Der Flammentöter.
Roman von Horst Sobetttet.
(Fortsetzung.)
In die Sofaecke gedrückt, saß der Flammeutoter. Das Wasser schoß ihm in die Ungen .Nein, der Krohlow war ein Dutzendmensch. Der war ein ganzer Kerl, mit einer Selbstsucht, vor der man den. Hut ziehen mußte . . . Der mochte noch so schnoddrig reden, der kaut so leicht nicht „über den Berg" . . . Bei all seiner Haltung, ein Don hatte durch seine Worte geschwungen, dem man's anmerlie, wie da ^ ein Mannesherz in der Brust zitterte. . . Und er? Freilich, er hatte Trümpfe in der Hand! . . . Hoch sprang er.
„Du — ich bin kein Spitzbube!"
Mit großen Augen sah ihn Krohlow an.
„Wer sagt denn das, 'mein Jungchen? Kein Mensch! .
Ich muß doch wohl der erste fein, der begreift, daß du die Trude lieb gewonnen hast! . . . Und ich versteh dich auch, glaub's ganz getrost! . . . Was hast du denn bis heute von deinem Leben gehabt? Gearbeitet, Bewunderungswertes geschaffen, und trotzdem auf keinen grünen Zweig gekommen! All die dreißig bist du auch bald ran, ja, daZoill man festen Boden unter die Füße kriegen und eine Frau ans Mänuerherz drücken! . . . Daß deine Gefühle nun gerade zu derselben sprechen wie meine, — und wo dazu der Klausner eine Kette am Bein hat, — ist ein heilloses Pech! Mer illUß denn das nicht zugeben? . . . Aber, Flammen- töter, da hilft kein Reden drum herum, da müssen Daten einsetzen! ... So, und mm wollen wir nicht mehr heute abend lveiter drüber sprechen! Du wirsfst deine Schlappheit Mm alten Eisen, und morgen nachmittag hast du die Güte taub sagst mir, wie die Aktien stehen! . . . Jetzt entschuldige mich! ich will tu der Küche etwas zu essen und zu trinken holen! Brenli dir einstweilen eine Zigarre an!"
Als er in der Küche das Nötige zusammensuchte, hörte er, wie sich Wellerkamp leise davonschlcichen wollte. Er stürzte auf den Korridor, packte ihn beim Aermel.
,.,Wv soll denn die Reise hin? ... Es ist alles bereit, umziehen hat keinen Zweck mehr!"
Aber der Flammentöter machte sich frei und lief wortlos die Treppen hinauf.
Krohlow wartete, aber der Freund kam nicht wieder. Da zuckte er die Achfeln. Vielleicht war's besser so. Und nun nichts gegessen. In seinem Nachttisch hatte er rwch ein paar Schlafpnlver, die genommen und dem Burschen einen Zettel geschrieben:
„Wecken halb sechs! Den nassen Schwamm ins Wsicht!"
*
Herr Klausner saß am Montagmorgen am Schreibtisch in seinem Privatbureau, er hatte nur flüchtig die Post nachgesehen und stützte den Kopf in die Hände. . . Die Nerven Meldeten sich nun doch! Er ward die Zweifel nicht los, ob Wellerkamv überhaupt wiederkam. Sich heimlich erkundigen
lassen wollte er nicht. Und wenn er kam, dann müßten sofort die nötigen Vereinbarungen getroffen werden. Reinen Tisch — so oder so! . . . Denn gestern früh! hatte seine Trude einen bösen Schwirwelarrsiall bekommen, der Arzt, ein alter Freund des Hauses, mußte geholt-werden, und der hatte Wohl gleich die Krankheit richtig erkannt. . . Unter vier Augen hatte der nach der Untersuchung gesagt: Mein lieber Klausner! Unterernährung! Wenn sich ba§ ! Nebel bei mannbaren Jungfrauen einstellt, so hangt das gewöhnlich mit der Liebe zusammen! Die schlägt dann gleich aus den Magen! Der Appetit schwindet, die Tränen rollen leicht und reichlich! Da gibt's zwei Heilmittel. Das eine, Sie geben postwendend ihren Segen. Küssen macht hungrig. Das zweite dagegen will mit Vorsicht angewandt sein. Lustveränderung! Wenn derjenige nämlich nichts von Ihrer Drude wissen will. . . Welcher hier in Betracht kommt, geht mich nichts an, das' Richtige muß aber mit einer gewissen Plötzlichkeit in Anweridung gebracht werden, das ist -aller Weisheit letzter Schluß . . . Soll der Apotheker aber ganz unnötigerweise mit Appetit anregenden Mitteln in Nahrung gesetzt werden, so bitt ich, mich- das innerhalb' zweimal vierundzwanzig Stunden wissen zu lassen! Guten Morgen auch! Und kommen Sie zu dem gewohnten Sonn- tagsvormiitagsschoppen! Sie sehen nämlich so aus, als könnten Sie eilte Aufmunterung in Freundeskreisen gut gebrauchen, meilt lieber Klausner! ... Er hatte abgelehnt. Der Kops war reichlich voll! Und nun saß er hier rntb wartete.
Es wurde zeh-lt, es wurde elf, und Wellerkamp ließ sich nicht blicken. Endlich halb zwölf erschien er mit dem Justizrat Minueking im Bureau. Bleich sah der Flammentöter aus, eckig unb hastig war feine Begrüßung, ruhig und gemessen, eilte Aktentasche nnternt Arm, drückte der Justizrat Herrn Klausner die Hand und sagte:
„Herr Wellerkamp hat mir die Vollmacht gegeben, die Unterhandlungen, feine Erfindung betreffend, mit Ihnen zu führeü! Er wi'll nur dabei sitzen als stummer Zuschauer Herr Klausner, ich glaube, wir werden sehr schnell züm Ziele kommen!"
Dem Fabrikanten war es rmr angenehm, daß ein Dritter mit hier im Büreau faß, da waren gewisse Pein lichkeiten ausgeschlossen. Dankbar lkickte er dem Flammen- töter M trud sagte dann zum Justizrat:
„Also bitte!"
Der nahm einen Akt-endogen aus seiner Tasche.
„Nur vorläufig kurz den Inhalt!... Ihnen, Herr Klausner, wird der alleinige Vertrieb der Erfindung über- geb-ett. Sie haben -alle nötigen Patertte auf Ihre Kosten zu erwerben. Verpflichtnng!en zu sachgemäßer Reklame, für die der Posiert, der dafür Esgeworsen werden soll, noch be- ! sprochen werden muß. Herr Wellerkamp erhält, von heute ! an, Monatlich dreihundert Mark von Ihnen, vom Umsatz dret ! Prozent..


