— 224
der Schtviegersohn Liebigs, und Privatdozent und spater Professor der Phllojophle, der damalige Prosektor Adolf Bardeleben, nachmals hervorragender Chirurg in Berlin u. a. Der Kreis wechselt, alte Freunde gehen und neue treten an ihre Stelle, so der Physiker Karl Bö pp ritz, der Schwiegersohn Mills. Wasser schieben, der Kanzler der Universität, Botaniker Hermann Hoffmann, dessen hundertjährigen Geburtstag wir nächstes Jahr feiern können, dann August Streng, der langjährige und beliebte Mineraloge unserer Hochschule, der vor kurzem hier verstorbene erfolgreiche Forstmann Richard Hetz, der Apotheker M e t t e n h e i m e r, der Buchhmrdler R i ck e r ujf.
Das sind nur einige der Namen, die A. W .v. HofmamO Freundeskreis hier arismachten, in dem er so oft und gern wellte.
Bei seinen Besuchen in Gießen hat er aber auch unserer Stadt selbst und ihrer Entwicklung seine Aufmerksamkeit gewidmet: Gan.z besonders erfreute er sich immer wieder an unserer schönen Um- aebung und Vor allem an dem herrlichen Landschastsbild mit Gleiberg, Betzberg u. Dünsberg. Am schönsten hat er das wohl zum Ausdruck gebracht in seinem im Jahre 1887 erschienenen Nachruf für .seinen Pariser Freund Wurtz, mit dem er bei Liebig zujammen gearbeitet hatte. Er schllderr darin das damalige Leben hier in Gießen und den ersten gemeinMnen Spaziergang, den beide nach den: Phllosophemvald unternahmen und dem dann später größere gemeinsame Ausflüge in die lveitere Umgebung folgten. Daran knüpfte er .Vergleiche zwischen einst und jetzt, die zeigen, daß er die Entwicklung Gießens auch weiterhin mit großer Aufmerksamkeit verfolgt hat. Wo immer sich %. W. v. Hofmann in seinen Briefen, in seinen Reden. Erinnerungen Gelegenheit dazu bietet, gedenkt er seiner „lieben Vaterstadt an der Lahn" in treuer Liebe und Anhänglichkeit.
Aas letzte Mal hat er wohl in unserer Stadt geweilt, als er am 28. Juli 1892 bei der Einweihung des Lieöigdenkmals die Festrede hielt. Den älteren Schülern Liebigs, darunter auch A. W. v. Hofmann, erschien tzs Lanz.selbstverständlich, daß für Liebig hier -in Gießen, wo er seinen Ruhm begründet hatte, ein Denkmal errichtet wurde. Die Mehrheit der anderen aber war für München, und nur dem tatkräftigen, geschickten und klugen Vorgehen A. W. v. Hosmanns haben wir es zu danken, daß ai:d> Gießen sich eines hervorragerrd schönen Liebigdenkmals erfreuen kann. Er batte als ältester und berühmtester der noch lebenden Schüler Liebigs den Vorsitz im Aussührungsausschuß und hat in treuesten: Zusammenarbeiten mit seinem Fremrde Pros. Wlll nnd Buchhändler Ricker, die den Vorstand des hiesigen Ortsausschusses bildeten, alle Schwierigkeiten aufs beste überwunden. In .seiner Festrede bei der Ertthüllung und vor allem auch in dem Nachruf, den er seinem im Jahre daraus dahingegangencn Freunde Will gewidmet hat, konunt neben dem berechtigten Stolz über das so schön gelungene Werk auch die treue Anhänglichkeit an seine liebe Vaterstadt zum Llusdruck. Die Erinnerungen an Gießen, an seine hier verlebte Jugend- und Jünglingszeit und an die lieben Freunde, die er hier gesunder: hatte, gehörten stets zu der: schönsten seines an so vrel größeren nnd gewlltigeren Eindrücken reichen Lebens.
Die Gedenktafel am Hettlerschen Hanse gilt nicht nur einen: der größten und berühmtesten, sondern auch einem der treuesten und anhänglichsten Söhne unserer Stadt Gießen.
Büchertisch.
— Aus tiefer Not. Roman aus der: Tagen der Reformation von Johannes Höffner. Verlag von I. Engelhorns Machst ft: Stuttgart. Ein groß angelegtes Kültnrbild aus der Zeit der Reformation. Frei von hohlem historischem Pathos läßt er hör uns die damaligen Träger der erschütterrwen Geivissens'-i konslikte erstehen: den Küchenmeister von Kürmainz, Nikolaus Engelmann, den Verfasser des kulturhistorisch so ioertvollen berühmten Engelmannbuches, die Witwe des gleichfalls historische:: Bierherrn von Kurmainz Heinrich Kellner, der irn tollen Jahr (unschuldig hin gerichtet worden war, und besmwers die Gestalt des Augustinermönches, der soeben zur vollen Reise des starken Lnthercharakters empvrznivachsen beginnt. Das Buch ist mit einer Anzahl Holzschnitten geschmückt.
— Von der Maas bis an die Memel. Drei Jahre Kriegspsarramt in Belgien und Hindenburgs Hauptquartier. Von Pfarrer Dr. Ludwig Wessel. (Verlag von Velhagen & Klasing in Bielefeld u. Leipzig.) Preis kart. ,3 M. Ein ungewöhnlich frischer Zug weht durch dieses Buch des bekannten Berliner Pfarrers an St. Nicolai, der seine Kriegserlebnisse im Westen und Osten ganz besonders fesselnd und belehrend zu schildern weiß. Es kann auch besonders Volks- und Jugendbibliotheken warm empfohlen werden.
— In einen: Rückblick aus unsere große Offensive im Westen, der in der neuesten Nummer 3914 der Leipziger „I l l u - strierten Zeitung" (Verlag I. I. Weber) enthalten ist, kennzeichnet der Verfasser, Generalleutnant z. D. Wollmann, als Unser Ziel die Vernichtung der Kainpffvast und des Siegeswillens unserer Feinde und kommt zr: dem Schluß: „Das ersteve haben wir in.den drei Monaten der großen Offensive fl: hohem Maße erreicht :md das letztere werden wir erreichen." Zahlreiche Abbildrmgen mich .AusnckhMM pvn der Westfront.zeigen vor allen: die riesige Beute, die wir gemacht Haben, andere behandeln die Feier des
30Mr:geu .Regierm:gsjubiläuu:s des Kaisers im Gwßerr HcüM« quartier, denFlugabtvehrdienst, .die Ereignisse in Finnland ü. a. nfl Von Mgen:eft:em Interesse ist die Darstellm^ eines GelellzngeA duvch den Wiarinemaler R. Schmidt-Hamburg. Tie 'hervorragender^ Leistungen bulgarischer Künstler veranschaullcht ein Beitrag über d:e Kriegskunstausstellung ft: Sofia. Dem neuen hellen Stern im Adler widmet Dr. Archenhold, h«er Direktor der Treptow- Sternwarte, eine durch Illustrationen erläuterte Betrachtung. DG Heimgegangenen Erzählers Peter Mosegger Leben und Wirken würdigt Tr. Richard Plattensteiner. Eine aufschlußreiche, mit instruktiven Bildern ausgestattete Studie Professor Dr. Bastian L-chn:ids ^ handelt vom „Spiel der Tiere". Der: Farbenzauber der Orchideen gibt eine Reihe mehrfarbiger Abbildungen wieder,
- 7 - Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Literaturfreunde. (Begrüradet von Dr. Josef Ettlinger. Herausgegeben von Dr. Ernst Heilborn.) Verlag: Egon Fleische! & Co., Berlin W 9. Das 2. Juliheft ist soeben mit folgeichem Inhalt erschienen: Franz Servaes: Emil Lucka; Emll Lucka: Autobiographische Skizze: Erich Klein: Die Selbstkritik; Alfred Biese: Storm- Schriften; S. Rudnianski: de la Mettiers „Art de jouir" — Echo der Zeitungen — Echo der Zeitschriften — Echo des 2lnsla:tdes Kurze Anzeigen.
Gietzener HKusfraueK-Gerein.
Kochanweisustaen.
Gurken-Ka rto fseln. Die Gurken rverdm geschäll, ausgeschnitten, von Mark und Kerne:: befreit, ft: beliebige Stillt geschnitten und in wenig Wasser mit etwas Salz, Zucker, Essig, säst weichgekocht und abgetvopst. Aus -Niehl, Zwiebeln, Fett :nacht rstan mit dem Gurkenwasser eine braune Schsvitze, der man etivas Sirup mW auch Essig zusetzt. Die Soße muß schön süß-sauer sein. Man gibt in der Schale gekochte, in Scheibe:: geschnittene Kartoffeln. Lnd die Gurken hinein nnd läßt alles zusammen an der Herdseite gut durchziehen.
Speise von reifen Stachelbeeren. Tie Beeren ivev- den von Blitte nrll> Stiel befreit und mit Wasser, ettva 1 Liter! Wasser auf 1 Liter Stachelbeere::, tüchtig gekocht und durch «ft: Sieb gestrichen. Darm läßt man den gesüßten Saft ivieder znn: Kochen kommen und verkocht in Wasser klargequirlten Grieß oder Sago oder Ma:su:ehl dannt zu JtjdJcn: Brei, der in mit kaltem Wasser gespülten Formen pder ft: Schalen gegossen wird und erkalten muß. Wem: man nicht Grieß oder.Sago oder Kartoffelmehl hat, so quirlt man etwas Grütze oder Graupen erst ft: Wasser aus und gibt dann die Stachelbeerflüssigkeit dazu, um Grütze oder Graupen darin vollständig weich imd dick quellen zu lassen.
Tomatensalat. Tie Tomaten -werden durch kurzes lieber- brühen niit kochendem Wasser von ihrer Haut beft-eit, oder sie 'werde:: mit, der Haut ft: Scheiben geschnittei:, mtt Zucker, Salz und Pfeffer bestreut. Ta die Tomaten ar: sich viel Säure besitzen, die der Zucker auslöst, so könnte es darnit eigentlich genug sein. Der richtige Salatesser setzt aber gen: Noch ^ettoas Säure dazu, die tu Zitronensaft oder in Ermangelung dessen ft: seinem Essig besteht. Sehr gltt schinecken feiugehackte Zwiebel dazu.
Vexierbild.
Die Bäurin mutz mir doch atlmeil zugucken! (Auflösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Diainauträtsels in voriger Nummerr
G
E i s Baron
' i raff«
Hafer
Ufa
©
Schristleitung: W. Niep er. — ZwlllmgSrunddruck der Brahl'ichen lluiv.-Buch- und Stsindrucksrsi. R. Lange, Gießen.


