Nr. 1.
Mittwoch den 1. Januar.
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Zum neuen Jahre 1902.
(Nachdruck verboten.)
Nun ist das Licht herabgebrannt Und bald die letzte Glut verglommen, Du scheidend Jahr! Reich mir die Hand Zum Abschied wie einst zum Willkommen. Zur Stunde, wo dich nur ein Hauch Noch trennt von des Vergessens Welten, Will ich nicht nach der Menge Brauch Dich ob versagter Wünsche schelten.
Du hast enttäuscht uitb hast beglückt — Auf manchem Antlitz stand's zu lesen. Du schufest Qual, und hast entzückt. Bist Dämon hier, dort Gott gewesen.
Und manch' ein selbstgeschmiedet Glück, Manch'. selbstverschuldet herbes Leiden Führt auf dein Walten sich zurück...; Du gehst und lächelst still zu beiden!
Es spricht dein Lächeln, mild und weich: Die Zeiten wie ihr Mund sind erzen Und bleiben sich auf Erden gleich. Unstet nur sind die Menschenherzen!
Euch lockt die Liebe, lockt das Gold, Der Lorbeer, der Euch nicht beschieden — Wenn Ihr die Zeiten ändern wollt, Schafft in die Herzen erst den Frieden! ,
Zwölf Schläge hallen dumpf vom Turm . . Ein neues Jahr kommt froh geschritten, Und wieder schwillt der alte Sturm Won stolzem Hoffen, kühnem Bitten;
Ich aber heb' die Hände still, Indes die Flut der Wünsche regnet, Und grüße dich: Wie Gott es will — Was du auch bringest, sei gesegnet!
Noch pulst in mir der Lebensmut, Noch winken neuen Lenzes Wonnen, Noch perlt im Kelch der Traube Blut, Noch- hat kein Gram mich so umsponnen, Daß nicht ein reiner Kinderblick, Ein zärtlich Lächeln mich- befreite — gfeft jedem für solch stilles Glück | Zwölf Milon de, Neujahr, dein Geleite!;;- ' J MlwinRömer.
(Nachdruck verboten.)
Verschollen.
Original-Erzählung von M. Ludolfs-
All' mein Leben
Soll ein Wandern sein nach Dir, ein Ringen Mit der Welt um Dich! ich will nicht rasten,- Bis den Tod ich oder Dich gefunden.
Geibellj
In der Fremde.
Wann wird der goldene Freudentag erscheinen. Den das Geschick uns aufbewahrt?
Der Tag des Wiedersehens mit den Deinen Nach allzu langer Fahrt. Plat en.
Da, wo die brausende Ansa stürmisch neben der stillen Bergstraße hinrauscht, unfern von dem anmutig zwischen aufsteigenden Kastanieniväldern und Gärten hervorlugenden Castagnola öffnet sich ein kleines, verstecktes Thal. Gleich bei Beginn desselben stand im frischen Wiesengrunde, umblüht von Alpenveilchen, ein niedliches Schweizerhaus. Ein reizenderes Idyll ließ sich kaum denken. Auf dem wetter- verlorenen Fleckchen Erde, inmitten der wunderbar schönen Landschaft mit dem noch vorherrschenden italienischen Charakter, gab der idyllische Schweizer Baustil dem kleinen Gebäude etwas ungemein Malerisches. Zierlich geschnitzt« Gallerten umliefen das erste Stockwerk. Blumen blühten in Fülle darauf; sie rankten empor bis zu dem breitesten Dachsimse und fielen wiederum in reichen Zweigen hinab auf das über der getäfelten Hausthür vorspringende Schutzdach. Dies gab dem Ganzen trotz aller Zierlichkeit ein g-e- wissxs solides, behagliches Gepräge, gewährte auch angenehmen Schatten in dem freundlichen Blumengärtchen, das den Vorplatz von dem duftigen Wiesengrunde abschloß.
Sorgfältig war der schmale Weg gehalten, der durch diesen hinführte nach der erwähnten Bergstraße, zu deren Rechten bedeutende Berggelände mit Dörfern und Hütten sich hinziehen, während links die rauschende Ansa sich zu ihr gesellt, und dem sinnigen Wanderer erzählt von der! schönen, krystallklaren Gletscherwiege, die sie neugierig verlassen, um sich ihren Weg über die Moraine hinab, durch enge Schluchten, zwischen gigantisch aufsteigenden Bergen hin, über wildes Felsgestein iveg zu erkämpfen, hinaus in die iveite, schöne unbekannte Welt, die so geheimnisvoll,- so ahnungsreich lockt, bis — noch weiß die schäumende/ ungestüme Wasserflut nicht bis wohin! Sie träumt nur von Sonnenschein, Lenzesluft und Sommerpracht, von lachenden Gefilden und grünen, herrlichen Waldesgründen — sie ahnt nicht den nahen, tiefen See, das frühe- Grach ihrer jauchzenden Jugendlust.
Dem hoffnungsreichen Wellensang lauschte in Sommerabendstille verständnisinnig eine einsame Wanderin^ Eigene


