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ältere Schwester nahm auch an jener Hochzeit teil, und so ist das wohl aufbewahrte Gedicht in meine Hände geraten. Es beginnt mit den Versen:
"Die Blumen sind der Jungfrau Freudgenossen, Sie schlingen sanft sich durch ihr Lenzesglück, Und Lust und Leid, wie beide sie entsprossen, Sie spiegelt hell ein Blumenkelch zurück.
Er preist dann Rose, Vergißmeinnicht, Maßlieb Und Lilie:
Doch alle überstrahlt in mildem Glanz
Der Frauen Lorbeer, er, der Myrtenkranz.
Mit ihm klingt auch das Ü strophige Poem aus: Der Myrtenkranz, der sich in Abschiedstränen spiegelt, Er sei es, der dein neues Lebensglück besiegelt.
Und noch ein Suderrnannsches kleines Gedichtlein aus jener Zeit kann ich mitteilen. Es ist ein sog. Akrostichon und meiner ältesten Schwester zu deren 17. Geburtstage gewidmet. Es lautet:
Ein Glückwunsch ist oft hohler Hall,
Leer, luftig tönt er in die Runde, Zn Nichts verweht sein Phrasenschwall Schon in der allernächsten Stunde.
Ein andrer tönt aus unserm Munde
Was wir Dir wcihn zum Angebinde Ist nur ein leises, zages Wort, Trägst Dir die Zeit in alle Winde, Tönis doch in unfern Herzen fort: Komm' was da woll'! In Freud und Leid O glaub' csl — sind wir Dir geweiht.
Ward doch meine Schwester von ihm beim Tanze wie 'auf dem Eise vor allen anderen Heydekrüger Dämchen stets bevorzugt und von diesen darob nicht wenig beneidet. Lebhaft beteiligte sich übrigens Sudermann in H. auch tat Liebhabertheateraufführungen. Er arbeitete damals sehr fleißig. Spät nachts noch sah man in seinem Giebelstübchen die Lampe brennen.
Die nächsten Jahre brachten ihm in Berlin viel Schlim- tnes und Schweres. Zuweilen wär er aus die Unterstützung anderer angewiesen. Zum Lehrerberufe fühlte er keinerlei Neigung und auch zu keinem anderen bürgerlichen Berufe fühlte er sich hingezogen. So ward er denn — Schauspieler, später, als er seine darstellerische Talentlosigkeit einsah, Hauslehrer und kam als solcher auch in das Haus Hans Hopfens, des bekannten Dichters. Dieser lehrte ihn Verständnis für die bildenden Künste und eifrig saldierte er die großen Berliner Museen.
Die hier mitgeteilten kleinen Jugendcarmina zeigen
noch keinerlei Eigenart. Auch haftet ihnen, ebenso
wie feiner späteren, spärlichen Lyrik etwas von
der eigenen littauischen Erdschwere au, von der er sich
so gern befreien möchte, indem er sie an seine poetischen Gestalten immer aufs neue abgibt. Er teilt diese charakteristische Schwere mit Wilhelm Jordan und den anderen vstpreuhischen Poeten seit Herders Zeiten. Nur Arno Holz hat sie nie besessen; er ist der einzige ostpreußische Lyriker seit dem alten Simon Dach!
Dem balladesken Volksliedton der littauischen Nationaldichtung begegnet man nur in einer, der frühesten und zugleich reinsten Sud ermann'sch en Dichtung, dem Roman „Frau Sorge". Der in der Fremde Reifende und Gereifte hat ihn nie wiedergefunden . . . Vielleicht klingt er dem Alternden aufs neue.
Das sei unser herzlicher Wunsch zu des Dichters 50. Geburtstage. P aul Witt ko.
Vermischtes.
— Der Mormonenhäuptling Joseph F. Smith hat jüngst über seine Faniilienverhältnisse offizielle Mitteilungen gemacht. Bis jetzt war man darüber im Ungewissen. Smith erklärte also, daß er augenblicklich fünf Frauen und 43 Kinder habe- Man erzählt, daß er einmal auf der Straße zu einem kleinen Bürschlein, das eine Zigarette rauchte, iw vorwurfsvollen Tone gesagt habe: „Na, Kleiner, wenn bas dein Vater sieht!" Worauf das Bürschlein erstaunt erwiderte: „Ja, kennst du mich denn nicht, Papa?" Mit seinen fünf Frauen soll er in schönster Eintracht leben. Jede von ihnen hat eine besondere
Wohnung: die Wohnungen sind aber alle untereinander verbunden, so daß Smith, ivenn er seine Familien besuchen will, nicht erst kurz und quer durch die Stadt zu pendeln braucht- Ter Hausstand des Präsidenten ist "eine der Hauptsehenswürdig-- leiten von Salt Lake City; mit Ausnahme einiger Mormonen- Häupter hat aber noch niemand die ganze Familie, die fünf Mütter, die 43 Kinder und den Vater, beisammen gesehene Wenn der Präsident einen Freund zum Essen einlädt, ist das so zu verstehen, daß der Gast bei der einen oder der andern der fünf Familien speist- Vornehme Gäste werden im „Beehive” (Bienenstock), der Amtswohnung des Chefs, empfangen; hier lebt Smith mit Frau Smith Nr- 1, feiner Gattin vor dem amerikanischen Gesetz- Natürlich hat jeder Mormone eine Lieblingsfrau, und Smith bildet keine Ausnahme von der Regel- Ganz Salt Lake City versichert, daß Nr- 2, Frau "Edna Cälmsow-Smith, die Favoritin sei- Ihre Wohnung ist die allerschonste, und ihre Kinder werden von bem Patriarchen in jeder Weise bevorzugt, Bon ihr ließ sich Smith begleiten, als er mit dem Präsidenten Roosevelt zusammenkam, und mit ihr allein besuchte er die Ausstellung in Chikago- Wirtschaftlich sind die Familien des Präsidenten so gestellt, daß sie häusliche Sorgen nicht feitnen-, Joseph Smith hat testamentarisch jeder feiner fünf Gattinnen das Haus, das sie bewohnt, vermacht, und jede von ihnen besitzt ein der Zahl ihrer Kinder entsprechendes Vermögen- Jeder Hausstand kostet jährlizch ltund 5000 Dollar- Smith selbst bezieht als Präsident der Mormonensekte 50 000 Dollar Gehalt, also ebensoviel toie der Präsident der Bereinigten Staaten-'
* Königinnen, die ran chen. Als im Jahre 1894 die hessische Prinzessin Alix den Zaren' Nikolaus II. heiratete und die russische Hofgesellschaft kennen lernte, war sie unangenehm überrascht durch die Tatsache, daß die Damen des kaiserlichen Hofes fast alle stark rauchten. Sie dachte auch daran, die Zigaretten aus ihrer Nähe zu verbannen, aber der Umstand, daß die Mutter des Zaren, die Kai ser i n w i t w e Marie, eine l e id e n sch a ftli ch e R auch erin war, ließ sie von diesem Vorhaben abstehen. Seltsamerweise geht es auch der Königin! Elena von Italien ähnlich; auch sie verabscheut das Rauchen der Damen, vermag aber nicht ihren Anschauungen entsprechend zu handeln, da die Königin-Witwe Margherita! dem Tabak sehr zu getan ist. Sie raucht mit Vorliebe Zigaretten, die sie. sich aus England kommen läßt. Die Königin Amelie von Portugal, die einzige königliche AcrztiN in der Welt, ist sogar der Meinung, daß das Rauchen den Frauen durchaus zuträglich ist, und sie raucht selbst "alltäglich eine ganze Anzahl Zigaretten; dasselbe gilt auch von Carmen Sylva, der königlichen Dichterin, und von der Königin-Mutter Christina von Spanien'.
* Was tut man, iu e n n d i e Weibchen u i ch t t u n, was sie sollen? Die Weibchen der Schmetterlinge nämlich, wenn sie nicht Eier legen wollen, wozu sie, namentlich die Weibchen der Tagfalter, in der Gefangenschaft in der Regel keine Lust haben? Ein Sammler gibt in der „Entomologischen Zeitschrift" folgenden Rat: Man setze dem betreffenden Falter ein mit Rum und Wasser getränktes Stückchen Zucker vor und lasse ihn solange daran saugen, bis er total betrunkm ist und umsällt.- Man nehme den Trunkenbold, lege ihn in eine Schachtel und kümmere sich weiter nicht nm ihn, er wird sicher mit einem soliden Kater wieder erwachen. Und merkwürdig, die Katerstimmung scheint ganz besonders auf den Rumliebhaber einzuwirken, denn er kann sich noch nicht mal richtig wieder auf den Beinen halten, da beginnt er auch schon — seine Eier abzusetzen. ,, .
* Kennzeichen. Herr: „Können Sie nur nicht eilte nähere Beschreibung von den Reizen jener Dame geben?" — Heiratsvermittler : „Blondes Haar, blaue Augen — braune Lappen., •
Charade.
Getrennt sind sie dem Krieger lieb und teuer Zieht er als ReiterSmann dem Feind entgegen. Wie Wetterstrahl in dichlem Kugelregen Schützt ihn die erste, wenn in wucht'gen Schlägen Sie niedersaust, daß blitzend sprüht ihr Feuer.
Und als des Feindes Kugel tückisch raffte
Ten Mutigen dahin, blieb treu die Zweite Bei ihm, dem lies die Todeswunde klaffte. Und als man ihn zur letzten Ruhe schaffte, Da gaben Beide sie ihm das Geleite.
Wenn sie vereint die weite Welt durchstiegen, Siehst du eilt zierlich, schmuckes Kunstgebäude. Man wählt's als Ganzes auch zu Kampf und Siegen, Und dennoch dient es einzig dem Vergnügen;
Auch vielen Frauen und Mädchen macht cs Freude. i, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer; Anfängen ist leicht, beharren schwer.
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