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einen übergletscherten Erdteil, sondern in einen blühenden Garten wurde er aller Wahrscheinlichkeit nach versetzt, wenn wir dabei auch annehmen müssen, daß die Alleen desselben nicht beschnitten, noch die Pfade mit Kies bestreut waren."
Vergeblich hat man lange Zeit nach den Resten von Menschen gesucht, welche in noch früheren Erd-Epochen gelebt haben. Die vollendete Gestalt, die kulturellen Errungenschaften desselben machen es aber in hohem Grade wahrscheinlich, daß er Vorfahren gehabt, welche ans einer noch weit tieferen geistigen und körperlichen Entwickelungs- stnfe standen als er. Ende 1894 fand nun ein niederländischer Militärarzt, T-r. Eugen Dubois zu Trinil auf der Insel Java eine Anzahl hochinteressanter Knochenreste, welche jedenfalls viel Menschenähnliches an sich! haben, aber doch von der Knochenbildung des heutigen Menschen sehr erheblich abweichen; viel weiter ist allerdings die Kluft, welche diese Funde von den Knochen der höchsten sogenannten Menschenaffen trennt, und namentlich deutet oer Schädelknochen darauf hin, daß der Träger desselben eine Hirnmeuge besessen hat, welche diejenige des höchsten Affen um reichlich! das Doppelte übertrifft, wenn sie auch gegen jene des heutigen Menschen um nahezu ein Drittel zurückbleibt. War dieses Geschöpf nun ein Mensch lob er ein Zwischenglied zwischen diesem und den Anthvo- päden, nach welchem die Anhänger Darwins mit so großem Eifer fahnden?
Tue Mehrzahl der Forscher neigt sich der letzteren Ansicht zu; aber der Streit ist, trotzdem seit der Entdeckung sieben Jahre verflossen sind, noch nicht geklärt, und es muß leider dem Zufall überlassen bleiben, daß irgendwo einmal nach Erdstürzen oder Erdbeben, bei Erd- ürb eiten oder Durchstichen von Eisenbahnen ein weiterer Fund gemacht wird, der uns den Schlüssel zur Lösung des Problems gießt.
Wenn wir aber auch von der Entdeckung des Tr. Dubois gänzlich absehen, so bleibt doch die Frage interessant, wie hoch sich das Alter jener Funde beläuft, deren Zugehörigkeit zum Menschen außer Zweifel steht.
Die scharfe zeitlich^ Bemessung ganzer geologischer Perioden ist leider für unser Wissen ein Ding der Unmöglichkeit ; die nachstehend erwähnten Berechnungen können daher keinen Anspruch auf absolute Genauigkeit machen, geben jedoch immerhin etn recht anschauliches Bild, in welch graue Vorzeit die Ursprünge des Menschen zurückführen. In Aegypten fand man in der Nähe des Steinbildes des Königs Ramses II., 39 Fuß tief int Nilschlamm vergraben, thöneme Scherben; nachdem mau nun ermittelt hat, daß der Nil in den letzten 6000 der Geschichte angehörenden Jahren durchschnittlich in jedem Jahrhundert eine Schlammdecke von dreieinhalb Zoll absetzt, kann man leicht ausrechnen, daß die Töpfer, welche jene Gefäße geformt und gebrannt haben, vor ungefähr 13000 Jahren gelebt haben müssen.
Eine ähnliche Berechnung ermittelt als Alter eines bei New-Orleans in einer Anschwemmung des Missisippi gefundenen Skelettes) über welchem die Reste von vier Urwäldern lagerten, die in vier verschiedenen Erd-Epochen dort gestanden hatten, und zu Grunde gegangen waren, nicht weniger als 50 000 Jahre. Auch diese Zahl reicht augenscheinlich an das thatsächliche Alter des Menschengeschlechts in Europa noch nicht heran. Man hat in französischen Thälern Steinwerkzeuge in Flußkieslagern ge- . fanden, welche heute hoch über dem Wasserspiegel des Flusses liegen, weil dieser sich inzwischen seine Rinne viel tiefer ausgegraben hat. Man hat nun versucht, die Zeit zu berechnen, welche der Fluß notwendig hatte, um sich so viel tiefer in den Fluh hineinzuwühlen, und ist dabei zu Resultaten gekommen, welche zwischen 100 000 und 240000 Jahren differieren. Der große Unterschied in diesen letzteren Angaben weist mit Deutlichkeit darauf hin, daß die Faktoren dieser Rechnung nicht mit wünschens-, werter Schärfe bestimmt werden können; es bleibt aber die Thatsache bestehen, daß die Zeit des quaternären Menschen etliche Zehntausende von Jahren hinter der Gegenwart zurückliegt.
An die Bestimmung des Alters des tertiären Menschen hat sich überhaupt noch niemand recht herangetrant; denn hier verlassen uns alle Anhaltspunkte für die Abschätzung, und es ist nur so viel gewiß, daß es sich; hier um einen
Zeitraum von vielen hunderttausend Jahren handelt. Ein österreichischer Gelehrter WeMsch hat, ausgehend von der Annahme, daß der Mensch auf der Erde ausgetreten sei, sobald als die Abkühlung derselben überhaupt das Bestehen seines Organismus gestattete, die Zeit zu bestimmen versucht, weichte verflossen ist, bis sichj die vermutliche damalige Erdtemperatur auf die heutige abgekühlt hat. Er kommt dabei auf ein wahrscheinliches Alter des Menschengeschlechtes von 1028 000 Jahren. Eine Kritik dieses Re-, sultates ist einfach unmögliche weil die Grundlagen desselben zahlenmäßig nicht im geringsten feststehen. OK nun aber 200000 oder eine Million Jahre verstossen sind seit der Zeit als die ersten Menschen über den Erdballs schritten, ist einerlei; sicher ist, daß wir ein Geschlecht v!on altem Adel sind, und wer nicht göttlichen Ursprunges sein will, lasse sich daran genügen.
Modo.
Die „Wiener Mode" und der Wiener Geschmack im Ausland. Nach einem Berichte der „Neuen Freien Presse" aus Liverpool wurde einer jetzt dort wohnenden Landsmännin bei einer Toilettenauswahl als „most fashiouable" die „Wiener Mode" vorgelegt und wird hinzugefügt, daß der Triumph des Wiener Geschmackes dort ein vollständiger sei. Wir erwähnen diese gewiß erfreuliche Thatsache bei Erscheinen des neuen, 7. Heftes (1. Januar), dieses auch sonst im Auslande immer allgemeiner beliebten heimischen Modejournals, das in hocheleganter Ausstattung und mit reichstem Inhalt vor uns liegt. Eine Mode- Plauderei „Zur Tanzsaison" leitet letzteren ein, dann folgen eingehende Modeberichte mit zahlreichen, vornehmst aus- geführten Illustrationen. „Im Boudoir" wird der fesselnde Roman von Potapenko „Was Liebe vermag" fortgesetzt; eine „Pädagogische Rundschau" von L. Fleischer, die Novellette „Mondnacht auf dem Kanal" von A. Hofsmann-Diederich, viele andere Artikel, die beliebte „Korrespondenz" sowie als Quartalsbeigabe ein Lied für Singstimme und Klavier des. bekannten Komponisten Anton Rückauf, „Fliege, mein liebliches Käferlein", werden den Leserinnen dieses in praktischer und künstlerischer Hinsicht so reichhaltigen Mode- und Familienblattes angenehmste Anregung und Unterhaltung bieten. Nr. 4 der „Wiener Kinder-Mode" sowie eine Schnittmusterbeilage vervollständigen ferner den Inhalt dieses Heftes, mit dem das 1. Quartal 1902 beginnt. Man abonniert in allen Buchhandlungen sowie beim Verlag der „Wiener Mode" in Wien, VI. Gumpendorferstraße N. Preis 2.50 Mk. vierteljährlich.
Gemeinnütziges.
Für Gichtkranke ist der Genuß von Gemüse, besonders des Kohles in seinen verschiedenen Arten, besonders zu empfehlen. . -
(Prakt. Wegweiser, Wurzburg.)
Merkräts el.
Nachdruck verboten.
Brutus, Byron, Dirne, Engländer, Helm, Schwester, Sonne, Trave, Travestie.
Vorstehende Wörter sind so zu ordnen, daß der erste Buchstabe vom ersten Wort, der zweite vom zweiten, der dritte vom dritten u. s. w. cm Zusammenhang ein Fest bezeichnen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Geheimschrift.
(Nachdruck verboten.) Klgschnwltndmnschnfgn Grnntzlehsnsvlmnknn Sehslbstndndrnchtbtrgn Dlhrpsstfrjdrmnu.
Vorstehende Buchstabenreihcn sind in Gruppen zu zerlegen, die sich durch Einsügnng passender Vokale zu sinngemäßen Wörtern bilden lasten.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Füllrätsels in vor. Nr.: Erich, Dukaten, Ida, Salbe, Dnkel, Nase. — Edison.
Redaktion: E. Burkhar dt. — Rotationsdruck und Verlag.der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Cteindruckerei (Putsch Erben) in Gus n.


