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Vermischtes.
Parlamentarische Duelle. Das Duell zwischen dem sozialistische Deputierten der französischen Kammer Ge- rault-Richard und dem Marquis Dion ruft manche andere Ehrenhändel zwischen französischen Parlamentariern in Er- innerurrg, denen es zumeist an einer humoristischen Pointe nicht fehlte. Einer der kampflustigsten Deputierten war Georges Clemenceau, der sich auch .als Schriftsteller be- thütigte. Clemenceau gilt als gefährlicher Tuellgegner. Eines Tages sollte ein radikaler Deputierter, Maurel, auf dem , Terrain mit ihm zusammentreffen Maurel hatte sich nie im Leben geschlagen und wußte kaum einen Säbel in der Hand zu halten; trotzdem bekundete er seinem Zeugen gegenüber Äen festen Entschluß, Clemenceau aufzuspießen. Robert Mitchssll, einer der Zeugen, fuhr mit ihm in einem Wagen nach Enghien, wo das Duell stattfinden sollte. Unter- wegs zog Mitchell, da es schon spät war, seine Uhr aus der Tasche. Maurel bemerkte, daß an der Uhrkette einige Medaillen hingen. „Warum tragen Sie denn so wertloses Zeug?" fragte er seinen Sekundanten. — „Diese Medaillen bringen mir Glück", antwortete dieser: — „Glauben Sie wirklich, daß diese kleinen, geprägten Silberstücke jemanden beschützen können?" — „Ich habe sie stets! getragen, so oft ich mich duellierte. Nur ein einziges Mal wurde ich schwer verwundet; damals hatte ich meine Medaillen zu Hause gelassen." — „Ich begreife nicht, wie ein intelligenter und gebildeter Mann in diesem Maße abergläubisch fein kann. Was mich betrifft, so bin ich Freidenker." — „Ich beabsichtige nicht, Sie zu bekehren, auch hätte ich! keine Zeit dazu, denn wir haben unser Ziel erreicht." — „Zeigen Sie mir mal diese merkwürdigen Medaillen!" Mitchell reichte sie ihm und Maurel steckte die Uhr einfach in seine Tasche. Zur all- gemernen.Verwunderung traf er Clemenceau mit der Säbelspitze mitten in die Brust; doch glitt das Eisen an einer Rippe ab. Auf dem Rückwege gab er Mitchell die Uhr samt den Anhängseln zurück. „Wie zerstreut ich war!" bemerkte er hierbei. — „'Aber ich werde es niemals begreifen, wie ein Mensch von Ihrer Art an solche Dummheiten glauben kann." — Bei einem anderen Duell füngierte Clemenceau als Sekundant. Damals traten sich. Gambetta und Fourton mit der Pistole in der Hand entgegen. Clemenceau regelte das Duell. Auf sein Kommando „Feuer!" ertönten gleichzeitig zwei Schüsse. Man sah hierauf, wie Gambetta seine Pistole gegen sein Auge richtete, als wollte er sich eine Kugel durch den Kopf schießen. „Senken Sie die Waffe!" rief Clemenceau, indem er ihn am Arm ergriff. „Ich glaube, daß meine Pistole nicht losgegangen ist", antwortete Gambetta. Eine Untersuchung ergab, daß sein Schuß gefallen war,, vhite den Gegner zu verwunden. „Ich hatte Gambetta empfohlen" —, erzählte dann Clemenceau vertrauliche — „erst auf „Zwei" zu Meßen. Ich habe es hierbei für unnötig erachtet, ihm mitzukeilen, daß ich Herrn Fourton denselben Rat erteilte. . ."
Ein Spion. Es war zur Zeit der französischen Revolution — so erzählt Benson Hill — als die Anhänger derselben den Premierminister William Pitt als „einen Feind des Menschengeschlechts" erklärten. Sein Sekretär erzählte ihm eines Tages, daß ein Fremder wiederholt gekommen sei, um ihn zu sprechen, doch habe er ihn fortgeschickt, da er ihm nicht vertrauenerweckend schien.
„Haben Sie die Güte", sagte der Minister, „die oberste Schublade links in jenem Schranke zu öffnen und mir den Inhalt zu bringen."
Der Inhalt bestand aus einem Paar Pistolen und einem Saffian-Etui, welches eine mit einem Portrait geschmückte Schnupftabaksdose enthielt.
„Sieht unser Besucher so aus?" fragte Pitt.
„Tas ist derselbe Mann, Sir", antwortete der Sekretär.
„Ha! Ich erwartete ihn seit einigen Tagen; er ist ausgesandt, um mich zu ermorden. — Wenn er wieder vorspricht, so lassen Sie ihn zu mir führen."
Temgeniäß wurde der Mann, als er wieder vorsprach, in das Zimmer geführt, in welchem Pitt allein saß, eine geladene Pistole in der einen Hand, eine Schnupftabaksdose in der anderen.
„Monsieur Mehöe de la Touche" sagte er ganz ruhig, „Sie sehen, ich bin in jeder Hinsicht auf Sie vorbereitet;
ein Regierungsbeamter hat mich unterrichtet. Machen Sie! einen Angriff aus mein Leben, und das Ihrige ist augenblicklich verwirkt. Im besten Falle lasse ich Sie festnehme» und dem Richter überliefern."
Der unheimliche Besucher war stumm vor lieber-! raschung.
„Aber", sagte PitF „Sie haben noch eine anders Wahl, Sie können persönliche Macht und hohe Belohnungen erwerben. Verkaufen Sie Ihre geheimen Dienste an Großbritannien, und Sie sind vor baldigem Tode gerettet und werden freigebig bezahlt werden." —
Ter Elende ging sofort auf das Anerbieten ein und verdiente sich viele Jahre hindurch das Verrätergeld eines Spions in englischen Diensten.
Er wußte mit der Sache Bescheid. Er kam aufgeregt in das Annoncenhureau.
„Ich wünsche", sagte er, „wegen eines verlorenen Hundes M annoncieren. Ich wünsche fetten Truck, je fetter, desto besser. Ich! setze 20 Mark Belohnung für die Rückgabe des Tieres aus."
„Wann wurde der Hund verloren?" fragte man ihn.
„Gestern. Er lief mit meinem Jungen fort und kehrte! nicht zurück."
„Könnte Ihnen Ihr Söhnchen nicht sagen, wo ihm der Hund abhanden kam?"
„Nein, er ging mit dem Hunde verloren, Und ich habe ihn noch! nicht gefunden."
„Was?" rief der Zeitungsmann aus. „Und Sie wollen nur den Verlust des Hundes anzeigen?"
^Allerdings will ich das. Ten Jungen kriege ich! schon umsonst wieder. Aber den Hund giebt man nur auf Be- lvhnung zurück. Ich kenne das — die Geschichte ist mir schon einmal passiert."
Das Schlimmste. Ein eifriger, sehr tüchtiger Geistlicher, dessen Beredtsamkeit rühmlichst bekannt war, vermißte in der Kirche seit einiger Zeit einen seiner fleißigsten
„Wo bleibt denn unser lieber Freund, der Gutsbesitzer B.?" fragte er besorgten Tones den Küster. „Ich habe ihn schon feit drei Wochen nicht mehr gesehen. Ich! hoffte er ist kein Socinianer geworden."
„Nein, Ehrwürden", sagte der Küster, „es ist etwas viel Schlimmeres."
„Schlimmer als Socinianismus! Ter Himmel gebe, daß es nicht Polytheismus ist!"
„Nein, es ist etwas Schlimmeres!"
,!,Jch hoffe, daß es nicht Atheismus!"
„Nein, es ist sogar noch schlimmer als das!"
„Schlimmer als Atheismus? Unmöglich! —i Nichts kann schlimmer sein als Atheismus!" .
„Doch, Ehrwürden, es ist Rheumatismus!"
LLttssalr'rsches.
Ueberall, illustrierte Wochenschrift für Armee Und Marine, 5. Jahrg., Heft 12. Verlag von Boll und Pickardch Berlin.
Bilderrätsel.
(Nachbildung verboten).
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Tauschrätsels in Nr. 179:
Dame, Siebe, Kitz, Mehl, Reim, Leber, Helm, Bader — Dezember.
Redaktion: Curt Plato. — NotationZdruS und Verlag der Brübl'schen Universttüts-Buch- und Eteindrnckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


