Samstag, den 28 . gcbniar
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Ein Frühlingstraum.
Noinan von Fr. Lehne.
(Nachdnick verboten.) likortsetznng,)
„Mary, Lieh, trage nur ructJt nach, Iva-s meine Frau vir angetan hat: sie ist ia sinnlos: ich finde keine Entschuldigung für ihr Betragen, Sei mir nicht döse drum!" Sie schüttelte den Kopf, „Nein, Wolf," sagte sic sanft, „nein — wenn es auch wehe tut! Behüt dich Gott, mein Wolf: nun kann ich nicht wieder komme»: da werden wir »ns wohl nicht wieder- sehen " Seiner nicht mehr mächtig, riß er da das zitternde Mädchen an sich und drückte einen innigen Kuh aus ihren Wund. Aengstlich sah sie sich um: es hatte sie rnemand gesehen, n„o unbeobachtet konnte sie gehen. Die Knie zitterten ihr: sie konnte kaum die Treppe hinunterkommcn. Auf der letzten Stufe nngelaugt, muhte sic sich schnell setzen: ein plötzlicher Schwindel halte sic überfallen, - (Sin lustiges Lied pfeifend, kani Wolss Bursche gerade aus der Dienerstube und blieb erschreckt stehen, wie er Marn so bleich mit geschlossenen Augen dasitzen sah, „Herr Jeses, die barmherzige Schwester was ist denn? — ich will gleich mal ransgehen —"
„Nein," wehrte sic mit schwacher Stimme ab, „bitte nur ein Glas Wasser —"
Er brachte sogleich das Gewünschte, und hastig trank sie. Dankend reichte sie ihm das Glas zurück und bat — „würden Sie mir vielleicht eine Droschke holen? Mir ist nicht ganz wobl!"
„Sie sehen auch ganz käseweih aus! Das Kind ist wohl wieder gesund?"
„Ganz noch nicht! Nicht wahr, Sie gehen — der sperr Hanplmann ivird schon nichts dagegen haben, wenn Sie auch ohne erst zu frage» gehen!"
„Der nicht — aber die Madame! Na, schad't dann auch nischt!" Eilig machte er sich dann auf den Weg, Mittlcr- loeilc kam Doktor Kornelius,
„Schwester Konsuelo, um Himmelswillcn — was ist denn?" rief er erschreckt aus, „wie kommen Sie hierher tvas ist? — Weih Fra» von Wolfsburg? —"
„Nichts ist, sperr Doktor," sagte sic mit einem schwachen Versuch zu lächeln, „nichts. Sic liehen auf sich warten, und ich wollte unterdessen gehen. Bin aber doch etwas abgespannt und lasse mir eben einen Wagen holen: ich kam nicht bis zu jener Bank dort! Bütte, ja nichts oben davon sagen!"
Erregt und ängstlich stand er neben ihr. „Machen Sie keine Geschichten, Konsuelo! Unser kleiner Patient ist außer Gefahr, und Sie werden mir krank! Nachher komme ich gleich nrit vor!"
Mittlerweile kam der Wagen vorgefahreu, und er war ihr beim Einsteigen behilflich. Dann ging er hinauf und sagte Bescheid, daß am Spätnachmittag Schwester Hanna kommen würde. Mit ernster Miene fügte er hinzu, daß er
um Schwester Konsuelo große Angst hätte: sie lväre nicht fähig gewcieu, ;u Fuß nach Hause zugehen, halb ohuniächtig hätte er sie auf der Treppe sitzend gesunden.
Mit großer Sorge horte eö Wolf und spöttisch be* merkte Elia, als der Arzt gegangen: „Auch Doktor KorneliuS scheint sich in das hübsche Lärvchen von Fräulein Winters vergafft zu haben nud von den, sanften Wesen blenden zu lassen. Wenn er wüßte, tvas für eine bewegte Vergangenheit die sogencurnte Schwester Konsuelo — welch' tönender Name! ~ hinter sich hat! — Du schweigst? Bist wohl auch über ihre Dreistigkeit erstaunt, in unser Haus zu kommen? — Was heulst du cigentüch?"
„Das werde ich dir sagen, was ich beabsichligc, wem« Hasso wteder gesund ist: vorläufig habe ich keinen Sinn für ctlvaö anderes! — Was ich denke -? daß es schock eine Entweihung für Schwester Konsuelo ist, wenn du ihren Namen überh.rupt nur anssprichst —- daß du nicht Ivert bist, dem cnge.gwichcn Geschöpf die Schnhrieme» zu lösen!" Damit ging er hinaus, Gabriele ihrer ohnmächtigen Wut überlassend: seine Ruhe, die allerdings nur äußerlich war, erbitterte sie aufs äußerste
Frau Doktor .Hamann war Mary beim Auskleiden behilflich. die kaum die Hände rühren konnte vor Schwäche — wie eine gebrochene Blume bing sie in dein Arm. der kleinen rundlichen Frau. „Sie armes Herzel, habe» tvohl schwere Nüchle gehabt? Dr, Kocuetius hat mir immer Bericht erstatten müssen! Aber Gott sei Dank, das Kind ist ja gerettet!" Marn nickte nur: zum Sprechen ivar sic zu schwach. Endlich konnte sie sich wohlig im Belt dehnen: das Gesichtchen war so heiß wie das Kissen,
„Ah, das tut gut," sagte sie leise, tief aufatmend, „wie will ich schön schlafen."
Zärtlich strich Fra» Hamann durch das geloste Haar ihres Lieblings, „Ja, schlafen Sie. tote wird Ihnen das gut tun." und sie küßte sie aus die klare Stirn, Math schloß müde die Augen und bald verkündeten ihre tiefen Atemzüge der lauschenden kleinen Frau, daß sie cingeschlafen >var. — Es war einige Tage später, Mary sah am Fenster des Wohnzimmers mit einer leichten Handarbeit beschäftigt. Es war ihr wieder so weit ganz wohl, wenn sie auch noch sehzi blaß war. Die schlaflosen Nächte und die Aufregungen der letzten Tage hatten zusammen gewirkt, daß ihre Nerven versagten, Gabrieles höhnische Worte beim Abschied hatten ihr unsägliches Weh berei et. und sic kam auch nicht davon los: es hatte sie zu sehr gekränkt, Zwec <age hatte sie fast nnuntcr brachen geschlafen und sich dadurch wenigstens etwas erholt, „Dacht ich's doch," sagte da Frau Hamann cintrctend und ihr die Arbeit aus der Hand nehmend, „dacht' ich cs doch! Sie sollen doch nichts tun, Kindchen! Aber immer ungehorsam I"
„O, das dürfen Sie nicht sagen, Tantchen, so fügsam war ich doch, daß Sie keine» Grund zur Klage haben!" erwiderte Mary lächelnd, „nun bin ich aber wieder gesund —“


