Ausgabe 
14.8.1936
 
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RrJ89 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Zreitag, August 1956

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Italiens afrikanische Hauptstadt.

Von unserem römischen E.-Korrespondenten.

Rom, Mitte August.

In einem Jahr kann sich vieles ändern. Im vori­gen Sommer um diese Zeit war Abessinien noch das geheimnisvolle Reich der Königin Saba und ein Stück dunkelsten Afrikas, in der Hauptstadt Addis Abeba strömten wilde Krieaerscharen zusam­men, schworen dem König der Könige Sieg und Treue, die Regenzeit hielt die Gemüter der ganzen Welt in Spannung, und wenn Italien, so lasen wir, so hörten wirs aus dem Munde britischer Staats­männer, wirklich dieses Abenteuer herausfordern werde, so könne es zwar Europa in Brand stecken, werde sich aber selber tief drinnen in dem weg- und steglosen Abessinien verbluten. Auch galt es vielfach für ausgemacht, daß Mussolini und sein Faschismus die zweite Regenzeit nicht überleben würden. Jetzt sind wir so weit, mitten in der täg­lichen Sintflut, und durch Addis Abeba laufen rö­mische Omnibusse und Mietsdroschken wie zu Hause. Ein krasserer Gegensatz zwischen Voraussage und Wirklichkeit läßt sich kaum denken, die Kolonial- geschichte weiß jedenfalls von keinem Gegenstück zu berichten, und selbst die in den Romanen über Nacht aus dem Boden schießenden amerikanischen Goldgräbersiedlungen müssen den Angriff auf den italienischen Verwandlungsrekord scheuen.

Mit Ausnahme von Deutschland, das sich auf sehr geschickte Weise aus einem diplomatischen Dilemma zog, indem es seine Gesandschaft in Addis Abeba in ein Konsulat umwandelte, tun die Großmächte zwar noch so, als ob der Titel eines Kaisers über Abessinien oder Aethiopien, wie man in Rom lieber sagt, noch umstritten und eine Rechtsfrage sei, aber am Tiber weiß man von solchen Schwierigkeiten nichts und in der römischen Filialedort drunten" haben die Stadtoäter auch ändere Sorgen. Sie arbeiten an einem Piano rego- latore, einem Bau- und Siedlüngsplan, der in seinen Grundzügen bereits von der Zentral­regierung, das heißt: von Cäsar Mussolim ange­nommen unb damit Wirklichkeit wurde.

Rach diesem Plan soll Addis Abeba als die riesige ©arten {tobt, die sie heute ist, erhalten bleiben. Bei 60 Kilometer Umfang könnte man das Rom von 1870 in sie gut hineinstellen (das heutige Rom mißt 97 Kilometer im Umkreis und 145, wenn man den weit hinausgeschobenen Zollgürtel zugrunde legt). Wie aus den letzten Meldungen bekannt, haben sich die Verschwörer unter dem Schutz der ausgedehnten Eukalyptuswälder an den Stadtkern heranschleichen können, dennoch wird die Stadtverwaltung, so sicher fühlt sie sich, dieses Immergrün, dem Fieberheilwirkung zugeschrieben wird, nach Möglichkeit schonen. Uebngens darf hier eingeschaltet werden, daß nach den neuesten Ma­lariaforschungen der Eukalyptusschutz eine höchst fragwürdige Angelegenheit ist; abgesehen davon, daß von einer Heilwirkung bei ausgebrochener Krankheit keine Rede mehr sein kann, hat man die fieberverschleppende Anopheles - Stechmücke häufig in Gemütsruhe auf dem ihr angeblich so verhaßten, ölhaltigen Laub sitzen sehen.

Das neue Addis Abeba wird aus drei Haupt­quartieren bestehen: der (Europäer ft abt, der Eingeborenen stabt, der Industrie­stadt. Die erste erstreckt sich über die Abhänge weit über die alte Königsresidenz hinaus, die zweite gruppiert sich um den Markt, für die dritte, nach ganz modernen Grundsätzen zu errichten, ist die große Ebene beim Bahnhof vorgesehen. Zwischen der Europäer- und der Eingeborenenstadt bildet sich bereits die Handelsstadt heraus. Scharen von Ar­beitern und Handwerkern errichten Geschäftshäuser, Derkaufsläden, Oaftftftätten an der großen Straße zwischen dem St. Georgsplatz und dem Bahnhof.

Die Regierung hat gut daran getan, von vorn­herein den Gründeransturm in geordnete Bahnen zu leiten und Bauvorschriften zu erlassen, denn wenn man täglich sieht, wer und was alleshin­unter will", mehr mit gutem Willen und phanta­stischen Vorstellungen, als mit Geld und Erfahrun­gen ausgerüstet, darunter nicht wenige Ausländer, bann kann man sich ungefähr ausmalen, was dort im Herzen Afrikas entstanden wäre.

Die Auswanderer wie die Arbeiter werden einer scharfen Auslese unterworfen, unter den ernsthaften Siedlern haben die Frontkämpfer den unbe­dingten Vorrang. Jede ungesunde Spekulation soll unterbunden werden, um besonders auch Rück­schläge psychologischer Natur zu vermeiden. Wie bei Der Anbahnung des Feldzuges und bei der Erobe­rung des Landes, so zeigt sich nun auch bei der friedlichen Durchdringung der Segen eines Re­gimes, das nach reiflicher Ueberlegung ungestört entscheiden kann, ohne jeden parlamentarischen Kuhhandel. Abessinien ist auch in dieser Hinsicht ein Schulbeispiel geworden.

lieber die Blutopfer, die der Krieg, und die Toten, die Krankheiten und Unfälle forderten, liegen nun genaue Zahlen vor. Im Kampf gefallen sind vom 3. Oktober 1935, dem Beginn der isemd- feligteiten, bis zum 31. Juli dieses Jahres 1209 Mann, wozu noch 75 Vermißte und 135 an Ver­wundungen Gestorbene kommen. Unfälle und Krankheiten stehen mit 1367 Mann zu Buch. In öen ersten 7 Monaten des Jahres starben 512 Ar­beiter, 65 fielen bei einem nächtlichen Ueberfall. Es liegt auf der Hand, daß auch jeder weitere Tag noch auf lange Zeit hinaus feinen Tribut an Menschenleben fordern wird, bedenkt man aber, baß allein in Deutschland jährlich durchschnittlich 1500 Menschenleben dem Verkehr zum Opfer fallen

Englische Flugzeuglieferungen für beide kriegführenden Parteien in Spanien.

Scharfe Kritik in der englischen Oeffentlichkeit.

London, 13. Aug. (DNB.)Evening Stan­dard" meldet in großer Aufmachung, daß am Don­nerstag sechs englische mehrmotorige Flugzeuge von Flugplätzen in der Nähe Lon­dons nach Spanien abgeflogen seien. Zwei davon seien für die Madrider Regierung, die anderen vier für die Militärgruppe bestimmt. Die zwei für die spanische Regierung bestimmten D H 48 Draaon-Maschinen seien von einem Sowjetrussen im Auftrage einer Organisation gekauft worden und hätten auf ihrem Wege vom Flugplatz Heston nach Spanien bereits eine Zwischenlandung in Paris gemacht. Die anderen, zwei breimotorige 16fitzige Focker und zwei Vbi-Rapid-Maschinen, seien von Croydon über Portugal nach Burgos unterwegs.

Die Morgenblätter bestätigen unter Wiedergabe genauer Einzelheiten die Richtigkeit der Meldung. Auf Erkundigung beim englischen Luftfahrtministe­rium wurde demDaily Telegraph" mitgeteilt, daß der Verkauf von Verkehrsflugzeugen von England nach Spanien keiner Beschränkung unterliege. Sämtliche sechs Maschinen feien Zivil­flugzeuge, im übrigen würde ihr Umbau in Kriegs­flugzeuge beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen. Dagegen wird die Fähigkeit der Flugzeuge zu Bombenabwürfen nicht bestritten. Reuter macht darauf aufmerksam, daß die Vollmacht der Behörden, die Ausfuhr von Kriegsmaterial von der Erteilung besonderer Bewilligungen abhängig zu machen, sich nicht auf Verkehrsflugzeuge beziehe. Eine Erweiterung des Lizenzsystems fei aber zur Zeit schwierig, weil sich im August die meisten Minister auf Urlaub befinden. Der arbeiter- parteilicheDaily Herald" ist Der Ansicht, daß die geltenden Bestimmungen ausgereicht haben würden, um die Ausfuhr zu verhindern, da es sich um Artikel handele, die nach dem Wortlaut der Verordnung in Gegenstände für mili­tärische Zwecke umgewandelt werden können. DerDaily Herald" fordert ein sofortiges Eingreifen der Regierung.

Der Verkauf hat in England zu einer außer­ordentlichen Erregung der Gemüter geführt. In einem Leitaufsatz, in dem die Gefahren geschildert werden, die sich für die internationale Lage auf den schleppenden Verlauf der Nichteinmischungs­verhandlungen ergeben könnten, spricht die rechts- konservatioeMorning Post" ihr Bedauern dar­über aus, daß der Start der Flugzeuge nicht ver­hindert worden sei. In London fürchtet man, daß der französische Ministerpräsident Leon Blum im Falle des Scheiterns dieser Verhandlungen nicht imstande sein würde, gegen seine eigenen Anhänger Front zu machen; er würde dann gezwungen fein, entweder die spanischen Marxisten zu unterstützen ober zugunsten eines extremen Kabinetts zurückzu­treten.

Unbequeme Fragen.

Paris, 13. Aug. (DNB.) Die Kammer war zur dritten Lesung der' Ergänzungskredite für den Mo­nat Juni zusammengetreten. Der rechtsradikale Ab­geordnete Vallart erinnerte.daran, daß er an den Luftfahrtminister Pierre C o t wegen der fran­zösischen Flugzeuge, die an die spanische Re­gierung geschickt worden feien, vier Fragen ge­richtet habe. Die Flugzeuge seien in Barcelona ge­landet, nachdem der Ministerrat bereits die Ent­scheidung über die Nichteinmischung gefällt habe (Lärm auf der Linken und äußersten Linken.) Der Vorsitzende H e r r i o t verlas daraus die Geschäfts­ordnung, derzufolge keine Interpellation in Verbindung mit den Ergänzungskrediten er­örtert werden dürfe. Der Abgeordnete Vallart be­stand jedoch unter heftigem Lärm auf der Linken und Beifall auf der Rechten weiter auf feiner For­derung. Er lasse sich nicht von Angehörigen einer Partei beleidigen, die Spione und Verräter in ihren Reihen zähle. Herriot erteilte dem Abge­ordneten daraufhin einen Ordnungsverweis und hob die Sitzung auf. Nach kurzer Pause nahm die Kammer mit 483 gegen 80 Stimmen die von der Regierung beantragten Ergänzungskredite an.

»Solidaritätsspende" sozialistischer Parlamentarier.

Paris, 13. Aug. (DNB.) Die sozialistische Kam­merfraktion gab nachstehende Verlautbarung her­

aus:Um in wirksamer Weise d i e Drüber« licken Gefühle gegenüber dem spa­nischen Volk zum Ausdruck zu bringen, das um seine Regierung geschart, für die Verteidigung der republikanischen ' (Einrichtungen und Freiheit kämpft, hat die sozialistische Fraktion die Eröff­nung einer freiwilligen Solidarit ätsfpende beschlossen, an der sich alle sozialistischen Abgeord­neten und Senatoren mit einem Beitrag von 50 Francs beteiligen werden."

Kommunistische Mordtaten.

Paris, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie Echo de Paris" meldet, sollen 14 nationali- stische Geiseln aus Tolosa von den Mar­xisten nach San Sebastian gebracht und dort

erschossen worden sein. Kurz zuvor habe man in San Sebastian 56 aktive Offiziere und eine Anzahl Reserveoffiziere erschossen, weil sie nationalistisch gesinnt gewesen seien. In der Nähe des portugiesischen Grenzortes Campo Maior überschritt eine größere Abteilung spanischer Kommunisten die Grenze und drang in portu­giesisches Gebiet ein. Die Kommunisten bemäch­tigten sich eines Obersten der spanischen Nationalisten, der sich nach Portugal geflüchtet hatte. Die portugiesischen Grenzbeamten waren der Uebermacht gegenüber nicht in der Lage, das Ein­dringen der Kommunisten zu verhindern. Die Kom­munisten erschossen den Oberst auf por­tugiesischem Boden und verschwanden bann über bie Grenze.

AM Erfolge der Aalionalisten.

Kritische Lage in Madrid.-San Sebastian vor dem $o(L

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Die weißen Pfeile stellen die Militärgruppe, die schwarzen die Volksfront dar. Sie deuten an, daß hier größere Kampfhandlungen im Gange find. Die Darstellung erfolgte auf Grund der letzten Nachrichten, die jedoch im einzelnen nicht alle überprüfbar sind. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Hendaye, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die von den spanischen Sendern in der Nacht zum Freitag verbreiteten Meldungen ergeben folgendes Bild: Truppen der Militärgruppe haben sich Donnerstag abend weitere 6 Kilometer an San­tander herangearbeitet. Badajoz ist von den Nationalisten nach mehrstündiger Beschießung zur Hälfte eingenommen worden; in dem west­lichen Teil der Stadt wird noch gekämpft. Auf der Strecke MeridaMadrid konnten die Truppen des Generals Franco die 120 Kilometer südwestlich von Madrid liegende Stadt Talavera in ihren Besitz bringen und zahlreiche Gefangene machen. Dor Malaga warf ein Flugzeug der Nationali­sten Bomben auf den KreuzerJaimes I" ab. Das Kriegsschiff soll infolge der erlittenen schweren Havarien gesunken sein. Die anderen Kriegs­schiffe der Madrider Linksregierung find zu der Mi­litärgruppe übergangen. In Antequera bombardier­ten Flugzeuge der Marxisten das Lazarett und ein Krankenhaus.

In San Sebastian erwartet man stündlich den Einmarsch der nationalistischen Truppen. DieRevolutionskomitees" befehlen die Einwohnerschaft in die Keller zum Schutz ge­gen Artillerie- und Fliegerwirkung. Ferner wurden die Einwohner aufgefordert, keinen Gebrauch von der Waffe gegen Flieger der Militärgruppe zu machen um Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden. Die Stimmung in der Stadt soll auf den Nullpunkt gefallen fein. Der Ort Renteria auf der Strecke JrunSan Sebastian ist ebenfalls mit Bomben belegt worden.

In Alicante liegt angeblich ebenso wie in Valencia ein Kriegsschiff für bie M a - drider Regierung bereit, das ihr die Flucht ermöglichen soll, falls Madrid fällt. Nach einem hier aufgefangenen Funkspruch aus Madrid soll sich dort die Lage von Tag zu Tag verschlechtern. In der Stadt haben sich Revolutionstribu- n a I e gebildet. Erschießungen und Schießereien werden fortgesetzt. Die Regierung scheint kaum noch Herrin der Lage zu sein. Es hat den Anschein, als trieben die Dinge rasch einer schweren Krise zu.

Der Sender Madrid hat einen Rundruf an die republikanischen Länder Europas" verbreitet, in dem diese Länder aufgeforbert werden, nicht neu­tral zu bleiben, sondern der amtlichen spanischen Regierung ihre Unterstützung zuteil werden zu lassen. Der Sender Burgos teilt mit, daß der Vatikan bei der Madrider Regierung erneut wegen der zahllosen Ermordungen von Geistlichen durch die Kommunisten vorstellig gewor­den sei. Die Madrider Regierung soll versucht haben, die Eingeborenen in Marokko dazu aufzuhetzen, General Franco in den Rücken zu fallen. Als Antwort auf diese Machenschaften habe der größte Stamm dem General Franco 1000 Krieger zum Kampf gegen die Marxisten zur Ver­fügung gestellt. Der Sender Madrid verkündet, daß ihre Regierungsflugzeuge 5 Tonnen Bomben über Granada, das in den Händen der Nationalisten ist, abgeworfen hätten. Don anderer Seite wird hierzu gemeldet, daß diese Bomben einen Teil der Alhambra zerstört hätten.

und monatlich gegen 5000 Verletzte zu beklagen sind, um von den erschreckenden amerikanischen Ziffern zu schweigen, so ist die Verlustliste dieses Krieges erstaunlich gering und die Krankenziffer geradezu ein Idyll, gemessen an den Hekatomben, die den Italienern geweissagt wurden. Nicht nur die woderneTechnik hat eben an Kriegswaffen und Straßenbaumaschinen einen glänzenden Sieg da- oongetragen, sondern auch die ärztliche Wis­senschaft. Sie ist der gefährlichsten Seuchen Herr geworden, bevor sie der Armee in den Rücken fallen konnten.

Seit Italien das Land besetzt hat, werden die Schelme bestraft und die ehrlichen Menschen ge­schützt, die Kranken gepflegt, bie Armen unterstützt,

die Arbeiter bezahlt und die Kinder gehen in die Schule. So hat Ras S e j u m kurz und bündig sein Urteil zusammengefaßt, als er fick dieser Tage feier­lich unterwarf. Auf seinem Würdenträgermantel, der ihn als aus königlichem Geblüt stammend aus­zeichnet, glänzte ein hoher Orden der italienischen Krone. Unter großen, auf die (Eingeborenen Ein­druck machenden Zeremonien finden alle diese Un­terwerfungen statt, die einander fast so regelmäßig folgen wie die Regentage, und jeder Häuptling un­terschreibt eine Urkunde, mit der er sich verpflichtet, keine andere Autorität als die des Königs und Kai­sers Viktor Emanuel anzuerkennen.

Dabei regiert Graziani mit unerbittlicher Strenge.Ihr habt in bett letzten Tagen gesehen,

daß wir Gewalt angewandt haben, doch waren wir nicht die Angreifer. Angegriffen, ziehen wir das Schwert, aber Zweck und Ziel unserer Aufgabe ist es, der Bevölkerung Friede und Ruhe, Arbeit und Gerechtigkeit zu verschaffen." Professor A f e w o r k, der frühere Gesandte des Negus in Rom, verglich im Rahmen der letzten Feier das Heute mit dem Gestern auf recht drastische Weise, indem er am Schlüsse erklärte, der eigentliche Feind Abessiniens sei immer der Abessinier selber gewesen. In Rom wie in Addis Abeba ist man sich darüber einig, daß die Säuberungen und Befriedungsaktion noch ge­raume Zeit in Anspruch nehmen wird, aber schon heute geht es in diesem Stück des dunklen Erdteils geordneter z« als, sagen wir einmal m Spanien.