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wenn Gewaltmärsche nötig sind, werden 60 Kilometer oder mehr innerhalb 24 Stunden bewältigt. Es gibt erber auch gute TnrchschniUSleist,mgen. die weit hinter diesen Zahlen znrückbleibcn Beim Battankriege 1877 78 konnte Gurro im Sonimer täglich nur 45 Kilometer znrncklegen, und im Winter -sank öle Marschleistung wegen des anßerorbentlich schwierigen Gelände» aus eine Tages- strecke von 5 Kilometer, wie sie bei guten Wegen und gutem Wetter Infanterie sonst in einer Stunde hinter sich bringen kann, Napoleons Truppen haben, soweit es sich um die Marschgeschwindigkeit handelt, immer gute Durchschnitte geTjabt; selbst aus dem Rückzuge marschierten sie von Moskau bis Kowno, also eine Strecke von 420» Kilometer in 58 Tage» mit einer TurchschniltSgeschwindigkeit von 24 Kilometern. Einzelne Marschierer können die hceresleistnn- gen gewaltig überlreffen. Bei Gepäckwettmärschen mit feldmarschmäßiger Ausrüstung haben es die Rekordleute sogar auf 40 Kilometer in der Stunde gebracht, also etivp doppelt so viel, wic> eine gut marschierende Truppe leistet. Im Kriege sind solche Leistungen selbst bei den schlimmsten Gewaltmärschen auch Nicht annähernd erzielt worden. Anssällig ist die Erscheinung, daß sich geschlagene Truppen auf dem Marsche ganz vorzüglich Hallen. Nach Wörth ist Mäe Mahonl in 42 Stunden nach Zäbern marschiert, so daß m dieser Zeit 51 Kilometer zurückgelegt morden sind. Teile der Brigade Abbatucci legten sogar in 38 Stunden 420 Kilometer zurück! Liegen die Marschverhältnisse sehr ungünstig, so rücken die Truppen nur im Schneckenschritt vor. Als die Russen im Februar 4831 in Polen einmarschierten, machte die Schneeschmclze das Marschieren so schwierig, daß nur 2 Kilometer in der Stunde znrückgclegt wurden. Am 26. Dezember 4803 sollte die Division Legrand von Ciechanow nach Bngurzyn marschieren. Die 15Kilo- ineter in dem ausgeweichten Boden erforderten volle zwölf Stunden. Noch langsamer kam der Gegner vorwärts: Fürst >Aa7itzhn brach am 25. Dezember von Golymin ans, um im Nachtmarsche nach Slilbolvo zu gelangen. Die zehn Kilometer lange Strecke lvurde in 13 Stunden znrückgclegt. Kommen zu der schlechten Beschaffenheit des Weges noch Geländeschwierigkeiten hinzu, so sinke» die Leistungen noch unter diese Werte, können dabei aber immer noch gute Marschlcistunge.i bleiben. 1877 legte russische Infanterie im Balkan kriege bei den Gebirgsmärschen Strecken von 15 Kilometern in 5 Tagen zurück! Die Geschwindigkeit des Marsches allein ist kein Maßstab für seine Güte: es kommt daraus an, daß die Truppen zahlenmäßig nicht zu sehr geschwächt, und die Gcsechtstüchtigkeit nicht durch Ermüdung herabgedrückt wird. Ohne Marschverlustc geht es bei Märschen säst niemals ab. Die Engländer marschierten im südafrikanischen Kriege von Bloemfontein nach Pretoria. Ihre Marschgeschwindigkeit war gut, denn sie legten in 49 Tagen 480 Kilometer zurück, durchschnittlich am Tage 26 Kilometer. Allein sie verloren dabei an Marschkranken 3—5 v. h.! Wohl das furchtbarste Beispiel für große Marschverluste ist der Marsch der großen Armee Napoleons, die erstaunlich schnell vorwärts kam, aber Riesenmengen ihrer Kämpfer unterwegs verlor. Am 24. Juni 1812 am Njemen zählte sie 293 000 Mann. Am 28. Juli bei WitcbSk waren nur noch 193 000 Mann vorhanden, so hatte die tropische .Hitze den Truppen mitgespielt. Der Marschall St. Ehr mußte melden, daß „täglich an Fußkranken und Nachzüglern ein volles Bataillon zurückbleibe". Die Verluste in Gefechten waren verhält nisinäßig sehr gering: bis zur Mitte des Augusts etwa 10 000 Mann. Ain 20. August nahmen am Uebergang über den Dniepr nur nocki 156 000 Man» teil: am 7. September waren bei Borodino noch 142001) Mann übrig und am 15. September, nachdem man also in 83 Tagen 1000 Kilometer marschiert >var, kamen in Moskau 105 000 Mann, also e»vas über ein Drittel des anfänglichen Bestandes, an. Am 18. Oktober brachen 106 000 Man» von Moskau aui Und am 9. November waren bei Smolensk noch 50 000 Mann vorhanden, und am 28. November ivar die große Armee auf 32 000 Mann zusammengeschmolzen.
Die Behandlung d.r Zchichwunden.
Der Generalarzt von Angerer hat in der Landärztlichen Beilage, die jetzt von der Münchener Medizinischen Wochenschrift her- ausgegeben wird, einen wertvollen Aufsatz über „Die Behandlung von Schußwunden im allgemeinen" veröffentlicht, wobei auch auf persönliche Erfahrungen aus dem Kriege 1870/71 zurückgegrissen werden konnte. Daraus geht erst mit voller Klarheit hervor, ivie sich die Schußverletzungen selbst und insbesondere ihre Behandlung geändert haben Abgesehen von den Gelegenheiten zur Beobachtung während der späteren Kriege kann auch die Chirurgie zu Friedenszeiten als eine ausreichende Vorbildung betrachtet werden, und der Generalarzt spricht geradezu aus, die Kriegsck.irorgie sei in ider Hauptsache nichts anderes als die Chirurgie de» Friedens. Unter den Wandlungen, die sich in den letzten 50 Jahren vollzogen haben, ist diejenige in ider Untersuchung der Wunden besonder-. hock, zu bewerten. Wenn inan bedenkt, daß man damals vorschriftsmäßig die Wunden mit Sonden rmd Fingern auSzu = kundschaften hatte, wobei der Schußkanal oft gespalten werden ministe, und daß auch das herausziehen von Geschossen als eine unerläßliche Ausgabe erschien, so wird man den Fortschritt, dev
allein durch die Röntgenuntersuchung geschaffen worden ist, int
ganzen Umsang verstehen. Vor allem aber komurt die aseptisch» Wundbehandlung hinzu, die unzählige' Menschenleben im Vergleich zum früheren Verjähren z» retten imstande ist. War doch früher die Ansteckniigsgesabv durch die Berwniidnng viel schlimmer als diese selbst. Was die Wirknitg des kleinkalibrigen (ßelchosses be- trisst, so prägt Generalarzt von Angerer den grundlegende» Satz, daß Schußwunden mit kleiner Einschuß- und kleiner Ausschuß- oisnung keine Injektion befürchten lassen, obgleich die Kleider und die haut durchschlagen und dadurch vielleicht einige krautheii- erregende Keime in die Wunde gelangt sind. Man kann darauf bauen, daß diese wenigen Keime von den Abwehrmittel» deS Körpers unschädlich gemacht iverden. Jnsolgedessen würdck eine Injektion und dadurch ein schlimmer Verlaus nur bei einer unzweckmäßigen Behandlung eintretäu. Das Geschoß selbst scheint meist sterit zu sein, einmal wegän der Erhitzung, die es im Getvehrlaus erfährt, ferner auch wegen einer gewissen bakterienfeindliche,! Eigenschaft des Metalls. Der .Kriegschirurg wird daher heute nicht mehr nach steckengebliebenen Kugeln suchen, auch nicht einmal nach etwa initgerissenen Fremdkörp.'rn, da durch solche Eingriffe eine Verschlimmerung herbeigcsühri werden kan», die durch Pen Nutzen garuicht anfzuwieg.ri ist. Tie S-chuß- kanäle werden auch nicht mehr durch Einspritzungen aptiseptiichcr Lösungen desiniiziert, noch mit einer „Drainage" verleben hat eine Wunde dagegen einen großen Einschuß nu) noch größeren Ausschuß, so muß das Eingreifen gründlicher erfolgen, um das lunbranchbar gewordene Getvehe der Weichteile zu beseitigen. Die Benutzung der sogenannten phhsiologischen Kochsalzlösung in zur Reinigung ein vorzügliches Mittel. Frir Knochenverletzungen gellen selbstverständlich noch andere Regeln, dir in ihren Einzelheiten nicht wiedergegeben werden können, hervorgehoben sei nur »och, daß auch Tarmverletznngen. sowie Brustschüsse olme Operation durchaus nicht hosfnnngskos find. Ist eine Wunde injiziert, so bekommt der Ebirurg naturgemäß mehr zu tun. Die Biersche Stauung wirkt dabei sehr günstig, auch eine heißlnitbehandlnng. Die Desinfektion der Hände des Chirurgen selbst ist naturgemäß ungeheuer bcdeui sam. Aber auch in dieser Hinsicht sind vorzüglich? Mittel »erlüg bar. Die Betäubung bei Operationen wird am besten mit einen Mischung von Chloroform, Aether und Sanerstosi geschehen, wobei eine genaue Abmessung des Betäubungsmittels möglich ist. Auch ivird man jetzt in vielen Fällen mit einer örtlichen Betäubung der verletzten Köcpergegend auSkommen. Ist der Blutoerlnst sehr schwer, so muß an einen Ersatz gedacht iverden, entweder durch gesundes Blut oder durch Kochsalzlösung.
vüchertisch.
— Im Lause der Jahre ist das Interesse für die Kolonien bei uns außerordentlich geioachse». Es muß daher immer wieder mit Freuden begrübt iverden, wenn unsere Zeitschriften gelegentlich Sckiildernngen aus nusern überseeischen Besitzungen bringe», die von wirklichen Kennern des Landes entworfen Find. Unter den ivenigen Malern, die sich beniühen, die Eigenart unserer Kolonien im Bilde sestzubalten, nimmt der Mecklenburger Ernst Boll- behr (München, »»streitig eine bevorzugte Stellung ein. Erst vor kurzem ist er nach mehrmonatigem Ausenthalt aus Togo mit großen Bilderschätze>i heimgeiehrt. Aus ihnen veröffentlicht das neueste heit der „61 a r t e n l a u be" eine Ausivalil von zehn Bildern die zur Hälfte farbig gebracht iverden. Sie iverden sicher ihren Eindruck nicht verfehlen, da sie mit der Neuheit überaus lebendige Anschaulichkeit verbinden. Und zu den Bildern schrieb der Malers man» i» seiner frischen und lemperamentvollen Art einen begleitenden Tczt, der von dem heutigen Stand der Dinge in unserer kleinste» airikanischen Kolonie ivillkommeiie Kunde bringt. Mit diesem illustrierten Artikel hat fict> die „Gartenlaube" wieder einmal in den Dienst einer natioilalen Aufgabe gestellt, getreu ihrem alten Programm. _
Arilhmogrztzh.
1 2 4 8 eine Münze.
2 13 4 Strom in Asien.
3 4g schweizerischer Kanton.
4 3 1 berauschendes Getränk.
3 8 2 1 9 Laudsckial! i» Denlsch-Ostasrika,
5 2 12 5 babylonische Gottheit.
6 7 4 9 5 ilalicuischer Maler,
7 4 5 8 Stadt in Rnstland.
8 2 5 7 türkische Insel.
2 17 5 Prophet des allen Testamentes.
9 5 2 4 Flu» in Bayern.
Die Anfangsbuchstaben der geinndenen Wörter ergebe» der Reihe »ach, von oben nach unlen gelesen, den Rainen eines Roinan- schriftstellers. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer: .Gerieben".
Redaktion: A»g, G o e (j. — NolalionSdrnck »nd Perlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleindrnckcret, R. Lange, Gießen.


