Ausgabe 
16.11.1939
 
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die

Oer Keldposiflieger von Przemysl.

Von Arthur Heinz Lehmann.

kriegswlnlerhilfswerkes auf 50,74 Rpf., d. h. mehr als eine halbe Reichsmark.

Auf das Alt re ich entfielen von der Gesamt- summe 9 781 601.22 Reichsmark, d. h. je Haushalt 50,56 Reichspfennig, auf die Ostmark 1 038 767,61 Reichsmark oder je haushalt sogar 56,56 Rpf., während der noch stärker im Aufbau begriffene Sudetengau mit der Summe von 383602,23 RIN. je haushalt ein Aufkommen von 42,79 Rpf.

erzielte.

Welche soziale Kraft in dieser Summe steckt, er­gibt sich aus der Tatsache, dah das deutsche Volk mit dem Aufkommen des ersten Opfersonntages der RS.-Volkswohlfahrt die Möglichkeit gegeben hat, nicht weniger als 1 3 0 0 Kindertages st alten mit rund 50000 Kindern zu errichten

Berlin, 15.Rov. (DRV.) Rachdem schon die Einzelergebnisse aus den deutschen Gauen erkennen liehen, dah ebenso wie die e r st e Reichs- st r a h e n f a m m l un g, der an die Stelle des Lintopfsonntages getretene erste Opfersonn­tag des Kriegswinterhilfswerkes ein überzeugender Beweis für die Opferbereitschaft des deutschen Volkes sein werde, wird diese Auffassung nunmehr durch das Gesamtergebnis bestätigt. Die von den deutschen haushalten in den Listen des Opfersonntages ge­zeichneten Linzelbeträge ergaben die Summe von 11 203 971,06 Reichsmark. Gegenüber dem ersten Lintopffonntag des vorjährigen Dinterhitfswerkes mit 8 524 942,87 RIN. ist das eine Steigerung

In der Vollkraft des Könnens gibt Nicolai so Ureignes; ungemein graziöse feingeistige Themen Hellen die Situationen schlaglichtartig auf, betonen, unterstreichen, vom Ostreichen Konservieren bis zu innigsten Herzenstönen, vom kernigen, zuweilen auch grotesken Humor bis zur zerfließenden Ro­mantik. Kontraste mannigfaltigster Art bindet er mit fast spielender Leichtigkeit; glücklichste Einfälle verknüpft er im kunstreichen Tonsatz; reichen Aus­drucksmöglichkeiten des harmonischen vereint sich vielgestaltige Pointiertheit des Rhythmischen, ge­hoben und plastisch geprägt durch die Farbigkeit des Orchesterklanges.

Die Aufführung ließ das Werk in unmittelbarer Ursprünglichkeit und packender Nähe lebendig wer­den: das Shakefpearfche Lustspiel im Lichte der musikalischen Durchdringung Otto Nicolais. Das wurde bestimmend für die Spielleitung Harry G r ü n e k e s , der das ganze voller Beschwingt- heit, Humor und Grazie aus den Bedingtheiten der Partitur heraus formte, jede Gebärde, jede Be­wegung von dem Musikalischen her intensivierte. Der einheitliche szenische Rahmen (Karl L ö f f 1 e r) öffnete den Blick des Hörers für die Zusammen­hänge. 3m Schlußbild aber geisterte romantisches

Der erste Opfersonntag brachte 11203 971,06 2Rart.

Ein neuer Beweis für die Stärke der inneren Front Großdeutschlands.

von nicht weniger als 31,43 v.h. Wäh­

rend im vergangenen Jahr je haushalt ein .

Betrag von 38,61 Rpf. gezeichnet wurde, steigerte | u n b ein Jahr lang zu unterhalten.

sich dieser Betrag am ersten Opferfonntag des --

ist, um die Stadt zu befreien.

Die Armee, die zum Entsatz herbeigeeilt ist, kann aus strategischen Gründen noch nicht angreifen, aber es wird beschlossen, den belagerten Truppen moralische Hilfe zuteil werden zu lassen. Ein Flie­ger soll ihnen Post und Zeitungen bringen.

Freiwillige vor!" kommandiert der Hauptmann des Fliegerlagers. Diele melden sich. Die Entschei­dung fällt auf zwei Piloten, den Oberleutnant Aladar Taußig und seinen Kameraden Feßl. Bei­den schlägt der Hauptmann vor, das Los ent­scheiden zu lassen. Sie zipfeln mit Zündhölzern. Oberleutnant Taußig zieht lang, er darf fliegen.

Mit einem Hauptmann als Beobachter startete er am 1. Oktober 1914 morgens um 3 Uhr. Es ist kalt. Regen hängt in der Lust. In einer höhe von 1400 Meter gerät das Flugzeug in eine Wasch­küche; Nebel, Wolken und Regen hüllen die Ma­schine ein, die aus nichts weiter besteht als dem' Motor und einer Flügelkiste aus Sperrholz und Wachstuch mit Drahtverspannung. In der milchigen Briche kann sich Oberleutnant Taußig nicht mehr orientieren, er muß auf 800 Meter herunter- I gehen. Aus vierzig Kilometer ist der Flieger an die Festung heran, da fangen die Russen an zu schießen. Aus fünfzehner, achtzehner und einund- zwanziger Geschützen funken sie hinaus. Der Flie­ger muß Deckung suchen in den Wolken. Sobald er wieder heruntechößt, gleich empfängt ihn der Feuerhagel der Batterien. Zwei Stunden lang muß er berummanoperieren, bis es ihm gelingt, über die Festung Przmysl zu gelangen. Aber noch weiß :! er nicht, wo er landen soll. Schließlich geht er in steiler, scharfer Spirale herunter zwischen den Drähten der Feldtelephone und Telegraphen durch.

' Die Landung gelingt.

Der Begleiter, der Hauptmann, überbringt Auf- i Zeichnungen und Befehle für den Festungskomman- I bauten, aber nicht schriftlich. Er hat sie sich ein- - geprägt, damit die Russen im Falle eines Ab-

i schusses nicht in den Besitz militärischer Geheimnisse

- kommen sollen. Ein ungeheurer Jubel wird unter

: den Besatzungstruppen laut, denn der Flieger = bringt Zeitungen und Feldpost, und er will wied?r Post' mitnehmen. Oberleutnant Taußig brinat auch Auszeichnungen für vier Unteroffiziere mit, Die sich

Jeder durch deutsche Seestreitkräfte in Ausübung des Prisenrechtes geschädigte Neutrale hat unbe­dingt die Möglichkeit, sich an den deutschen Pri­se nh o f in Hamburg zu wenden, der in seiner Be- etzung mit völlig unabhängigen Richtern alle Ge­wahr dafür bietet, daß in Beschwerdefällen nicht nur Recht gefunden, sondern auch Recht verkündet wird. Als ungemein wichtig würde es ferner bei uns empfunden werden, wenn von den neutralen Staaten die Schiffahrt dahingehend unterwiesen würde, sich im Falle eines Zusammentreffens mit deutschen Seestreitkräften aller unvorsichtigen, ver- dachterweckenden oder gar widersätzlichen Maß­nahmen zu enthalten. Je glatter das Anhaltever­fahren gemäß Prisenordnung und die Einbringung eines neutralen Dampfers in einen deutschen Hafen zwecks endgültiger prisenrechtlicher Entscheidung er­folgt, desto eher darf auch mit Erledigung aller Prüfungen gerechnet werden. Es wird dies um so leichter möglich fein, als Deutschland nicht daran denkt,Prisengelder" zu berechnen und an die Besatzungen seiner Seestreitkräfte auszuzahlen: ein Verfahren, daß Alt-England man muß sich fast schämen, es auszusprechen auch in diesem Krieg überlieferungsgemäß wieder eingeführt hat. Unsere Offiziere und Matrosen sind demgegenüber keineSeeräuber auf Provision"; sie denken nicht daran, aus dem Krieg ein Geschäft zu machen.

Britische Hinterlist.

Wechsel der Schiffstarnung zur Anlockung von U-Booten.

Neuyork, 15.November. (DNB.) Das neueste Beispiel hinterlistiger britischer Methoden liefert der britische DampferC a m e r o n i a", der mit 93 Fahrgästen, darunter 34 Amerikanern, aus Eng­land kommend, in Neuyork einlief. Der mit einem dreizölligen und einem sechs- zölligen Geschütz beftürftc Handelsdamp­fer, der auf seiner letzten Reise noch kriegsschiffs­grau gestrichen war, hatte diesmal ein neues Far­benkleid 'angelegt: Aufbauten grau, Schiffshülle lederfarben und Bug schwarz. Ein Mannschaftsmit­glied erklärte, daß die Tarnung geändert wurde, um die britische Nationalität des Schiffes zu verbergen. Die neue Tarnung locke d i e U - Boote an die Oberfläche um festzustellen, ab dieCameronia" neutral sei oder nicht, und dann, so erklärte das Mannschaftsmitglied wörtlich, können wir dem U-Boot Saures geben". WieNew York Herold Tribüne" mitteitt, hatte der britische

Gießener Stadttheater.

Nicolai:Die lustigen Weiber vonWindsor"

Otto Nicolais musikalische Entwicklung, die ihre Grundlegung in Berlin durch Zelter empfangen hatte, ließ die Vielseitigkeit seiner Veranlagung als Sänger, als Klavierspieler, als Komponist organisch sich aufbauen. Schon früh ftnden wir bei ihm Shakespeare-Vertonungen, ein ausgedehnter Auf­enthalt in Italien läßt ihn dort die Oper und das Gesangswesen in Vorzügen und Mängeln erkennen. Barni, der Kapellmeister der Sixtina, führt ihn m die alte Vokalmusik ein, er besucht Donizetti und läßt sich von Rossini beraten.

In der Reife des Mannesalters ist er nach man­nigfachen Opernversuchen, die z. T. in die italienische Richtung schlagen, nun imstande, nach der Ueber- windung eigner Sentimentalität das Geistvoll- Sprühende Shakespeares einzufangen und der Ent­wicklung der Komischen Oper vor WagnersMei­stersingern" einen entscheidenden und nie wieder erreichten Höhepunkt zu geben. Sein musikalisches Idealbild, Mozart, hat ihn den Weg zu der über­aus feinen treffenden charakterisierenden Durchge­staltung, zumal des Finales, finden lassen. Lortzings humorvolle Zeichnung der Männerfiguren war auf ihn nicht ohne anregenden Einfluß. Ueber Lortzing aber hinaus, in geistiger Verwandtschaft mit We­ber, erschloß sich ihm die Märchenspyäre der Ro­mantik mit Elfen und Geisterspuk. Mit kindlicher Gläubigkeit ruft sein deutsches Gemüt diese Zauber­welt mit ihrem leisen Erschauern wach.

des neutralen Außenhandels; Anhalten von Schift fen in neutralen hoheitsgewäsfern; Zulassung von Einfuhr von Rohstoffen und Waren in neutrale Länder nur in kontingentierten Mengen, damit ja kein Pröbchen bis zum Feinde Vordringen konnte; Festhalten neutraler Handelsschiffstonnage in briti­schen Häfen und schließlich die Beschlagnahme sol­cher Tonnage zu Englands Gunsten das sind in Stichwortangabe die Segnungen, mit denen Albion dieFreiheit und Sicherheit zur See" immer wie- der gehegt, gepflegt und garantiert hat. Rücksicht- l nähme auf neutrale Wünsche und Interessen kennt das Britentum nicht. Vom Völkerrecht will es nur j dann etwas hören, wenn eine Kongruenz mit eng- ( lichen Vorteilen vorliegt. ,

Diese Tatsachen sie sind bereits in den kurzen Wochen des neuerlich von England wider unser ( Vaterland gepredigtenKreuzzuges" mehr als em- mal, und zwar in krassester Form hervorgetreten machen es uns ganz gewiß nicht leicht, an der Fortentwicklung des Völkerrechts auch m Kriegs- : zeiten mitzuarbeiten; eine Aufgabe, der Deutsch­land sich praktisch von Kriegsbeginn an im vollen Umfang zugewandt hatte und selbst heute noch zu­wenden möchte. Wie soll aber ein gerechter Aus­gleich zwischen den Interessen der Neutralen und Kriegführenden hergestellt werden, wenn der Brite es sich angelegen fein läßt, die Wünsche, Forderun­gen und Verbindlichkeiten fremder, am Kriege un­beteiligter Mächte hochmütig zu übersehen und an Stelle eines für alle Völker verbindlichen Rechtes eine Gesetzestafel unverhohlenen Eigennutzes zu fetzen? Solch Vorgehen muß in seiner Auswirkung Wege verbauen, die vom deutschen Volk, in voller Würdigung der Lebens- Notwendigkeiten neutraler Staaten, ehrlich und gern beschritten worden wären.

Mit allem Nachdruck sei daher festgestellt, daß die ungestörte Fortsetzung neutralen Warenaus- tausches über See lediglich dadurch erschwert wird, daß England uns durch die bedingungslos über Deutschland verhängte Handelssperre zum Ergrei­fen von Gegenmaßnahmen zwingt, die allein schon durch das Notwehrrecht mehr als gut begründet find. Wenn wir Schiffe mit Holz und Zellulose aufbringen, deren Zielhäfen in England liegen, dann darf man uns unter keinen Umständen einen Vorwurf aus solchen Maßnahmen machen. Zellu- lose ist der Grundstoff zur Herstellung von Spreng- stoffen, und ohne Grubenholz kann auch in England kein Kohlenbergwerk bestehen. Daß die Kohle aber ein Kernstoff aller Kriegsindustrie ist, dürfte unbe- streitbar sein. So handelt es sich in beiden Fällen um unbedingtes Banngut. Wer hieran noch zwei­feln sollte, mag sich der Mühe unterziehen, die britische Bannwarenliste durchzusehen. Sie enthalt in aller Breite und Ausführlichkeit die Feststellung, daßMaterialien und Bestandteile, die zur her- ftellung von Sprengstoffen gebraucht werden, so­wie Brennstoffe aller Art" als absolute Konter­bande zu gelten haben. Kein Neutraler kann daher erwarten, daß sich Deutschland einem Vorgehen nicht anschließt, das von der britischen Admiralität ur- sächlich eingeleitet worden ist.

Da England ferneralle Arten von Nahrungs­und Lebensmitteln, von Samen, Futter und Futter­mitteln" als bedingte Konterbande bezeichnet hat und auch entsprechend behandelt, soll man sich in den nordischen Ländern des weiteren nicht wundern, wenn Deutschland abermals nicht freiwillig, son- dern wiederum durch die,Umstände gezwungen in die Front britischer Gewalt einschwenkt. Im übrigen muß daraus hingewiesen werden, daß Lebens- und Futtermittel schon aus dem Grund keineprivate Ware" darstellen, als die Beschlag- nahmeverordnung und Preiskontrollen der eng­lischen Regierung eindeutig klar erweisen, daß es sich letzten Endes um eine Art vonStaatsgütern" handelt, die derprivaten Hand" also entzogen sind.

Troll allen uns aufgenötigten passiven und ak­tiven Härten ist Deutschland nach wie vor bereit, der neutralen Welt größtes, ja man darf Janen uneigennützigstes Entgegenkornrneen zu beweisen.

vor dem Feind verdient gemacht und nie daran gedacht haben, daß ihnen die Orden vom Himmel fallen.

Die Aufträge sind rasch erledigt, aber am einen Rückflug am Abend des 1. Oktober ist nicht zu denken. Das Flugzeug ist völlig durchnäßt, das Holz ist teilweise aus dem Leim gegangen, di« Maschine ist reparaturbedürftig.

Fünf Tage lang wird an dem Flugzeug ge­arbeitet. Spezialisten gibt es wenige, höchstens ht den Fliegerlagern, man flickt die Kiste notdürftig zusammen. Im Kartensalon des Caf6sSti>eber. das den militärischen Mittelpunkt von Przemysl bildet, übernachtet Oberleutnant Taußig. Am 6. Oktober 1914 steigt er mit dem Hauptmann in der wackligen Kiste auf. Wieder gilt es einen Kunstflug, um durch die Drähte hindurch unbeschadet sofort eine mög­lichst große Höhe zu gewinnen. Die Russen haben alle Vorbereitungen getroffen, um den ihnen ein­mal entwischten Flieger nun auf dem Heimweg zur Strecke zu bringen. Sie wissen, daß die Nachrichten, die die Flieaer zurückbringen, weitaus wichtiger sind als die Meldungen, die sie in die Festung ge­bracht haben. Mit 1200 Meter höbe geht es über die feindlichen Stellungen, deren Batterien sofort ein mörderisches Feuer mit Granaten und Schrap­nells eröffnen. Kaum 40 Meter unter der Maschine vlatzen die Geschosse. Gerade ist die Maschine dem Feuer entronnen, da gerät sie in einen Schnee­sturm, der von Minute zu Minute zunimmt und das Flugzeug in allen Fugen krachen und ächzen läßt. Oberleutnant Taußig und sein Beobachter haben keine Sicht mehr, die Zelluloidbrillen frieren ihnen zu, die Maschine liegt nicht mehr, sie fängt an zu schwanken und zu taumeln. Fast scheint es, als sollte das bis jetzt geglückte tollkühne Unter­nehmen im Tosen der Elemente ein klägliches Ende finden. Ueber zwei Stunden ist die Maschine schon über die normale Zeit in der Luft. Der Treibstoff wird knapp, der Motor setzt aus, aber zuletzt lacht i dem Oberleutnant Taußig doch das Fliegerglück. Nach diesem Blindflug im wahrsten Sinne des Wortes erreicht er doch sein Lager wieder. Das Wetter hat sich geklärt. Im eleganten Gleitflug setzt er zur Landung an.

Der Hauptmann überbringt die Nachrichten aus der Festung. Wieder hat er alles im Kopfe, und Oberleutnant Taußig, der kühne Feldpostflieaer, bringt 1500 Feldpostkarten mit, die nun ihren Weg in die Heimat nehmen. Taußig macht nicht große Worte um seine Tat, seine ganze Sorge gilt der braven fliegenden Drahtkommode. Zu einem Mon­teur sagt er:Richten's mir das Kisterl wieder und füllen's den Tank gut auf, sonst dörrt der uns noch aus vor Trockenheit!" In die Annalen des Welt­kriegs ist der kühne Flug des Oberleutnants Taußig nicht eingegangen. Der ungarische Kriegsbericht­erstatter Göza herczeg hat ihn ausgeschrieben, und wir haben den Bericht in diesen Tagen wieder entdeckt.

PassagierdampferM a u r e t a n i a mit einem hundertpfünder das größte Geschütz aller feindlichen Handelsschiffe, die seit Kriegsausbruch Neuyork bisher anliefen.

Oie Kongreßyartei sammelt Indien.

Amsterdam, 15-Nov. (DNB.) In London ist ein Telegramm Nehrus, des Führers der indi­schen Kongreßpartei, eingegangen, in dem es heißt: Es sei unmöglich, irgendeinen Vorschlag zu erwä­gen, der nicht auf folgenden Punkten basiert: Völlige Klarlegung der Kriegsziele, Unab­hängigkeit Indiens mit unmittelbarer Uebertragung der tatsächlichen Macht an das Volk und Uebereinstimmung in der Frage eines kon- ftitutioneHen Parlaments. Am Sonntag werde der Aktionsausschuß der Kongreß- partei in Allahabad die Lage prüfen, die durch den Rücktritt von elf Kongreßministern entstanden ist. Lord Zetlands Rede im Oberhaus werde als eine Ablehnung der Forderungen der Kongreß­partei ausgelegt. Die Kongreßpartei könne nicht an der britischen Politik mitarbeiten. Gandhi und die Kongreßpartei seien eins. Zahlreiche Minderheiten, darunter die Sikhs, die indischen Christen und die Radikalen, unterstützten die Kongreßpartei. Es treffe auch nicht zu, daß die Mohammedaner des Pun- dschab gegen den Kongreß seien. Auch neben den Mohammedanern, die im Kongreß vertreten seien, gebe es mächtige mohammedanische Organisationen, die die Kongreßpartei unterstützen. Im nordwest­lichen Grenzgebiet der Provinz gebe es eine über­wiegende Mehrheit für den Kongreß.

Portugal löst sich vom Pfund.

Die portugiesische Regierung hat wegen der an­dauernden Pfimdschwäche, über die wir wiederholt berichtet haben, ihre Währung verselb­ständigt und betrachtet den amerikanischen Dollar als Standardwährung. Die Lösung von dem Pfunde ist bereits in den meisten Staaten erfolgt, ein deut­liches Zeichen, daß das Pfund feine Weltgeltung rapid verliert. Im Fall Portugal ist aber das Ab­springen von dem sog. Sterling-Block besonders be­zeichnend, weil England mit Portugal durch einen Handelsvertrag von fast 600 Jahren Dauer verbunden ist. Dieser Methuen-Ver- trag wurde 1703 in eine neue Fassung gebracht, die wohl den portugiesischen Weinen den englischen

Markt erschloß, umgekehrt aber auch die porhiate- fische Wirtschaft dem übermächtigen Wettbewerb der englischen Industrie aussetzte. Eine Sonderklause! dieses Vertrages bestimmte, dah der Transport eng­lischer Waren nach Portugal und seiner Kolonien nur auf englischen Schiffen erfolgen sollte. Das war der Anfang des Zusammenbruches des eigenständigen portugiesischen Kolonialhandels, der dann durch mehr als zwei Jahrhunderte völlig in englischen Händen lag. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten hat Portugal eine Politik der Verselb- ständigung mit Erfolg eingeleitet, aber, wie natur- lief), dauert es lange, bis sich das Land aus der wirtschaftlichen Ueberlegenheit Englands löst. Diese Entwicklung wird indessen durch die jetzt erfolgte Abkehr Portugals von dem Sterling-Block wesent­lich beschleunigt.

Kitt" oder Hofe?

Patzt das Schottenröckchen nicht mehr in die moderne Kriegführung?"

London, 15. Noo. (Europapreß.) Der Mei- nungsftreit über denK i l t", das kurze schottische Röckchen, als Uniformstück schlägt in Schottland hohe Wellen, feit die Leitung des britischen Heeres verordnet hat, daß auch die hochla n d - Regi­menter ihr traditionelles Kleidungsstück gegen die Hosen des neuenBattle dress vertauschen müssen. Die Hochlandsklans hatten eine Protestversammlung nach Glasgow einberufen.

Die FrageKitt oder Hose?" wird nicht nur nördlich des Tweed eifrig diskutiert, sie beschäftigt auch die Londoner Zeitungen, in denen es an Zu­schriften über den Kitt und seine Abschaffung nicht fehlt. Ein Hochlandshäuptling schlägt in derTi­mes" sogar eine Art von Volksa bst i m m u n g unter allen schottischen Soldaten darüber vor, ob sie die lange Hose ober den Kitt vorziehen. Auch der angesehenste schottische Soldat der älteren Gene- ration, General Sir Jean Hamilton, hat sich einem Vertreter desEvening Standard" gegen­über geäußert. Sir Jean sieht die Frage nicht so sehr unter sentimentalen, sondern unter prak­tischen Gesichtspunkten an. Nach seiner Auffassung ist der Kitt für lange Märsche,b e spielsweise im Falle eines Rückzugs , der Hose vorzuziehen, weil er größere Bewegungs­freiheit ermöglicht. Dagegen sollen die Untersuchun­gen, die das Kommando des schottischen Wehrbe­zirkes vor einiger Zeit durch eine Kommission hat vornehmen lassen, ergeben haben, daß für mota­rifierte Truppen der Kilt weniger ge- eignet ist als die Hofe. Und so kommt auch Sir Jean Hamilton zu dem Schluffe, daß wahrschein­lich das viele Sitzen auf kaltem Stahl und Eisen, welches die Motorisierung mit sich gebracht hat, die Beseitigung des Kitts aus dem kriegsmäßigen An- zug rechtfertige.

Englische Sensation für Paris.

Dor wenigen Tagen erst wurde in der Pariser Rechtspresse an die Regierung das sehr deutliche Ersuchen gerichtet, sie möge doch dafür sorgen, daß beim nächsten Schub englischer Truppen über den Kanal eine geschlossene Einheit durch Paris marschiere, damit die Hauptstadt die Bundes­genossen in voller militärischer Form sehen könne. Man hat sich beeilt, diesen Wunsch zu erfüllen. Am letzten Sonntag paradierte ein Bataillon des Wa­liser Garderegimentes vor den Stammgästen der großen Boulevardcafes und gab vor der Oper eine Art Militärkonzert, das mit dem Sing-Sang Lam­beth Walk eingeleitet wurde. Nachher bekamen die englischen Soldaten eine reichliches Menü als Kost­probe der französtschen Küche vorgesetzt und schließ­lich widmeten sie sich dem sight-seeing, d. h. sie machten eine Rundfahrt durch Paris, und zwar in den Galaautobussen, mit denen vor dem Kriege nur Pariser Hochzeitsgesellschaften befördert wurden.

Die französischen Mädchen und Frauen werden sich bei der Veranstaltungihr Teil" gedacht haben,

Erleben, Märchenspuk löste sich aus der Szene und fand durch die Gruppe Thea Maaß tänzerisches Wesen und Gestalt. Ein geradezu ideales Zusam- menfinben aller bedingenden Faktoren gewähr­leistete so einen Hochstand der Wiedergabe, wie er in dieser Geschlossenheit, Ausgeglichenheit und In­dividualisierung nicht stets erreicht werden fann; um so berechtigter ist hier uneingeschränkte An­

erkennung am Platze.

Ganz besonders aber trug Paul Walter be­stimmenden Anteil an der Auswirkung, im grund­musikalischen Eindringen und feingeistigen Ein­gehen das Band zwischen Bühne und Orchester ge­währleistend. Außerordentlich war seine sympho­nische Ausdeutung der Ouvertüre mit schwebend ge­heimnisvoller Stimmungskraft, sorgsamer und doch so natürlicher Durchgliederung, mit bewußten Ein- haltepunkten; gesunde Romantik, gestützt auf fein­stem Klangsinn; in der Koda brillant und doch nicht überstürzt, überhetzt; dabei trefflich unterstützt an den einzelnen Pulten.

Konzentrationspunkt der Handlung waren Anni A s s i o n (Frau Fluth) und Ilse W i n h o l d (Frau Reich) mit Lebendigkeit und sprühender Laune; im engsten Ausgleich z. B. im Eingangsduett bis auf die Symmetrie o-er Bewegung. Anni Affion, das erste Finale mit voluminöser Stimme überstrahlend, Ilse Winhold mit feiner musikalischer Ausprägung und schelmischem Spiel. Eine herzhafte Anna gab Friedel Fornallaz jung-mädchenhaft und sich doch nicht im Sentimentalen verlierend. Zum beson­deren Höhepunkt wurde ihr Duett (Solovioline) mit Fenton (Christoph R e u l a n d), dessen prächtiges stimmliches Können im Verein mit eindringender Gestaltungsgabe den berechtigten Wunsch nahelegt, diesen Künstler möglichst oft zu den Aufgaben der Oper heranzuziehen. In Erregbarkeit der Eifersucht ließ Gustav Bley den Herrn Fluth zu dramatischer höhe sich auswachsen, gemessen und ausgeglichen in Gebärde und Gesang. Seine Szene mit Falstaff im Wirtshause war fesselnd durch das gegenseitige Ausspielen der Trümpfe. Bernhard Schmitz stellte einen Falstaft von markanter Vita­lität hin, ohne jede Uebertreibung und mit voller Wahrung der für diese Gestalt geltenden darstelle­rischen Bedingungen; die Trinkszene wirkte so nicht nur durch das Trinklied allein in überzeugender Echtzeit. Sehr beachtlich durch sein volles farbkräf­tiges Stimmaterial war Gustav Brunn als Herr Reich, sich in der Iäger-Herne-Szene zu beschwö­render Kraft erhebend. Treffend gezeichnet in Gesang und Darstellung waren Junker Spärlich (Harry G r ü n e f e) und Dr. Casus (Max Schnei- b e r D e st). Der (Eingang des Schlußbildes war in seiner Stimmunaskraft durch den fülligen Chor­klang getragen (Richard Boeck). Das Haus folgte i der hochstehenden Aufführung mit vollster Be° . geisterung. Dr. Hermann Hering.

Ende September 1914. Die Russen belagern Festung Drzemysl, in der die Bevölkerung der Stadt und die österreichisch-ungarische Besatzung eingeschlossen ist. Seit dem 18. September wird die Stadt beschossen. Ein Parlamentär hat die Ueber- gäbe verlangt, aber General Kusmanek weist ihn ab. Er weiß, daß eine Armee auf dem Marsche