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von Uns scheidet, wo das jugenbfrische neue Jahr empdr- K rnit seinen tausend Hoffnungen und Wünschen, einige e zu sagen. Für uns alle kommt einmal die Stunde, wo es heißt, zu entsagen, wo es heißt, die Wünsche und Hoffnungen zu Grabe zu tragen, welche sich auf unsere Zukunft beziehen — das ist die Sylvesterfeier unseres Lebens, da die Fügend von uns scheidet. Aber aus dem Schachte der Zeit steigt ein neues,
Jahr empor mit neuen Wünschen, mit neuen Hoffnungen. Wohl dem Menschen, der auf seines
Lebens Sylvesterferer ein solches neues junges, hoffnungs- srisches Jahr emporsteigen sieht — in dem Leben seines Kindes. Tann wird unsere Sylvesterfeier trotz allem eine frohe, beseligende sein, und wir begrüßen glücklich Und zufrieden das neue Jahr. — Meine verehrten Gäste, Sie alle sehen es vor sich im Glanze seiner Jugendseiner Schönheit — mein liebes) teures Kind, meine liebe, teure Wthe — mögen ihre Wünsche, ihre Hoffnungen im neuen Jahre in Erfüllung gehen, dann will ich; gern den Sylvesterabend meines Lebens gefeiert haben. .
Tie Gläser klangen zusammen, aber Käthe weinte heiße Thränen der Liebe und Dankbarkeit am Herzen der Mutter.
Ursprung und Alter des Menschengeschlechts.
Von Dr. Gustav Petters.
(Nachdruck verboten.)
Zu den interessantesten Fragen der Wissenschaft gehört es, das Alter und den Ursprung des Menschengeschlechtes zu erörtern. Allerdings ist die Wissenschaft vom Menschen, die Anthropologie, die jüngste von allen Verästelungen des Baumes menschlicher Erkenntnis, Und man muß deswegen mit der Deutung ihrer Ergebnisse besonders vorsichtig sein. Immerhin aber hat sich rm Laufe der Jahre eine derartige Summe von Einzelkenntz Nissen und Erfahrungen angehäuft, daß wir den Fragen nach den Anfängen des Menschengeschlechtes auf unserem Planeten doch nicht mehr so ratlos gegenüber stehen wie etwa vor 50 Jahren.
Folgen wir der biblischen Ueberlieferung und den Berechnungen des Bischofs Usher oder den für den jüdischen Kalender maßgebenden Daten des Rabbi Hillel ha Nassi, so kommen wir auf ein Alter der Welt, und dabei auch des Menschengeschlechts von etwa 6000 bezw. 5661 Jahren. Etwas reichlicher mißt schon die griechische Kirche, welche am 14. September 1901 (neuen Stils) ihr 7409. Jahr begonnen hat. Noch viel weiter zurück reicht aber die Geschichte der Menschheit nach den heiligen Büchern der. Perser und Inder; denn die Beden und Upanischaden sprechen bereits von 30 000 Jahren, während die indischen Heldenbücher von hunderttausenden von Jahren reden.
Man begeht keinen Kirchenraub, und tritt dem inneren Werte der heiligen Schrift kaum zu nahe, wenn man sich nicht auf die wörtliche Richtigkeit ihrer chronologischen Angaben versteift; denn wenn mau auch den Daten der persischen und indischen Religionsbücher keinen Glauben bermeßt, so haben doch die neuesten assyrischen und baby- lonrschen Ausgrabungen unanfechtbare historische That- sacheu zu Tage gefördert, welche von der Gegenwart über- 8000 Jahre entfernt liegen, also weiter zurückreichen, als die christlichen und jüdischen Zeitrechnungen überhaupt der Schöpfting als bereits vergangene Lebensdauer zuerkennen.
Es bedarf nun keines weiteren Beweises, daß Menschen nicht nur innerhalb desjenigen Zeitraumes gelebt haben, über welchen glaubhafte historische Nachrichten vvrlregen; denn wir sehen an allen Beispielen der Gegenwart und Vergangenheit, daß sich die Völker ihre Kultur nicht fertig vom Himmel herunterholen wie Prometheus das Feuer, sondern im Verlause von ungeheuer langen Zeiträumen mühsam erkämpfen. Diejenigen Völker aber, welche vor etwa 6000 bis 8000 Jahren am Horizont der Weltgeschichte auftauchen, befinden sich; bereits im Besitz einer Schrift, emer hochartikulierten, grammatikalisch weit fortgeschrittenen Sprache, und einer so großen Menge kultureller Errungenschaften, und technischer Erfindungen, daß wrr eine lange vorgeschichtliche Entwickelung dieser vor- aussetzen müssen, über die uns in Ermangelung schriftlicher Aufzeichnungen nichts bekannt ist. Alle in alten Urkunden enthaltenen Angaben über das Alter
des Menschengeschlechtes sind daher bestenfalls Angaben? über den Zeitpunkt, wann das betreffende Volk in den Besitz leistungsfähiger Schriftzeichen gelangte, die nicht nur Symbole und Idole darstellten, sondern auch im stände waren, die Erinnerungen an irgend ein bedeutsames Ge-i schehnis in einer auch für die nachfolgenden Geschlechter verständlichen Form festzuhalten.
Der Gedanke, daß das Dasein des Menschen auf unserem Planeten unendlich viel weiter zurückreicht, war also sehr naheliegend, und wäre jedenfalls schon viel früher zum allgemeinen Bewußtsein gekommen, wenn sich nicht der Hochmut und Eigensinn des sonst in so vielen Richtungew bahnbrechenden Gelehrten Cuvier dem mit Erfolg entgegen-, gestemmt hätte. Cuvier bildete sich nämlich ein, daß die Entwickelnngsgeschichte der Erde nicht in einem ununter-, brochenen Zuge verlaufe, sondern in einer Reihe scharf von einander getrennter Akte, der sogenannten Revolutionen,) in denen jedesmal alles Lebende vernichtet werde, damit wie ein Phönix aus der Asche durch! einen schöpferischen Akt des Werdens eine neue, vollkommenere Lebewelt enfe stehe. Tas letzte und neueste Produkt dieser Regenerationen sollte nun nach Cuvier eben der Mensch! und der gegenwärtige Artenbestand der Erde an lebenden Wesen seine Sv unsinnig nnd unbegründbar diese Vorstellung aucH war, die gelehrte Welt sprach sie nach, obwohl schon int 16. Jahrhundert Mercati an der Hand der in der Erde gefundenen steinernen Waffen und Geräte den Nachweis geliefert hatte, daß diese einer Kultur angehört hätten/ welche weit zurück in prähistorischen Zeiten liegen müsse.- Seine Arbeit, welche nach 800 jährigem Schlaf in der Vati-) kanischen Bibliothek im Jahre 1717 gedruckt wurde, blieb von der Naturwissenschaft des 18. Jahrhunderts sholz un.di hochmütig unbeachtet.
Wo aber die gesamte Gelehrtenwelt sich gegen die bessere Einsicht sperrte, da begann.die Erde selbst zu sprechen. Tas stolze Wort „Saxa loquuntur", zu deutsch „die Steine, reden", wurde zur Wahrheit. Vom Jahre 1823 an, wo im Löß des Rheinthales von Bous ein fossiles Menschengerippe entdeckt wurde, mehrten sich die Funde von menschsi lichen Skelctiteilen in Gesellschaft von Knochen längst aus)-, gestorbener Tiere. Letztere Knochen zeigten Einkerbungen/ Verletzungen, und sogar Einschnitte von Tierfiguren. Tie Art und Weife wie diese menschlichen und tierischen Reste samt nranfänglichen Steinwertzeugen zusammengebettet: waren, gestattet gar keinen Zweifel daran, daß in . Mittel- Europa schon Menschen gelebt hatten zur Zeit, als nochj der Höhlenbär, das Mammut, das Rhinozeros, und andere Tiere der Urwelt in unseren Gegenden hausten. Genauere. Forschungen, welche von den Geologen aller Länder nun-) mehr angestellt wurden, lieferten den Nachweis, daß der Mensch! nicht nur in jener Periode bereits existiert hat, welche geologisch als Quartärzeit bezeichnet wird, sondern! sogar schon der Tertiärzeit angehört.
Ter Anatom vermag aus den Knochenrcsten eines Geschöpfes die äußere Gestalt desselben mit einiger Sicherheit zu ergänzen. Tas hat man denn anch mit Funden von Skeletten prähistorischer Menschen gethan, und dabei festgestellt, daß jene Menschen der grauen Urzeit in ihrem' Körperbau nicht viel von uns verschieden waren. Virchow! hat jedenfalls recht, wenn er sagt: „daß die Untersuch-; ungen aller Gräberfelder, welche bis jetzt bekannt sind, und aller Pfahlbauten und aller Höhlen immer wieder Menschen ergeben haben, deren wir uns nicht zu schämen brauchen, und es steht fest, daß der prähistorische Mensch Europas ein geistig hochstehendes Wesen war, der sich jedenfalls einer Höheren Begabung erfreute, als manche niedrige Rasse der Gegenwart. Wann und wo derselbe! aber zuerst das Licht der Welt erblickt hat, darüber schweigen alle geologischen Urkunden. „Wenn wir seine Spuren, wie Unger sagt, zuerst mit den gewaltigen, dickhäutigen Säugetieren in Europa finden, in einer Zeit- Periode, während welcher unser Erdteil, von der unmittelbaren Verbindung mit den übrigen getrennt, der Ungunst eines rauhen lebensfeindlichen Klimas (der Eiszeit) unterlag,; während welcher sich! Eismassen über die Thäler und Ebenen herabwälzten, so ist es nicht, wahrscheinlich, wenn' wir hier, und unter solchen Umständen die Entstehung des Menschen vermuten. Wir sind vielmehr genötigt, an» zunehmen, daß es nur die unmittelbar vorhergehende Braunkohlenperivde sein konnte, in deren blütenreichen Tagen dieses Wunderwerk die Natur stattfaud. Nicht in


