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„Tein unerschütterlicher Klaube an ihre beide Naivität lst be>l-ti»deru»gsw!lrdig. Es wird mir also kaum etwas anderes übrig bleiben, als hingnfzugchcn und sie um Verzeihung zu bitte»/'
„Uni Verzeihung? Wofür?"
„Für die Deutlichkeit, mit der ich ihr nwiue Meinung über ihr Verhalten gesagt hübe. Es war eine Torlxit und ein llcberschreiteu meiner Besugnijse das sehe ich nun Wahl ein. Aber ich sehe auch nack-gerade ein, daß ich nirgends aus der Welt io überflüssig bi» wie hier aus Klein EUbach."
Ter Baron kehrte sich ihr wieder zu und crgriss ihre Hand, die sie ihm nur mit Widerstreben überließ. „Warum tränkst du mich durch ein solches Wort, Iadwiga? Von einer Ucbcrschreitung deiner Befugnisse ist keine Rede, denn mit der Sorge um Tictlinde hast du natürlich auch das Recht übernommen, ihre Erziehung zu überwachen, und als Frau mußt du besser beurteilen können als ich, ob ctivas Unziemliches in dem Verhalten des Fräuleins gewesen ist. Rur hast du es ihr, ivic ich hoffe, nicht unfreundlicher gesagt, als die Umstände es forderten."
„Unfreundlicher, als die Umstände es forderten? Rein, gewiß nicht! Stände sie in meinen Diensten, und tväre cs die reine Seele meines Rindes gewesen, die ich ihrer Obhut anvcrtraut hätte, ich würde cs ihr wahrhaftig aus ganz andere Ar: gesagt haben."
„Wenn cs so ist - — Aber was gibt's da? — Herein!"
Ter Diener erschien in der Tür. „Fräulein Orhmar bittet den Herrn Baron um Gewährung einer kurzen Unterredung."
„Ich lasse das Fräulein bitten, sich noch einen Augenblick zu gedulden.— Nun?" wandte er sich, als der Diener draußen war, au seine Base. „Wenn, sie nun kommt, um, sich zu rechtfertigen, was soll ich ihr sagen?"
„Das mußt du selbst wissen, Harro. Jedenialls bitte ich dich, aus mich dabei nicht die geringste Rücksicht zu nehmen. Freilich wird cs dem Fräulein weniger um eine Rechtfertigung zu tun sein als darum, mich bei dir z» verklagen. Mir gegenüber wenigstens hat sie nicht für nötig gehalten, ihre Haudlnngsweisc auch nur mit einem einzigen Wort zu entschuldigen."
„So hast du den Wunsch/ daß sie das jetzt noch nachholl?"
„Mir liegt durchaus nichts an den Entschuldigungen des Fräulein Öthmar. Tu mußt es auch »ich! sür eine törichte Empfindlichkeit nehmen, Harro, wenn ich um deines häuslichen Friedens willen den Wunsch hege, ihr das Feld zic räumen."
„Ist das dein Ernst? Tu brächtest es wirklich fertig, mir das anzutun?"
1 „Es wird mir gewiß nicht lejckü Aber es ist tvohl das. vernünftigste, allen llnzuträglichkeiteu rechtzeitig aus dem Weze >» gehen."
Bardelebc» drückte ans die Glocke. „Damit hast du mir nun doch mein Verhalten vorgeschriebe», liebe Iadiviga ivcstn auch, ohne 'es zu wollen. Willst du die Güte haben, mich mit dem Fräulein allein zii lassen?"
„Sage mir, ivas du beabsichtigst, Harro! Ich will nicht, daß sic glauben solle, ich ivolle sic von hier verdrängen."
„Sei unbesorgt! Ich weiß, was ich der Rücksicht auf deine Person schuldig bin. Ich lasse Fräulein Olhmar bitteil," wendete er sich an den cintretenden Diener.
Iadwiga Halle kaum durch eine Seitentür die Biblio lhek verlassen, als Margarete eintral. Bardeleben ging ihr einige Schritte entgegen und lud sie mit ernster Freundlichkeit ein, sich zu setze»
„Was wünschen Sie mir iiiitzutcileu, Fräulein Olhmar?"
IIch bitte um meine Entlassung, Herr Baron."
Sie sagte es lehr ruhig. Weder Groll noch Traurigkeit waren in ihrer Stimme. Wenigstens nicht sür Bardelebcns Ohr. Er aber sah ivirklich traurig aus, als er, ihr gegenüber übend, seinen Blick auf ihrein schönen, sanften Gesicht ruhen ließ
„Es tut mir weh, solchen Wunsch aus Ihrem Wunde zii vernehmen, lind das an demselben Tage, au dem ick, mich rückhaltlos als Ihren Schuldner bekannt dabe/HHoi'e,ulick> werden Sie mir die Gründe für Ihren Entschluß nick» ver schweigen."
„Dazu habe ich in der Tat keine Veranlassung. Fräulein v Ostrowski hat mir ercklärt. daß meine Sckncklichkeits- bcgrisse mich wellig geeignet erscheinen ließen sür die Er
zichüiig eines kleinen Mädchens. Mein Entlassungsgesuch ist also nicksts als die selbstverständliche Folgerung, die ich g»s diesem Tadel zu ziehen habe."
„Aus einem Tadel, den Sie für »»verdient lullten?"
„Ich bitte, mir die Antwort'daraus zu erlassen."
„Weshalb?"
„Weil ich uiich mit dieser Antwort vor mir selbst erniedrigen würde, gleichviel, ob ich ja oder nein sagte."
„Sie sind sehr stolz, mein liebes Fräulein!"
„Nein. Aber ich bin ein schutzloses Mädchen, das in der Well ganz allein dasteht. Wenn ich meine Selbstachtung Dreisgäbe, würde ich mich der einzigen Stütze berauben, ans die ich mich verlassen kann."
„Ihnen derartiges anzusinnen, sällt mir natürlich nicht ein. Aber sollte cs sich nicht bei bau ärgerlichen Vorkommnis um Mißverständnisse handeln, die sich bei einigem guten Willen hüben und drüben vielleicht noch ausklären ließen? Darf ich Sie bitten, mir den Hergang des Unsalls mit dem Schlitten zu erzählen?"
Margarete tat cs in kurzen Worten, lieber die Entschlossenheit, mit der sie sich und Dicklinde vor Schlimmerem bewahrt hatte, ging sie nnt einer Wendung hinweg, die Bardeleben den wirklichen Sachverhalt kaum erraten lassen konnte, und die Art, wie sie die Annahme von Rasmusscns Einladung begründete, halte in der Tat nichts von dem Charakter einer Entschuldigung.
Der Baron hatte sie angehört, ohne sie zu unterbrechen,' min aber fragte er: „War Ihnen bekannt, Fräulein Oth- mar, daß ich zu meinem Schwager Rasmussen. in einem ziemlich gespannten Verhältnis stehe?"
„Ich glaube wohl, etwas Derartiges gehört zu haben."
„Und dennoch stellten Sic sich und mein Rind gerade unter seinen Schutz?"
„Ich würde unbedenklich den Beistand jedes Menschen angenommen haben, in dessen Ehrenhaftigkeit ich volles Vertrauen setzen durfte."
„Auch wenn Sic gewußt hätten, daß cs sich um mehr als eine vorübergehende Spannung, daß es sich um tiefgehende, ja unversöhnliche Feindschaft handelt?"
„Darauf kann ich nur schwer antworten. Aber ich glaube, Herr Baron ich glaube, unter den gegebenen Um ständen hätte ich es auch dann getan."
„Wohl! Aber ich nehme an, daß Sie dann wenigstens Ihr iveileres Verhalten etivas anders eingerichtet haben würden."
„Mein weiteres Verhalten? Wie soll ich das verstehen ?"
„Dietlinde erzählt, bafi Sie sich von meinem Schwager bewirten ließen, und daß Sic mit ihm musiziert haben. Ist das richtig?" >
(Fortsetzung tolgt )
„Der Sieg liegt in teil Ve nen der Soldaten!"
„Tcr Tieg liegt in deck Beinen d.-r Soldaten" dieses alte Wort des Marschalls Moritz von Sachsen gilt heute »och aena» so gut, wie einst. „Eine Armee, tie am 5. November bei Roßbach, am 5>. Dezember bei Lcuthen schlagen fannfe, zahlt für zwei" — dieser Aussvruch Mottle; entbölt seine Begründung. Seit langem legt iNan bei uns außerordentlich hohen Wert aut die Mnrschtüchtig-- kcit und die Fußbekleidung der Truppen: Märsche sind und bleiben die Grundlage der Kriegstätigkeit: iver schneller und Lcifcr marschiert. schlägt den Gegner, und dst Kriegsgeschichte kennt viele Beispiele, wo ein guter Marsch zum Siege, ein schlechter zur Rieder- lage geführt hat. Gut und schlecht bedeutet aber nicht nur schnell oder langsam i.nd mit gering nodce gro'enB iknstcn an Fuß- n»d Marschlranten, sondern es spielen auch viele andere Einzelheiten eine große Rolle. Es sei an den treulichen Marsch der, japanischen Garde-Rcserve-Brigadc erinnert, die wahrend der Schlacht am Schaho in 2' . Tagen vom rechten »ach dem linken Flügel marschierte und sich dabei um 80 »im. verschob, sowie au den Marsch Mac Mabons im August 1870, der den iranzösischeu Führer gerade an dem Tage zue Schlacht führte. de i er als Ruhetag angesctzt hatte. Guie und sck'tcchie Marschleistungen hängen neben der Hebung und her Fußbekleidung von vielen Dingen.ad, so oon der Art und der Beschrüenheit der Wege, vom Wetter,, von. verzögernden Hstlk-erniistm wie etwa Flnßläusru oder Brücken, scküjeßlich n!cr auch um pwcl rlogiich.en Einflüsse». So ick e:- eine sichere Eriabrung, laß de - >'cr»e K-inoneNdönner die Marschleistung einer z-ir Schlacht heranziehendeu Trupvenabteilung erhöht, so daß auch Maimschaslen nujo Tcklachiield kommen, die es ohne den Kanonendonner vielleicht nicht rechtzeitig erreicht hätten. Unter einer guten Durchschnittsleistung versteht man gegenwärtig bei Jußtruvvcu 20 bis 25, Kilometer Marsch am Tage: 25, bis 30 Kilo
meter lind schon bedeuleud bester als Durchschnitt, und


