BÖS —
und in den ersten des 19. Jahrhunderts hauptsächlich durch den Pfarrer Christ in Cronberg und den Arzt Dr. Diel in Diez er. d. Lahn.
Bor dem 30 jährigen Kriege wär die Viehzucht ganz bedeutend, besonders auffällig die große Zahl der Pferde. Das Vieh, soweit es nicht zu Lastfuhrwerk und Ackerbau benützt wurde, war vom Frühjahr bis zum späten Herbst Tag und Nacht im Freier: auf der Weide. Als Weideplätze dienten die Wiesen, die Wüsteneien, die Brachfelder und bei schlechter Witterung die Wälder. Jede Viehgattung hatte ihre besonderen Weideplätze. Darum führen heute noch manche Ländereien den Namen Pferdeweide (Pards - weide in der H e u ch e l h e i m e r G e m a r k u n g), Küh- lveide, Schafweide und Sauweide, Gänsweide (siidlicher Orts- ausgcmg in Mendorf a. d. Lahn). Die Wälder waren sehr ausgedehnt. Sie bestanden vorzugsweise aus Eichen, Buchen, Birken, Haseln und Erlen. Nadelholz kam nur- vereinzelt vor. Die auf dem Boden der Wälder liegender: Eicheln und Bucheckern wurden, soweit sie ::icht von den Schweinen aufgefressen waren, gesammelt ::nd als Mastfutter für den Winter aufgehoben.
Weiteres zu den Greifensteiner Hexenprozefsen.
Die Nr. 149 der „Gieß. Fam.-Wl." gibt in der Abhandlung „Der Hexenprozeß zu Greifenstein 1643—1645" das richterliche Gutachten der Juristen-Fakultat der Universität Mainz bekannt. Zum besseren Verständnis dieses Bescheides dürfte diene::, was Pfarrer Himmelreich in der >,Greifensteiner Chronik" zu den Hexenprozessen mitteilt:
„Die Mißhandlungen seitens der rohen Soldaten, die Hungerjahre, die häufigen Seuchen unter Menschen und Vieh machten die armen Leute, welchen jeder Tag neue .Plagen brachte, wahnwitzig. Da hieß es bald, an allem Unheil ist niemand schuld als der Teufel und seine Verbündeten, die Hexen. Groß ist die Zahl der armen Wesen, chelche diesem traurigen Wahn zum Opfer sielen. So wurden in den Jahren 1629 bis 1632 in Dillenburg, Herborn und .Driedorf 155 Personen wegen Zauberei hingerichtet. Auch in der Grafschaft Solms-sÄreifenstein sollte sich der Wähn bald breit machen. Es war im Jahre 1843, da wurde die Schultheißin von Biskirchen, Eva, als Hexe angegeben und vor das peinliche Gericht zu Greifenstei:: gestellt. Bald war sie nicht mehr die einzige. Die Schulmeisterin von der Ulm, ein Mann von Holzhausen und die Eheleute Christoph Hahn von Greifenstein teilten ihr trauriges Los. Die Folter brachte die Angeklagten zum Geständnis, daß sie Zauberer Und Hexen seien. Christoph Hahn stürzte sich aus Ver-t zweiflung und Angst vor neuen Marterr: mit gebundenen Händen aus dem Gefängnis in die 17—18 Klafter be-> tragende Tiefe. Der Richterspruch lautete, der Leichnam solle verbrannt, seine Mitschuldigen wegen Zauberei, Ehebruches und Mordes an Leib n::d Leben gestrast werden. Dieser erste Prozeß dauerte vom 9. September bis zum 17. Oktober 1643. Darauf wurde Ottilie Keß le rin aus Greifenstein gefänglich eingezogen. Die Beschuldigte gab andere als Hexer: an, und bald entdeckte man fast in allen Dörfern der Grafschaft Zauberer und Hexen. Unter denen, welche die Keßlerin angab, befand sich die zweite Frau des Hofpredigers Em melius, Anna, die ihren ersten Mann, den Sekretär Philipp Mohr, in der Pestzeit verloren hatte. Dieselbe leugnete. Man stellte sie ihrer Anklägerin gegenüber, welche bei ihrer Beschuldigung verblieb. Die Hofpredigerin wies die Anklage entrüstet zurück. Da ivandte der Scharfrichter, Meister Johannes, die Folter (Aufziehen und Beinschrauben) an. Unter der Folter gestand Anna Emmelius alles, was man ::ur haben Wollte. Nun kamen alle Geheimnisse des teuflischen Hofstaates an den Tag. Christoph Hahn wär Hexenkönig, die Keßlerin die Königin, die Hofpredigerin des teuflischen Reiches Großhofmeisterin. Letztere gestand ferner, sie habe
mit dem Teufel Unzucht getrieben, eine Kuh umgebracht, der Gräfin im Wochenbett einen bösen Trank gegeben, ihren Sohn aus erster Ehe getötet und den Grafen Hans Konrad (f 1635 an der Pest) mit giftigem Weck vergiftet. Das Urteil gegen die Hospredigerin lautete: „Sie soll zuvörderst mit glühenden Zanger: gepetzt, hernach lebendig mit Feuer verbrannt werden." Da griff Graf Wilhelm ein. Er wollte die arme Frau retten und schickte ihre Akten an die juristische Fakultät nach Mainz. Das Gutachten derselben jedoch erklärte die Hofpredigerin für eine Hexe. Nun war es dem Grafer: unmöglich, sie zu schonen, doch milderte er das harte Urteil in Enthauptung um." B.
Rätsel.
Zwei Silber: bat ein Wort verbunden, Tas jedein Mädchen lieb und Wert; Als hoch luidfomnten ivird's empfunden, Doch mir nach eingner Wahl begehrt.
Die erste findet eine Stätte
In jedes edlen.Mannes Brust; Er duldet keine Sklavcnkctte, Des eignen Wertes sich bewußt.
Wenn zwei sich ihrer Gunst beflissen Und in der Holden Busen wohnt, Wird diese gern die erste rniffeir, Weil sie das Ganze besser lohnt.
A A m m a n rt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer:
6
Y
P
8
Y
8
0
P
P
o
8
A
_L
P
A
A
Unser letztes MeiSiälsel
ist von 196 Personen richtig gelöst worden. Aber auch einige falsche Lösungen gingen uns zu. Eine junge Dame, ein stnd. pliil. und ein Lehrer nannten als Lösung die Liebfraucnkirchc in Worms, ein Herr aus Freiburg i. Baden das „Ernst-Leonoren-Heim", eine Dame aus Wieseck „Wil- helmshöhe", ein Lehrer „Bischofsheim", eine Gießener Dame glaubte sogar mit „Glaube, Liebe, Hoffnung" das Richtige getroffen zu haben.
Die Lösung ist dagegen Freiwein hei m. Das brachten einige in poetischer Form zum Ausdruck; eine dieser Lösungen, von einem Anonymus eingesandt, lautet:
Frei von äußerlichen Banden, Frei darm auch von bösem Willen, Wirst du nimmermehr zrr Schanden, Wirst du beine Pflicht erfüllen.
Weir: erfreut der Menscher: Herzerr, Wem: wie Arzenei genommen, Doch er führt zu Not m:d Schmerzen, Wenns zum llebermaß gekommen.
Schön in: H c i in ists, wenn die Freiheit Und der Wein zum Guten führet, Darm fürwahr der schönen Freiheit Alles Lob mit Recht gebühret.
I:: Frei - Weinhei m soll das gelten Und es gell' auch so::st desgleichen, Tann ivird mar: die drei nicht schelten, Tie so schönes Ziel erreichen.
Der erste Preis, ein vornehm gerahmte?, vorzügliches Porträt Sr. Königl. Hoh. des Großherzogs, fällt dem Gastwirt S a m e s in Dorf G ü l l zu.
Ter zweite Preis, S ch i l l e r s W e r k e, in vier Oktavbände gebunden, von hervorragenden Künstlern reich illustriert, wird P. N a h r g a n g i>: Gießen, Roonstr. 44, zuteil.
Den dritte» Preis, Pros. Dr. SteuertS „Buch vom gesunden und kranken Haustier", erhält Frl. M a r- garete Uhl in Rodheim, Post Hungen.
Die Preise formen in unserer Geschästsstelle in Empfang ge- noinmen werden.
Redaktion.: P, Wtttko. — Rotationsdruck und Verlag.her B r.ü h l 'scheu Unwerlltäts-Vucü- und Steindruckerei. R. Lanae. G/eßen.


