Ausgabe 
1.2.1932
 
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Montag, 1. Zebruar 1952

182. Zahrgang

Hr. 26 Erster Blatt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

ii686. Drtwf ewö Verlag: vrihl'sche Univerftlätr-Vuch' eeb Stehiöruderei H. Lange in Gieren. 5chriMettnnq und Heschästrltelle: SchuUtraße 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwoniich fürPolitik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr ^.Ibpnot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, iämtlich in (Biehen.

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Krieg ohne Kriegserklärung.

Die Kämpfe in Schanghai werden wieder ausgenommen. Die chinesische Zentralregierung will Den Japanern entgegentreten.

Keine Kriegserklärung.

China aber zum äußersten Widerstand entschlossen.

Conbon, 31.Ian. (1DIB.) Vie Nachricht de» Reuterbüros aus Nanking, bafj die chinesische Re­gierung beschlossen hat. Japan den Krieg zu erklären, hat keine Betätigung erhalten. Nach einer imBlalln veröffentlichten Agentur­meldung aus Nanking hat der neue chinesische Außenminister kategorisch die Nachricht dementiert. China würde noch heute Japan

(Lugen Tschen, der frühere Außenminister der Kan­ton-Regierung. hat in Schanghai den Abwehrkampf gegen die japanische Invasions-Armee organisiert.

den Krieg erklären. Lr habe vielmehr betont, daß China niemals den Krieg erklären werde, aber daß es wider st and leisten und bis auf den letzten Mann und auf die letzte P a t r o h e s i ch wehren werde, solange Japan China Gewalt antue und es erniedrige. Die legitime Verteidigung sei durch das internationale Gesetz und sogar durch die Humanität gerechtfertigt. Der Sih der nationalen Regierung wurde von Nanking nach h o n a n f u in der westlichen Provinz honan verlegt. Die Regierung hat ein Kommunique ver­öffentlicht, in dem sie den japanischen Angriss auf Schapei brandmarkt und die Unterzeichner des Völkerbundspaktes, des Kellogg- Paktes und des N e u n m ä ch t e v e r t r a g e s dringend ausfordert, unverzüglich pof 1- tive Maßnahmen zu treffen,damit Recht und Internationale Verpflichtungen nicht vom japa­nischen Militarismus mit Füßen getreten werden".

Tschiangkaischek ruft China zu Den Waffen.

Schanghai, 31. San. (WTB.) Tschiangkai- fchek richtete an die militärischen Führer China- ein Telegramm, in dem er sagt.Je mehr wir ertragen, desto angrifsSlustiger werden die Ja­paner. China ist in Gefahr. Wer vaterländisch empfindet, kann die Bedrückung durch die Ja­paner nicht länger ertragen. Der Augenblick ist getotranen, d a die Regierung und ihre

Marschall Tschiangkmschek. der Obern-hblsbaber der chinesischen Truppen.

Armeen fich erheben müssen, um die Ehre der Ration und daS Dasein des chinesischen Dolles zu verleid, gen. Wir wollen unä lieber schlagen und Opfer brin­gen, als uns vor den Japanern zu beugen, die das Recht verletzt und den Weltfrieden gebro­chen haben." Ein eben in Banking eingetroffener chinesischer Flieger erklärte, daß ein end­loser Zug chinesischer Soldaten von der Provinz Honan nach Banking marschiert, um den Kampf gegen die Japaner «us-unehmen. Aus Kanton [mb Flugzeug«

entsandt worden. Die besten Truppen Tschiang- kaischeks versammeln sich in Banking, das als Hauptquartier auserkoren worden ist. Jeder Führer, jeder Soldat erklärte sich bereit, zur Derteidigung des Lande- zu kämpfen. Der Deist der Bation scheine von einem Tag zum an­dern sich umgewandelt zu haben.

China appelliert erneut an Den DölkerbunDsrat.

Genf. 31. Ian. (WTB.) Der chinesische Ver­treter im Völkerbundsrat hat den Ratsmitgliedern eine neue Note über die Vorgänge in Schanghai Äugeben lassen, in der es heißt: Der japanische Ver­such, Schanghai zu Überfällen und zu besetzen, ist wiederum eine Verletzung der Satzung und der Entschließungen des Völkerbundes, des Kelloggpak- I tes und Neunmächtevertrages. China hat langmütig I die japanischen Angrifsshandlungen, die sich immer |

weiter ausdehnen, erduldet. Der Angriff auf Schang­hai gefährdet die Haupt st a d t Nanking. China ersucht hiermit den Völkerbund, rasche und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um weitere japanische Angriffshandlungen zu ver­meiden. China behält sich das Recht vor. ange­messenen Ersatz der von Japan angerichteten Schäden zu verlangen.

3m übrigen wird in Genfer chinesischen Kreisen das Gerücht über eine bevorstehende oder auch nur beabsichtigte Kriegserklärung Chinas ganz entschieden in Abrede gestellt Eine Kriegs­erklärung wäre, wird weiter betont, ein schwe­rer politischer Fehler, durch den sich China vor der ganzen Welt ins Unrecht setzen würde. Tschiangkaischek bereite eine Proklamation an das chinesisch Volk vor, in der er z u r B e s o n - nenheit auffordert und unter Hinweis auf das Vertragstreue Verhalten Chinas von den Mächten verlangt, daß diese sich ihrerseits an die übernommenen Verpflichtungen halten.

Erneuter Protest Amerikas in Tokio.

Gegen die Mißachtung der internationalen Konzession in Schanghai.

Truppenverstärkungen aus Marita angeordnet. Oie Bedeutung Schanghais für den amerikanischen Handel.

Washington, 1. Febr. (WTB. Reuter.) Die amerikanische Regierung hat einen Pro­test an Japan gesandt. Der Protest bezieht sich auf den allgemeinen Grundsatz der 03 er­leb u n g internationaler Rechte durch den japanischen Einfall in Schanghai. Die japa­nischen Behörden hätten sich verpflichtet, die internationale Biederlaffung nicht in ihre militärische Operation einzubezie- hen. Trotzdem seien japanische Truppen in dieBiederlaffung gebracht worden, und ic benutzten die Biederiassung als Opera­tiv n s b a s i s. Schließlich fei Japan ohne d i e versprochene Warnung ins Chinesen­viertel eingedrungen, habe auf Zivilisten geschossen und Bomben abgeworsen.

(TU. Funkspruch.) Präsident Hoover hatte am Sonntagnachmittag mit Staatssekretär Stirn- f o n, Unterstaatssekretär Castle, Marinesekretär Adam und Admiral P r a 11 eine längere Be­sprechung über die Chinafrage. Auf die dringende Anforderung des amerikanischen Generalkonsuls in Schanghai hat Präsident Hoover ungeordnet, daß der Marinetransporter »Chaumont" 1000 Mann Infanterie und 400 Seefol- baten von Manila nach Schanghai bringen soll. Das amerikanische Marineamt hat für die gesamte Flotte und für die Ma­rinereservisten erhöhte Bereitschaft an- gcortmet

3m Board os Trabe Handelsamt wird ausdrück, lich erklärt, Amerika fei stark daran interessiert, daß der Hafen von Schanghai für den in­ternationalen Verkehr zugänglich bleibe. Die Gesamteinfuhr im Hafen von Schanghai habe im Fahre 1930 318 Millionen Dollar betragen. An dieser Summe seien in der Hauptsache die Vereinigten Staaten mit 78 Millionen Dollar, 3apan mit 59 Millionen Dol­lar, Britisch-Snbien mit 43 Millionen Dollar, England mit 38 Millionen Dollar beteiligt ge­wesen. Die A u ss u hr aus dem Hafen von Schang. Hai nach Amerika habe 40 Millionen Dollar erreicht England sucht zu vermitteln.

London schlägt eine neutrale Zone in Schanghai vor.

London, 31. Jan. (WTB) Trotz des Sonn­tags herrschte heute in Downing st reet fieberhafte Tätigkeit. Bezeichnend ist. daß auch der amerikanische Geschäftsträger m London im Laufe des Tages mehrfach den Pre­mierminister besuchte. Am Spätnachmittag Der» össentlichte das Foreign Office eine Mitteilung, in der es heißt: Heute vormittag fand eine Sitzung in Downingstreet statt, an der u. a. der Premierminister, der Schatzkanzler, der Staats­sekretär des Auswärtigen, der Erste Lord der Admiralität und der Chef desReichs- generalstabs teilnahmen. Die Situation in Schanghai und die militärische Lage wur­den erwogen Cs wurde beschlossen, außer den bereits in Schanghai befindlichen drei Batail­lonen ein Kriegsschiff von Hongkong zu entsenden, das ein Bataillon Infanterie und eine Batterie Artillerie führt.

Aus einer Sitzung, die heute in Schanghai unter dem Vorsitz des britischen Generalkonsuls statt­sand und auf der der amerikanische Generalkonsul, der japanische und der chinesische Befehlshaber anwesend waren, wurde vvrgeschlagen, e i n e neutrale Zone zwischen den chinesi­schen und japanischen Truppen zu schalsen, die von den Truppen der neu­tralen Mächte beseht werden soll. Der bri­tische Generalkonsul ist jetzt unterrichtet worden, daß die britischen Truppen mittoirfen sollen, wenn die neutrale Zone geschaffen werden kann

und daß die amerikanische Regierung ersucht wird, eine gleiche Aktton zu unternehmen. Die britische Regierung bringt auch in die japanische und die chinesische Regierung, den Plan einer neutralen Zone anzunehmen.

Die Presse kommentiert z. T. ironisch die Tatsache, daß womöglich eine chinesische Kriegs­erklärung am Dorabend der Abrü - I stungskonferenz erfolgen soll.Sunday Erpreß" fordert die Rückberufung der britischen Minister aus Gens.Sunday Times" gibt zu, daß die Abrüstungskonferenz kaum unter un­günstigeren Umständen zusammentreten könne, betont jedoch bah das zu offenkundige Fehlschlagen der vorhandenen Maschinerie, eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität zu schassen, das stärkste Argument eines neuen Ausgleiches unter den Rationen sei.Observer" bemerkt, niemand würde vor- auszusagen wagen, daß die Konferenz irgend etwas Bedeutendes erreichen werde. Aber selbst schmähliches Scheitern würde fein Gutes haben.

Auch ein englischer Protest.

London, 31. San. (WTB.) Der britische Bvtschaster in Tokio gab dem japanischen Mi­nister des Aeuhern bekannt, daß er angewiesen fei, feine Aufmerksamkeit auf die Gefahren zu lenken, denen Leben und Eigentum der britischen Untertanen durch d ie ja­panische Aktion in Schanghai aus­gesetzt seien, und gegen die Verwendung der internationalen Konzession a l s Angriffsbasis zu protestieren. Der Dot- fchaster forderte ferner, daß die Japaner alles unternähmen, um so bald als möglich die nor­malen Verhältnisse wieder herzu­stellen. Der japanische Außenminister ver­sicherte, daß er für die Beunruhigung bet britt­schen Regierung volle- Verständnis habe und fügte hinzu, es würde alles getan wer­ben, was möglich sei. Die Konzession sei auch nach seiner Ansicht feine AngrifssbasiS unb würbe auch nicht dazu dienen.

WaffenstttlstanD gescheitert.

Tie amerikanisch-vritische -Vermittlung in schanghai erfolglos geblieben.

Schanghai, 31. San. (WTB) Die von dem britischen und dem amerikanischen Generallonsul zwischen dem japanischen Admiral Ehioawa unb bem chinesischen Oberbesehlshaber vereinbarte Friedenskonferenz fanb im britischen Konsulat statt 17 japanische Flugzeuge kreuzten währenb ber Besprechungen über der Stadt. Die Konferenz wurde schließlich nach etwa drei­stündiger Dauer ergebnislos abgebro­chen. Teilnehmer der Äonfeten) berichteten, daß die Dormittagsverhandlungen zunächst einen hoff­nungsvollen Verlaus nahmen Während der Bachmittagssihung seien jedoch alle Dor­sch l ä g e aus dem einen ober anderen Grunde und wegen verschiedener Einwendungen von der einen oder anderen Seite wieder verwor- s e n worden. Mit einem Wiederzusammentritt der Konferenz könne man erst wieder rechnen, wenn die japanischen Behörden hier von Tokio neue Weisungen erhalten hätten.

Die chinesischen Dertreter hätten alle japani­schen Dorschläge abgelehnt. Don den japanischen Unterhändlern war u. a. verlangt worden, daß alle Führer der j apanf eindlichen Bewegung den japanischen Behör­den zur Aburteilung ausgeliefert I werden.

Der japanische Standpunkt.

Kein selbständiges Vorgehen in bei zronzesjionszone.

Tokio, 30. San. lWTB.) Der Außenminister teilte dem britischen Botschafter mit, daß Sapan in ber auslänbischen KonzessionSzone in Schang­hai nichts unternehmen werbe, ohne sich vorher mit ben örtlichen Behörden verständigt zu haben. Ein Vertreter des Außenministeriums gab zu ver­stehen. daß Sapan sich veranlaßt sehen könnte, sich aus dem Völkerbund zurückzuziehen, wenn

Der Kaiser von Sapan Hirohito, dessen Name (auf deutschLeuchtender Friede") in der Politik Sm ins gegen China bisher wenig zur Geltung gekommen ist.

eine Berufung auf die Artikel 10 und 15 de» Dölkerbundspaktes erfolge. Sapan würde die Et -» nennung einer Dölkerbundskommis-^ sion zur Untersuchung ber Vorgänge in Schang­hai begrüßen, wenn es sich um einen Wunsch beet Völkerbundes handele, sich über die wahre Lage durch Augenschein zu überzeugen. Sapan sei je­doch nicht imstande, Empfehlungen der Kommission als bindend anzu­sehen. Wenn China seins Truppenverstärkun­gen nicht aus eine sichere Entfernung zurückziehe, so bedeute dies nicht nur für die Lage der japa­nischen Marinekräste, sondern auch für die inter­nationale Zone selbst die größte Gefahr. Die Sa- paner erklären, wenn sie gezwungen gewesen seien, die Bordgrenzen der internationalen Zone unb die Straßen, die von dort nach Tschapei führen, zu besehen, so sei das wegen ber burch bie anttjapamsche Boykottbewegung geschaffe­nen Lage geschehen. Diese Bewegung habe sich sogar auf bie Konzes s i onszone aus­geb e h n t, obwohl diese ihre Beutralität hätte bewahren müssen.

Neue Kämpfe in Schanghai.

Schanghai, 1. Febr. (WTB.) Kurz nach 23 Ahr örtlicher Zeit brach am Sonntag nach mehrstündiger Ruhe ein scharfer Kamps im nördlichen Teil der Stadt aus. Gr begann mit unregelmäßigem Gewehrfeuer. Dann setzte Maschinengewehr seuer ein, unb schließlich nahm das Feuer derart zu, daß ei n e rege Irechte Schlacht im Gange war. Gin japanisches Kriegsschiss gab gestern Ma. fchinengewehrfeuer gegen bie Drücke ab, bie von ber internationalen Niederlassung nach bem Be­zirk Hongkew sührt. Drei chinesische Flüchtlinge würben baburch getötet Die Sapaner erklären, bas Feuer fei gegen vereinzelte Scharfschützen ge­richtet gewesen.

Die Brände in Schapei sind erloschen. Der Schaden wird auf 1 Million Pfund Sterling geschätzt Die Sapaner haben die völlige Kon­trolle über das Hongkew-Viertel der internationalen Niederlassung vom Sutschu-Fluß nach Norden. Bewaffnete japanische Reservepoli- zisten hielten Motorradfahrer und Fußgänger an, töteten einen Chinesen und verwundeten zwei Ausländer. Amerikanische Marinesol- baten nahmen 27 solcher Polizisten fest. 12 Per­sonen, unter ihnen ein junger Portugiese, wurden in der internationalen Niederlassung durch Streif­schüsse verwundet. Bei den Unruhen in Schanghai sind bisher Leben und Eigentum deut« scher Staatsangehöriger nicht zuscha- den gekommen.

Die Stadtbehörden der internationalen Bieder- lassung haben sich angeblich nach London unb Washington mit der Ditte ge­wandt. schnellstens weitere Derstärkun- gen nach Schanghai zu senden. Aus Hongkong wird berichtet, daß von dort 2000Manneng- lischeTruppen nach Schanghai entfanöt wer­den sollen. Laufende von angsterfüllten Chi«