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Er war gräßlich rmliebeuZivürbig, so gemessen und kalt wie nur je — er konnte nicht anders. Er konnte dein Manne vor sich auch nicht ins Ange sehen.
Der Landrat ahnte nichts von der Rotte, welche er spielte. Hanna hatte ihm nur erzählt, daß Tressenberg seinen braunen Wallach verkaufen wolle, der vorzüglich als Einspänner gehe. Er hatte ihr sofort angeboten, das Pferd für ihren Selbttkntschierer zu erstehen und sie hatte wie ein ungeduldiges Knib, das die Erfüllung eines versprochenen Geschenks nicht erwarten kann, so lange geschmeichelt, bis er sich entschloß, den Freiherrn sofort aufznsnchen.
»Bezahl' ihn nur anständig, Schah!" hatte sie noch gesagt, „er hat so 'ne knappe Zulage."
Er hatte sie geküßt.und erividcrt:
„Als ob ich je knauserte, kleines Schäfchen, besonders wenn es dir eine Freude zu machen gilt."
Und so zählte er anstandslos 2000 Mark in Kassenscheinen vor den Freiherrn hin. Der stand dabei und starrte auf die blauen, unscheinbaren Papiere und wußte: das ist die Rettung, und doch war's ihm, als verspiele er in dem Moment erst seine ganze Existenz.
Er bemühte sich, liebenswürdiger zu sein, ließ von Trenk eine Flasche Wein bringen und versiichte, eine banale. Unterhaltung zu führen. Wie immer, ivenn er sich dazu zwang, verfiel er in einen leichtfertigen, arroganten Ton, mit dem er sich selbst gleichsam verhöhnte.
Der Landrat trank auch nur aus plirer Höflichkeit sein Glas ans und empfahl sich bann. Im Hofe ließ Joachim ihm noch den „Ganymed" vorführen, aber er gestand lachend, daß er absolut kein Pferdekenner sei und sich bei diesem Kauf völlig auf das Urteil seiner Frau verlassen habe. Dann trennten sie sich in der förmlichsten Weise.
Sehr eilig, beim es galt, eine versäumte Arbeitszeit nachzuholen, schritt Oskar Gerharbt seinem Heim zu.
Auf der Treppe kam ihm Hanna, zum Ausgehen an» gekleidet, entgegen.
„Run?" fragte sie gespannt. Er iah sie gutmütig zärtlich an.
„Großes Kmd!" neckte er, den Arm um ihre Taille schlingend, „sei gefaßt, der Freiherr verkauft den Gaul nicht".
„Unmöglich!"
Sie wurde glühend rot und entzog sich fast unwillig seiner Umarmung.
Er lachte herzlich.
„Unmöglich? Du meinst, dir dürfe niemand einen Wnnsch versagen? Nun, beruhige dich, in einer Stunde wird der Ganymed in unserem Stall sein."
-Ah!"
Ein befreites Aufatmen hob ihre Brust, ihre Augen leuchteten. Sie warf sich dem überraschten Männe an den Hals und küßte ihn mit einem Ungestüm, den er noch nie an ihr bemerkt.
„Du guter Mann!"
„So sehr freust du dich, kleines Närrchen?" Er sprach wie man zu einem Kinde spricht. „9iun, das entschädigt mich für die letzte halbe Stunde. Wenn du wieder einmal etwas zu besitzen wünschst, so suche dir um meinetwillen einen angenehmeren Verkäufer aus. Der hochmütige Lasse, dieser Tressenberg, tat wahrhaftig, als erweise er mir noch eine Gnade damit, meine 2000 Mk. anzunehmen. Wäre nicht Aussicht vorhanden, ihn noch mal in die Verwandtschaft zu bekommen, ich würde ihn in Zukunft höllisch abfallen lassen."
Hanna zog langsam den dichten weißen Schleier über ihr Gesicht.
„Ja", sagte sie, „ich würde dir's nicht verdenken. Es ist geradezu merkwüdig, wie das nette, bescheidsne Mäbel, die Marga, zu diesem eingebildeten Bruder kommen konnte. Aber abje, Schatz, ich will noch vor Tisch einen Besuch machen und da ich es bei dem schönen Wetter vorziehe, zu Fuß zu gehen, muß ich eilen."
Im Hinabgehen ivars sie ihm noch eine Kußhand zu und er stand und sah ihr beglückt nach, bis die Haustür hinter ihr ins Schloß fiel. (Forts, folgt.)
Aie Arequenzvrljä'ttnksse an der Gießener Mni- vikstlät tm 3 Iußrönndert ihres Besteh ns.*) (Original-Artikel der „Gieß. Fam.-Bl.").
Die Gießener Hochschule wurde 1605 eröffnet mit 200 Scholaren des Pädagogiums unb 70 Studenten am „Gymnasium illustre". Bald nach dem Ausbau zur Universität im Jahre 1607 zählte die Anstalt 150 Studenten, welche Zahl sich in den folgenden Jahren aus 300 steigerte, lieber die Stärke des Besuches an der Universität Meßen während ihres Verweilens in Marburg von 1626—1650 fehlen uns genaue Nachrichten. Nach Rückverlegung der Universität von Marburg nach Gießen im Jahre 1650 hob sich durch die Wiederkehr besserer Verhältnisse nach den 30jährigen Kriegswirren der Besuch der Hochschule, sodaß man bet der ersten Jubelfeier im Jahre 1 7 0 7 etwa 500 Studenten zählte. Von der Mitte des 18. Jahrhunderts an bis zum 2. Jahrhundert des Bestehens der Universität im Jahre 1807 sank infolge der politischen Verhältnisse die Zahl der Studierenden aus 120 herab.
Nach den Freiheitskriegen und dem Eintritt geordneter Zustände in Deutschland besserten sich auch die Verhältnisse an den Hochschulen. 1817 zählte die „christlich- teutsche Gießener Burschenschaft" allein 60 Mitglieder, und nach verschiedenen Wandlungen war die daraus hervor- gegangene Burschenschaft Germania im Jahre 1821 auf 175 Mitglieder angewachsen. Da diese Studentenverbindung damals das Uebergewicht au der Hochschule hatte, so läßt sich wohl annehmen, daß die Gesamtzahl der Studierenden um diese Zeit 300 betrug.
Bon 1823 an sind wir über den Personalstand der Universität näher unterrichtet. Die Frequenz steigerte sich Von S. 1823 bis S. 1829 von 311 auf 558 und Wies damit die höchste Zahl seit Gründung der Hochschule auf. Diese gesteigerte Besuchsziffer war nicht allein der Wirksamkeit Liebigs zu verdanken; denn die Chemiker scheinen damals noch den Philosophen zugezählt zu sein, die im ganzen nur 20 ausmachten. Vielmehr ist damals eine ganz bedeutende Zunahme bei der theologischen, juristischen und medizinischen Fakultät festzustellen. Die Zahl der Theologen war von 8 8 auf 114, die der Juristen von 149 auf 2 4 7, die der Mediziner von 53 auf 87 in diesem Semester angewachsen. Theologen und Juristen weisen 1829 die höchste Frequenzziffer während des 300jährigen Bestehens der Universität auf. Neu waren dazu gekommen S. 1829; 52 Studierende der Forstwissenschaft.
Von 1829 an nimmt der Besuch der Hochschule wieder stetig ab, sodaß W. 1836/3 7 die Frequenzziffer auf einem Tiefstand von 290 augelangt war. Der Rückgang läßt sich nur aus der, durch die vorausgegangene Ueberfüllung hervorgerufenen, mißlichen Lage in den einzelnen Berufen erklären. Am meisten wurde von dem Rückgang die juristische Fakultät und das forstwissenschaftliche Institut betroffen, die gegen ihren früheren Bestand von 1829: 194, bezw. 24 Hörer im Semester einbüßten.
Von 1837 an hebt sich der Besuch der Hochschule wieder, sodaß er S. 184 7 mit 5 70 den Höchstbestand während eines Zeitraumes von 240 Jahren aufweist. Damit ivar ein Höhepunkt eingetreten, der erst wieder nach 40 Jahren erreicht werden sollte.
S. 1861 war die Zahl der Studierenden wieder auf 335 gesunken, und 18 6 9 mußte der derzeitige Rektor Professor Dillenius in seiner Rede am Stiftungsfest klagen, daß man wieder auf dem Tiefstand von 1837, bei der Zahl 290, angekommen sei. Während der 70er Jahre konnte sich der Besuch der Hochschule nur wenig heben; W. 1879/80 schloß mit einem Bestand von 353. Erst von 1880 an macht sich ein allmähliches Steigen wieder bemerkbar. Das Wintersemester 1882/83 eröffnete mit 447 Studenten; S. 1889 war die Höchstziffer seit dem Bestehen der Universität mit 616 erreicht. Von 1890 an nahm der Besuch wieder ab, sodaß man W. 18 9 4/9 5 aus 5 28 angelangt war. Von W. 189 7/9 8 an ist die Frequenz bis heute in stetem Steigen begriffen; sie betrug 1897/98: 674, S. 1898: 764, S. 190 2 bereits 10016. Das letzte Sommersemester 1906 wies einen Bestand von 1118 Studenten auf.
* Aus Anlaß des bevorstehenden Universitätsjubiläüms beabsichtigen wir eine Anzahl von Artikeln aus der Geschichte der! hessischen Landesmiiversität zu veröffentlichen. Mgemeine Mitarbeit erwünscht. .D. Red.


