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Plötzlich seufzt das Mädchen, als kämen Träneir in ihre Stimme. ^ ,
„Oh warum bist Du ein Ray, rmd bist mcht eurer der Unseren: itmrttnt bist Du kein wm, der mit uns zieht, der sein Zelt bei uns hat, seinen Wagen, seine Pferde."
„Bin ich euch denn ein Fremder. spreche ich nicht eure Spruche? Wenn ich auch nicht stets bei euch bin, gern sitze ich doch in euren Zelten, fahre in eurem Wagen, wenn ihr wandert."
„Und dvch hat dich eilte rubere Mutter geboren, keine romi, und morgen. . . morgen wirst du uns nicht mehr kennen.",
„Morgen komme ich wieder M euch. Sobald es Abend wird, bin ich 'bei euren Zelten. Jeden Tag komme ich, wenn ihr wollt."
„Morgen kommst du, vielleicht eilte ganze Woche, aber dann .... dann gehst du fort, für immer .... Dein Weg ist ein anderer, von den Zigeunern fort führt er."
Das Mädchen schluchzt leise. Sie hat meinen Arm gefaßt, und wie sie so vor mir stcht, höre ich, wie bei ihrem Witternden, Schluchzen leise die in ihren Zöpfen geflochtenen Silberftücka klirren. , . . .
Weit draußen quaken Frösche. Das klingt wie ein zorniges! Geplärr, wie ein heftig erregtes Ausschrecken der Märznacht.
Und diese lauwarme, erregte Märznacht läßt mich plötzlich das Mädchen küssen. .
„Ja. Mädchen. Dein Weg führt dorthin, meiner hierhin. Und doch sind beide nur -eines Menschen Weg. Em^Lebert lang berühren unsere Füße dieselbe Erde. . . Dein Fuß und mein Fuß . . . Und diese Erde verbntdet uns, Vula!"
Mt nächsten Nachmittag schaue ich und schau, und kann es nicht fassen. Leer ist der Lagerplatz, verschwunden die Zelte, verschwunden die Zigeuner.
Was vertrieb sie? Warum sind sie fortgewandert, die sich doch gestern freuten, als ich wiede rzu kommen versprach?
Neben mir steht ein Rumänenknabe, die Pelzmütze über den Ohren, dert Hals eingezogen, das Kinn im Rockkragen verborgen und leiert fröstelnd: „Uird nachher luden sie die Helte aus die Wagen, und nachher ritten sie mit den Pferden dreimal um den Lagerplatz, und nachher spannten sie die Pferde ein und ftlhren gegen Priboi . . . Asa am vedut, Dommüle."
Aber was vertrieb sie denn? .. .
„Und sichren gegen Priboi," plapperte der Knabe fort.
Rente es sie, daß sie sich mir anvertranten? Haben sie denn kein bißchen Anhänglichkeit an einen Fleck, gar kein Heimatsgesühl?
Was vertrieb sie nur? ...
Ihr Ghetto? . . . Ja, es ist ihr Ghetto, das sie wandern hetßt ihnen Ruhelosigkeit gibt, jedes Heimgesühl nimmt und Mißtrauen einim-pft Wider alle, die zufrieden sind.
Denn ihr Ghetto ist nichts -als das Leidens betvußtse in ihres Pariabhrtes.... Ihr Ghetto ist nichts als der Verfolgungs-- wahn einer ganzen Rasse.
Atemübungen als Vorbeugemittel gegen die Grippe.
Cs ist/klar, daß ein Körperteil, welcher nicht genug bewegt und geübt wird, Und dadurch nicht genügend durchblutet und lebendig bleibt, leicht Kran Kielten zugängli ch ist. Tie Krankheits- keime ftnben einen guten Boden in ihm, während ein in lebendiger Bewegung bleibender Körp>erteil sie leicht abstößt. Ter bei der Grippe atn meisten gefährdete Teil ist die Lunge, Und daher muß es die -erste Sorge sein, M versuchen, diese durch geeignet« Uebnngm an frisckMr Luft vor Infektion zu bervahren. Einige Mmungsübungen, di« sich im .Freien oder am offenen Fenster leicht ausfühveit lassen, folgen hier.
1. Man hebt die Arme bis zur Schnlterhöhe (nicht höher) und läßt wahrend des Hebens der Anne die Luft durch die Nase entströmen, hält sie einen Augerrbkiäs an stnd atmet durch den offenen Mund mit geflüstertem A langsam aus: es muß wie leichtes Aechzen klingen. Man kann auch die Lust, ein T flüsternd, ent- weicken lassen.
2. Nach erfolgter Einatmung staut man di« Luft hinter den fest'gesckloffenM Lippen und läßt Je dann in einigen kürzest Stößen Pustend heraus. (Wie eine Dampfmaschine, aber nicht zu heftig.)
I. Man saugt die Luft durch die auf die Unterlippe gepreßten Oberzähne ein, bis man sich ganz mit Luft geftillt fühlt, atmet darauf ans wie bei 1.
4. M-ait attwet ein wie bei 1, Mt die Luft an, solange man es ohne Anstrengung kann, !und atmet auf A aus wie bei 1.
Bei allen Uebungien ist zu beachten, daß bei der Einatmung die Lust nicht heftig eingezogen wird, sondern möglichst must und nicht zu rasch emströmt. Ueberhäupt darf man sich bei keiner Hebung anstrengen! Besonders zu empfehlen sind di« U'ebungen nach AnftmtMl in überfüllten, geschlossenctr Raunten. M. A. &.
VSchettisch.
Reue Lyrik.
l —> Flugblätter rheinischer Dichtung, herausgegeben von Carl Salm im Salm-Verlag zu Cöln. Preis für daS Blatt 1,00 Mk. Tritte Reihe. 1. Blatt: Vergiß du deines Bruders
Not, Arbeitergedicht von Heinrich Lernt; 2. Blatt: Ins Auge der Ewigkeit, Gedichte von Leo St er n b erg; 3. Blatt: Liebe schöne Laute, Neue Lieder von Heinrich Zerkaulen; 4. Blatt: Tie gekreuzigte Seele, Gedichte von Joseph F. P o n tze n; 5. Blatt: Bon sttllverfonuten Wegen, Gedichte von Ilse Bartels: 6. Blatt: Klänge vom Niederrhein, Verse von Karl Brand; 7. Matt: Ter hohe Glanz, Gedichte von Henny Ray mann; 8. Blatt: Ter heimliche Garten, Neue Verse von Elisabeth Drügg.
— Die westfälische Dichtung in Flugblättern. Herausgegeben von Carl Salut im Salm-Berlan zu Cöln. Preis für das Blatt 1 Mk. 1. Reihe. 1. Blatt: Friedrich Castelle^ Späte Lerchen in der Luft, Nene Gedichte; 2. Blatt: Th. Ä. W. Schröder, Kleines Kaleidoskop, Gedicht«; 3. Willi Lind n er, Vom Lenz und Herbst, Gedichte; 4. .Adolph Pott hoff. Aus erlebtet: Stunden, Gedichte.
— Der rote H a hu. Verlag der Aktion, Berlin-Wilmers- dvrs. Das Heft 0.80 Mk. Jakob von H v d d i s, Weltende; Kurd Adler, Wiederkehr; Mex. Herzen, Ter Geisteskranke; Jd-ler Talbot Ke l l e r, Dnrchlblutung; L. B ä u m er. Das jüngste Gericht. Zwei Sammlungen von Bersbüchern sind hier untereinander-
S stellt, die in ihrem Wesen sehr wenig miteinander gemein haben.
tri Salm, der selbst ein sehr beachtenswerter Dichter des Rhein? landes ist, hat es sich in dankenswerter Weise zur Aufgabe gemacht, den langen poetischen Kräften des Rheinlastdes und Westfalens eine Bühne zu schaffen, von der aus sie ihre Weisen ins Herz des Volkes hineintragen können. Tie kleinen, entzückend gedruckten Bändchen bieten nicht gleichlvertig» Kmtst, aber immer genügenden Anhalt, tun sich von der künstlerischen Eigenart jedes Dichters ein vollkommenes Bild zu machen. Namen wie Lersch, Sternberg und Castelle werden schon manchem geläufig sein. Andere werden sich einprägen. Ta es der Raummangel verbietet^ näher auf die einzelnen Lyriker einzugehen, kann nur empfehlend auf die ganze Sammlung hingewiesen werden.
Tie zwette Sammlung „Der rote Hahn" ist der Tummelplatz der Kutistrevolutiouäre, die sich nicht selten zu eitlem Kunstbok- schewismus htnreißen lassen. Es wird nicht für jedermann möglich sein, den guten Kern heransznsinden, um den die wildes Entatmtionen sich schließlich zu einer gereisten Kunstform kri? stallisieren müssen. Wer sich für die inoderne Entwicklung der Lyrik interessiert und nicht das ihn Befterndende von vornherein) mit Ueberlegenheit abtim will, wird doch hittter denr lieber^ schwang mehr finden, als dieser anfangs ahtten läßt.
— Reiuhold Sorge, Mutter der Himmel, 8P. XIV und 50 Seiten, geh. Mk. 2, geb. Mk. 3. Verlag der Jos'. Kösel- scheu Buchhandlung, Kempten-München. — Ein Sang, wie er seit langen Zeiten nicht mehr erklnngett ist, in Tönen von eiltet) herben und strengen Schönheit deS Klanges. Er setzt Empfänglichkeit voraus für die Stimmimgen und Eindrücke ans den reinen! Regionen der Umwelt seines Geistes, aber wer Sinn tntb Gefühl) hat ft'ir sie, den faßt er mit unlösbarem Griffe in den Tiefen der) Seele. Ein Sätrger des Erhabenen, wie ihn seit larrgem die Dichtung nicht mehr wies.
— Walter von Molo. Der Hauch im All. Tragödie in drei Aufzügen. Umschlag- und Einbandzeickmnna von Heinrich Jost. Preis geheftet 2,50 Mk., gebündelt 4 Mk. Verlag von Albert Langen in München. — Der „Hauch im All", dessen Tragödie hier geschrieben wurde, ist der Mensch, ist der Mann, den es halt- trüb ruhelos durch die -Welt treibt, und der, wenn dies äußeren Umstände des Berufs und der Familie ihm ein bürgerliches Leben voll von Würden und Ehren auferlegt haben, dafür! in seiner ^eele um so hilfloser die Beute der schweifenden Leidens schäften wird.
— H. H. Houben. Hier Zensur — wer dort? Antworten von gestern auf Fragen von heute. Mit Unrschlagbild von Th. Th. Heine. Leipzig, F. A. Brockhans. 1918. Preis Mk. 3,60, geb. Mk. 5. — Ein ganz wunderbares Musennt aus der „guten alten Zeit" tut sich da vor uns atrf. Tie Zeitalter Friedrichs des! Großen und Kaiser Josephs II., der Französischen Revolution, Napoleons mtd der Befreiungskriege, des souveränen Absolntts- mns und des beschränkten Untertanenverstandes werden in farben- lusttgen Miniatttrbtldern und ernsthaft-schwarzen Silhouetten an die Wand gemalt. . >
— Ein neuer Theater-Mlmanach ist unter bet) Aegide von Generalintendant Geheintrat Zeiß von Müller-Wal-- deNbnrg redigiert als „Frankfurter Almatmch der städtischen Bühnen" erschienen. (Verlag Max Kvebcke, Franffurt a. M., Mk. 4,50.) Mitarbeiter von Ruf — Geheimrat Zeiß, Prof. Schreker, Dr. Gebrecht, Pros. Christiansetr, Dr.,W. Mießner, Hugo Schlemüller, Schulte v. Brühl, Kgl. Regisseur Legal u. a. — haben mit ihrer Erörterung allgemeiner Kunst- und Theaterftagen^ mit reizvollen Lokalbeiträgen mtd besten Feuilletons den Alma- nach zu einem gewissenhaften Berater für Künstler mtd Publikum gemacht. Eine Preisfrage „Welche Rücksichtnahme schulde ich als Theaterbesucher dem Kunstwerk, den Künstlern und den übrigen Zuhörern?" wird rege Beteiligung finden.
Auflösung des Anagramms in voriger Nummer:
Falts, Estrich, Rotte, Insel, Erde, Noten. Reim, Enkel, Inka, Talbe^ Ernte. — Ferierrreise»
Schristkeitung: vr. Reinhotd Zeitz. — Zwillingsrunddruck der Brühl'schen Umv.-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.


