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Die beiden Herren hatten unter diesem Gespräch den Bahnhof erreicht, von wo sie mit der Ringbahn nach Berlin zurückfahren wollten,- es dauerte indes einige Zeit, bevor sie in einem der überfüllten Züge Platz finden konnten. Während des Wartens raunte der kleinere dem andern zu:
„Du mußt mir Geld schaffen, Michels —"
Eine nervige Hand packte seinen Arm wie in einem Schraubstock, während sein Begleiter laut und sehr höflich zu ihm sagte:
„Wollen Sie nicht einsteigen, mein bester Herr von Blankenfeld?" Gleichzeitig schob er den Kleinen in ein Wagenabteil erster Klasse, an das sie gelangt waren, stieg hinter ihm ein und stellte sich und ihn den beiden bereits darin befindlichen Offizieren mit der Haltung des vollendeten Kavaliers vor:
„vr. Corbus; Rittergutsbesitzer von Blankenfeld".
Die Vorstellung ward erwidert, und es kam ein Gespräch über das Rennen in Gang, an dem sich aber von den Neuangekommenen nur Corbus beteiligte, der sich in der That sehr erfahren in Sportsangelegenheiten erwies. Als die Offiziere am Lehrter Bahnhof ausgesttegen waren, war denn auch das erste Wort, das der vorgebliche Herr von Blankenfeld im Weiterschreiten zu ihm sprach:
„Reden kannst Du wie ein Buch —"
„Aber so nenne mich doch nicht immer öffentlich Du, das macht sich schlecht", unterbrach ihn Corbus; „reden wir überhaupt auf der Straße so wenig wie möglich miteinander".
Er mußte ein. großes Uebergewicht über seinen Begleiter besitzen, denn dieser knurrte zwar noch etwas Unverständliches, gehorchte aber und verhielt sich still bis sie das elegante Junggesellenquartier, das Corbus in einem Gartenhause der Lnisenstraße bewohnte, erreicht hatten. Hier freilich machte er es sich sofort auf einem Sofa bequem und begann von neuem die Rede, die Corbus ihm vorher abgeschnitten hatte:
7,®« mußt mir Geld schaffen. Ich bin ganz blank". Corbus, der sich im Zimmer allerlei zu thun gemacht hatte, blieb vor ihm stehen, schlug die Arme übereinander und entgegnete:
„Ja, lieber Junge, ich hab' ja selber nichts".
„Du hattest aber was, das Geld von —"
„Nenne doch keine Namen,- wie oft hab' ich Dir das verboten", unterbrach ihn Corbus. „Das Geld, was Du meinst, ist rein alle, und was ich sonst gehabt habe, dazu; ich sitze ganz auf dem Trocknen".
„So mach' Dich wieder flott und mich dazu".
„Ja, wie soll ich denn das anfangen?*
„Deine Sache. Die Alte muß wieder 'rausrücken".
„Das geht auch nicht so im Handumdrehen. Man kann nicht die Gans schlachten, die goldene Eier legt".
Der Kleine sprang jetzt vom Sofa auf und trat drohend vor Corbus hin. „Ich will aber Geld haben, ich muß es haben. Du bist es mir schuldig. Hast Du nicht das meiste aus der Sommer'schen —"
„Schon wieder ein Name!" schrie Corbus mit dem Fuße stampfend.
„Na, meinetwegen nicht. Es ist doch so. Wir haben das bare Geld geteilt —"
„Und es ist in die vier Winde zerstoben!" rief Corbus sich selbst verspottend dazwischen.
„Die Aktien, die mindestens zehnmal so viel ausmachen, hast Du aber allein für Dich genommen".
„Weil ich sie an den Mann bringen will".
„Und ich habe keinen Pfennig davon gesehen", schloß der andere.
„Ich etwa?" fragte Corbus heftig. „Die verdammten Papiere lassen sich nicht so leicht versilbern; die Nummern sind überall bekannt. Ich hab's in London versucht und bin nur mit genauer Not davongekommen".
„Ach, wenn man's nur geschickt anfängt", sagte Blanken- feld wegwerfend. Sich in die Höhe reckend fuhr er fort:
,Jch will Dir mal was sagen, ich hab' den Schwindel nun satt. Wer hat die Aktien geholt, Du oder ich?"
„Wer hat den Einfall gehabt? Du oder ich?" fragte Corbus dagegen.
„Das ist ganz gleich. Ich hab's gemacht und will nun endlich was davon haben. Kauf' mir meinen Teil Aktien ab".
„Aber Du weißt voch, daß ich kein Geld habe".
„So gieb sie mir. Ich werde sie schon loSschlagen".
„Homann, nimm Dich in acht, ich warne Dich!" rief Corbus, seiner eigenen Warnung entgegen, den Genossen bei seinem wahren Namen oder wenigstens bei dem, unter dem er den Spießgesellen bekannt war, nennend. „Mit dem Verkauf der Aktien ist das eine verdammt kitzliche Geschichte".
„So schaff' auf eine andere Weise Rat!" sagte Homann grob. Als er darauf von Corbus keine Antwort erhielt, fuhr er fort:
„Wie steht es denn mit einem Besuch bei Deinem lieben Verwandten in der Burgstraße? Auf den war's doch eigentlich abgesehen, als Du mich nach Berlin locktest. Die kleine Geschichte in der Friedrichstraße wurde ja doch nur unternommen, weil die Gelegenheit so günstig schien. Wird's nun endlich was damit? Da muß doch ganz was anderes zu holen sein als bei dem lumpigen Bankier. He, wirst Du endlich antworten?"
Er war während seiner Rede aufgestanden, ganz nahe an Corbus herangetreten und stieß diesen kordial in die Seite. (Fortsetzung folgt.)
Kopsweh, Reißen und ähnliche Schmerzen.
Ein geistreicher Schriftsteller behauptete einmal von dem Schmerz, er sei eine der größten' Wohlthaten, welche die Natur dem Menschen gegeben. Derselbe hat insofern recht, als der Schmerz uns aufmerksam darauf macht, daß in unserem Körper etwas nicht in Ordnung ist, und als er uns mahnt, etwas zu thun, um unsere Gesundheit wiederherzustellen. Meistens sind übrigens, wie I)r. Szana in den Kurberichten mit Recht betont, nicht die schmerzhaften Krankheiten die gefährlichsten, sondern die, welche sich mit wenig oder gar keinen Schmerzen einschleichen, und erst beachtet und behandelt werden, wenn es zu spät ist. So wäre z. B. die Lungenschwindsucht seltener und weniger gefährlich, wenn sie in ihrem Anfangsstadium schmerzhafter auftreten würde. Denn bekanntlich ist sie nur int Anfangsstadium heilbar.
Von Wichtigkeit ist die Thatsache, daß die Ursachen der Schmerzen nicht immer da zu suchen sind, wo man den Schmerz empfindet. So z. B. sind Schmerzen in der Nierengegend sehr häufig, ohne daß den Nieren irgend etwas fehlt. Die Ursache des so häufigen Kopfschmerzes ist sehr oft eine Erkrankung der Unterleibsorgane, oft auch Blutarmut. — Immer größer wird die Anzahl derer, die an „Reißen" leiden, Reißen in den Armen, in den Beinen, in den Schultern oder ini Kopfe. Auch hier wird meist ohne nähere Untersuchung bezüglich der Ursache des Uebels da, wo der Schmerz sitzt, herummassiert und geschmiert.
Nun nmß man wissen, daß das Reißen bei dem einen die Folge schlechter Blutmischung bezw. verkehrter Lebensweise ist, bei den: andern die Folge der Berufsthätigkeit und dergleichen. Eine sehr häufige Ursache des Reißens ist der unausgesetzte Aufenthalt in schlecht gelüfteten, rauchgefüllten Räumen, fo z. B. in Kanzleien und Büreaus, in. Kaffee- und Geschäftshäusern. Dadurch, daß das Blut infolge der Atmung in fo schlechter Luft immer mangelhaft erfrischt wird und die Nerven mit diesem blos mangelhaft erfrischten Blute ernährt werden, bildet sich das Reißen — der Rheumatismus. Eine weitere Ursache des Reißens bildet auch die Kleidung. Es ist erwiesen, daß durch die Haut sehr wichtige Giftstoffe sich ausscheiden. Der Schweiß des kranken Menschen ist so giftig, daß kleine Mengen davon,


