Ausgabe 
29.6.1932 Erstes Blatt
 
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Aus aller Welt.

Versuchsballons in die Stratosphäre.

Vom Hofe des Physikalischen Instituts der Tech- Nischen Hochschule Stuttgart aus wurden von Prof. Regan er zu Versuchszwecken Hohen, ballons losgelassen, die aus drei Ballons bestanden und mit einer Leine verbunden waren. Die mit Wasserstoffgas gefüllten Ballons hmgen übereinander und hatten ungefähr Zwei Meter Durchmesser bei einem Abstand von vier Meter. IN der unten angebrachten Mcßgondel war das Meß­gerät für die Versuche enthalten, das durch besondere Schutzvorrichtungen gegen eine Kälte von minus 60 Grad geschützt worden war. Die Ballons stiegen rasch in die Höhe und waren bereits nach 10 Minuten nicht mehr sichtbar. Rach einer Flugzeit von zwei Stunden 50 Minuten landeten die Ballons bei Gerstette, Oberamt Heidenheim. Bei der Auffindung der Ballons war das Meßgeräte leicht beschädigt, was die Registrierung der Höhen­kurven und deren Ablesung sehr erschwerte. Trotz­dem konnte festgestellt werden, daß die Ballons in die Stratosphäre eingedrungen sind und eine Höhe von mehr als 2 0 0 0 0 Meter er« reicht haben.

Großseuer in Stagen.

Die dänische Stadt Skagen wird von einem großen Brande heimgesucht, der in einer Fischkonservenfabrik am Hafen ausbrach. Die Lagergebäude der Konservenfabrik sind be­reits vollständig niedergebrannt. Die Feuerwehr von Frederikshavn wurde herbeigerufen,. um ge­meinsam mit der Skagener Feuerwehr das Feuer zu begrenzen. Die Konservenfabrik ist nicht mehr zu retten. Außerdem sind aber die Schiffs- werftenundderganzeHafenvondem Feuer bedroht, ebenso die Dillen am Hafen, da eine ziemlich starke Brise weht. Die Arbeiter der Schiffswerften beteiligen sich an den Lösch­arbeiten.

Blutige Zusammenstöße in Staßfurt.

3n Staßfurt kam es bei der Beerdigung des erschossenen Kommunisten Lei - nung zu schweren Zusammenstößen zwischen der Polizei und Kommunisten. Etwa 1500 Personen, die aus der ganzen Umgebung zusammengezogen waren, nahmen an der Beerdigung teil und bil­deten beim Rückmarsch einen geschlossenen Zug. Da der Friedhof sich auf anhaitischem Gebiet befand, hatte die Polizei zunächst gegen diesen Marsch nichts einzuwenden. Als jedoch der Zug auf preuhischesGebiethinübermarschierte, griff die Polizei, verstärkt durch Landjägerei­beamte ein und versuchte den Zug zu zerstreuen. Die Kommunisten setzten sich jedoch zur Wehr, so daß schließlich die Polizei gezwungen war, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Drei Kommunisten wurden getötet und sieben weitere verletzt. Die Polizei nahm eine Verhaftung vor.

Die Polizei gegen Kohlenplünderer im Ruhrrevier.

Die Polizei mußte gegen Kohlenplünderer vor­gehen, die von den Zechenhalden der Schacht­anlage IV/V1II der Vereinigten Stahlwerke in Weiderich Kohlen w eg z u s ch l e p p e n versuchten. Das Überfallkommando wurde aus dem Hinterhalt beschossen und muhte das Feuer erwidern. Es wurden 50 Personen festgenommen. Ob unter den Kohlendieben sich Verwundete be­finden, konnte noch nicht festgestellt werden.

Jugendliche Raubmörder.

Die Bluttat an dem Futtermittelhändler Reyerhardt in Berlin, der am 22. März er* fchossenundberaubt worden war. fand ihre gerichtliche Sühne. Wegen gemeinschaftlichen Totschlags in Tateinheit mit versuchtem schwe­rem Raub verurteilte das Schwurgericht den 22- jährigen Feinmechaniker Rühlow zu zwölf Zähren einem Monat Zuchthaus und fünf Zähren Ehrverlust und den noch nicht ganz

M'sabeih

erobert sich das Glück

Vornan von Margarete Anlelmann

Copyright by M. Feuchtwanger, Halle.

22 Fortsetzung. Rachdruck verboten I

Elisabeth war außer sich. Dieser Mann war wahnsinnig. Gab es denn keinen Ausweg, sich von ihm zu befreien? Da fiel ihr Blick wie zu­fällig auf die Tür. Sie sah Eckertsburg, sah, daß er ihr heimlich Zeichen machte.

Eine unsagbare Erleichterung kam über sie. Der Freund war in der Rähe, jetzt war sie ge­rettet. Er würde ihr helfen, Lampert zu beruhigen.

Gütig beugte sie sich $u dem erregten Manne nieder. Man durfte ihn letzt nicht reizen, Eckerts­burg wußte das auch, hielt sich deshalb Wohl im Hintergrund.

Stehen Sie auf, Herr Lampert. Lassen Sie uns vernünftig reden. Sie wissen, daß wir uns ohnehin bald trennen müßten. Bald verlasse ich Leipzig, um ins Engagement zu gehen. Und dann, ich habe Zhnen schon früher gesagt, daß es für mich nichts anderes gibt als meine Kunst, daß kein Mann in meinem Leben ist. Sie müssen ver­ständig sein und das einsehen, müssen Zhrer Leidenschaft Herr werden."

Zch liebe dich, ich kann dich nicht aufgeben."

Sie lieben mich nicht, sonst würden Sie mich nicht so quälen. Sonst würden Sie keine Gefühle von mir fordern, die ich nicht empfinde."

Elisabeth, treibe mich nicht zum Aeußersten mit deiner Sprödigkeit! Zch liebe dich, wie ich noch nie zuvor eine Frau geliebt hatte. Meine Ge­danken haben keinen Raum mehr für etwas an­deres als für dich..."

Mit katzenartiger Geschwindigkeit hatte er sich plötzlich aufgerichtet, umklammerte Elisabeths Leib, suchte ihren Mund. Elisabeth fuhr zurück, schlug ihm mitten ins Gesicht.

Zn diesem Augenblick stand Eckertsburg im Zimmer, umklammerte den Maler mit seinen Armen wie mit einem Schraubstock.

Zischend kam es aus dem Munde Lamperts:

Oh so stehen die Dinge!? Deshalb hast du keinen' Blick für mich, kein gutes Wort. Der hier, der Reiche hat den Vogel abgeschossen. Zch Tölpel, daß ich nicht von selbst darauf gekommen bin!"

Herr Lampert, ich muß Sie bitten, Fräulein Pfilipp jetzt zu verlassen. Sie werden selbst ein- sehen daß nach diesem Auftritt jede Verbindung zwischen diesem Haufe und Zhnen abgeschnitten ist "

Oh Sie Sie Glauben Sie, weil Sie mir geholfen haben, mühte ich jetzt vor Zhnen zurücktreten? Müßte ich Zhnen die Frau über­lassen, die ich liebe? Sie glauben, alles tmt

9er Reichsetal vom Aeichsrat angenommen.

Berlin, 28.Juni. (VDZ.) Bei der Beratung des Reichsetats für 1932 im Reichsrat erörterte der Generalberichterstatter Dr. Brecht ausführlich den Umfang der Ersparnisse im Etat. Rur der kleinere Teil von den Ersparnissen entfalle auf die Reparationen. Auch ohne Reparationen würden die Ausgaben für 1932 gegen 1930 und 1928 noch um 20 Prozent gesenkt. Die Gesamtnetto- ausgaben des Reiches umfassen 1932 rund 8,173 Milliarden Mark, von denen 1,870 Milliarden Mark auf Ausgabe für d i e Liquidation des Krieges entfallen. Weitere 1,347 Milliarden ver­teilen sich auf den S ch u l d e n d i e n st und die Aufgaben der Finanzoerwaltung einschließ­lich der Versorgung. Für Reich und Länder verbleiben danach 4,956 Milliarden. UeVer­weisungen an d i e Länder und Gemein­den seien in Höhe von 2,961 Milliarden Mark vor­gesehen einschließlich 652 Millionen Mark für Wohl­fahrtsbeihilfen.

Jür die engeren Sachausgaben des Reiches verbleiben mithin 1,995 Milliarden, weniger als Frankreich, England oder Amerika jedes einzeln für ihre Wehrmacht ausgeben.

Die Steuern blieben trotz der inzwischen neu ein- geführten Abgaben um ein Viertel unter dem Höchst­stand von 1928. Wesentlich schlimmer hätten sich noch die Einnahmen der Länderund Ge­meinden entwickelt. Die Steuerüberweisungen des Reiches an Preußen seien beispielsweise für 1932 gegen 1930 und 1928 um f a ft 40 Prozent g e - funken. Der Reichsrat sei nicht in der Lage ge­wesen, über die Bestimmungen zur Gestaltung der Einnahmen zu beschließen, weil bereits erlassene Ausnahmeverordnungen Vorlagen. Die Steuer­schätzungen des Reiches bei der Umsatzsteuer seien für die letzten 200 Millionen Mark äußerst Zweifel* haft. Auch bei der Lohnsteuer und anderen verdien­ten die Schätzungen ein Fragezeichen. Die Reichs­regierung sei sich dieser Gefahrenpunkte durchaus bewußt. Dazu komme, daß weitere Ausgaben auf verschiedenen Gebieten zu erwarten seien, und daß, wenn die unbedingt erforderliche Arbeitsbe­schaffung jetzt zum Teil im Kreditwege finan­ziert werde, im kommenden Jahr höhere Beträge zur Rückzahlung fällig würden.

Das Bedenkliche an diesem Zustande sei, daß höhere oder neue Abgaben auch für den schlimm­sten Fall kaum mehr in Reserve ständen.

Die Reichsregierung habe geglaubt, die Vor­schriften des Osthilfegesehes nicht durchführen zu können. Die Reichsregierung habe für die Siedlung in Verbindung mit der Umschuldung statt der gesetzlich vorgeschriebe­nen 50 nur 30 Millionen Oliarl, zur Er­leichterung kommunaler Lasten statt 30 Millionen 27 Millionen Mark, für Frachterleichterungen statt 12 Millionen 9 Millionen Mark und für sonstige wirtschaftliche usw. Maßnahmen statt 20 nur 10 Millionen Mark eingestellt. Die ReichsratsauS-

fchüsse hätten beschlossen, die Ansätze für die Ost­siedlung um 12 Millionen, für kommunale Lasten- und Frachterleichterungen um je 1 Million Mark, für sonstige Maßnahmen um 3 Millionen Mark, ferner für den Westfvnds um 2 Millionen Mark zu erhöhen. Zur Deckung der erhöhten An­sätze hätten die Ausschüsse beschlossen, in diesem Zahre 20 Millionen für Einlösung von Rentenbankscheinen zu streichen.

Der Generalberichterstatter beantragte dann, dem Etatentwurf für 1932 mit den von den Aus­schüssen beschlossenen Aenderungen zuzustimmen.

Staatssekretär Zarden:

Die Reichsregierung dankt dem Reichsrat für die schnelle Verabschiedung des Etats. Da die bisherige vorläufige Regelung am 30. Zuni ab» läuft und eine Verabschiedung durch den neuen Reichstag erst in Monaten möglich ist, wird die Reichsregierung ihn vorbehaltlich der Feststellung als Gesetz jetzt als Plan durch Rotverord­nung in Kraft setzen. Die Reichsregierung wird sich nunmehr den organisatorischen Aufgaben, die sie sich gestellt hat, und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuwenden. Sobald die deutsche Delegation aus Lausanne zurückgekehrt ist, wird die Reichsregie­rung in entscheidende Beratungen über die ge­samte Materie, die während der vergangenen 14 Tage bereits tatkräftig gefördert worden ist, ein­treten und die entsprechenden Maßnahmen be­kanntgeben.

Keichsimienmimster Freiherr von Gayl:

In Anbetracht der Finanzlage des Reiches, jedoch nur unter Hintansetzung allergrößter Bedenken, hat sich die Reichsregierung genötigt gesehen, für das Rechnungsjahr 1932 die in den Bestimmungen des Osthilfegesetzes feftgetegten Mindestbeiträge für ver­miedene Osthilfemaßnahmen herabzusetzen. Der jetzige Ausfall gegenüber dem Osthilfegesetz soll je­doch durch Nachbewilligung wieder ausgeglichen werden, sobald die Finanzlage des Reiches dies gestattet. Damit werden der Bevölkerung Ostpreu- ßens die durch das Fünfjahresprogramm des Ost­hilfegesetzes vorgesehenen Bewilligungen im End­ergebnis gesichert bleiben. Vor allem soll die Er­leichterung der kommunalen Lasten nach dem Stich­tag vom 31. März 1931 im bisherigen Umfange auch im Rechnungsjahre 1932 gewährleistet werden. Gegebenenfalls wird die gegenseitige Deckungsfähig­keit der Titel etwa auftretende Härten durch Er­gänzung aus anderen Teilen des Programms wett- machen. Die Reichsregierung hält auch jetzt die Zu­sagen des Osthilfegesetzes aufrecht, muß jedoch die Ausführung der in Aussicht genommenen Maßnah­men nach Maßgabe der vorhandenen Mittel auf günstigere Haushaltsjahre verteilen.v

Da aus der Mitte des Reichsrates keinerlei Wort­meldungen Vorlagen, wurde der Reichsetat ohne weitere Abstimmung als vom Reichsrat ange­nommen festgestellt.

18jährigen und daher unter das Jugendgesetz fallenden Arbeiter Zepernick zu sechs Zähren einem Monat Gefängnis.

Die Schußwaffe in Kinderhand.

Ein bedauerlicher Unglücksfall trug sich in Dres­den-Zschertnitz zu, wo auf der Münzmeisterstraße fünf Knaben mit einerLuftbüchse nach einer Scheide schossen. Ein unversehens losgegangener Schuß traf einen elfjährigen Spielgefährten mitten ins Herz: er brach sofort totzusammen.

Die Friedhofsschänder von Dessau zwei Knaben.

Die Polizei hat zwei der an den Friedhofs­schändungen Beteiligten gefaßt. Es handelt sich um zwei Schüler im Alter von 11 und 12 Zähren. Sie geben die Tat zu, wollen aber

Zhrcm Geld abtun zu können: auch dieses Mäd­chen haben Sie gekauft..."

Hinaus jetzt! Sonst vergesse ich mich!"

Der Maler hatte sich aus der Umllammerung Eckertsburgs befreit, stürzte sich jetzt auf Elisabeth.

Mit einem Schrei flüchtete Elisabeth in eine Ecke des Zimmers. Zhr Herz schlug rasend. Wie entsetzlich das Ganze war! Unb Eckertsburg war dabei, mußte das alles mit anhören, mußte glau­ben, daß sie dem Maler ein Recht gegeben hatte, sie so zu behandeln.

Ehe Lamperts Elisabeth erreichen konnte, hatte Eckertsburg ihn wieder eingeholt. Gleich Schraub­stöcken lagen seine Hände um Lamperts Arme gekrallt. Unheimlich ruhig war seine Stimme, als er jetzt sagte:

Zetzt ist es genug. Augenblicklich verlassen Sie das Zimmer, Herr Lampert! Uni) ich rate Zhnen, sich vor mir nie wieder blicken zu lassen. Zch könnte mich sonst an diese Szene erinnern, und das würde Zhnen nicht gut bekommen."

Der Maler erwachte aus seiner Raserei, sah ein, daß er verspielt hatte. Ohne ein weiteres Wort ging er der Tür zu, einen letzten Blick auf Elisabeth werfend.

Wenige Sekunden später hörte man die Korri­dortür ins Schloß fallen.

Vierzehntes Kapitel.

Elisabeth Pfilipp war schwer erkrankt. Eine heftige Rervenkrise hatte sie befallen. Zhr zarter Körper hatte die Aufregungen der letzten Tage nicht ertragen können.

Dange Wochen folgten. Frau Schelmer war sofort zurückgekehrt, teilte sich mit einer Schwester in Elisabeths Pflege.

Eckertsburg verließ selten die Wohnung, ver­brachte viele, viele Stunden an Elisabeths Bett. Der stolze, blasierte Mann lernte zum ersten Male in seinem Leben kennen, was es hieß, um einen geliebten Menschen zu bangen, denn es war ihm in diesen Stunden klargeworden, daß er Elisabeth Pfilipp liebte, vom ersten Augenblick an, da er sie bei Professor Walter gesehen hatte

Sie war ganz plötzlich in sein abgeschlossenes, verhaltenes Leben getreten, ganz anders als jene Frauen, mit denen er zuvor zu tun gehabt hatte. Lchre Scheu, ihre Zurückhaltung, ihre Mädchen­haftigkeit waren es, die ihn völlig bezaubert hatten.

Er liebte sie, und diese Gewißheit erfüllte ihn mit Seligkeit. Aber es war eine Liebe, die sich wohl nie erfüllen würde. Er war ein alter, ver­brauchter Mann, vom Leben hin und hergeworfen, Es^ war unmöglich, daß dieses jugendfrische Ge­schöpf seine Liebe erwiderte.

Sie würde die Seine werden, sicher. Aber nicht aus Liebe, aus Dankbarkeit nur. Und das war ein Gedanke, den er nicht ertragen würde. Lieber wollte er seine Liebe in sich verschließen, nichts anderes wünschen, als den Weg des geliebten

von einem größeren Burschen angeführt worden sein.

Urteil im Gladbacher Kindestauschprozeß.

Das Landgericht Gladbach fällte in dem be­kannten Kindervertauschungsprozeß ein Urteil, wonach der Klage stattgegeben wird. Vom Ge­richt wird die Feststellung getroffen, daß der in der Familie des Heizers Donk lebende 12jährige Sohn inWirklichkeit einKinddes Fa­hr i k m e i st e r s B e u t h ist. Das Gericht sieht als erwiesen an, daß im Herbst 1919 im Wöch- nerinnenheim in Gladbach die beiden Kinder der Frauen Beuth und Donk verwechselt worden find, als die Pflegeschwester die Säuglinge aus ihrem gemeinsamen Schlafzimmer in den Schlaf- raum der Mütter brachte.

Mädchens zu behüten, sein Leben zu verschönern, soweit er es konnte.

3mrrer wieder sah er an Elisabeths Bett, konnte nicht müde werden, das schmale, blasse Gesicht zu betrachten, mit einer Zärtlichkeit, die er sich nie zugetraut hätte. Frau Schelmer und die Pflegerin mußten sich ausruhen und spazierengehen un­ermüdlich überwachte Eckertsburg Elisabeths

Langsam brach die Gewalt des Fiebers.

Eines Tages Elisabeth schlief scheinbar fest und tief konnte Eckertsburg nicht anders: er beugte sich nieder, küßte leise die Stirn der Schlafenden.

Zn diesem Augenblick schlug die Kranke die Augen auf, sah ihn mit einem kaum verstehenden, halben Blick an. Dann lächelte sie leise, drehte den Kopf zur Seite und war im nächsten Augen­blick wieder fest eingeschlafen.

Dann durfte Elisabeth aufstehen, für einige Sftinden im Lehnsessel sitzen. Es ging schnell vor­wärts mit ihr. Eckertsburg und Frau Schelmer wußten nicht, wie sie sie verwöhnen, für sie sorgen konnten.

Elisabeth wußte nicht, wie es gekommen war; aber sie hatte keine Angst mehr vor Eckertsburg. Sie war froh, wenn er bei ihr war, sie unter­hielten sich wie gute Freunde. Rur, daß er nicht merken durfte, wie gut sie ihm wirklich war! Sie hätte sich sicher seine Freundschaft verscherzt, wenn er ihre wahren Gefühle für ihn ahnte. Unb das durfte nicht fein seine Freundschaft war das Schönste, was es jetzt für sie gab.

Sie mußte sich damit begnügen, durfte an nichts anderes denken. Dieser Mann wollte nichts von Liebe wissen, hatte früher einmal Frau Schelmer erzählt, er hätte zu schlechte Erfahrungen gemacht grauen, ilnb ein so unbedeutendes Geschöpf wie Elisabeth Pfilipp konnte ihm natürlich nichts bedeuten mußte glücklich fein, wenn er sie seiner Freundschaft würdigte.

Rur hier und da kam es wie eine dunkle Erinnerung über sie wie war das gewesen wahrend ihrer Krankheit als sie einmal aus tiefstem Schlaf erwachte... Es war ihr gewesen, als ob sie fernen Kuß gefühlt hatte auf der sAi rVtnen einzigen kurzen Augenblick nur...

Traum gewesen, geboren nx husche ihres Herzens. Es war besser, sich solch dumme Gedanken aus dem Sinn zu schlagen. 0

Elisabeths Konzert hatte natürlich werden müssen. Dor dem Herbst durfte mehr auftreten, mußte jetzt erst reifen, Luft einatmen.---

Elisabeth, Frau Schelmer und Eckertsburg. Er würde diesmal mit den ©amen zusammen fahren, hatte Zimmer bestellt in jK!nam l,n schönen, großen Hotel, das auf biefear* freute sich unendlich

abgesagt sie nicht andere

3n den Brunnen gestürzt.

Zn Körbecke (Dez. Kassel) wollte das Dienst­mädchen Sophie Happe, von einem in der Rähe des Friedhofs gelegenen Brunnen einen Eimer Wasser zum Begießen der Gräber holen. Sie muß dabei das Gleichgewicht verloren haben, denn sie stürzte kopfüber in den tiefen und engen Brunnenschacht. Zn der Rähe wei­lende Leute wurden durch das Geschrei des vier­jährigen Richtchens des Dienstherrn auf den Vor­fall aufmerksam, doch konnte man das Mädchen nur noch a l s Leiche bergen. Der Tod ist nicht durch Ertrinken eingetreten, sondern das Mädchen hat beim Sturz so schwere Kopfverletzun­gen davongetragen,, daß der Tod hierdurch her­beigeführt wurde.

300-Jahrfeier der Unioerfität Amsterdam.

Unter Beteiligung von Abordnungen aus allen Ländern, insbesondere auch aus Deutsch­land, fand im Konzertgebäude eine große Fest­sitzung zur Feier des 300jährigen Bestehens der Amsterdamer Universität statt. Zm Ramen sämt­licher deutscher Hochschulen sprach Professor Dr. Pfeiffer aus Bonn die. Glückwünsche aus. Er erwähnte die engen kulturellen Bande zwischen Deutschland und den Riederlanden, zu deren weiterer Förderung unlängst in Köln ein deutsch- niederländisches Znstitut und in fünfter ein deutsch-niederländischer Kulturverein ^gegründet worden sei. Fünf deutsche Gelehrte wurden zu Ehrendoktoren promoviert, nämlich der Goetheforscher Prof. Dr. Petersen (Berlin), der Freiburger Mediziner Prof. Dr. Aschoff, der Kieler Theologe Prof. Dr. Scheel, der Don­ner Raturwissenschaftler Prof. Dr. Wanner und der Forschungsreisende Dr. F r i d e r i c i, Arensberg in Holstein.

verwegener Raubüberfall im konlorhaus der Woerrnann-Linie.

Zn Hamburg drangen in den Kassenraum des Verwaltungsgebäudes der Woermann-Linie drei Danditen ein und erpreßten mit vor­gehaltenen Revolvern von dem überraschten Kas­sierer das gesamte für die Lohnzah­lung bestimmte Geld, das einen Betrag von 50 000 bis 70 000 Mark ausmachen soll. Die Räuber bestiegen nach der Tat ein vor der Tür haltendes Auto und entkamen unerkannt.

Eisenbahnunglück in Colorado.

Bei C a st l e r o ck entgleisten 18 Wagen eines Güterzuges, der dem Fruchttransport diente. Man rechnet mit acht Toten und 40 Verletzten.

Wettervoraussage.

Durch die schnelle Weiterbewegung des britischen Druckfallgebietes ist es mit dem Einbruch etwas kühlerer Luft bereits in den gestrigen Nachmittags­stunden zu Gewitterstörungen mit Niederschlägen gekommen. In den heutigen Morgenstunden ging noch über Gießen ein kräftiger Gewitternachregen nieder, welcher von 4.10 bis 5.30 Uhr über 20 mm Niederschlag brachte. Im Bereich eines Zwischen­hochs, das sich von Frankreich her keilförmig über England und der Nordsee ausdehnt, wird für kurze Zeit etwas aufheiterndes Wetter eintreten. Bereits an der Küste Irlands sind die Einwirkungen einer neuen Atlantikstörung zu erkennen, die unter aber­maliger Erwärmung bei uns Bewölkung und Ge­wittertätigkeit verursachen dürfte.

Aussichten für Donnerstag: Neblig-wol­kig mit vorübergehender Aufheiterung, dann erneut aufkommende Gewittertätigkeit mit Wärmezunahme, südwestliche Winde.

Aussichten für Freitag: Wolkig, warm, noch Gewitterstörungen mit Niederschlägen.

Lufttemperaturen am 28. Zuni, mittags 25,2 Grad Celsius, abends 17,1 Grad: am 29. Zuni, morgens 16,7 Grad. Maximum 26 Grad, Mini­mum 15,4 Grad. Riederschläge 27,8 Millimeter. Sonnenscheindauer 9 Stunden. Crdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 28. Zuni, abends 23.9 Grad: am 29. Zuni, morgens 18,2 Grad.

Als sie gesund war, hatte sie sich schüchtern nach Lampert erkundigt. Zu ihrer Erleichterung hatte sie vernommen, daß er nicht mehr in Leipzig weilte. Er hatte sein Atelier aufgegeben, lebte in Paris. Dort würde er Frauen genug finden, seine Leidenschaft für Elisabeth vergessen.

Das Bild war vernichtet worden: dafür hatte Eckertsburg noch gesorgt.---

Es waren herrliche Wochen, die sie in ihrer österreichischen Sommerfrische verbrachten. Elisa­beth war bald kräftig genug, um schwimmen zu dürfen, und sie und Eckertsburg lagen den Vor­mittag über am Strande. Elisabeth war nach ihrer Krankheit fast noch schöner geworden. Mit trun­kenen Augen sah Eckertsburg ihr nach, wenn sie hinunterschritt zum See, und er folgte ihr erst, wenn fie schon im Wasser war.

Rachmittags machten die drei weite Spazier­gänge, ab und zu auch eine Autotour nach Sankt Zohann, in die Loferer Gegend, nach Salzburg.

Die Zeit verging im Fluge. Dald war es so weit, daß man sich trennen, daß Elisabeth nach Berlin fahren mußte. Am ersten Seprember be­gann ihr Engagement.

Eckertsburg begleitete die Damen noch nach München. Dort würde er wieder umkehren: er wollte den Herbst an der spanischen Küste ver­bringen.

Keiner von beiden, weder Elisabeth noch Eckerts­burg, wollte den anderen merken lassen, wie schwer ihnen die Trennung wurde.

Aber sie geizten mit jeder Minute, die sie noch beisammen waren.

Dann war die Trennungsstunde da. Elisabeth und Eckertsburg standen vor dem üv-Zug, wäh­rend Frau Schelmer drinnen im Abtell alles ordnete. Elisabeth trug einen kleinen Strauß in der Hand: Himmelsschlüssel. Zn einem Treibhause hatte sie Eckertsburg mit Mühe auf getrieben. Zn der Erinnerung an jenen Tag, da er solch kleine, selbstgepflückte Blumen geschenkt bekommen hatte.

Elisabeth sah Eckertsburg an. Merkwürdig blaß sah er heute aus.

Der Schaffner mahnte zum Cinsteigen. Die bei­den standen sich dicht gegenüber. Zn diesem Augenblick war es vorbei mit Eckertsburgs Be­herrschung. Er sah Elisabeth an, und einem Blitz­schlag gleich durchfuhr sie eine jähe, beglückende Erkenntnis. Eckertsburg liebte sie...

Sie wollte etwas sagen: aber kein Laut kam aus ihrer Kehle.

Es ging alles so furchtbar schnell. Sie stand am offenen Fenster, sah das geliebte Gesicht, fühlte feine heißen Lippen auf ihren... Und dann fuhr der Zug an, rollte langsam aus der Halle.

Mit erblaßtem Gesicht stand Elisabeth da, beugte sich aus dem Fenster, sah Eckertsburg da­stehen, regungslos dem Zuge nachstarren.

Mit einem leisen Aufschluchzen fiel sie in sich zusammen.

(Fortsetzung folgt.)