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an vielen Stellen zu einem Schurz oder einer Art Badehose geworden ist, so kann man diese doch kaum noch unter dem Gesichtspunkte der Verzierung verstehen. Und diese Art Bedeckung ist heute ebenfalls weit verbreitet und war es vermutlich früher noch mehr. Die „Guineische Reisebeschrei- Lung" des Majors v. d. Groebeu (1694), der im Auftrage des Großen Kurfürsten den ersten Versuch machte, in Afrika eine deutsche Kolonie zu gründen, stellt auf zahlreichen Abbildungen die Neger durchweg in dieser Tracht dar. Und wenn man vielleicht versucht wäre, dafür das europäische Anstandsgefühl des Verfassers verantwortlich zu machen, so werden seine ausdrücklichen Angaben bestätigt durch Zeugnisse, die um Jahrtausende älter sind. In Aegypten war, wie zahllose bildliche Darstellungen lehren, in den Zeiten des alten und des mittleren Reiches der einfache oder doppelte Schurz die allgemeine Männertracht, aus der sich erst im neuen Reiche ein längerer Rock entwickelte, während die Frauen von Anfang an einen eng anschließenden, unter der Brust beginnenden Rock (also das rein tropische Kostüm) trugen, und vollständige Nacktheit bei beiden Geschlechtern nur als Ausnahme vorkommt. Aber auch, wo es sich offenbar nur um Schmuck und nicht um Verhüllung handelt, ist es Wohl nicht für zufällig zu halten, daß jene in den meisten Fällen um die Hüften und die Körpermitte angebracht wird, oder dies nur auf den äußeren Umstand, daß er hier am leichtesten haftet, zurückzuführen. Eine innere Beziehung zum Geschlechtsgefühl ist auch hier unverkennbar, wie ja in der ganzen Tierwelt aller Schmuck deutlich im Dienste der Generation steht. Gibt man dies zu, so sind immer noch zwei konträre Auffassungen möglich und sie haben tatsächlich ihre Vertreter, wie sie ebenso in den Diskussionen des modernen Lebens immer nebeneinander herlaufen und vielfach durcheinander gehen. Man kann sagen: die Bekleidung soll Bestimmtes dem Anblick entziehen nnb der Sinnlichkeit entgegenwirken, — eine Auffassung, die offenbar der semitisch-christlichen Stellungnahme zugrunde liegt. Aber auch die andere Ansicht ist möglich und läßt sich begründen, daß der Schmuck gerade auf diese Partie aufmerksam machen und auch die Verhüllung als Lockmittel dienen soll, weil das Verborgene am meisten reizt. Vielleicht haben diese Auffassungen, so entgegengesetzt und ausschließend sie scheinen, beide in gewissem Maße recht. Zugrunde liegt die allgemeine Erscheinung, daß das Geschlechtsleben, das über die persönlichen Zwecke des Einzelnen hinausgreift und ihn dem Ganzen, der Familie, dem Stamm, dem Volke, der Gattung dienstbar macht, infolgedessen eine besondere Schätzung und einen auszeichnenden religiösen Charakter erhält. Diese religiöse Scheu äußert sich bald als Weihe, bald als Tabu, und so kann man von hier gleich gut zu einer besonderen Hervorhebung und zu einer Verbergung kommen, und beide Tendenzen finden wir in der Tat nebeneinander wirksam, wenn auch die zweite immer entschiedener zur Herrschaft gelangt ist. Man kann also zusammenfassend dahin entscheiden, daß an dem Aufkommen und der Ausbildung der Kleidung sowohl der primitive Schmuckbetrieb, der besonders in der weitverbreiteten Hebung der Körper-, bemalung, der Tätowierung und der Entstellung einzelner Gliedmaßen (Stratz nennt es euphemistisch „Körperplastik") feine Macht zeigt, wie auch die Anfänge oder Vorstufen des sexuellen Schamgefühls beteiligt sind.
Das gilt natürlich nur von den leichteren Formen der „primitiven" und der „tropischen" Kleidung. Bei der massiven Einhüllung des gesamten Körpers versteht es sich ohne Worte, daß hier das Schutzbedürfnis gegen die Kälte das Motiv war, und wird obendrein dadurch bestätigt, daß die Eskimos, das typische Polarvolk, dieses Kostüm meist nur außerhalb des Hauses tragen und in ihren tief gelegenen, schneegedeckten Hütten völlig nackt leben.
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* Tie Bergkrankheit ist ein vielerörtertes Problem. Sie tritt, wie Dr. Emst Frohmann im 22. Heft der Zeitschrift „Heber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) ausführt, in sehr verschiedenen Höhen bei verschiedenen Menschen auf. Wahrend besonders disponierte schon bei 3000 Metern erkranken können, haben andere noch bei 6000 Metern nichts davon gespürt. Zuntz konnte nachweisen, daß sich diese Verschiedenheiten zum großen Teil auf die Ausbildung der Atemtechnik zurückführen lassen. Die Atemtechnik wirkt direkt auf die Versorgung der Lunge mit Sauerstoff ein, wie sich aus der Bestimmung des Sauerstoffgehaltes der Lungculuft ergibt. Bei diesen Hntersuchungen ließ sich nun feststellen, das; ein gut Atmender sich noch bei 4000 Metern so reichlich mit Wasserstoff versorgt, wie ein schlecht Atmender bei 2400. Der Sauerstoffmangel ist aber die wesentlichste Hrsache der Bergkrankheit, und zwar genügt es schon, wenn nur einige besonders empfindliche Organe, vor allem das Großhirn, ungenügend versorgt werden, Tann treten die bekannten Erscheinungen der Bergkrankheit, Schwindel, Kopfschmerzen, unbesiegliche Schwäche und so weiter ein. Tie gute Atemtechnik steht nun aber wieder in engstem Zusammenhänge einerseits mit der Gewöhnung an das alpine Klima überhaupt, vor allem aber wieder mit dem Training, das ganz von selbst zum ratonellen Atmen führt. So ist denn also der Sauerstoffmangel innerhalb gewisser Höhengrenzen für den einen vorhanden, für den andern nicht. Es ist die Zone der fo genannten „relativen Anoxhhämie", die Zone, wo des einen Blut noch genügend Sauerstoff enthält, des andern nicht. Darüber hinaus aber gibt es eine Höhenlage, in der das Blut unter allen Umftänben nicht mehr genug Sauerstoff führen kann, um größere Anstrengungen zu ermöglichen, dies ist die Höhe, wo jeder bergkrank wird, der sich in ihr bewegt, die Zone der „absoluten Anoxhhämie". Neben diesen wichtigen Gründen für das Znstndekommen aber Bergkrankheit scheint es aber doch noch sekundäre zu geben, die noch nicht sicher aufgeklärt sind.
*Studenten als Erntearbeiter. Wir lesen in den „Burschenschaftlichen Blättern": Mit der Entsendung von Hniversitätshörern zur Mithilfe in der Heideknltur ist Dänemark vorangegangen. Voriges Jahr wurde der erste Versuch gemacht, über den jetzt berichtet wird. Das Buch führt den Titel „Studenten auf Erntearbeit" und zeigt aus dem Titelblatt einen Kopenhagener akademischen Bürger in der Mütze mit der bekannten weißen Kokarde als Mäher auf einem jütischen Roggenfelde. Ter Bericht enthält Briefe von Bauern wie Studenten über die gegenseitig gemachten Erfahrungen und Beobachtungen; sie geben ganz überwiegend die Befriedigung über den gemachten Versuch zu erkennen. Tie Akademiker zeigten Bescheidenheit und gute Anstelligkeit, und die Bauern sahen weniger auf die Arbeitsleistung als auf die gesellige Unterhaltung. Natürlich handelte es sich vorzugsweise um Akademiker, die in der Stadt erzogen wurden, denn die auf dem Lande gcbore- der Stadt erzogen wurden, denn die auf dem Laude geborenen hatten wohl überwiegend selbst eine dörfliche Häuslichkeit für ihre Ferienzeit. Der dänische Versuch soll in Norwegen nachgeahmt werden.
* Vergiftungen durch Kartoffeln. Die Bedeutung, welche der Kartoffel als einem der wichtigsten Nahrungsmittel bei den meisten Kulturvölkern zukommt, läßt es begreiflich erscheinen, daß frühzeitig die Aufmerksamkeit des Chemikers und des Arztes auf einen in ihr enthaltenen Bestandteil gelenkt wurde, der in größeren Mengen für den menschlichen Organismus giftige Eigenschaften besitzt, das Solanin, wobei man wissen muß, daß die Kartoffel der Familie des Nachtschattens (Solanum nigrum) angehört. Nach einer Zusammenstellung, die G. Meyerä in einer Arbeit „Heber Vergiftung durch Kartoffeln" über den Solamu- gehalt bringt, sind in i; Kilogramm Kartoffeln sogar 500 bis 680 mg- Solanin gefunden worden. Tas wäre eine sehr hohe und bedenkliche Ziffer- Mehr beruhigend wirken die Ausführungen Dr- M. Wintgen in dem „Archiv für Pharmazie". Danach ist der Solaningehalt bei den einzelnen Sorten der Kartoffeln durchaus verschieden, int allgemeinen aber beträchtlich kleiner, als nach den Durchschnittszahlen in der Literatur zu erwarten wäre- Eine Zunahme des «vlanins bei längerem Lagern wurde auch in gekeimten Kartoffeln, wenn die Seime sorgfältig entfernt wurden, nicht beobachtet- Ein durch Erkrankung bedingter höherer Sola- niugehalt gegenüber gesunden Kartoffeln hat sich ebenfalls nicht sicher feststellen lassen-
Schcrzrätsel.
Süß tvar mein Liebchen mit „b", da hott' ich einmal mich verschrieben, Malt' in der Eile ein „l" — brr! wie das garstig jetzt schnteckt.
RedakttönüB. WitMo. -r» M.tationsdrwck,und Verlag der Bruhl'schen Universttäts-Buch- und Stemdrnckerei. R. Lange, Gieße«.'


