Ausgabe 
19.3.1898
 
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§sB&rag in dis Seele, dies Ecinnerungsbuch,

So viel Du kannst an lieben, frohen Bildern, Erinnern ist der rührendste Versuch, Des Lebens bange Flüchtigkeit zu mildern.

Frieda Schanz.

Der Amtmann von Rapshagen.

Criminal-Roman von F. Arnefeld.

(Fortsetzung.)

Er hielt plötzlich inne, über sein freudig erregtes Gesicht schien sich ein trüber Schleier zu breiten und mit gänzlich verändertem Ton sagte er:

Ich weiß doch nicht! Ich fürchte, es wird sich nicht thun lassen, der Sommer ist gerade für uns Architecten eine sehr arbeitsvolle Zeit."

Nun, überlegen Sie die Woche, es eilt ja noch nicht damit, ich könnte einen jüngeren Beistand brauchen, bin doch nicht recht geschickt, den Reisecavalier von vier Damen zu spielen," redete ihm der Amtsrath gutmüthig zu. Er glaubte, den eigentlichen Grund des dem jungen Mann plötzlich aufgesttcgenen Bedenkens zu errathen, derselbe fürchtete, von seinem geizigen Vater nicht die Mittel zur Bestreitung einer solchen Reise zu bekommen, und nahm sich vor, dem alten Göbener demnächst ins Gewissen zu reden und ihm begreiflich zu machen, daß es für seinen Sohn dringend nothwendig sei, etwas von der Welt zu sehen.

Der Alte hat ihn so stark unter der Fuchtel, daß er nicht wagt, sich Carola durch Worte zu erklären, so viel er ihr auch schon durch Blicke gesagt hat," fuhr er in seinem Gedankengange fort,ich glaube wahrhaftig, wenn man da nicht zu Hilfe kommt, bleibt er stumm und sie geht aus Trotz und Kummer zu den Franzosen und Russen, das gebe ich aber nicht zu. Die gemeinschaftliche Reise wäre vielleicht auch dazu gut, das Eis zu brechen." -__

//Wie steht es aber jetzt mit der Fortsetzung des Con- certes? fragte er laut.Singt noch etwas, der schöne, stille Sonntag scheint mir geeignet dazu."

Sie kamen seinem Wunsche ohne Zögern nach; er fegte sich behaglich wieder in seinem Lehnstuhl zurecht und m bunter Reihenfolge erklangen Lieder von Schubert und ' Schumann, Mendelssohn und Brahms, sowie Duette, in '

i welchen Carolas Mezzosopran und Adolfs Bariton schön s unb zu denen Frau Münter die Begleitung

Das Meer erglänzte weit hinaus im stillen Abend­scheine!" Hub soeben Carola an da öffnete sich die Thür und mit jener sphinxartigen Miene, welche der wohlgeschulte Diener anzunehmen liebt, wenn er sich als der Träger einer überraschenden Nachricht weiß, trat Johann ein und ! meldete:

Es ist ein Bote aus Rapshagen da. Er läßt sich nicht zurückhalten und sagt, er müsse den Herrn Bauführer sogleich selbst sprechen."

Mit einem schrillen Laut brach die Begleitung, welche Adolf gespielt hatte, ab und er sprang vom Claviersessel aus.

//Ich komme! Ist ein Unglück geschehen?" rief er mit j verstörtem Gesichte und wollte nach der Thür stürzen, aber schon erschien in derselben der Knecht, der von Rapshaqen geschickt war und den ihm übertragenen Auftrag, er müsse seine Botschaft an Herrn Göbener persönlich ausrichten, so wörtlich nahm, daß er dem meldenden Diener bis in das Zimmer der Herrschaft gefolgt war. Den Ausdruck Adolfs beantwortete er gleich einem Echo mit den Worten:

.. Unglück, ja wohl, Herr Bauführer, ein großes Unglück. Ich habe Sie schon in Greifswald gesucht, der Herr Amtmann hat gesagt, nimm unser bestes Pferd, Jochen" /

Was für ein Unglück?" unterbrach ihn Adolf.

Meine Mutter" 1

//Hch hä," grinste der Knecht, die Kappe, welche er in der Hand hielt, drehend:Die Frau Amtmännin ist ja gar nicht in Rapshagen und auch der Herr Amtmann"

Adolf Göbener stand das Herz still, die Kehle war ihm wie zugeschnürt, er vermochte keinen Laut hervorzubringen Statt seiner befahl der Amtsrath, der.dicht an den Knecht herangetreten war:

Sagen Sie jetzt endlich, was geschehen und wem das Unglück zugestoßen ist."

Der Mann räusperte sich und sagte langsam und mit einem mitleidigen Blick auf Adolf:

Unser Frölen Annechen, was dem jungen Herrn seine Braut sein soll, ist heute Morgen im Puddenteich ertrunken."

Adolf stieß einen Schrei aus, so schrill, so herzzerreißend, das den Hörern das Blut in den Adern erstarrte. Der Amtsrath und Frau Münter stimmten ein, Carola stand aber wie in ein Steinbild verwandelt. Alles Blut war ihr aus dem Gesicht gewichen, die Lippen hatten eine bläuliche