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Grenzen her Berrücklheit schon bcbcnhirf - , »oho fein, wen» man erst einmal anfängt, begleichen zu bemerke»/'
Es statte ein Scherz sein sollen, aber co nxir ein bitterer uub grimmiger Scherz gewesen, denn der sinstere Ausdruck dtieb nngemilbert aus seinem .Gesicht.
Vor bei» .i?errenhanse. stob Parbelebcn. seine junge Verwandle-aus dein Sattel, und die Pferde mürben dein herzu- geritten Reirlnecht übergeben. Jadwiga ging in bas obere. Stockwerk hinaus, wo die von ihr bewohn teil Zimmer lagen, der Baron aber begab sich geradeswsgs in die Bibliothek und klingelte nach dein Diener.
„Das Zimmermädchen 3mini soll sofort hierher kommen," befahl er. „Unid einer der Knechte soll sich mit einem Geschirr bereitmachen."
Aller Wahrscheinlichkeit nach war der Gerufenen auch der zweite Teil des Befehls mitgetcilt worden, denn als sie nach einer kleinen Weile die Bibliothek betrat, sah sic nicht so zuversichtlich aus wie sonst. Wer es war auch nichts Schuldbewußtes oder Verängstigtes in ihrem ungewöhnlich hübschen Gesicht.
Sic mackste ein paar Schritte in das Gemach hinein und sagte mir gut gespielter Unbcsangenheit: „Ter gnädige Herr haben befohlen
,',klommen Tie hierher zu mir — noch näher, damit ich Ihnen ins Gesicht sehen kann. Sic haben die Dreistigkeit gehabt, sich »»ehrerbietig gegen Fräulein v. Ostrowski zu benehmen. Wollen Sie das leugnen?"
_ „Ich weiß nicht, was das gnädige Fräulein darunter versteht, Herr Baron. Wen» ein Dienstbvte nur dazu da ist, sich schikanieren zu lassen und geduldig stille zu halten, sobald es einer vornehmen Dame gefällt, ihre schlechte Laune an ihm anszitlassen, dann habe ich wohl allerdings nicht die nötige lliiterioürsigkcit bewiesen."
„Unterstehen Lie sich, auch mir in solchem Tone zu ant- worien? Kommt Ihnen denn die Unverschämtheit Ihres Be- nehinens gar nicht zum Bewußtsein?"
„Ich tvill gewiß nicht unverschämt sein, gnädiger Herr, aber unsereins hat doch auch sein Ehrgefühl. Und schließlich hat itiait wohl etlvas Besseres verdient als immer so von oben herunter behandelt zu werden wie die erste beste Dienst-- mngd."
„Wenn ich Sie recht verstehe, ivollen Sie sich bnmit ans irgendwelche ganz besonderen Verdienste berufen, die Sic sich um mich oder um sonst lemnnd hier im Hanse erworben habe». Ist das wirklich der Fall, so werde ich nicht undankbar sein, aber ich müßte vorerst wissen, worin sie bestanden."
„Sh, Herr Baron, davon spricht man doch nicht. Ich tvill ja auch gar kein Aufhebens davon machen, ich will nur von dem Fräulein v. Ostrowski besser behandelt lverden."
„Es kommt nicht darauf an, lvas Ti? wollen oder nicht ivollen, sondern Tic haben einfach aus das zu antworten, was ich Tie frage. Tic hatten die Dreistigkeit, gegen die Baronesse Andeutungen zu machen, als ob ich genötigt wäre, aus irgendwelchen geheimnisvollen Ursachen Rücksicht ans Sie zi^ nehmen, und ich wünsche nun von Ihnen zu erfahren, lvaS Sie sich dabei eigentlich gedacht haben."
„Rein, das werde ich nicht sagen, Und der gnädige Herr lverden cs auch nicht von mir verlangen."
.Jetzt lvird mir's zu bunt. Sie scheinen sich ja alle»! Ernstes einzubilden, daß zwischen uns so etwas lvie ein geheimes Einverständnis vorhanden ist, von dem kern Mensch etwas erfahren darf. Diese Einbildung inöchte ich denn doch gründlich zerstören, bevor Tie mein Haus vcr- lasseli."
„Ich soll fort von Klein-Ellbach, Herr Baron - ich soll wirklich fortV"
„Selbstverständlich sollen Sie, und zwar noch in dieser Stunde. Daß innerhalb meiner Dienerschaft lein Plag ist für eine unbotmäßige Person, hätten Sie wissen können."
Tic Z.ose schlug die Augen nieder und spielte mit den Bändern ihrer weißen Schürze. „Nun, gehört und gesphen habe ich ja freilich mancherlei, aber ich dachte bis jetzt immer, daß es besser wäre, nicht darüber zu reden."
Bardelelcn war an den Grenzen, seiner Selbstbeherrschung «»gelangt. Mir einem-heftigen Gris, packte er den Arm des Mädchens. .„Wenn Sie letzt nicht unumwunden aussprechcn, n-as Sie gesehen und gehört haben ivollen —"
Faun, rührte sich nicht und machte keinen Versuch, sich von dein schmerzhaften Umriss z» befreien. „Rein, ich wvrde cs iirchi sagen, wenigstens nicht, joiaiige ich ans Klein-
Ellbach bin. Meinetwegen können der Herr Baron mich
totschlagen."
Bardeleben gab sic frei. Er war dunkelrot im stlasichl, und es kostete ihn unverkennbar furchtbare Anstrengung, mir- der Gewalt über sich zu gewinnen. „Ich habe nichts weiter mit Ihnen zu reden. Gehen Sw und lassen Sie sich von Herrn Tißmar anszahleu, lvas Sie z» bcnnivrnehen haben. Ich habe Befehl gegeben, cinziispanne», und Sie mögen dem Kutscher sagen, ivohiii er Ihre Sachen bringen soll Roch vor Einbruch der st,'acht haben «ie das Haus z» verlassen."
„lind ich ich soll nichts lveiter bekommen als meinen Lohn?""
„Haben Tie nicht gehört, daß ich Ihnen nichts mehr zu sageii habe? Lvll ich Sic vielleicht noch hinauswcrscn lassen?"
„O nein, Herr Baron, ich gehe schon so. Ick> brauche mich vor dem, ivas jetzt kommen wird, ja nicht zu fürchten ich
nicht."
^ Sie halte die letzten Worte erst gesprochen, als sie der Tür schon ganz nahe war, und nun schllipste sie rasch hinaus.
Draußen ivärc sic beinahe mit Jadwiga zusammengeprallt, die eben willens war, sich in die Bibliothek zu be- gcben.
Ohne ihr auszuweichen, maß das Mädchen die Baronesse mit einem haßsunkelnden Blick. „Sic haben es also glücklich fertig gebracht, »nick, fortziischnssen," sagte sie halblaut. „Aber rüe hätten es lieber unterlassen'sollen, denn sch schwöre Ihnen, daß Sie keine Freude daran haben sollen Sic nickst und der Baron auch nicht!"
Ohne sie einer Antwort oder eines' Blicke. zu würdige», ging Jadwiga an ihr vorüber. „Vergib mir die Störung, Harro," sagte sie cintretcnd, „aber cs haben sich währcno unserer Abwesenheit Tinge zugelragen, die zu verheimlichen ich mich »ichl berechligt fühle." Tie war sehr ,r- regt, oder sie gab sich wenigstens de» Anschein, cs zu sein. „Der Kutscher, der Dietlinde und die Gouvernante j»lr.. hat mit dem Schlitten nmgeworfen. Aber du brauchst mar zu erschrecke,'. Weder dem Kinde noch dem Fräulein El bnlc: irgend ein Schade» geschehen. Sie sind in einen Schneehaufen gefallen und ein bißchen naß geivorde» werter nichts. Aber das Fräulein hat es für angemessen und schicklich g»- hallen, die Gastsrenndichast deines Schwagers in Anspruch zu nehmen, »in sich von dem fürchterlichen Schrecken zu erholen .Sie hörte sein Automobil an! der Landstraße daher- tommcn, und sie schick.e den Kutscher zu ihm."
Bardelebens finstere Miene war nicht Heller geworden, aber er >var auch nicht zornig aurgeiahren, wie sie cs vnkleicht erwartet halte. „Sie wird es im Interesse des Kindes getan haben, Jadwiga. Es ist mir nicht gerade lieb, daß es geschehen ist, aber ich ivüß.c nicht, imviesern nian Fräulein O lh- mar einen Vorwurf daraus machen könnte."
„Dann hat sie ivohl auch au allem weiteren recht und gut getan, und ich hätte mie den Aergcr sparen könne». Die Handlungen des Fräulein Othmar sind ja, wie cs scheint, über jede Kritik erhaben."
„Möchtest du mir nicht zunächst mitteilru, was sie noch weiter getan hat?"
„Es ist wahrscheinlich nickst der Rede wert. Statt in dem Automobil des Herrn Rasmussen, das er ihr ans ihr Verlangen doch gewiß zur Vcrsügnng gestellt halte, sofort nach Klein Ellbach zurückzukehren, ist sie mix Dietlinde in die Villa Rasmussen gestihren und hat sich da im vertranten Zusammensein mit dein Hausherrn ein paar Sluiidcn lang ausgchaltcn."
,,J»t vertranten Ziisamiiicnsei»? Woher iveiht du das, Jadwiga?"
„Ans der Erzählung Ditas, die noch ganz außer sick, ist vor Entzücken. Der Herr Oberleutnant hat sich'S nickst nehmen lassen, seine Gäste festlich zu bewirten, und cs miiß sehr lustig zngeaanqe» sein, da er sogar mit dem Fräulein musiziert hat. Später ist Dietlinde eingeschla'e i, »iid über die Art, ivic sich die .Herrschaften dann iveitcr unterhalte» haben, iviest du dir also von Fräulein Othmar selbst belichten lassen müssen vorausgesetzt, daß sie nicht etwa Gründe hat, es z» verschweigen."
Bardelrlen l atle firh halb al gewendet mtb blätterte in den Papieren, die ans seinein Schreibtisch lagen. Rack> einer Weile erst sagte er, „Ich verstel/e deinen Unwillen Aber die Taktlosigkeit scheint mir dock, viel mehr ans seilen Herberts. Fräulein Othmar konnte kailni »wissen, daß unsere Beziehungen so gespannt sind."


