So weil sind wir noch nicht! Ich sage Ihnen, wir alle haben uns recht gesorgt »in Sic, vor allein aber, na. Sie wissen schon wer wirklich rührend war es!"

Eine Wolke erschien ans Marys klarer Stirn! sie senkte die Augen.

Ja, Kindchen, nehmen Sie es mir nicht übel, aber wie ich den fluten Kornelius mit Tränen in den Augen sah ach Gott, nein"

Liebste, Beste, analen Sic mich doch nicht so! Ich bitte Sic! Jetzt fühle ich mich ivieder kräftig und kann von neuem meiner Pflicht Nachkommen; mir hatte nur der Schlaf gefehlt! Wie geht es übrigens meinem kleinen Patienten? Hat Kornelius von ihm erzählt?"

Frau Hamann schwieg; sic wußte nicht gleich, was sie sagen sollte.

Nun, Sie sagen nichts? Also nicht besonders? So sprechen Sie doch!" drängte Mary angstvoll.

Doktor Kornelius ist nicht so recht zufrieden," meinte die Angcrcdetc zögernd.

Nicht und warum nicht?" Das Herz schlug ihr so heftig in der Brust, daß sie unwillkürlich die Hand daraus legte. Hasso war ihr so teuer geivordcn, daß sic freudig alles hingegcben hätte, ihn zu retten.

Das kann ich Ihnen nicht so auseinandersetzen, Kind!

8 ragen Sie ihn selbst; er ist heute mittag unser Gast. Wissen ie auch, was cs gibt? Gänsebraten! zur Feier des Tages!" Wie lieb von Ihnen," sagte Mary zerstreut; ihre Ge­danken weilten an Hassos Krankenbett, und sie sah Wolf in seiner Angst vor sich.

Ja, und Sie können vielleicht auch den Spender der Blumen erraten, die heute morgen vor Ihrem Bette stan­den," plauderte Frau Hamann iveiter, doch ohne daß es ihr gelungen wäre, Mary aus ihrer Zerstreutheit zu bringen. Der Ausdruck ihres Gesichtes war sorgenvoll am liebsten wäre sic Ivieder zu Hasso geeilt, ihn gesund zu pflegen; aber der Weg dahin war ihr ja verschlossen nie konnte sic den Fuß wieder über die Schwelle jenes Hauses setzen, dessen Hausfrau ihr statt eines guten dankenden Wortes die bitterste Kränkung ins Gesicht geschleudert! Zu Mittag verhehlte ihr Doktor Kornelius den» auch nicht auf ihr Drängen hin, daß Hassos Zustand sich wieder verschlimmert hatte, vor allem hatte er eine große Abneigung gegen Schwester Hanna und gegen seine Mutter er verlangte ständig nach der anderen Tante, die doch hatte wiederkommen wollen und doch nicht Wort gehalten hatte !Frau von Wolfsburg ist auch die denkbar schlechteste Krankenpflegerin: statt das Kind zu beruhigen, regt sic cs durch ihr Jammern und Klagen noch mehr auf; der Hauptmann sieht krank, elend ans und sagt kein Wort mir graut förmlich vor der Lust, die mir aus diesem Hause entgegenweht! Heute abend gehe ich noch mal hin," schloß der junge Arzt,wenn ich den Knaben nur durchbrächte: wie wollte ich Gott danken sür diese Gnade!"

Tann grüßen Sie Hasso von mir, sagen, bitte, ich käme morgen, ihn zu sehen," sagte Mary. Vergessen war in diesem Augenblick alles; jeder Groll war erstickt durch ihr allum->

fassendes Mitleid.--*---

Aber sie sollte ihn noch früher sehen. Nach dem Abend­brot saß sie mit ihrer mütterlichen Freundin gemütlich im Wohnzimmer, als heftig geklingelt wurde. Erschreckt sahen beide auf Das Dienstmädchen trat ins Zimmer.

Ein Soldat, Frau Doktor»!"

Haben Sie nicht gesagt, daß der Herr imLöwen" ist r"

C ja; er will gar nicht zu ihm, er will Sie sprechen." Nun, dann lassen Sie ihn doch eintreten und lassen ihn nicht warten," sagte sie ungeduldig,er hat vielleicht eine Bestellung vom Stabsarzt." Sie sprang erschreckt auf, den» der Einlretende war kein anderer, als Hauptmann von Wolfsburg. Er entschuldigte sich wegen seines späten Ein­dringens, dann wandte er sich an Mary, die bleich und zit­ternd, die Hand auss Herz gepreßt, dastand.Mein Kom­men gilt Ihnen, Schwester," sagte er hastig,Doktor Kor­nelius schickt mich; Sic würden sicher die Freundlichkeit haben, diese Nacht »och einmal bei meinem Kinde zu wache». Hasso verlangt nach Ihnen; ständig ruft er Sic; er ist wieder sehr krank. Ich wußte nichts anderes, ihn zn beruhigen, als daß ich ihm versprach, Sie zu holen aber Sie sind selbst leidend"

Das ist nicht der Rede wert .Herr Hauptmann! Natür­lich komme ich in fünf Minuten bin ich wieder da!" Und sofort ging sic hinaus, sich bereit zu machen.

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Jetzt erst fand Frau Hamann Zeit, sich wegen der Un­geschicklichkeit des Dienstmädchens zn entschuldige». Er wehrte freundlich ab, dann sagte er:

Doktor Kornelius sagte, die Schwester war krank?" Jawohl, Herr Hanptmann, ihre Nerven sind voll­ständig überanstrengt."

Und nun komme ich, sie von neuem zu anstrengendem Dienst zu rufen! Ich weiß mir aber keinen anderen Rat; an jeden Strohhalm klammert man sich!"

Hoffentlich ist es nichl für lange, Herr Hauptmann! Mein Mann hat Sorge um sie; sie ist so zarr und schwach. De» Anstrengungen ihres Berufes ist sie nicht mehr ge­wachsen. Wir wollen das liebe Mädchen als Tochter bei »ns behalten, so ist sie uns ans Herz gewachsen,"

Da trat Mary, zum Ausgehen gerüstet, ei».So, ich bin fertig, Herr Hauptmann! Gute Nacht, liebstes Tantchen!" wandte sic sich au Frau.Hamann, sie zum Ab­schied küssend. ---

Unterwegs sagte Wolf:Wie danke ich dir, Mary, daß du trotz alledem noch in mein Haus kommen willst daß du so groß denkst, mein Lieb! Ich ging selbst, damit du auch ja zu Hasso kommst, der immer »ach dir verlangt hat. Und

du armes Herz opferst dich, wo du selbst leidend bist!--

Ach, Mary," stöhnte er,wenn mir der Junge genommen würde, ich habe so wenig Hoffnung; der Arzt sieht zu ernst aus!"

Armer Wolf!" sagte sie mitleidig, nach seiner Hand fassend und dieselbe beruhigend drückend,armer Wots! Fasse dich doch; denke nicht gleich das Schlimmste; wir haben ihn doch schon einmal durchgebracht!" Sic glaubte aber selbst nicht so recht, was sie sagte. Es war ihr zu Mute, als laste ein schwerer Stein auf ihrer Brust, daß sie nicht ordentlich atmen konnte,

,,Du Gute, Einzige! Bete du sür uns, Mary, ich kann es nicht mehr! Zu viel habe ich ertragen müssen! - - Seit du mir deine Schicksale erzählt hast, habe ich keine Ruhe und mache mir die bittersten Vorwürfe, Deine Worte ver- folgen niich Tag und Nacht dazu die Sorge um Hasso! Immer muß ich mir das Bild deines, meines Kindes ver­gegenwärtigen! Wie reich war ich zwei so herrliche Knaben und morgen vielleicht schon keine» mehr!"

Wolf, so lange Leben ist, ist Hoffnung! Sei ein Man» und Kopf hoch!" Kräftig drückte sie seine Hand, mit innigem Blick in sein Auge sehend.

(Fortsetzung folgt.)

3',ii Uo eiste g.

Von T h. C c l l a r i» s. lFortsetzung.)

Nachtrag zuM ein Kinderland".

Fünszebn Jahre hat mein Vater als Geistlicher und einziger Lehrer für die Kinder von ti14 Jahren in Busenborn zngebracht. Viel zu lange, in Anbetracht des ToppelamteS und dcS sür einen Haushalt mit fünf Lindern unzureichenden Gehaltes! Scho» oft halle er sich vergeblich um eine bessere Stelle gcuieldet, und als er 1856 endlich versetzt wurde, war es mit sehr mäßiger Auf­besserung.

Die Ursache dieser geflissentlichen Zurücksetzung wirst ein schar­fes Licht aus die politychen Zustände jener Zeit: Das war eine Zeit, in welcher die Menschheit nicht satt, sondern voll Sehnsucht war! Und auch das Herz meines Vaters hatte für die Ideale der Viirschenschast geglüht, welcher er als Student beigetreten war. Das letztere hatte genügt, um seinen Name» andaS schwarze Brett" zu bringen, obgleich er sich als Geistlicher jeder öisentlichen politische» Kundgebung enthielt. Zu dem schon vorhandenen Uebcl- wollen ihm gegenüber kam als weitere Belastung sein Verkehr mit einem Jugendfreund des einzigen, der ihm als Pfarrer in einenr nur eine Biertelstundc von uns entfernten Ort in leicht er­reichbarer Nähe ivohnte, und der nebst seiner Frau treue Nachbar­schaft mit de» Ellern hielt. Wenn irgendwo, so lernt man in einer Einsamkeit wie die, in wclckeer sie lebten, seine Freunde schätzen l Für n»S Geschwister war das Ehepaar, das unser ver­storbenes Schwesterchen über die Tause gehoben halte, Petter und Gut und stand uns nahe wie Onkel und Tante. Dieser Pfarrer war als potitisch freisinnig bekannt! Aber wMichcrnlich hat er nie größere Freiheiten «»gestrebt, als sie dem Volk nach 1870, das er noch erlebte, zuteil geworden sind.

Er ersehnte, wie die Besten jener Zeit, ein geeintes, großes, starkes deutsches Vaterland; ei» Wunsch, dessen Erfüllung »och in den sechziger Jahren in so weiter Ferne zu liegen schien, daß der bayerische Patriot Brater*) seiner jungen Tochter im Jahre 1884

SiehePaniine Brater" von Agnes Sapper.