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pelzähnlichen Oberfläche versehenen Winterstoffe waren die besten Repräsentanten. Bei diesen waren es wieder das Festsetzen von Staub und andere int Gebrauch sich herausstellende Unzuträglichkeiten, hauptsächlich auch der Preis, welche die Einführung erschwerten. In dieser Beziehung annehmbarer sind die unter den Namen Eskimo, Ratinee rc. bekannten, mit glatter Oberfläche versehenen Strichwaren. Für Konfektionsgeschäfte sind indessen auch diese Qualitäten noch zu teuer; hier begnügt man sich häufig mit einer aus Baumwollwatte und Kuustwollschuß hergestellten Ware. Besonders Pelerinenmäntel und Damen-Konfektion weisen diese Qualität häufig auf. Ein wirklich praktischer und auch eleganter Konfektionsstoff sind die guten Wollplüsche und Krimmer, leider güebt es nur noch wenig gute. Tie meisten, in fertigen Konfektionswaren verarbeiteten Krimmer bestehen nur noch aus Baumwolle und Kameelhaar, dem man durch Färben und Behandeln unter Appreturmitteln (Lackieren) einen Scheinglanz gegeben hat,- der leider nur zu schnell beim Tragen verschwindet. Für Herrenkou- sektiou sind derartige Krimmer höchstens als Besatz in Frage gekommen. Trotzdem hat man es , auch versucht, wenigstens etwas ähnliches herzustellen, die sogenannten Walkkrimmer, welche aus baumwollener Kette und Weftschuß bestehen. Diese Ware wird 180 bis 200 Zentimeter breit gewebt, derart, daß der Schutz stellen'weis über eine größere Anzahl von Kettfäden fhiuweggeht; wird dieselbe dann später bis auf 130 Zentimeter gewalkt, so bilden die tosen Schußfädenabschnitte die oben aufliegenden Locken, welche dann das krimmerartige Aussehen Hervorrufen. Eine ähnliche Ware bilden die unter dem Namen Tricot-curl stört) bekannten Ueberzieherstoffe, deren Grund, wie der Name schon andeutet, nicht ein Gewebe, sondern ein Ge- wirke, ein Trikot ist. Zur Bildung der Locke ist ebenfalls ein stärkerer Weftfaden herangezogen, derselbe ist aber zwecks Erzielung einer geschlossenen, eleganten Locke vorher zubereitet, durch ein besonderes Verfahren in Wellenlinien gebracht. Auf der niedrigsten Stufe in Bezug auf Qualität steht dann noch eine dem Walkkrimmer ähnliche Qualität; diese besteht aus einer dünnen Weftkette, welche um den allergewöhnlichsten Lumpenschutz (Shoddy, per Kilo 75 bis 80 Pfg.) verwebt ist. Diese Ware ist ebenfalls sehr stark gewalkt und wirft dadurch einzelne, wirr durcheinander liegende Locken auf die Oberfläche. Bei den Webern hat diese Ware den prosaischen Namen „Wurstpelle".
GsrnernrEtzigss.
Wieviel Gemüses amen gebraucht m a n f ü r einen Haushalt von 5 Personen? Gemüsesameu ist billig, und deshalb wird oft viel mehr gekauft als notwendig ist. Tas wäre ja schließlich nicht so schlimm, weil man die kleine Mehrausgabe leicht verschmerzt. Ihr folgt aber gewöhnlich eine andere, noch viel größere auf dem Fuße. Tas ist der Mißerfolg, der hervorgerufen wird durch zu dichtes Aussähen der Sämereien. Sie sind einmal getauft und sollen auch in den Boden hinein. Wer also zu viel Saatgut kauft, hat gewöhnlich doppelten Schaden. Um seine Leser vor solchem Schaden zu bewahren, hat der „Erfurter Führer im Gartenbau" eine Zusammenstellung der Samenmenge eingebracht, die für eine Familie von 5 Köpfen ausreichend ist. Gleichzeitig wird angegeben, mann die verschiedenen Samen ausgesät werden müssen, und welche Sorten zu wählen sind. Der Artikel ist gewisser- maßen ein Kalender für jeden, welcher Gemüse baut. Unsere Abonnenten erhalten diese Nummer kostenfrei, wenn sie sich mittelst Postkarte an das Geschäftsamt des Erfurter Führers wenden.
Blumen auf Reisen. Frische Blumen kann man selbst im Winter mit der Post versenden, wenn man hierbei einige Vorsicht beobachtet. Man schneide zunächst die Blumen nicht früher ab, bevor sie gebraucht werden, und wühle nur solche, die noch nicht vollkommen aufgeblüht sind. Tie Persandtschachteln sollen möglsthst ausgefüllt sein, ohne daß dabei die Blumen gequetscht werden. Im Winter füttert man die Schachteln mit frischen und saftigen Blättern von Salat, Spinat o. dergl. aus. Feuchtes Moos ist nicht zu
empfehlen, da es die Blumen beschmutzt. Auch Watte ist nicht dienlich, da sie die Feuchtigkeit begierig aufsaugt und mit ihren Fasern an den Pflanzenteilen haften bleibt. In eine größere flache Schachtel werden zu unterst die schweren, darüber schichtweise immer leichtere Blumen gelegt und die Schichten durch dazwischen gebreitete frische Blätter abgeteilt. Schachteln aus Fichtenholz oder Weißblech sind für den postalischen Versandt von Blumen am geeignetsten, doch verwende man nur reine Schachteln, nicht solche, die nach Seife, Tabak u. s. w. riechen. Der Breslauer Professor Tr. Göppert teilte vor bald zwanzig Jahren über die Methode, frische Blumen und Pflanzen zu versenden, folgendes mit: „Bereits vor längerer Zeit (1849) fand ich, daß sich Blüten durch Einlegen in mittelst Korkpfropfen verschlossene Gläser Tage lang erhielten und sich in die weiteste Entfernung verschicken ließen. Hineingießen von Wasser war nicht erforderlich, sondern sogar schädlich, weil bei solchem Verschluß nicht mehr Feuchtigkeit, als die Pflanze ausdünstet, notwendig ist. Auch ganze Pflapzen lassen sich unversehrt verschicken, wenn man sie — wie namentlich die rosettenartig wachsenden Alpenpflanzen — sorgfältig in Wachspapier einhüllt. Der allgemeinen Verwendung dieser einfachsten aller Verpackungsweisen steht nichts entgegen, und Wachspapier sollte daher bei Alpenausflügen zu den steten Reise-Utensilien gehören."
Litterarisches.
Heinrich Seidels Erzählende Schriften Bd. 6 und 7 geb. je Mk. 4.—. — Verlag der I. G. Cotta- schen Buchhandlung Nachfolger, G. m. b. H., Stuttgart.
Band 6 enthält unter dem Gesamttitel Phantasiestücke: Die Augen der Erinnerung. Die Geschichte eines Thales. Der Zlulpenbaum. Der Haselwurm. Waldfräulein Hecht«. Die Monate. Der Goldbrunnen. Der Trilpetritsch. Die Wirtin von Bornau. Hans Peiter Semmelmann. Tas arme alte Gespenst. Der unbekannte Garten. Professor Muckensturms „Lebensretter". Die Nebeldroschke. Das Zauber- klavier. Höchst merkwürdiges Abenteuer eines Luftschiffers. Die Seeschlange. Eine Storchgeschichte. Mondschein. Die drei Knaben.
Der 7. unter dem Titel Von Perlin nach Berlin. Aus meinem Leben:
Von Perlin nach Berlin. 1. Tie Vorfahren. 2. Perlin. 3. Schwerin. 4. Hannover. 5. Güstrow. 6. Berlin. Von Berlin nach Perlin. Allerlei Tiere. Polly Seidel. Ein Reiseerlebnis. Ein Tag aus dem Büreaüleben., Wie der Rosenkönig entstand. Was sich am Morgen meines fünfzigsten Geburtstages ereignete.
Heinrich Seidels schlicht tiefes Empfinden und urwüchsiger Humor kommen auch in diesen letzten beiden Bänden seiner Erzählenden Schriften voll zur Geltung. Tie Erzählungen sind fast durchweg Meisterwerke liebevoller Kleinmalerei von bleibendem Wert. Jede halbwegs ansehnliche deutsche Haus-Bücherei wird Heinrich Seidels Schriften nicht entraten können. Bdt.
Skaiaufgabe.
Nachdruck verboten.
(a b c d die vier Farben; A 3(6; K König; D Dame, Ober; B Bube, Wenzel, Unter; V M H die drei Spieler.) In Vorhand wurde folgendes a-tzandspiel verloren.
b, c, dB, aA, K, D, 9; bA, D, 7.
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Im Skat lag noch ein Trumpf. M hatte in seiner Sorte, 34 Auge" mehr als H. Die Gegner kommen auf 63. Wie saßen die Karten'. Wie ging das Spiel?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Scherzrebus in voriger Nummer:
Reiterei.
Redaktion: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfitSt-.Bnch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.


