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einer früheren Brotbereitung, oder direkt in Form von Preßhefe, d. s. Kulturen von Hefepilzen. Der so vorbehan- oelte Brotteig wird Lei einer Temperatur von 25 Lis 30 Grad gehalten und gerät dadurch in Gärung, indem die H-efepilze aus dem in ihm enthaltenen Zucker Kohlensäure und Alkohol bilden; der Teig wird nun durch das AusdehnungsLestreben der Kohlensäurebläschen genügend aufgelockert. Das so vorbereitete Material wird nuu in Einzelstücke zerteilt und darauf fertig gebacken. Zu diesem Zwecke werden die Brote in einem vorher ungeheizten, auf eine Temperatur vou ca. 120 bis 130 Grad gebrachten Ofen gelegt und einige Stunden darin gelassen. Alkohol und Kohlensäure, die sich während der Gärung gebildet haben, verflüchtigen sich dabei, die Stärke im Brot quillt auf, die äußere Schicht härtet sich und bildet die Brotkruste, das Innere wird eine krümelige Masse.
Das ist in großen Zügen die Technik der Brotbereitung, und so ist mau fett den ältesten Zeiten mit der Brotbereitung zu Merk gegangen, nur, daß heutzutage anstatt der unsauberen und unhygienischen Operationen nrit den Händen in den Großbetrieben eine maschinelle Tätigkeit getreten ist. Die Mischung des Mehls aus verschiedenen Sorten wird durch eine Maschine automatisch besorgt. Das Anrühren des Teiges durch Vermischen des "Mehls mit Wasser und Hefe leistet ebenfalls eine Maschine, die eine Anzahl von Querstangen in Kreisbewegung setzt und so den Teig im Bottich umhertreibt und damit fein gleichmäßig anrührt. Das Schneiden des Teiges in Einzelbrote, gewöhnlich zu 4 Pfund, ist wiederum Sache einer Maschine, der alte Backofen, ein weites, flaches Gewölbe mit einem Backloch in der Mitte, welcher durch Holzkohle, Fichtenkloben usw. geheizt wurde, ist ersetzt durch hohe, große Oefen, die von hinten her durch abgeschlossene Heizschlangen mit warmem Wasser geheizt werden. Durch alle diese Vorrichtungen ist es möglich, die Leistungsfähigkeit der Betriebe sehr zu steigern und in derselben Zeit das vielfache an Brot zu bereiten mls früher.
Aber gegenüber diesen Fortschritten unserer Technik ist es besonders reizvoll, die Geschichte der Brottechnik seit den alten Zeiten zu verfolgen, und man darf wohl sagen, es spielt sich darin ein gut Teil Kulturleben der Völker ab;
Daß die Brotbereitung schon in den grauen Vorzeiten der Hirtenvölker des alten Testaments bekannt war, davon zeugt ja das Wort Moses' an die Israeliten, zum Osterfeste ungesäuertes Brot zu essen. Die Art und Weise der Brotbereitung war Lei diesen orientalischen Völkern (von den Phöniziern weiß man das bestimmt), die, daß man Getreidskörner durch Handmühlen zerdrückte und auf heißen Steinen fertig buk. Vom Morgenlande kam die Kunst der Brotbereitung wahrscheinlich durch phönizische und ägyptische Kolonisten nach Griechenland; und schon'im 5. Jahrhundert v. Ehr. war die Brotbereitung in Griechenland bekannt. Das beweist sehr hübsch eine Terrakotta-Figur aus dieser Zeit, welche im Antiquarium des Berliner Museums aufbewahrt ist. Dieselbe stellt einen sitzenden Bäcker dar, der eben sich anschickt, einen geformten Teig auf den Backofen zu legen. Nach Italien kam die Kunst des Brotbackens viel später. Selbst in der ersten Zeit des römischen Staates kannte man das Brot nicht, sondern aß statt Brot eine Art Weizengrütze in Suppen- oder Breiform (alica genannt). Später zerquetschte mau in Rom die Körner zwischen Steinen und röstete sie sodann. Man sah darin damals doch eine so wichtige Erfindung, daß Numa ihr zu Ehren eine jährliche Festfeier veranstaltet haben soll. Schließlich kam dann durch griechische Einflüsse auch nach Italien die Backkunst. Eine sehr hübsche Freske im Neapolitaner Museum aus Pompes anischen Funden zeigt einen Bäckerladen, in dem eine Bäckersfrau gerade für einen Kunden ein rundes, Brot abwiegt. Unter den Lavamassen haben sich in den Ääckereien Pompeji's sogar noch Probbn des damaligeu Brotes, natürlich als völlig getrocknete rmd harte Asche, erhalten. Die Form der Brote !var die pnserer heutigen runden Bauernbrote.
Später ist im wesentlichen die Technik der Brotberei- tung im Mittelalter und in der Neuzeit dieselbe oben geschilderte geblieben, und die Verschiedenheiten in einzelnen Ländern bestehen hauptsächlich darin, daß das Material der Brotbereitung wechselt.' Bei uns ißt man Roggen- und Weizenbrot, weit weniger Gerstenbrot; in
Schweden «tischt man zur Brotbereitung Gerste Und Hafer zusammen; die Isländer pflücken das auf Felsen wachsende Moos, trocknen und mahlen es zum Zwecke des BackenL In Sibirien und Nordchina muß der Buchweizen zur Brot- bereituug herhalten; in Lappland verwendet man sogar dazu eine Mischung von Hafergrütze, Tannen- und Fichten-, rinde. In Italien ißt man in einigen Provinzen Brot aus den Früchten der roten Kastanie. In Japan und China' wird aus Reis eine Art Brot gebacken. In Persien wird dem Reismehl noch Milch zugemengt. In Aegypten, Arabien' und Kleinasien eine bestimmte Sorte Hirse. Je mehr man sich von historischen und ethnographischen Gesichtspunkten mit der Brotfrage befaßt, desto mehr wird man zu der Ueberzeugung geführt, daß das Brot als ein dem Menschen--, geschlechte unentbehrliches Mittel zur Ernährung bezeichnet werden muß. Unter allen Völkern und Zonen wird als die umfassendste und den meisten Anforderungen genügende Ernährungsform der Brotgenuß angesehen.
Vevmrschtss.
* DaS Ende der Dienstbotennot. Ja Amerika ist die Dienstbotemiot wenn möglich noch schlimmer wie bei uns, und die amerikanische Hausirau muß, neben dem hohen Gehalt, den die Jungfrauen vom Staubbesen und vom Kochtopfe in der neuen Welt fordern, noch manches Opfer bringen, um die anspruchsvollen Töchter der Freiheit bei guter Laune zu erhalten. Einige verzweifelte Leidensgenossinnen in KanfaS City haben sich nun zusammengetan und eine Art Boykott der Dienstmädchen veranstaltet. Sie mosten sich und ihren Angehörigen auf eigene Faust durchhelfen und sich von der Tyrannei der Küchensee befreien. Acht Damen haben das Experiment gewagt und einen Klub gegründet. Aste Familien speisen fortan im Klick', rmd am Ende des Monats werden die Kosten geteilt. Ein Klubiiiitglied leitet die Geschäfte, ein Oberkoch und zwei Gehiilsen assistieren, und in diesenr Amt iverden die Damen abwechseln. Jede Familie liefert ihr eigenes Tisch- und Silberzeug. Das Unternehmen hat sich so trefflich bewährt, daß man schon zur Erweiterung schreiten mußte, imd die entschlossenen Frarien üon Kansas City sind sehr stolz und glücklich, die Dienstbotenfrage nun endgültig gelöst zu haben.
■— Die Richard Wagner-Stipendien-Stiftung. Deal Kunstwort schreibt: Denkt man an den ungeheurer! Fremden- strvm, den keines Baireuther Sommers Glut versiegen läßt, so möchte man glauben, daß die Begeisterung für das Richard Wiagnersche Kunstwerk heute eine ungeahnte Höhe erreicht habe/ In Wahrheit ist Baireuth — einmal muß es doch offen gesagt werden — für das große Publikum auch heute noch nichts weiten äls eine Sensation, bei der dabeigewesen zu fein zum guten Ton gehört. Gehört es sauch zum „guten Don", in die Enge des Alltags 'zurückgekehrt, sein Interesse einem Unternehmen wie; dem Stipendienfonds zu versagen, dessen ideale Aufgabe es ja ist das Werk im Sinne dessen zu erhalten, der das Festspielhaus als Hüter seines Erbes erbaute? Nichts liegt hier ferner,; als Propaganda zu treiben. .Eines nur soll Betont werden. Klarin man sich über die viel beklagte Interesselosigkeit rm-. seves Publikums (nicht nur des Dresdner, dsas ich hier besonders im Auge habe) wundern, da noch nicht einmal die KNlturan- stalt: das Theater sich aufgeschwungen hat, durch Aufführungen eines .Wagnerwerkes zugunsten der Stipendienstiftung seinen Tribut zu zahlen? Ist es z. B. von einem Hoftheater wirklich zuviel verlangt, von jährlich 'fünfzig gutbesuchten Wagneraufführungen eine einzige der pietätvollen Tänkespflicht zu opfern? Insofern war der warNre Schlußappell 'in einem Vortrag des. Jenaer Aesthetikers Hugo Dinger von symptomatischer Bedeutung.; Noblesse oblige!! Gerlade den Hofbühnen, wie Berlin, München,; Stuttgart, auch Wiesbaden, Böte sich hier Gelegenheit zu vorbildlicher Initiative für alle Bühnen, denen die Pflege Wagnerscher Kunst gevadezu Lebensbedingung geworden ist. Daß ich auch München nannte, hat nicht etwa itt Sachunkenntnis seinen Grund. Der Konkurrenzkampf sollte ausgef Haltet sein, wo es. sich darum handelt, das Wagnersche Kunstwerk (ob in Baireuth, München oder schließlich — .Amerika) als Allgemeingut den Jahrhunderten zu bewahren.
LvgvMiPh.
Schreibst du cs deumiSvoll mit G, So ist's als Bitte aufzuiassen.
Doch mein ich. jeder kann fich's mit B vom Geldbriefträger gefallen lassen.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Zwei harte Steine mahlen selten kleine.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brkhl'schm Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,


