Nr. 27 Erstes Matt
189. Jahrgang
Mittwoch, l.Abruar 1939
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Unter -em Eindruck der Führerrede.
nach seiner Auffassung den verhängnisvollen Fehler begangen, als sie aus der Panamerikanischen Konferenz in Lima Haß predigte, anstatt auf eine internationale Zusammenarbeit hinzuwirken.
Beruhigende und festigende Wirkung.
Die Auffassung in London.
London, 1. Fabr. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenprefse mißt die Tragweite der Regierungserklärung des Führers an der lebhaften Urn- satztätigkeit und den rapiden Anstiegen der Preise nicht nur an der Londoner, sondern auch an der Neuyorker Börse. Man erblickt hierin das sicherste Anzeichen dafür, daß die Rede des Führers in der ganzen Welt eine beruhigende und festigende Wirkung ausgelöst und die künstlich genährte Kriegsfurcht gebannt hat. Chamber-
Pilgerfahrt nach Mekka.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
SK. z. Z. Djedda, Ende Januar 1939.
Die islamische Pilgerzeit hat begönnen. Aus allen Weltgegenden treffen Pilgerschiffe in Djedda, der Hafenstadt Mekkas, ein. Die „Kiswa", der prächtig gearbeitete Teppich, der während der Pilgertage über den Riesenblock der Kaaba gedeckt wird, ein alljährliches Geschenk des ägyptischen Königs, ist, feierlich geleitet, in Kairo abgesandt worden, und die Bairamtage, der Höhepunkt der islamischen Pilgerzeit, stehen unmittelbar bevor.
Mekka ist wieder einmal zum lebendigen Mittelpunkt der islamischen Welt geworden, Mekka, jene Stadt, die man einmal richtig als „Herz des Islams" bezeichnete, während man Kairo „Kopf" und Konstantinopel „Hand" nannte. Wenigstens einmal im Leben soll jeder Mohammedaner nach Mekka pilgern, die „Hadsch", die Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten der islamischen Religion unternehmen7 Und Tie Sehnsucht zahlloser Menschen geht diesem Gebot nach, bis sie gefüllt ist. Diese Sehnsucht nach Mekka, diese Pilgerfahrt, für die man oft höchste persönliche Opfer bringt und jahrelang spart, diese Reise der Seele, die keineswges nur vom „Volk" unternommen wird, sondern ebensosehr von den Emanzipierten und Aufgeklärten — all das scheint Beweis für die Lebendigkeit des Geistes, mit dem der Islam auch heute noch seine Anhänger und Gläubigen erfüllt. Das Mekka-Erlebnis, das sich alljährlich und in immer großartiger Weise wiederholt, ist Zeugnis für die Einheit des Geistes, die alle islamischen Länder, bewohnt von den verschiedenen Rassen und Völkern, umklammert hält mit lebendiger Fessel.
Seit Jahren geht eine Welle der geistigen Erneuerung durch die islamische Welt. Und in dem Maß, in dem diese Erneuerung Gewalt über die Seelen gewinnt, wächst die Zahl der Pilger nach Mekcki. Und heute ist schon alljährlich aus allen Weltteilen eine Zahl von Menschen unterwegs zur Pilgerfahrt, die an vergangene Glanzzeiten des Islams erinnert. Der Stern Mekkas ist im Steigen, seit hier der Herr Arabiens, Ibn Saud, König des Hedfchas und Nedsch, seinen Einzug hielt und Sicherheit für die Pilgernden garantierte, während früher die Pilgerwege nach Mekka von Wegelagerern bedroht waren, die die Pilgerfahrt zu einem Wagnis werden ließen. Ibn Sauds strenges Regiment hat hier Wandel geschaffen. In Mekka selbst wurden großzügige Modernisierungen durchgeführt, in deren Zug 'Unterkunftsmöglichkeiten neugeschaf-
Chamberlain begrüßt die Friedensrede des Führers.
Das Ergebnis der römischen Besprechungen. — England hält an der Nichteinmischung in Spanien fest.
l a i n s Feststellung im Unterhaus, daß die Erklärung des Führers nicht die Rede eines Mannes fei, der die Welt in eine neue Krise stürzen wolle, findet in der Presse einen starken Niederschlag. Times wendet sich gegen die Opposition, die Zweifel in die Aufrichtigkeit der Erklärungen der totalitären Regierungen zu säen bemüht sei, das Vorurteil, ein ausländischer Staatsmann halte fein Wort doch nicht, fei der sicherste Weg, ihn geradezu zum Bruch seiner Versicherung zu ermutigen und heiße beinahe, diesen Bruch rechtfertigen.
„Daily Telegraph" empfiehlt seinen Lesern klugen Optimismus, da man vom Führer die Versicherung habe, daß er mit England und Frankreich in Frieden leben wolle, und daß es mit Ausnahme der Kolonialfrage keine Streitfrage mehr gebe. — „Daily Mail" bezeichnet die E i n st e l - lung des Rüstungswettlaufes als notwendige Vorstufe der Befriedung. Die Tatsache, daß unter den vier Mächten Friede herrsche und ihre Staatsmänner ihre Absicht betont hätten, für die Versöhnung zu arbeiten, sei ein echter Beweis für den Erfolg der Politik Chamberlains.
fen und die sanitären Verhältnisse, die früher oft grauenerregend waren und gefährliche Seuchen im Gefolge hatten, geordnet wurden. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Zahl der Pilger steigt von Jahr zu Jahr.
Hinter dem für Ungläubige verbotenen Mekka und den sich alljährlich wiederholenden Pilgerfahrten zur Kaaba hat eine Welt, die gern hinter allem, was sich ihrem Blick entzieht, etwas Außerordentliches wittert, dunkle Verschwörungen und Anschläge vermutet, die gegen jene gesponnen werden, denen das Betreten Mekkas verboten ist. Man wähnte, daß in der Abgeschlossenheit dieser Stadt von „Menschen hinter den Kulissen" große politische Ränke gesponnen würden, so daß der Pilger neben der religiösen auch seine politische Inspiration erhält. Dem ist keinesfalls fo. Und wenn von Mekka her politische antiabendländische Einflüsse in die islamische Welt strahlen, so strömen sie aus dem religiösen Erlebnis, das sich hier vollzieht und das in seinen Grundelementen eben doch antiabendländisch ist. Hier in Mekka sind alle Moslemin einmal im Jahre zur Zeit der großen Pilgerfahrt wirklich „unter sich" — allen fremden Einflüssen entzogen, ganz dem Erlebnis des Islams ausgeliefert. Kein Wunder, daß von hier aus Impulse ausgehen, die für die Außenstehenden schwer zu fassen sind, aber auf allen Lebensgebieten spürbar werden, die in eine Welt getragen werden, in der mehr als 250 Millionen Menschen leben: In die Welt des Islams.
Mekka ist der Raum, in dem ein bedeutsames persönliches Kennenlernen und Begegnen führender Persönlichkeiten aus allen islamischen Ländern ermöglicht wird. Pläne werden hier entworfen, die zu anderer Zeit und zu anderer Gelegenheit weiter entwickelt werden, damit trägt ein Begegnen in Mekka auch seine Früchte jenseits des religiösen Be- zirks, der eben beim Islam ni'e scharf abzugrenzen ist. So ist die Heimatstadt des Islams zwar nicht politischer Mittelpunkt der in Wandlung und Aufstieg befindlichen islamischen Welt, aber doch der Ort, von dem aus das Bewußtsein islamischer Schicksalsgemeinschaft hinousge- tragen wird in alle Welt, um tausendfältige Frucht zu traaen im Bezirk des Alltags. Daß dem fo ist, ist Verdienst des Mannes, den man vielfach als den größten Mohammedaner der Gegenwart bezeichnet hat, bleibt Verdienst Ibn Sauds. Als er den Frieden in Mekka herstellte und mit starker Hand bewahrte, schuf er allen Moslemin den Raum friedvoller Begegnung.
Die Solidarität der Achft.
Höchste Befriedigung in Rom.
Rom, 31. Jan. (Europapreß.) Die Reichstagsrede des Führers beherrscht das Bild der römischen Presse. Der „Messaggero" sagt, der Führer des neuen Deutschlands habe die volle, totale und ewige Solidarität der beiden Länder erneut bekräftigt. Vier Monate, nachdem der Duce in Triest vor aller Welt verkündet habe, daß Italien wisse, wo sein Platz in einem allgemeinen Konflikt sei, habe jetzt der Führer festgestellt, daß Deutschland, falls gegen Italien unter irgendeinem Vorwand ein ideologischer Krieg aeführt werde, an der Seite seines Freundes zu finden fei. In Italien wiße man feit den Zeiten des Tacitus, was der Begriff Ehre für Deutschland bedeute. Die Festigkeit der Achse Berlin—Rom erweise sich täglich mehr als eine wirkungsvolle Bekräftigung für den Frieden und die Gerechtigkeit. Es fei' vorauszusehen, daß die Feinde des Nationalsozialismus und des Faschismus den Ton etwas senken würden.
„Popolo di Roma" schreibt, die harte und offene Rede des Führers habe klärend gewirkt, wie ein reinigender Blitz. Die Achse sei wirkungsvoll als eine in ständiger Bereitschaft befindliche Kraft erschienen, die sich ihres Zieles und ihrer Verantwortung, ihrer Mittel und ihres Zweckes voll bewußt sei. Hitler und Mussolini, Nationalsozialismus und Faschismus, das deutsche Volk und das italienische Volk seien eins, bedeuteten einen einzigen Block. Dieser Block stütze sich auf die militärische Macht, was die hartnäckigsten Bösgesinnten zum Nachdenken veranlassen werde. Deutschland und Italien wollten den Frieden, aber einen Frieden der Gerechtigkeit und der Ehre. Hitlers Rede habe die Welt vor das Problem gestellt, die ernsteste Krise, in die Europa seit 1919 verstrickt sei, in letzter Stunde zu lösen. Er habe die Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Sache der anderen fei es jetzt, deren endgültigen Wert zu begreifen.
Prag sieht Zeichen der Entspannung.
Prag, 31. Jan. (Europapreß.) Die tschechische Presse sieht in der Rede des Führers einen wesentlichen Beitrag zur allgemeinen Entspannung. Alle Blätter, gleichgültig, ob sie vor den Oktober-Ereignissen links- oder rechtsgerichtet waren, sehen in der Rede starke Möglichkeiten, das Verhältnis zwischen Prag und Berlin positiv zu gestalten. So schreibt das ehemals volkssozialistische „C e s k e S l 0 0 0" nach der Feststellung, daß Großdeutschland nicht durch die Macht des Schwertes, sondern durch die Macht der Idee geschaffen worden sei: „Wenn der Reichskanzler die Gesichter jener gesehen hätte, die seiner Rede in der Tschecho-Slo- wakei zuhörten, hätte er erkennen können, welch weiten Weg unser Volk in der Richtung einer Zusammenarbeit mit Deutschland bereits gegan» g e n ist. Das tschechische Volk hörte die Worte des Kanzlers in der Erwartung an, daß sie auch ihm einen Weg aus demWirrsal derGegen- w a r t ro e i f e n."
Der ehemals agrarische „V e n k 0 v" erklärt: „Die Tschechen wurden durch die Rede dazu aufgemun- tcrt, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und tschecho-slowakischen Politikern und Staatsmännern zur gegenseitigen Verständigung beider Nationen auf dem Wege zu friedlichen Zielen auszuweiten. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die Grundlage zu einer Zusammenarbeit mit Deutschland, das heißt der gute Wille, nicht nur auf unserer, sondern auch auf deutscher Seite besteht, so ist dieser Beweis in der Rede vor dem Reichstag erbracht worden."
In den dem Ministerpräsidenten nahestehenden „N ar o dn i L i st y" schreibt der führende tschechische Publizist Rudolf Prohaszka, nachdem er die Fehlerhaftigkeit der Außenpolitik der Benesch-Aera noch einmal betont hat: „Es ist notwendig, unverhüllt zu sagen, daß das, was über die Tschecho-Slo- wakei gesagt wurde, loyale Worte waren. Gegenseitige Loyalität ist aber die gesunde Grundlage, auf der die Tschecho-Slowakei ihre Beziehungen zum Reich in Zukunft ersprießlich aufbauen kann."
Der Eindruck in USA.
Washington, 31. Jan. (Europapreß.) Die mit ungeheurer Spannung in den Vereinigten Staaten erwartete Rede des Führers vor dem Großdeutschen Reichstag hat in der amerikanischen Öffentlichkeit einen großen Eindruck hinterlassen. Die Zeitungen unterstreichen besonders das Unterstützungsversprechen des Führers für Italien und die Zurückweisung der amerikanischen Angriffe und Verdächtigungen sowie die Feststellung, daß die Vereinigten Staaten keinerlei Recht zur Einmischung in Deutschlands Freundschaften zu den südamerikanischen Staaten haben.
Als erster Politiker erklärte das Mitglied des Außenausschusses des Repräsentantenhauses, Hamilton Fish, daß er des Führers Auffassung, wonach die Vereinigten Staaten kein Recht hatten, sich in Deutschlands Wirtschaftsbeziehungen zu den mtttel- und südamerikanischen Staaten einzumischen, 1 n jeder Beziehung teile. Deutschland befinde sich vollkommen im Recht, wenn es Handel treibe, mit wem es wolle. Wenn die Vereinigten Staaten die deutsche Propaganda in Südamerika als unangenehm empfänden, stünde es ihnen frei, ebenfalls Propaganda zu betreiben, anstatt die Kriegstrommel zu rühren. Die gegenroärtige Regierung habe
abs. London, 31. Januar.
Ministerpräsident Chamberlain äußerte sich im Unterhaus noch während der Fragezeit zu der großen Rede des Führers. Er erklärte:
„Ich begrüße die Stellen in der Hitler- Rede, die seinen Wunsch nach gegenseitigem Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Völkern betreffen. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, die Gefühle zu erwidern. Sie werden in vollem Umfange von der Regierung und von der Bevölkerung dieses Landes g e t e i lt. Ich bin froh, feststellen zu können, daß kürzlich Besprechungen über verschiedene industrielle Angelegenheiten zwischen Vertretern der Industrien beider Staaten stattgefunden haben.-
Chamberlain beschränkte sich dann in seiner Erklärung vor dem Unterhaus über seinen Besuch in Rom unter Berufung auf den zwanglosen und vertraulichen Charakter seiner Besprechungen auf die Wiedergabe des allgemeinen Eindrucks. Er er
klärte, „Musiollni machte an erster und hervorragender Stelle klar, daß die Politik Italiens eine Politik des Friedens ist, und daß er freudig feinen Einfluß zugunsten des Friedens einsetzen würde, wenn sich die Notwendigkeit hierzu zu irgendeiner Zeit ergeben sollte. Italien wünscht den Frieden von jedem Gesichtspunkt aus und nicht zuletzt im Interesse der allgemeinen Stabilität Europas." Chamberlain verwies darauf, daß Mussolini seine Bereitwilligkeit und seine Fähigkeit, zugunsten der Aufrechterhaltung des Friedens einzugreifen, im September 1 9 3 8 bewiesen habe. Mussolini habe ihm klargemacht, daß die Achse Berlin — Rom ein wesentlicher Punkt der italienischen Außenpolitik sei. Das bedeute aber nicht, daß es für Italien unmöglich wäre, freundschaftliche- Beziehungen mit Großbritannien und d en anderen Mächten zu unterhalten, wenn die Umstände günstig seien. Ebensowenig bedeute es, daß gute Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich seien. Italien beabsichtige, loyal zu seinen Verpflichtungen aus dem englisch-italienischen Abkommen zu stehen. Ein bedeutsamer Schritt
Die Kongoakte.
Der Führer wies in seiner Rede vom 30. Januar darauf hin, daß Deutschland in der Vorkriegszeit als einziger Staat keine koloniale Armee unterhalten habe, im Vertrauen auf die von den Alliierten später gebrochenen Abmachungen der K 0 n g 0 a k t e. Die Kongoakte geht zurück auf die Kongo-Konferenz, die vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 in Berlin unter der /Leitung Bismarcks stattgefunden hat. An ihren Verhandlungen nahmen alle führenden Kolonialmächte teil. Der Kongo-Staat, über dessen Zukunft hier verhandelt wurde, ist die ureigenste Schöpfung des Königs Leopold II. von Belgien (1865 bis 1909). Der König hatte 1876 die Internationale Afrikanische Assoziation in Brüssel gegründet, mit der er unter dem Deckmantel wissenschaftlicher und philantropischer Bestrebungen rein imperialistische Ziele verfolgte. Nach der erfolgreichen Erforschung des Kongo-Gebietes durch den berühmten englischamerikanischen Afrikareisenden Stanley (1876 bis 1878), der weite Gebiete im Kongo-Becken durch Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen für den König erworben hatte, gründete dieser die Assoziation Internationale du (Tonga 1882. Als nun Frankreich und das von England unterstützte Portugal ebenfalls in das Kongo-Gebiet einzudringen begannen, berief Bismarck im Einvernehmen mit Frankreich eine Konferenz aller in Afrika inter« effierten Mächte, um zu verhüten, daß die Aufteilung Afrikas unter die Kulturvölker zu schweren Zusammenstößen führte.
Die damals beschlossene K 0 n g 0 a 11 e sah unbeschränkte Handelsfreiheit für alle Völker im ganzen Kongobecken vor und bestimmte in ihrem Artikel 11, „daß die in der interfoiToentionellen Freihandelszone liegenden Besitzungen der Signatarmächte neutralisiert werden sollen, wenn das betreffende Mutterland in einen Krieg verwickelt wird". Bei Ausbruch des Weltkrieges schlug nun die belgische Regierung am 7. August 1914 der französischen und der englischen Regierung vor, das gesamte Kongogebietsür neutral zu erklären. Während Frankreich dem zustimmte, lehnte England ab und eröffnete gleichzeitig die Feindseligkeiten in Afrika mit der Begründung, es gälte, Deutschland überall da zu treffen, wo es nur immer zu erreichen sei. Frankreich schloß sich nun diesem Vorgehen an. Deutschland, das von diesen Verhandlungen nichts wußte, schlug am 23. März 1915 durch Vermittlung der Vereinigten Staaten dir Neutralisation der afrikanischen Gebiete vor.' Der Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Durch die Uebertragung der Kriegshandlunqen auf die Kolonialgebiete Afrikas hat England bewußt gegen den Geist der Kongoakte und die ausdrücklichen Bestimmungen des Artikels 11 verstoßen.
Baldwins Vermächtnis.
London, 31. Jan. (Europapreß.) In einer Rede vor einer Frauenverfammlung in Worcester, in der der Freiwillige Hilfsdienst auf der Tagesordnung stand, machte Lord B a l d w i n , der frühere Ministerpräsident, die Eröffnung, daß die Diplomatie der persönlichen Fühlungnahme zwischen den europäischen Staatsmännern v 0 n i h m selber ausgegangen sei. Als er die Ministerpräsidentschaft niedergelegt habe, habe er feinem Nachfolger Chamberlain am Ende einer langen Unterredung diesen Vorschlag als Vermächtnis hinterlassen. Sie hätten diesen Gedanken durch Handschlag bekräftigt.
Zur englischen Bereitschaft im Kriegsfall stellte Baldwin fest: „Es gibt in Teilen Europas zwei sehr gefährliche Illusionen über uns. Die eine lautet, daß wir uns vor einem Kriege fürchten, und die zweite, unser Volk würde niemals die Opfer bringen, die notwendig wären, um uns für den Kriegsfall zu organisieren." Beide Anschauungen seien üicht nur irrig, sondern auch gefährlich. Baldwin schloß seine Rede mit dem Hinweis, die Befürchtungen seien noch nicht vorüber. Daher dürfe kein Nachlassen der Ansttengungen eintreten.
zur Durchführung dieses Abkommens fei am Vorabend des römischen Besuches durch den vorgesehenen Austausch militärischer Informationen eingeleitet worden. England habe sich daraufhin bereit erklärt, unverzüglich die Aussprache über die Berichtigung der Grenzen zwischen Jtalienisch-Ostafrika, dem Sudan und den angrenzenden britischen Gebieten zu eröffnen, wie sie im Osterabkommen in Aussicht genommen worden sei. Soweit die Grenzberichtigungen den Sudan beträfen, würde die ägyptische Regierung an den Verhandlungen teilnehmen.
Chamberlain kam dann darauf zu sprechen, daß er und Lord halifar in Rom ihrem Bedauern über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Italien und Frankreich Ausdruck verliehen hatten. Er habe sich jedoch überzeugen müssen, daß d i e spanische Frage das große hinder- n i s zwischen Frankreich und Italien darstelle. Verhandlungen zwischen den beiden Ländern könnten daher solange nicht zu Ergebnissen füh-


