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Der junge Offizier hatte wohl schon oft von dem' raffinierten Luxus gehört, mit welchem der Landrat seine vergötterte Frau zu umgeben pflegte, aber die Wirklichkeit übertraf noch seine Erwartungen.
Am Anfänge der breiten, weißen Marmortreppe erhoben sich zu beiden Seiten des kunstvollen, vergoldeten Eisengeländers zwei weibliche Figuren in Lebensgröße, die in hoch erhobenen Händen je eine Girlande rotglühender elektrischer Birnen trugen, deren weiches Licht aus den schlanken, bronzenen Gliedern Leben zu wecken schien.
Ueber einen tiefroten, von goldglänzenden Stäben gehaltenen Plüfchläufer schritt Joachim seiner eigenen Gestalt entgegen, die aus einein Hefigen Kristallspiegel zwischen kostbaren Palmen und Orangenbäumen vom Treppenabsatz herab auf ihn zuzukommen schien. Soeben erst hatte er die beiden lichtspendenden Göttinnen hinter. sich gelassen und schon wieder neigte sich ihm von oben die reizende Gestalt einer tanzenden Bajadere mit rotgelber Fackel entgegen.
Er blieb davor stehen und betrachtete in aufrichtiger Bewunderung den Ausdruck von Lebensfreude und glück- fichem Leichtsinn, der nicht nur in dem süßen Gesicht, son- dern auch in der ganzen Haltung des jungen Weibes wunderbar zur Geltung gebracht war. Der leise gleitende Schritt eines Dieners weckte ihn aus seiner Versunkenheit.
Er stieg die letzten Stilfen hinauf und erwiderte die tiefe Verbeugung des einstigen Spielgefährten mit eurem leichten Griff an die Pelzmütze. Sein Blick flog über die reizvolle Ausstattung des Vorraums, den eine von Bliimen- duft getränkte Wärme durchzog und blieb dann auf den leeren Garberobehaken haften.
„Noch nieinand da außer mir, Franz?" -
„Nein, Herr Baron sind der Erste."
„Ach, fatal!" murmelte der junge Offizier halblaut, sein schlichtes schwarzes Haar mit zwei Bürstchen bearbeitend.
Der gut geschulte Diener überhörte den Ausruf. Er 'öffnete eine Dur. Tressenberg trat in einen von blendendem Licht erfüllten Salon. Dieselbe warme Dllftwelle wie draußen schlug ihm entgegen. Sie machte den Raum fast traulich trotz der steifen Empirernöbel mit ihren glatten grünen Seidenbezügen, den faltenlos herabhängenden Portieren, voll deren fahlem Grün sich goldgelbe Stickerei wundervoll abhob. Ein Smyrnateppich von eigenartig schöner Zeichnung, dunkle Schilfstauden in stumpfgrünem Grund zeigend, bedeckte den Parkettboden.
Dem Offizier blieb keine Zeit zu weiterer Musterung, denn der Landrat betrat soeben das Zimmer. Zn der Ent- schuldigung seines Gastes, dag er anscheinend zu früh käme, lächelte er eigentümlich.
Das machte Trefsenberg unsicher. Seine Steifheit stand in grellem Gegensatz zu der offenen Liebenswürdigkeir des Gastgebers.
„Meine Frack wird sofort erscheinens er wies einladend auf einen Sessel, „wir setzen uns wohl indessen. Ah, da ist sie ja schon."
Tressenberg wandte sich rasch herum und stand dann einen Moment wie gelähmt. Das hatte er nicht erwartet. An die junge Landrätin, deren schönes Gesicht von Schelmerei nnd Freude strahlte, schmiegte sich eine schlanke Mäd- chengestalt — seine Schwester Marga.
Ehe er sich von seiner Ueberraschung erholt hatte, lag sie schon lachend und jubelnd an seinem Hals.
„Ich bin's wirklich, Joachim, freust du dich denn? Ach, ich bin ja so glücklich!"
Und von ihm hinweg flog sie wieder aus die Freundin W und umhalste sie zärtlich.
„Einzige, goldene Hanna, du bist eben eine Zauberin. Keine andere hätte das bei meinen Eltern erreicht."
Die junge Frau befreite sich lachend aus den Armen der Freundin.
„Sei ganz still, Marga, du machst mich sonst erröten. Außerdem möchte ich wohl endlich deinen Bruder begrüßen. Herzlich willkommen bei uns, Herr Baron", mit ihrem Kinderlächeln sah sie in sein blasses Gesicht, „nun, hab' ich's gut gemacht? Ist die Ueberraschung gelungen?"
„Vollkommen!" sagte er rüstig- dann aber setzte er schnell, fast leidenschaftlich hin^: „Ich danke Ihnen."
Er war lvirklich tief bewegt. Er mußte sie bewundern. Sie war nicht nur schön, sie war auch gut. Marga nannte Jie einen Engel, ohne den ihr Leben farblos und öde wäre, find triumphierend schlenderte sie ihm ins Gesicht r
„Nun, wie denkst btt jetzt über die rothaarige Pensionärin ?"
Aus der Ecke, in die sie sich zu vertraulich em Gespräch begeben, flog sein Blick zu dem rotgoldenen Frauenkopfe hinüber, auf dessen weichen Haarwellen die zitternden Reflexe des Lichts metallisch flimmerten.
Er beantwortete die Frage der Schwester nicht, aber was sie in seinem Auge las, befriedigte Marga vollständig. Vielleicht hätte es fie beängstigt, wäre sie reifer und erfahrener gewesen. , , • _ „
Nach und nach erschienen bie übrigen Gaste. Da Marga die einzige junge Dame war, benn von Ehepaaren waren nur Rittmeister von Klasts geladen, war sie sofort von Herren umgeben, die ein fremdes Element in einem bekannten Kreise stets freudig begrüßen.
Walter von Pofeck, der schon beim Anblick Tressenbergs, ein leises Mißbehagen nicht ganz nnterdrücken konnte, fühlte es von neuem aufsteigen, als er der Schwester vor- aestellt wurde. Er gönnte nun einmal dem Frei Herrn nicht die Bevorzugung, welche ihm dadurch naturgemäß znceil ivcxbcTi tvlixb c
Marga, die er bald darauf zu Tisch führte, gefiel ihm aber sehr gut. Die beiden sympathisierten schon deshalb mit einander, weil sie sich in dem Gefühl der Bewunderung und Verehrung für Hanna Gerhardt begegneten. Sie erzählten sich die geringsten Kleinigkeiten ans dem Leben der Angebeteten Frau. Und Hanna drohte einmal scherzend mit dem Finger, weit sie eine überschwengliche Schilderung ihrer Braiiterfcheinniig teillveife gehört hatte. Marga errötete befangen, aber bald unterhielt sie sich wieder mit ihrem Nachbarn heiter von etwas anderem. < - , ..
Ihr Bruder saß mit leicht gefalteten Brauen sehr schweigsam, die sorglose Unbefaiigeuheit der Schwester nicht begreifend. Er kam sich geradezu deplaziert vor an dieser mit verschwenderischem Luxus gedeckten, mit Blumen überschütteten Täfel, in denr mit kostbaren Wandgemälden in Delfter Art geschmückten Speisezimmer, das prächtig geschnitzte Eichenniöbel, prunkvolles Silber- und Porzellan- aeschirr auf breiten Bordbretter» und Bufetts anfwie^. Das mit auserlesenem Geschmack gewählte Menn, die vorzüglichen Weine, die zahlreiche, gut ge!chu11c~iener]djafi, biefe ganze Atmosphäre eines inarchenhasten Reichtums erregte ein Gefühl des Neides in beut jungen Offizier.
Er dachte an den unbezahlten neuett Attila, den er trug, an die vielen anderen Rechnungen, die sich so nach und nach in einem Fach seiiies Schreibtisches aiigesamme.t hatten» »" “ Ä s™ « «ril fern Mrtcn «eigge» MM würde kämpfen müssen nm eine Summe, die Hanna Gerhardt heut allein für die Ausschinückung der Tafel ver- “'Xi?'’&'X -in T-il d-- Herren in. R-Nch. Limmer einem wahren Kabinettstück eines solchen, ganz m Sraun Xiteu, zu einem Skat zusammen, während die andere Gesellschaft, nachdem sie bewundernd die lange ninimprKitffif durckiftreisi hatte, tut Salon oer Haus,rau geendet hatte. Es war ein feenhaft eingerichtetes.Gemach nn Rokoköstil, mit Äeißeiier Porzellanofen und^einer be- änastiaenden Menge echt Meißener Basen, Lanipen, .nppes, unter ^denen dch zierlichen Tischchen iiiid Etageren znfamnieu
^Dielektrische'Licht der Krone wurde durch rosa Glas aedämvft und mehrere Lampen brannten unter mattrosa Svitzenschirmen. Die Herren standen umher und wagten Aint? gvggten Amüsement der Damen nicht, sich zu fetzenweil sie für die dünnbeinigen Stühlchen und Sessel fürchteten. Erst als Hanna lachend für ihre Haltbarkeit garantierte, folgten sie iiach nnd nach dem Beispiel der Damen.
Graf Scherrentiu breitete jedoch vorher sein Taschentuch mit großer Umständlichkeit über den hellblauen Da mast- bezug^ eines Sessels, ehe er sich vorsichtig darauf Niederließ, Sem Tun hatte einen vollen Heiterteitserfolg.
Die lebhafte, fesche Frau von Klast scyrie fast vor Lachen, An der Tür klatschte der eben emtretende Hausherr amüsiert^Bcifatt.emeine ^eitei;feit tom eine ^terbrechung hpit Eintritt eines Dieners, welcher auf das kurzer „Was gibts?" des Hausherrn in tadelloser Haltung uu-> bewegten Gesichts meldete:
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