Ausgabe 
2.5.1933 Frühausgabe
 
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185. Zahrgang

Dienstag, 2. Mai 1935

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GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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Dr. Frredr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein undsür denAn» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Ißießen.

Der deutschen Arbeit Ehrentag.

3n gewaltigen Kundgebungen aller (Stände bekennt sich das deutsche Volk zum Ginnspruch seiner nationalen Negierung für den 1. Mai:Ehret die Arbeit und achtet den Arbeiter".

Oie Neichshauptsiadt im Festschmuck.

Ein Meer von Fahnen, einTepPich von Grün.

Berlin, l.Mai. (WTB.) 2lm frühen Morgen regt sich noch im Nebelgrau überall das Leben. Singende Scharen durchziehen die Straßen, die über Nacht in ein einziges Meer von Klaggen und Maiengrün verwandelt worden sind. Dabei ist laum ein Unterschied zwischen den Außenbezirken und dem eigentlichen Stadlinnern, zwischen den Ar- f beiteroiertctn, den.Geschäftsstraßen und den vor­nehmen Stadtvierteln festzustellen. Kein Haus ohne Schmuck. Große Transparente, die auf die Bedeutung des Tages der Arbeit hinwci- fcn oder die Treue zum Reich und zu»- nationalen Regierung bekunden, ziehen sich über die ganze Straßenbreite.

Hebet die Plätze sind fahnenbe st eckte Girlanden gespannt, an den S^ren stehen Maibäume. Die Fenster sind mit Grün umrahmt, fast in allen Auslagen sind die Bilder des Reichspräsidenten und des Reichs­kanzlers zwischen Grün und Blumen aufgc- baut. 3m eigentlichen Stadtinnern, den Haupt­straßen der Stadtmitte, ist der Schmuck der Häuser so reichlich, daß die zahlreichen Reklametrans- Parente fast vollkommen darunter verschwinden. , Die großen Geschäftshäuser haben Teppiche aus den Fenstern gehängt, die Embleme der nationalen Revolution mit Tausen­den von Glühbirnen ausmontieren lassen, die Bilder des Reichspräsidenten und des Reichs­kanzlers in gewaltiger Größe an den Häuser- fronten, umrahmt von Girlanden und Fahnen, an­gebracht.

Ein überraschendes Bild dielen die Arbeiler- vierlel, in denen noch vor vier Jahren an dem gleichen Tage Barrikaden errichtet waren. 3n Reukölln, am Stettiner Bahnhof, am Wedding, am horsl-wefsel-Plah, dem früheren Bülow- Plah, in THoabit, überall Fahnen über Fahnen und Transparente, die, den klaifenkampf ab­lehnend, für den deutschen Sozialismus werden.

Oft ist unverkennbar, daß die Wohnungsinhaber mit ihren letzten Groschen versucht haben, ihren 1 Häusern einen festlichen Schmuck zu geben. Das H o r st - W e s f e l ° 5) a u s (das ehemalige Lieb- I kncchihaus) trägt zwei große Bilder des Führers. L Girlanden spannen sich von Straße zu Straße. Hier vor der ehemaligen Hochburg des Kommunismus steht heute leuchtenden Auges £ die Hitler-Jugend, die auf das Zeichen zum Ab­marsch zu ihrer ftunbgebunn im Lustgarten wartet.

Geradezu überwältigend ist der Eindruck Inder 1 W i l h e l m st r a ß e, die schon in den frühen Mor­genstunden polizeilich abgefperrt ist Bon hier über die Linden bis zum Lustgarten sind- alle Häu­serfronten in feierliches Grün g e - hüllt, aus dem farbenfreudig das Hakenkreuz­banner, die Reichsfarben und die preußischen ^Far­ben leuchten. Alle Verkehrsmittel der Sl.idt tragen Wimpel und Zweige, abcr_aud) alle Taxen ' und Privatwagen weisen einen Schmuck auf, als | ob es z u einem B l u m c n t o r j o ginge. Die 1 Leitungsmasten der Straßenbeleuchtung find mit i- @rün umwunden, die Leitungsdräht selbst mit un- k Zähligen kleinen Wimpeln behängt. Auf den Bahnhöfen laufen die Lokomotiven mit Grün und Fahnen besteckt ein. Sonderzüge speien ununter­brochen unzählige Tausende aus, die diesen großen Tag in der Reichshauptstadt mitcrleben wollen.

Auf den Straßen begegnet man Lastzügen und Gesellfchastssondcromnibusscn aus allen Teilen des Reiches, mit den I? Landesfarben geschmückt. Man hört die Mundart der Danziger und Ostpreußen, der Oberschlefier, der Saarländer, der Schleswiger, der deutschen ii Brüder aus dem benachbarten Oesterreich und Sudetendeutschland. Die ganze Stadt scheint von einer Woge freudiger Be­geisterung übergossen. Hcberall sieht man fröhliche und lachende Gesichter. 3n den Stadtzentren, wo der Aufmarsch der Jugend feinen Anfang nimmt, werden Verkehrsstockungen und die erforderlichen Umleitungen ohne ein böses Wort in Kauf genommen. Der Eindruck, den die ganze Stadt bietet, übertrifft bei weiten» ! den von Potsdam, der schon nicht mehr über­bietbar schien.

Das Fest der Lugend.

Aufmarsch begeisterter Jugend aller Liändc im Berliner Lustgarten.

Es ist einer der besten Gedanken des Propaganda- Ministeriums gewesen, die Jugend, die Zu­kunft Deutschlands, an den großen Feier - lichkeiten des Tages der nationalen Arbeit vollen L Anteil nehmen zu lassen. Drei Stunden vor Be- , ginn ihrer großen Kundgebung im Lustgarten fan- e dcn sich schon die ersten r-charen an den Sammel- [ plätzen ein. Die sämtlichen Schulen der sechs Jnnen- I", bewirte, die eine Aufmarschzeit von etwa einer I Stunde haben, traten an 12 Sammelplätzen im Stadt- 5; itinern, um bann nach dem Lustgarten zu mar­

schieren. Frohsinn und Begeisterung leuchten aus den Augen der Kinder. Singend durchziehen sie die Straßen und schwenken die Hakenkreuz- und schwarzweißrote Fähnchen. Stolz tragen sie die Transparente mit den Gelöbnis der Liebe zur Hei­mat, zum Reichspräsidenten und zum Dolkskanzler. Auch in ihren Reihen ist eine mustergültige Disziplin zu beobachten. Ein besonders feierliches Bild bieten die Sammelplätze, auf denen die Hitlerjugend in ihren einfachen, aber kleidsamen Trachten Auf­stellung genommen hat. Selbst die kleinsten Knirpse tragen mit Stolz ihre braunen Uniformen und die Hitler-Medaille, ihre weißen Blusen, über die sie das braune Jäckchen gezogen haben.

Besonders eindrucksvoll und bunt ist der Sam­melplatz der ftudenlifchen Korporationen am hegel-Plah.

Eine Taxe nach der anderen rollt an und bringt die Chargierten der gesamten studentischen Korporationen aller Hochschulen Berlins in vollem Wichs mit wehenden Bannern heran. 3e näher man dem Lustgarten kommt, um so überwältigen­der wird das Bild. Kopf an Kopf stehen die Scharen der Kinder, 3ungens und Mädels, der 3ungmänner, der Jungarbeiter, der Jugend­organisationen, der konfessionellen Verbände, der Turn- und Sportvereine, vielfach auch in ihrer Sportkleidung, alle mit Fahnenwimpeln und Transparenten. Reichskanzler Hitler, der, kurz nach acht Ahr vom Anhalter Bahnhof kommend, in der Reichskanzlei eintrifft, wird von den Massen stürmisch begrüßt. Aus allen Straßen strömt die Jugend zum Lustgarten, auf allen Straßen schallen die hellen Stimmen der Kinder, die das Deutschland-Lied. das Horst- Wcssel-Lied und frohe Marsch- und Wanderlieder fingen.

Reichsminister

die Estrade und richtet einen herzlichen Appell an die deutschen Jungens und Mädels. Es ist kein Zufall, so führte er aus, daß der Feiertag der deutschen Arbeit mit einem Appell an die deutsche Jugend beginnt. Dies geschieht *a u f ausdrücklichen Wunsch des Herrn Reichspräsidenten. Die Jugend ist die i Trägerin der deutschen Zukunft; sie hat einst unser Erbe zu übernehmen. Es ist die wichtigste Aufgabe des jungen Deutschland, die Jugend zur Diszi­plin zu erziehen, lieber den Trümmern des zu- sammengebrochenen liberal-kapitalistischen Staa­tes erhebt sich der Gedanke der Volksge­meinschaft der geeinten deutschen Ration. Die Regierung, die dem Klafsenkamps ein donnerndes Halt entgegengerufen hat, hat damit eine gewal­tige Pflicht und Verantwortung auf sich genom­men. Richt deshalb haben wir den Marxismus auf die Knie gezwungen, um dem Arbeiter seine politische und wirtschaftliche Vertretung zu neh­men. Wir haben mit der Riederzwingung des Marxismus die Pflicht des sozialen Friedens, der Gerechtigkeit und der Arbeit übernommen. Die Jugend, die heute hier versammelt ist, legt ein Bekenntnis ab zum Staat und auch zur Arbeit und ihrem Segen. 3m Zeichen der nationalsozialistischen Revolution ist die 3ugcnt> aufmarschiert und be­kennt, daß diese Revolution erst dann Halt machen wird, wenn sie denganzen Staat und das ganze Volk erobert hat. Glücklich die 3ugend, die nicht nur Zeuge, sondern M i t g e st a 11 e r und Mitträger des gewaltigen geschichtlichen Geschehens sein kann. Wir, die deutsche 3ugend, wollen mit dem Pessimismus ein Ende

Der ganze Lustgarten ist in ein Fardenmecr getaucht. Auf der Estrade des Schlosses, von dessen Front neben dem Balkon gewaltige Flag­gen herunterhängen, und dessen Fensterbogen mit Grün umzogen find, stehen neben den Ehrengästen 150 studentische Korporationen in vollem wichs, geführt von den anslandsdeut- fchen Studenten, die erstmalig nach dem neuen Studentenrecht in die Reihen der Deutfchen

Studentcnfchaft eingereiht sind.

Auf der Terrasse haben 12 00 Sänger des Berliner Sängerbundes Aufstellung ge­nommen. Riesenlautsprecher, bis in die 3nnen- stadt verteilt, übertönen das fröhliche Stimmen­gewirr der zu Hunderttausenden aufmarschierten Jugend. Flugzeugstaffeln in Fünfer- und Reuner- Formationen kreuzen über dem Platz. Die um­liegenden Dächer der Häuser sind von Schau­lustigen beseht. Die ganzen Linden hinunter, hin­ter dem Schloß und in den benachbarten Straßen stehen Kopf an Kopf die Leute, die wenigstens Hörzeugen des gewaltigen Schauspiels sein wol­len. llebertoältigcnb das Bild von der EstrcHe aus. Vor der Schlohfront, von schönstem Sonnen­licht übergossen, steht die Hitler-Jugend in ihrem schmucken Braun, jede Gruppe mit ihrem bunten Wimpel, dahinter die Volksschulen und die höheren Schulen mit Standarten, Wimpeln und grün geschmückten Schildern, 3ungmänner und Jungmädchen, Verbände mit ihren Bannern und an der Peripherie die Schaulustigen. Einige haben sich sogar auf die Türme des Doms ge­wagt. Punkt 9 Uhr feierliche HymneDeutsch­land, du mein Vaterland". Dann betritt, mit stürmischen Heilrufen begrüßt,

Or. Goebbels

machen. Gläubig, voll trotzigem Optimismus, wollen wir das schwere Schicksal in die Schran­ken fordern.

Die deutsche Jugend hat zu fordern. Sie erhebt vor der ganzen Welt ihre Forderung auf Arbeit» Brot, Ehre und Lebens­raum. Aber diese Jugend, geläutert durch das Fegefeuer des Krieges und der Nachkriegszeit, weih auch, daß nur der fordern kann, der die Pflicht zur Leistung auf sich nimmt. Deshalb wollen wir uns vereinigen in dem Ge­löbnis, ; u arbeiten und nicht zu ver­zweifeln und mit ganzer Seele zu Deutsch­land und seinem Schicksal sichen. In diesem Sinne grüßen wir die Jungen, wir Träger des neuen Staates, das alte ruhmreiche Deutschland, das hinter uns liegt, grüßen wir jenen ehrwürdigen großen Soldaten des Krieges, den GeneralfeldmarschaU und Prä­sidenten des Deutschen Reiches. Daß er heute mitten unter uns sieht, das bauten wir ihm aus tiefstem herzen. Die Jugend grüßt die arbeiten­den Väter und Brüder, sie grüßt das schaffende Deutschland. Jung und alt reichen sich heute die Hand und schließen einen Bund, der für alle

Zeiten unlösbar ist.

Dr. Goebbels schloß seine Rede mit H e i I r u f c n auf den Dolkskanzler Adolf Hitler, in die die Menge begeistert cinstimmte. Dann klingt das Horst-Wefsel-Lied auf, entblößten Hauptes angc- hört und mitgesungen, die Offiziere salutieren, die Studenten kreuzen die Klingen.

Begeisterte Huldigung für Reichspräsident und Reichskanzler.

Heil-Rufe schallen von den Linden herauf: i m offenen Wagen erscheint der Herr Reichspräsident in dunkler Kleidung. Neben dem greifen Haupt, das freudestrahlend die ihm zu- jubelnden Massen durch Kopfnicken begrüßt, sitzt der junge Volkskanzler Adolf Hitler, im zweiten Wagen folgen Vizekanzler v. P a p e n , Staatssekre­tär Meißner, die persönlichen Adjutanten des Reichspräsidenten Oberstleutnant v. Hindenburg und Graf von der Schulenburg, ferner der enge Stab des Reichskanzlers. Nur mit Mühe kön­nen sich die Wagen einen Weg durch die begeisterte Jugend bahnen. Endlich halten sie an d e r S ch I o ß- terrasse. Begrüßt von den jubelnden Sängern, die auf der Estrade stehen, und den studentischen Korporationen, verlassen der Reichspräsident und der Kanzler den Wagen und begeben sich auf die Estrade, wo der Reichspräsident die anwesenden Ehrengäste begrüßt. Mit dem Doyen des diplo­matischen Korps Nuntius O r fe n i g o haben sich zahlreiche in Berlin akkreditierte Vertreter fremder Mächte eingefunden. Von den Mitgliedernder

Regierung bemerkt man Rcichswehrminifter General von Blomberg, Reichsinnenminifter Dr. Frick, den preußischen Justizminister Kcrrl und den preußischen Kultusminister R u st. Als der Reichspräsident nunmehr die Rednertribüne betritt, braust ihm ein Jubelsturm entgegen. Von Hellen Kinderstimmen gesungen klingt es über den PlatzIch hab' mich ergeben". Wie zum Gelöbnis fliegen die Hände überall hoch. Jetzt fpridjt

der Rerchspräsidentr

herzlich begrüße ich die deutsche Jugend aus Schute und Hochschule, aus Werkstatt und Schreibstube, die heute hier versammelt ist, um sich zum gemeinsamen Vaterland, zur pflicht­treuen Hingabe an die Ration und zur Achtung vor der schaffenden Arbeit zu bekennen. Ihr feid unsere Zukunft! Ihr muht einst das Erbe der Väter auf eure Schultern neh­

men, um es zu erhalten, zu festigen und ous- zubauen. Um dieser Aufgabe gerecht zu wer­den, muß die Jugend- Ein - und Unter­ordnung und hierauf gründend verant - wortungssreudigkeit lernen. Rur aus Manneszucht und Opfergeist, wie solche sich stets im Deutschen Heere bewährt haben, kann ein Geschlecht erflehen, das dcn großen Aus­gaben, vor welche die Geschichte das deutsche Volk steilen wird, gewachsen ist. Rur wer ge­horchen gelernt hat, kann später auch be­fehlen! Und nur wer Ehrfurcht vor der Vergangenheit unseres vol- k e s hat, kann dessen Zukunft meistern, wenn ihr in eurem täglichen Wirkungskreis rückblickend wieder einmal des heutigen Tages gedenkt, erinnert euch dieser meiner Mahnung!

Dieser Tag soll dem Bekennlnis der Verbundenheit aller schaffenden Kräfte des deutschen Volkes mit dem Vaterlande und den großen Aus­gaben der Ration dienen und zugleich ein Denk­stein des hohen sittlichen werles jeder Ar­beit der der Faust wie der des Kopfes fein. Aus treuem Herzen gedenke ich daher in dieser Stunde der deutschen Frauen und Män­ner, die in fleißiger Tagesarbeit ihr Brot ver­dienen, und in liefern Mitempfinden der gro­ßen Zahl all derer, die durch die Wirtschafts­not unserer Zeit von der Arbeit und ihrem Segen noch ferngehallen sind. Daß Miilel und Wege gefunden werden, um dem Heer der Arbeitskosen wieder Arbeit und Brot zu schaffen, ist mein sehnlichster Wunsch und eine der vornehmsten Ausgaben, die ich der Reichsregierung gestellt habe.

Die Zeil, in der wir leben ist ernst und schwer. Aber wenn wir alle Zusammenhalten und in Einigkeit mit festem Mut und un­beirrbarem Glauben zufammenstehen, dann wird Gott uns auch weiterhelfen! In diesem willen laßt uns zusammen rufen: Deutschland, unser geliebtes valerland, Hurra!.

Die Menge stimmt das Deutschlandlied an. Wäh­rend der Reichspräsident die Rednertribüne ver­läßt, tritt der Kanzler Adolf Hitler einige Schritte vor. Kaum erkennt die unten harrende 3ugend den Führer, so braust wiederum ein nicht endenwollender 3ubel los. Rur mit Mühe kann sich der Reichskanzler Gehör verschaffen. Als auf seinen Winb-Hin endlich Stille eintritt, bringt Adolf Hiller auf den greifen Feldmarschall und Reichs­präsidenten, den großen Soldaten und Führer des Weltkrieges ein dreifaches Hoch aus. Donnernd bricht sich der Ruf an den Wänden des alten Schlosses. Während die Jugend Berlins den beiden Führern Deutsch­lands zujubelt, verabschiedet sich der Reichspräsident von den diplomatischen Vertretern und von der Reichsregicrung uni) fährt unter den Klängen des Präsentiermarsches, getragen von einer Welle der Begeisterung durch das dichte Spalier über die Linden hinweg in sein Palais zurück. Die große Stunde der deut­schen Jugend ist vorüber. Heitere Marschlieder hingen überall auf und begleiten den Abmarsch nach den Sammelplätzen, von wo aus die Kinder nach Hause geleitet werden.

Oer Aufmarsch zum Tempelhofer Feld.

Ilm die Mittagsstunden wurde das Straßen­bild immer lebendiger, immer festlicher. Zu den abmarschierenden Jugendlichen kam die Menge der Erwachsenen hinzu, die sich schon seit den Morgenstunden zu den 13 Sammelplätzen begaben, um von dort aus in 10 Heeressäulen den Marsch zum Tempelhofer Feld anzutreten. Mit klingendem Spiel marschiert die Reichswehrwache im Stahlhelm über den Pots­damer Platz. Ungezählte Menschenmassen führen die Eisenbahnen und Kraftwagen nach Berlin. Die Berliner Verkehrsmittel leisten übermenschliches und können doch die Zahl der Fahrlustigen nicht fassen. Die meisten. Menschen marschieren zu Fuß. Die Aufmarschierenden haben in Tornistern, Brot­beuteln und allen möglichen Behältern Lebens­mittel und Getränke, manche sogar für 24 Stun­den- Die Sammelplätze sind überfüllt, ebenso alle benachbarten Straßen. Man hat den Ein­druck, als ob mindestens drei von den vier Millionen Berlinern auf den Straßen sind. Bei alledem herrscht eine bewunderswertc Disziplin- Die Leitung der Kolonnen liegt in dcn Händen der Kreisleiter der RSBO Ihr umfangreicher nachrichtentechnischer Apparat, den die Schupo eingerichtet hat, überwindet alle Stockungen und Schwierigkeiten.