Mr. 17
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Wenjchcnleöen, die lügen.
Roman von H. Ehrhardt, Verfasserin von „Mittellose Mädchen'
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
Zum ersten Male vibrierte ein wirklich echter Herzenston durch ihre halblaut hervorgestoßenen Morte. Ter Ton rvars einen Feuerbrand in sein mühsam verschanztes Innere; er begriff, das; es nicht an ihm liegen würde, wenn er seiner Leidenschaft unterlag, Und das verbitterte ihn immer mehr.
„Mir ist nichtsI' sagte er abweisend, „höchstens^bin ich etwas überniüdet von der Felddienstübung heut &ie verschwenden Ihre Güte an einen Unwürdigen, gnädige Frau.'
„Das ist meine Sache "
Dee junge Frau sprach leicht verletzt.
„Ich glaube Ihnen nebenbei mcht. Soll ich Ihnen sagen, was Sie mit sich Herumtragen? Sie haben gespielt Sonntag in Berlin und — verloren.'
Er neiate fast spöttisch den Kopf.
„Ta Ihnen die Gabe des HeUsehcns verliehen ist, wage ich nicht zu widersprechen."
Er konnte sich eines leichten Grauens nicht erwehren.
Können Sie bezahlen?' inquisitierte Hanna weiter. .
„Menn ich meinen „Ganymed" bis morgen mittag nicht verkauft habe, bleibt nur noch der Wucherer."
Hanna machte eine Bewegung des Erschreckens.
„Warum offenbaren Sie sich denn nicht lieber Ihrem 93 eiter ?n
„Nie, nie!" stiess er hervor mit förmlich entstelltem Gesicht,'„ehe ich das täte, ginge ich lieber elend zugrunde."
„Aber was soll daraus werden, Baron? Sie vernichten ja gewaltsam Ihre ganze Exislenz. Sie machen sich «"(stuck-- lich. Wer soll Sie denn mal aus den Händen der Wucherer retten?" .
Ein Lächeln, das etwas Befreiendes hatte, zog über sein blasses, stolzes Gesicht.
„Die Lösung liegt sehr nahe, gnädigste Frau. Für ein Leben, wie das meine, ist die Pistole ja doch nur eine Frage der Zeit." , , r. ,
Ein Erschauern lief durch ihre Glieder, aber sie be- & Da weiß ich eine bessere Lösung," sagte sie schnell, leise, „eine reiche Frau." , ..
Ein empörtes Aufleuchten durchbrach euren Moment die starre Spälte seiner Augen. Sie'sah es nicht mehr. ,
Ihnen entgegen sprengten jetzt die anderen Cffatere und Rittmeister von Klast parierte znm Entzücken ^mer kleinen Frau als erster sein Pferd vor dm Zurückgebliebenen, sichelnd
'leckte ihm Hanna den Veilchenstraub, welchen das kleine Töchterchen des Wirts ihr im Garten gebracht hatte, zwischen die Knebel seines Attila. Als er sich zum Dankeskuß übet ihre Hand neigte, war es Joachim zumute, als müsse er sich auf ihn stürzen.
Es machte ihn geradezu verrückt, wenn zemand sie an-, rührte. Seine Liebe grenzte an Raserei — war Raserei, gern ganzes Wesen war gesättigt und durchglüht von dieser Leidenschaft, die seine Nächte schlaflos machte, seine Tage ruhelos. , ■<. ex
Seine zerrüttete Gemütsverfassung hatte ihn auch neulich dem Laster des Spiels in die Arme getrieben — es war nur der natürliche Lauf der Dinge und gehörte mit zu dem lügnerischen Aufbau seines verfehlten Lebens. Es war der Anfang vom Ende.
Am nächsten Tage, da er eben im Begriff stand, einen in Osfizierskreifen ebenso bekannten als gefürchteten Geldver- lei Her aiifzusuchen, der ihm, dem Sohne eines reichen Vaters anstandslos jede Summe gegen hohe Prozente vorstrecken würde, trat Trenk ins Zimmer nnb meldete etwas unbeholfen : „ _ , .
„Herr Landrat Gerhardt lvünscht den Herrn Leutnant zu sprechen."
Ter junge Offizier starrte den Sprecher so erstaunt, ja förmlich entsetzt an, das; der arme Kerl piiterrot wurde, weil er stets in Angst schwebte, er habe irgend eine Dummheit gesagt oder gemacht. .
" ' Seme Befürchtung erwies sich diesmal als grundlos. Mit der Weisung, den Herrn Landrat hereinzuführen, entließ sein Herr ihn und er trappste aus dem Zimmer.
Joachims Kopf wirbelte vor tausend Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, mit denen er den Besuch des Landrats be- glÄndetc. Er dachte an Ungeheuerliches in seinem schuldbewußten Gewissen — aber der wahre Grund schmetterte ihn geradezli nieder. Oskar Gerhardt wollte den „Ganymed kaufen. , „ c r,.f .
Der junge Offizier wurde erst totenbleich, dann glühend rot. Er wollte aufschreien, dem Ahnungslosen ins Gesicht schleudern, das; er sich nicht retten lassen mochte von dem Mann, den er im Geiste um sein Liebstes betrog, er wollte sich wehren gegen die neue Fessel, welche Hanna mit dieser gut gemeinten Hülse um ihn schlang — aber der Lcmdrat sah ihn so befremdet an.
„Hat meine Frau Sie vielleicht mißverstanden? Fst das Pferd nicht käuflich?"
Da nahm er sich zusammen.
.Es steht zu Ihrer Verfügung, Herr Landrat."


