Ausgabe 
19.2.1898
 
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Wappensprüche des jüngsten Adels.

Was aber in den beschränkten Verhältnissen nicht bemerkbar geworden, das kam jetzt, in den Tagen des Ueberflusses, immer deutlicher zum Vorschein: Die beiden Gatten waren in ihren Characteranlagen grundverschieden und huldigten über gewisse Dinge diametral entgegengesetzten Ansichten. Moritz, wie fast alle humorbegabten Leute einer gemäßigt epicuräischen Lebensweisheit ergeben, trat der rollenden Leidenschaft des Geldes nicht gerade hemmend entgegen. Es wäre ihm schwer geworden, sich einen erreich­baren Genuß zu versagen lediglich aus Sparsamkeits­rücksichten. Da er viel hatte, gab er viel aus, ohne jedoch dabei die Sorge für die Zukunft aus dem Auge zu lassen. Nur rechnete er sich nicht jeden etwa unnütz ausgegebenen Groschen nach, sondern brachte dem Dämon des Geldes jetzt, wo er dasselbe überreichlich besaß, eine gewisse noble Gleich­gültigkeit entgegen. Anders Frau Marianne. An ihr war die Wertschätzung des Geldes aus den Zeiten der Noth haften geblieben. Sie drehte jeden Pfennig dreimal um, ehe sie ihn ausgab, besann sich sechsmal, ob es auch wirklich nöthig wäre, sparte und knauserte, wo es sich mit Anstand durch­führen ließ, und suchte aus allem Capital zu schlagen. Darin hatte sie überhaupt ein eigenes Talent. Auch das scheinbar Werthloseste wußte sie in Geld zu verwandeln- sie verkaufte selbst die alten Zeitungen, Briefe und Packpapiere an den Lumpenhändler, das Pfund zu zwei ein halben Pfennig. Aber es war nicht gemeine Habgier, welche die junge Frau zu der Cultivirung dieses kleinen harpagonischen Talentes trieb. Sie erinnerte sich der sorgenvollen Ver­gangenheit lebhafter als ihr Mann, ihr war es noch in der Erinnerung peinlich, daß sie an dem wichtigsten Tage ihres Lebens, an ihrem Hochzeitstage, nicht in einem der Bedeutung des Tages würdigen Kleide vor den Traualtar hatte treten können. Ihrem Kinde, ihrer Ditta, sollte das einmal nicht widerfahren, und das sollte ganz ihre, der Mutter, Sorge sein. Ditta zählte erst acht Jahre, und es war nicht be­kannt, ob sie schon ans Heirathen dachte, aber die Sorge um Dittas Brautkleid war bei Frau Marianne fast zur fixen Idee geworden. Darum sparte, knauserte sie undmachte Geld", so viel sie konnte. Ihrem Gatten war seiner Frau Sparsamkeitssinn zwar nicht recht, manchmal sogar unan­genehm, aber er ließ sie gewähren, denn er kannte die keineswegs unedle Wurzel, aus welcher der ihm un­sympathische Trieb entsproßte. Nur gelegentlich konnte Moritz sich seiner Marianne gegenüber eine harmlose Neckerei nicht versagen, die aber weiter nicht übel genommen wurde. Zu ernstlichen Differenzen zwischen den Eheleuten sührten die entgegengesetzten Anschauungen nicht, da auch Marianne denen ihres Mannes die gebührende Nachsicht entgegen­brachte, und so war das eheliche Leben von Herrn und Frau Schäfer bis jetzt das denkbar beste und friedlichste gewesen. Die bevorstehende Trennung, die in anderen Ehen vielleicht als eine willkommene Ruhepause aufgefaßt wäre, wurde also hier als eine äußerst schmerzliche Unterbrechung eines goldenen Ehestilllebens empfnden.

Bei einer Trennung ist der am alten Ort Zurück­bleibende am übelsten daran. Wenigstens hatte Marianne dieses Gefühl, und besonders in den ersten Tagen. Da fehlte ihr Moritz ihr an allen Ecken und Enden, und selbst ihr Töchterchen Ditta konnte ihr die Sehnsucht nach dem fernen Gemahl nicht verscheuchen. Schließlich aber gewöhnte sie sich doch an ihr Strohwittwenthum. Practisch, wie sie war, kam sie bald auf den Gedanken, für die Zeit ihrer Alleinherrschaft den Haushalt zu vereinfachen. Sie entließ das Stubenmädchen und behielt nur die alte Barbara, die Köchin, das war eine brauchbare, arbeitsame Person, mit der allein sich auch die große Wohnung in Ordnung halten ließ.

(Fortsetzung folgt.)

Zu jedem Wappen gehört eine Devise als organisches Glied, welche auf die Gesinnung, besondere Tüchtigkeit oder eine andere Eigenschaft hinweist, die zur Zeit den Adeligen oder auch Bürgerlichen denn auch solchen wurden früher Wappen verliehen auszeichnete, der man der Verleihung eines solchen für würdig hielt.

Auch in der Neuzeit wird noch dem mittelalterlichen Brauche gehuldigt, Adelstitel und Wappen zu verleihen und ist besonders Oesterreich ein Dorado für solche Leute (mit Geld), deren Sinn auf edlen Stand gerichtet ist. In diesem Lande ist der Stand der neugebackenen Ritter des Geld- Adels zahlreich, und kennzeichnend für den äußeren Schein, mit welchem sie sich zu umgeben suchen, sind die Wappen­sprüche dieser Persönlichkeiten. Eine Auswahl möge als Characteristicum hier folgen: Die Freiherren von Rothschild: Concordia, Integrität, Indu.etria (Eintracht, Unbestechlichkeit, Fleiß)/ die Ritter Pollak v. Rudin: Labori honor tuns (Der Arbeit ihr Lohn/ übrigens, wenn der Wortlaut so richtig wieder gegeben ist, ein nettes Latein)/ die Freiherren von Morpurgo: Semper recte (Immer recht)/ die Freiherren von Oppenheimer: Inte­grität, Concordia, Induttria (Unbestechlichkeit, Eintracht, Fleiß)/ die Freiherren von Henikstein: Pro Deo et Principe (Für Gott und Herrscher)/ die Frei­herren von Günsburg: Laboramut (Wir arbeiten)/ die Ritter Danios: Labor, Integrität (Arbeit, Un­bestechlichkeit)/ Ritter K. 8., Don Falk: Einit coronat oput (Das Ende krönt das Werk)/ Ritter von Frank: Per labor em ad honorem (Durch Arbeit zur Ehre)/ Ritter Freistädtler v. Röves-Ghür: Ferreo labore (Durch eiserne Arbeit)/ Ritter von Fürth: Fidut et conttant Treu und beständig) / Ritter Maximilian von Schnapper: Ette non videri (Sein, nicht scheinen) / Freiherr Schnapper von Wimsbach: Labor nobilitat (Arbeit adelt)/ Ritter von Singer: Per laborem ad honorem (Durch Arbeit zur Ehre). Diese Proben, die sich leicht vermehren lassen, mögen genügen. Frau Ba.

Httmomstisches,

AusLustige Welt", Verlag von Georg E. Nagel, Berlin SW. Vierteljährlich Mk. 1,30, Einzelnummer 10 Pfg. Bed enklich. Sie:Warum siehst Du so nieder­geschlagen aus, war Papa wüthend, als Du um mich an­hieltest?" Er:O, nein, gar nicht! Im Gegentheil, es schien ihn höllisch zu amüsiren!"

Auch ein Jawort. Soldat:Ach liebste Jette, ich liebe Sie rasend! Darf ich mich Ihnen nähern?" Jette: Heute giebts Sauerbraten mit Klößen!"

Gedankensplitter. Viele Leute sind wie die Phono­graphen nur was man in sie hineinredet, geben sie wieder! Die daheim nicht an das Beste gewöhnt sind, pflegen draußen am anspruchsvollsten zu sein.

Stolz. Erster Backfisch:Du, Anna, gestern hat mir Einer einen Blick zugeworfen er hat einen Schnurrbart gehabt." Zweiter Backfisch:Und mir hat Einer einen Blick zugeworfen, der ein Monocle gehabt hat!"

In der Leihbibliothek. Backfisch:Das Buch für die reifere Jugend war reizend haben Sie nicht noch etwas Reiferes?"

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Boshaft. Schriftsteller:Diesen Morgen bin ich über meiner Arbeit eingeschlafen." Bekannter:Das ist i mir auch schon passirt!" Schriftsteller:Ueber welcher | Arbeit?" Bekannter:Na, über Ihrer!"

R-daetüm: «. «cheyda. - Druck und Sttlag der Brühl'schm UmversttStS-Buch. und Stcindruckerei (Pietsch & Echeyda) m «teßcn.