hoch. Er hielt den eben forschend auf ihm ruhenden Blick seines Vorgesetzten gelassen aus. Was soll ich dazu sagen, Herr Rat?" fragte er zurück.Ich kann nur bei meinen, die lautere Wahrheit enthaltenden Air­gaben bleiben. Wie sich die Sache mit dem Frackanzug, den Herr Witte als sein Eigentum reklamiert, verhält, vermag ich flicht zu entscheiden. Jedenfalls ist der Tote nicht identisch mit

Schuhmacher, denn diesen habe ich persönlich reichlich 12 Stunden! vor geschehenem Verbrechen nach dem Lehrter Bahnhof begleitet und abfahren sehen."

Bliebe die Annahme übrig, daß er wieder zurückgekehrt: sein muß", schaltete Timmen wiederum ein.

Wer nein, das ist ausgeschlossen!" ereiferte sich der Detek­tiv.Ich sagte schon, daß die Aehnlichkeit zwischen beiden nut oberflächlich iss so gering, daß sie sogar mir entging . . . und ich kenne Schuhmacher genau!"

Wir haben ja auch die Bilder aus dem Verbrecheralbum", meinte der Rat nachdenklich. Er wendete sich wieder an bett Detektiv.Sie haben die Bilder gestern wieder zurückgebracht?"

Allerdings. Der Kommissar war freilich schon weggegangeü, ich legte sie deshalb auf sein Arbeitspult und verständigte davon den gerade mit Bureauschluß beschäftigten Nuntius."

Nun, das ist wohl dasselbe." Hansemann wendete sich an den Kommissar.Vielleicht bemühen Sic sich und besorgen die Bilder. Ich möchte sie Herrn Witte einmal zeigen."

Als Thvmmen gegangen war, wendete sich der Rat wieder an den jungen Maler.

Er winkte Rokohl heran, der darauf zu brennen schien, gleichfalls etwas zu äußern.

Darf ich etwas sagen, Herr Rat?" erkundigte sich der Schutzmann.

Immerzu. Was betrifft es denn?"

Ich meine nur, ich weiß jetzt, wie der Schauspieler hieß, von dem ich gestern sprach . . . wie der Herr dort" er wies auf Witteden Namen nannte, wußte ich sofort Bescheid. Er hat recht. Der Tote hieß zu seinen Lebzeiten Schuhmacher. Unter diesem Namen hat er auch im Bellealliance-Theater im letzten April mitgcspielt. Das werden auch noch die Theater­zettel ausweisen." Er wendete sich an den unbeweglich noch immer auf seinem Platze verharrenden Detektiv.Sie müssen sich doch erinnern können^ Herr Walden. Ich habe Sie mit dcml Schuhmacher häufig genug zusamdnen gesehen. Ich habe Sie auch begrüßt. Das müssen Sie doch noch wissen."

Der Detektiv schaute ihn ruhig an.Das bestreite ich auch garnicht, zumal ich an mjeinem Freunde Schuhmacher immer reges Interesse genommen habe. Nach wie vor stelle ich dagegen entschieden in Abvcde, daß der durch die Bildkarten aus dem Verbrecheralbum als internationaler Einbrecher gekennzeichnete, in vorgestriger nacht gewaltsam um's Leben gekommene Mann! mit Gustav Schuhmacher identisch ist."

Vielleicht irren Sic doch," suchte Hansemann seinem Unter­gebenen zu Hilfe zu kommen,mag sein, dieser Schuhmacher führte ein Doppelleben. Er kann hier in Berlin rnhig unter seinem bürgerlichen Namen gelebt und wies eine abenteuer-, liche verbrecherische Existenz gefristet haben freilich, dann erstaunts mich doch wieder, daß Sie die Leiche nicht wieder^ erkannt haben, sollen!"

Walden zuckte unmutig mit den Schultern.Ich weiß gap, nicht, was ich zu alledem sagen soll!" begehrte er mit zuckenden Lippen auf.Ich werde da zu meinem. Befremden von einer Seite frivol verdächtigt, die nur zu guten Grund hätte, aus