Ausgabe 
31.7.1898
 
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Geineinirniziges.

Mittel gegen die Kohlraupen. Ein französischer Gärtner empfiehlt Folgendes: 3 Pfd. Kupfervitriol, 3 Pfd. ge­löschter Kalk und 1/2 Pfd- Melasse wird in 100 Liter Wasser gelöst und die damit befallenen Pflanzen bespritzt. Das Mittel ist also nichts anderes als eine 1^/,procentige Kupserkalk- lösung oder Bordelai erbrühe. Ob es hilft, muß erst der Versuch zeigen. Rathsamer dürfte cs sein, die Kohlweißlinge von den Kindern mit Schmetterlingsnetzen wegsangen zu lassen und die bereits abgelegten Eier an den Kraut- und anderen Kohlpflanzen durch Zerdrücken zu beseitigen. Die Eierchen sitzen in kleinen Häufchen als gelbliche, längliche Pünktchen auf der Unterseite der Blätter. Sind erst einmal die Raupen ausgekrochen, dann ist die Vertilgung schwierig. Es ist deshalb nothwendig, zeitig dem Fräße vorzu­beugen.

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Der Heivelveerwein wird folgendermaßen hergestellt: Nachdem die Früchte ausgesucht sind, werden sie mit kaltem Wasser abgewaschen und dann in einem Passenden Gesäß mit Wasserzusatz über Feuer gebracht und aufgekocht. Auf Lau­wärme abgekühlt, Preßt man sie und bringt den Saft nebst dem fehlenden Wasserzusatz und Zucker ins Faß. Auf ein Faß mit 30 Liter. Inhalt nimmt man 10 Liter Saft, 14 Liter Wasser, 3 bis 6 Kilo Zucker, 20 Gramm Weinstein, roh, gepulvert. Da der Heidelbeermost nur sehr langsam vergährt, thut man gut, die Gährung an einem ziemlich warmen Orte (18 bis 22" 0.) vor sich gehen zu lassen und dem Most auf je 100 Liter ca. 100 Gramm feingesiebtes Malzmehl zuzusetzen. Auch ist das Faß öfter stark zu rütteln oder, bei größeren, der Inhalt vom Spundloch aus gehörig durchzurühren.

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Stockschwämmchen (Mousseron). (Zeit der Bereitung 40 Minuten. Fünf Personen.) Man braucht diese Pilze meist nur an Sauce, die vortrefflich schmeckt und besonders zu Hammel- und Rindfleisch paßt. Man entfernt die Stiele von 1 Liter Moufferons, wäscht die Pilze und dünstet sie in 25 Gramm Butter weich. Jndeß bräunt man 30 Gramm Mehl in 40 Gramm Butter, verkocht die Mehlschwitze mit kochendem Wasser, giebt Salz, feinen Pfeffer, 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extract, ein Glas Rothwein, etwas Citronen- saft und die gedünsteten Pilze hinzu und kocht alles noch 5 Minuten miteinander.

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Trüffel. (Zeit der Bereitung 1 y2 Stunden. Fünf Per­sonen). Etwa 1/2 Kilogramm der kostbaren Trüffeln werden sorgfältig gewaschen und gebürstet, dann gut abgespült und auf reinem Tuch abgetropft, bevor man sie dünn abschält. (Die Trüffel chalen werden gewiegt als feine Würze für Farcen benutzt.) Jede Trüffel hüllt man in ein mit Butter bestrichenes Papier, legt sie so in einen Dampfkochtopf, dessen unteren Behälter man mit 1/1 Liter k ästiger Bouillon aus 10 Gramm Liebigs Fleisch-Extract süllt, und dünstet sie bergartig auf einer Serviette an. Der Rest der Bouillon ist trefflich zur Bereitung feiner Saucen.

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Pfifferling. (Zeit der Bereitung iy2 Stunden Fünf Personen.) 4 Liter geputzte und in Stücke geschnittene Pfifferlinge werden mit siedendem Salzwasser abgekocht, ab­tropfen gelassen und in 40 Gramm Butter mit etwas Salz und Pfeffer geschmort. Wenn sie beinahe fertig sind, giebt man 5 Gramm Liebigs Fleisch-Extract daran, stäubt etwas Mehl darüber, daß der Saft bündig wird, und zieht das Gemüse mit einem mit etwas süßer Sahne verquirlten Eigelb ab. Es paßt am besten zu Kalbscoteletten.

Gutes Mittel. Dame:Herr Doctor, ich möchte- Sie gern fragen, ob es kein Mittel gegen Nachtwandeln giebt. Ich leide schon seit Jahren daran, doch , es wird immer schlimmer!" Arzt:Davon kann ich Sie heilen. Hier lassen Sie dies Rccept bei Bergmann u. Co. machen." Dame:Aber das ist doch keine Apotheke, das ist ja eine Eiscnwaarenhandlung." Arzt:Ganz recht. Ich veischreibe Ihnen zwei Pfund kleine Nägel. Davon streuen Sie gefälligst zwei bis drei Hände voll vor dem Schlafen­gehen in Ihr Schlafzimmer!"

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Was ist ungereimt. Wenn ein Logenbruder im Parquet sitzt. Wenn ein Einjähriger in Zweibrücken auf einem Dreirad Vierradener raucht. Wenn ein Backfisch einen Rabenvater hat. Wenn ein Sitzredacteur ein Steh­seidel trinkt. Wenn ein Oberkellner am Unterarm ein Ueberbein hat. Wenn sich der Minister des Innern äußert.

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Das verkannte Tandem. Jette:Da kieken Se, bet is meine neie Herrschaft." Frau:Nu, wie gefällt se Ihnen?" Jette:Na Ville is mit die och nich los, die haben blos ein Velociped un fahren alle beede druf!"

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Gemüthlich.Nee, härn Se, mei Gutester, erschb Ham Se mir mei Bier umgeschmissen, dann Ham Se mir mit der Cigarre een Loch in'n Rock gebrannt und jetzt Ham Se mich eenen alben Runks geschimpft wenn Se nu noch een Wort sagen, setz' ich mich an 'nen anbern Tisch!"

Zähe. Herr:Straßenbettlern gebe ich grunbsätzlich nichts!" Bettler:Macht nix! Gebens mir nur Ihre Abress', i komm a ins Haus."

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Einfacher Beweis. Hans (auf ber Straße): Mutter, kuck boch mal rasch zum Fenster raus!" Mutter (herausschauenb):Was ist benn los?" Hans:Der August wollte nicht glauben, baß Du so sehr schielst!"

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Frech. Gast:Hören Sie, Kellner, bas ist boch zu arg! Dieses Beessteak ist hier bie reine Schuhsohle!" Kellner:Ja, mein Herr, wünschen Sie etwa für den ge­ringen Preis gleich ein Paar Stiefletten?"

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Der Galanteriedegen. Minna:Du, Rieke, warum tragen denn die Soldaten den Säbel allemal links?" Ricke:Na, weil doch rechts immer wir Damens gehen."

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Bei der Musterung. Arzt:Haben Sie sonst einen Fehler?" Stellungspflichtiger (einen gekrümmten Zeigefinger vorweisend):Ich habe einen steifen Finger." Arzt:Wie war er denn früher?" Stellungspflichtiger (sich vergessend und den Finger streckend):So."

Literarisches.

Der Aufwand für die Kleidung ist in jedem größeren Haushalt ein beträchtlicher und da, wo man sparen will, indem man einfachere Kleidung sowie diejenige der Kinder selbst fertigt bezw. modernifirt, bieten die preiswerthen fertigen Schnittmodelle der Inter­nationalen Schnittmanufactur, Dresden, weil mit Beschreibung und Ab­bildung versehen und ungemein leicht verwendbar, die größten Vortheile. Aber auch für neueste Costüme, seien es Gesellschafts-, Promenaden-, Sportcostüme nach elegantem Schnitt, sind die Modelle der genannten Firma, die auch nach Maaß geliefert werden, ein beachtenswerthes Hilfs­mittel. Zur Auswahl dient ein neuestes reichhaltiges Modenalbum und Schnittmusterbuch, welches zum Preis von nur 50 Pfg. erhältlich ist.

Redaktion: E. Burkhardt. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen.