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bis Mitternacht und mit Eterpunich trinke» S>iitfeu, — das war voriges Jahr ihr sehnlichster Wunsch, — ober ob Mutter sie zu Bett geschickt hat?"
Der kleine Lenzen lächelte leise, lpehrnütjg. Er hatte es eigentlich noch nie so empfunden, wie schwer es war, so ganz allein zu stehen.
„Es ist bald Mitternacht, da iverden Sie abgelöst." sagte der Kommandant. „Wir trinken noch ein Glas zusammen!" Er grünte srenndlich und ging tvieder unter Teck.
Wieder tvanderte der kleine Lenzen aus der Brücke aus und ab. hörte aus das tiefe melodische Brausen der See, auf das Weheir des Windes. Der Mond tauchte eben, dicht über der Flut, untergchcnd in dunkles Gewölk. So versank das alte Jahr, mit all der Not, die es über die Menschheit gebracht.
Mitternacht! Tie Schisfsglocke schlug leise a». Die neue Wache zog auf: durch die geöffneten Decktüren klangen Töne des Flaggcnliedes und ein herzliches Prosit Neujahr! hinaus in Wind und Wetter.
Ter kleine Lenzen ging in die Messe hinab. In dem gemüt- lichen Raum strahlten freundlich die Lampen, die Punschbowle dampfte auf dem Tisch. Die Kameraden standen, ihre Gläser in der $><mb: „Ein glückliches Neujahr!" — „Sieg unserm Vaterland !" so klangs, — ernst und voll heiligen Empfindeirs von Mund zu Mund.
„Und jetzt im neuen Jahr als Erstes etwas Freudiges!" rief der Kommandant hinter ihn,, den Strengen kannte man heut fast nicht tvieder! „Eine kleine Ueberrafchung! Wir haben Post an Bord, Neujahrsbriefe: Gestern das Torpedoboot bat sic gebracht!" Eine Ordonnanz trug den Postsack herein, altes drängte herzu, nur der kleine Lenzen machte sich an der Pirnschschüssel zu schaffen. Wer sollte auch an ihn grob schreiben? Ein paar förmliche Neujahrswünsche von ein paar entfernten Vettern, die er kauni kannte, — eine goldgeränderte Karte von seittem Schneidermeister, der tun seine lveiterc geehrte Kundschaft bat, das waren so die Mnija Hrsg rüste, die er zu enrpfangen pflegte.
„Lenzen, ein Kanterad reichte auch ihm ein paar Postsachen. Na natürlich, dachte der klcitie Lenzen, stimmt! Er hatte sich als ahnungsvoller Engel erwiesen. Aber hier — was war das? Ein Brieflein — von Dainonhcrnd? — — Von ihr! Ein ganzer, langer Brief! Er überslog ihn: sie machte ihm Borivürse, das er nicht schrieb. Sie batte recht: es war unerhört, dab er sie zwänge, ihni zuerst schreiben zu müssen, aber, hast sie doch hoffte, das er re nickt ganz vergc'sen hüt e. Be gesse»!
In der Freude seines Herzens umarmte er den Nächst- stehcnden, den dicken Stabsarzt. „Kinder!" ries er, er muhte seinem Nerzen Lust machen, — „nu blost noch einen Engländer zum Jn-die-Luft-sprengen!"
Alle lachten laut aus, doch schicn's, als habe das Schicksal seine Worte gehört. Ein Matrose stand in der Tür, Schnee im Bart: „Schiff in Sicht!" nseldete er kurz. Alle sprangen auf, wie elektrisiert, und eilten an ihre Posten.
Der Mond war nntergegangen; einige Sterne schimmerten durch das Gewölk. Fern sah man wie einen dunkel» Schatten das fremde Schiss durch Nacht und Nebel ziehen.
Der Kreuzer signalisierte hinüber, das fremde Schiss antwortete nicht, nur dickere Rauchwolken wirbelten aus seinem Schornstein. Die „Gazelle" feuerte einen Schuh, er ging ins Wasser, die Entfenmng >var zu groß.
Wie ein Habicht seiner Beute, setzte der Kreuzer dem fremden Schiffe, einem großen Lloyddamvfer, nach. So oft dieser seinen Kurs änderte, stets lvnrde das Manöver erkannt, immer näher rückte der Verfolger seinem Opfer. So ging die Jagd dahin, durch dicke, unsichtige Zchnecböen und über offenes Wasser. Ter Morgen graute sahl. man erlannte jetzt am Heck des Schisses die feindliche Kriegsslagge. Schuhweite! In der Stück- psorte der „Gazelle" erschien blitzschnell der Schlund des Geschützes, der feurige Gruh flog hinüber, — der feindliche Hilfskreuzer stoppte Plötzlich ab und strich die Flagge
Es war Tag geworden, lim die Wolkenränder int Osten flammte ein goldiger Rand, die grau- Flut blitzte auf in goldigem Widerscheine. Klar stieg die Sonne hoch an dem kalten Winteimor^en.
„Ein Sieg am Neujahrstage," sagte der Kommandant. ,,Er sei glückverheißend für das neue Jahr. Durch Krieg zum Sieg — zum Frieden!" -
vermischter.
Moltke und die Daten. Es gibt Leute, die sür Daten keinen Sinn, d. h. kein Gedäcktnis besitzen. Mcrkürdiger- weise soll zu ihnen auch Helmuth o. Moltke gehört haben, lin- genau,gleiten dieser Art sind ihm wenigstens in seinen Schriften ziemlich zahlreich »achzuweisen. Auch in der Einleitung z« Molt» kcs Briefen aus der Türkei mackst der Herausgeber, Prof. G. Hirsch- fcld. aus diesen Umstand aufnierksam und erinnert daran, daß der tneneralieldmarschall auch mit Geburistagsdaten aus recht schlechtem Fuße gestände,» zu haben scheint. Schrieb Moltke doch einmal an seine Mutter: „Ich muh Dir gestehen, daß ich mich nicht mehr recht besinnen kann, ob Dein Geburtstag auf den 2 ., 3. oder 4.
diese» Monats fällt." Auch hinsichtlich seine» eigenen Geburtt-
tages irrte er sich, verlegte ihn z. B. vom 28. auf den 28. Oktober, »nd denientsprechend heißt es mich in einem seiner Briefe: „Uebri« gens hatte ich inich in dem Datum, meines Geburtstages geirrte und Du iviißtest ihn besser als ich." Zieht nian dies in Betracht, so wirkt es drollig und erheiternd, wenn Moltke nichtsdestoweniger seine Schwägerin einmal ernsthaft tadelt, Iveil einem ihrer Brief« das Datum fehlte — „gegen das", wie er binznsügt, „die Damen in der Regel eine Abneigirng haben".
* E i i, aniertkaniscbeS Eharakterbild de» deutschen ® e n e r a l f! a b S d, e f S. Die Pe>sönlichkeit de» »eiien denlschen Generalstabschels v. Falkenbaun, au! dem seht die große Au,gab« der Führung der deutschen Heer« ruht, beschäftigt iialurgeinäß auch da» Ausland in bobein Maße. In «wem Ebaraklerbild, da» die .New Port Time»" von ibin zeichnet, beißt es, er wäre ebenso ivie lein Vorgänger, General v, Molikez «In wenig ein Rätlel, wen» er auch i» setneui Teinoeraincnt den geraden Gegensatz zu jenem darstelite. Wäbrenü Molike ruhig, inetbodisch, vorsichtig ist, ist Faltenday» ganz Nerven, säbrt leicht au!, erlaßt die Tinge mit Ichneller Intuition und gibt rasch sein« Beiekle, Aeußerticki bat der neu« Geneialstabschei icltl»i»er>ve>s» eine gewisse Aehulichkeit mit einein anderen Generalstabschel, dem Javaner Kodama Ei hat dasleibe lebhnfte Auu«, dasielbe stegreich« Lächeln, dielelbe stürmische Geivohnheit, unauibörlich Fragen zu stellen, dieselbe j gendirtsche cveistcsstnrke. Ein Oistzier, der lange Zelt unter dem General v. Falkenhabu gedient hat, «rzäblte, daß er wälnend der Bestchligungeii niemals stille stand, sondern lort- ivävrend hierhin und dorthin ginn, und dab er sich dadurch-von dem qeivöhiittchen Typus des deutschen Soldaten, der diszipliniert und starr ist, unterschied. Einmal sragte ihn ein anderer älterer General: ..Warum bewege» Sie sich nur so viel und geben Sie iuimer hin und her? Glau! e» Sie nicht, daß diese Beweglichkeit Ihre Soldaten schädlich deeinstuste» kann?" v. Falke,ibayn ant» worete, .Die Soldaten sind kein Spielzeug und ei» Offizier vraucht nicht «in Kunstgegenstand zu sein, den zu beivegen ac'äbrlich ist. Warum lallte ein Oistzier iiilltteben, wen» seine Soldaten ln Be- ivegung sind? Ein Oistzier braucht kein llcbersvldat z» sein, er muß sich zweiniat mehr als ein einlacher Soldat bewegen und tausendmal mehr tu» . . ." Das aiiiertlanifch« Blatt ivein daraus hin. daß t>. Falken tzayn die militärische Erziehung des Kronprinzen geleitet hat. „Dieses Zeichen der kaiserlichen Huld ivurde der ?t«- sang einer große» Freundschalt zwilchen dem Krouvriuzeu und dem General, einer Freundschalt, die auch durch die Tatsache verstärkt wurde, daß v. F. lkeuhayu einer aristokratischen Familie angehörk, deren A el sieben oder acht Iah,hiuieerte zuriickreicht. D,e Freund- schaii de» Kronpltnzeu hat gewiß die Lauibahn de» General» erleichtert; aber man darf darum nicht glauvcn, daß v. Falkeuhayn eine einfach« Pup, « i» den Händen seiner kaiserlichen Freunde wäre. Er bat die llnabbängiakeit seines Eharakters bewabrl, leine Gedanken sind immer durchaus veriöulich, und es heißt, daß er seine Unabhängigkeit und seine perlönlichen Eiiipfindungcn vor ollem in allen mtliläriiche» Dingen beivabre »nd zeige. Sei» Gestchtsvunkt ist in allen Dingen tinmcr der eine» Soldaten. Er ist nieinais ein Diplomat oder ein Politiker geivesen . . ."
VNchertisch.
— Standarten weh» u u d Fahne». Lieder an»
großen Tage» Ausgewählt von R Geheet> Mit Zeichiiunge» von Pros. Walter Klemm. Vertag vo» Albert Lange» in München. — ES sind in den letzien Monalen nnzä liae Samm- lunae» der Baterlandö- und Kampllwdcr erschienen, die bei» Weltkriege vo» heute Ihr Entliehen verdanken. Doch leid«! jede solche ?lusu>alst niit Aaturiicuweiidigkelt darunter, daß dem Herausgeber der ?lb!la»d fehlt, aus dem allein der Werl dieicr Ttchtuuge», losgelöst vo» der auqc» licklicheuZe tstimminig, beurlcckl iverden ka»u. Demgegenüber ist die vo,liegende Sammlung sehr z» begrüßen, deren Herausgeber mit KenntuiS und ieiiicm ibeschinack nur anerkannt und Lauernd Wertvolles aus dem Schatze unlcrcr vater- ländiichen Lyrik aiisivählte, — das Beste von jenen Liedern ver- ggugener Tage, die imsere große und ernste Zeit zu neuem Lebe» und neuer A trkuug erweckt hat. R. Gebeeb Hot mit Bewußisei» auf die beule lebend?,, und dichtenden Lyriker verzichtet »ud sich auch in der Zahl der Lieder die äußerste Beschränkung aulerleat. Und so eiilh stl die Sammlung das Schönste und Krastvollste vo» dem, was seil dem Dreißigjährige^ Kriege b,s aus Fontane »nd Liliencron entstanden ist.
Mstgischer ü)>!adrat.
, In die Felder ucbeustehends,, Quadrats sind
___I_ die Buchstabe» BEEEIIILLLOORR
S 8 derart einzutragen, daß die ivagerechlen u.
--senkrecht.Recbcu alcichlauteuS tolgeudes bedeuten:
t. Beranscheiides Getränk.
——-i— 2. Feldherr aus dem dreißigjährige» Kriege.
3. Al,griechische Landschaft.
4. Elus Blume. tAufl. in nächster Nr >
Austüsuiig des Neuiabrsrnl e!s i» voriger Ruunner: Herzlichen Glückivunsch zum Neuen Jahre.
Schrtstleftung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen l>niv,rsttä,s-B»ch- und Stelndruckeret, M. Lang«, Gieß«»


