351
L
sie mit SehnfuW M sie hevam UM die weißen Gipfel doch nicht W erreichen.
Urüer die FeLer her kam ein Wad. Eine Hecke entlang lief vnd da tauchte immer tviÄ«r xrn satter, roter Punkt ans. glitt und schwebte, versank und erstand, und dann ivar er plötzlich gmrz nahe, urrd ich sah eine leichte MLdchengestalt, dererz Schreiten ein eiliges Schweben schien, deren kleine Füße von doren Röcken wie von flancknender Lohe umflattert wurden. Und dwur sah ich das Antlitz. Es war draun und rassig, der Landschaft und dem Lande so fremd, als sei es eine verlorene Erscheinung aus weiter Ferne. Es zeugte von südlicher Sonne und war doch nicht südländisch weich-, sondern ftol? und kühn, wie von den Bergen her. Mail konnte nicht übersehen, daß es -eine Zigeunerin ivar, das ftlgte der seltsame Leidens-zug um den Mund, der wie von einem Lächeln unter Tränen zurückgeblieben schien.
Der Staub der Straße steigt unter ihren Fußen. Mit kurzen Stößen erhebt er sich tntmler lvieder und legt sich- dann weich und breit in da s Feld hinaus. >
„Wo liegeir Eure Zelte?"
„Tort, wo die Straße abbiegt und den Bach hinauMhrt."^ „Da ’fmft Tu «noch weit zu gehen."
„Wandern macht mich nicht müde." *
Immer häufiger sieht man arbeitende Bauern mif den Fel--' Kern. Gebückte Gestalten, mit den Ftißen ,anscheinend in deü Erde versunken, als wären sie knorrige Stauden, die in ihr? wurzeln.
Und wie wir, an ihnen vorüber-eilend, sie weit zurücklassen, scheint es, als sänken sie in den: zähen Boden imMer tiefer ein,' als würden sie allmählich- von ihm! aufgesaugt mit all ihrer! schweißtriefenden Mühe, mit ihrem keuchenden Leben unbarm-i herzig verschlungen.
Ta sagt das Mädchen: ..Kurz ist der Weg des Rumänen. Vom Feld zum Torf, vom Dorf zum Feld. Und immer warten sie der Gaishi. Sie warten auf den Frühling, damit sie anbanen, können, auf den Sommer, wenn der Mais reif wird. Und haben sie geerntet, wieder erwarten sie den Frühling. Sie könnten nicht leben, hätten sie das Warten nicht."
„Und Euer Leben. Mädchen, ist kein Warten?"
„Auf was sollen wir warten? Wir haben keine Ernte, und kommt der Winter, so packen wir unser Zelt cruf. den Wagen! Und ziehen hin, wo es milder ist. Keine Ernte, kein Feld hält uns zurück. Aber stürmt es trotzdem, so frieren wir eben, kommt die Sonne, so freuen mir uns. Doch sie kommt nicht früher, wenn wir ans sie warten."
Wie die Seele ihres Volkes erscheint mir dieses Mädchen, das auch sucht Und sehnt und es doch unter züngelnder Wildheit verbirgt. ,
Als der Tag in der Landschaft zur Rüste ging, suchte ich das Lager der Zigeuner vorn Stamme der Leila auf. Aus vier Zelten bestand die Sicdeluug. Tort lagen sie, wo durch den Bach und den Mühlkanal eine Insel gebildet wurde, uird tveiter oben sah man auch den ungefügen Würfel der rumänischen Mühle durch die Bäume schauen.
Erlen überschatteten die Zelte. Und in das Rauschen des Baches klangen seltsam^ dünne,, klingeiche Kinüerstimmen. Vom armen Zigeunerknaben sangen sie das Lied:
„Ai de vine la romna, wmi cai,
A lele lei leila
C-ai la romna jemo caura,
Ä Ici. Icil’ß ^
Und immer, wenn sie mit ihren kurzen Stimmen aussetzten und der Bach tief und orgelnd dareinrauschte, war es, als lauschten sie in atemloser Traurigkeit. . , ., ^
Vula, das Mädchen, kam mir entgegen. Urrd da sah ich, daß sie sich meiner Bekanntschaft freute, daß sie darüber stolz vor den Ihrer: war. Das merkte ich auch, als sie die Kinder abivies. die kamen, tanzten und bettelnd sangen: „Tamo ritu, tanro na!" „Bresh," rief Vula urch vertrieb die Kinder.
Wir saßen dann an einem Zelte beim Lagerfeuer, Männer kamen und mischten sich ins Gespräch,'^Kinder drängten sich Mm Zelteingang, um den Fremden, den rah, zu sehen, der sre besuchen gekommen war. Mer die Männer waren zurückhaltend, sie schilderten nicht wie Vula ihr Leben, sie stellten nur Fragen. . . Sie forschten nach dem Leben in den Städten, was unsere Kleider, unsere Existenz koste. r ,
Tann aber kümmerten sie sich nicht mehr unr mich Sre sprachen nur untereinander über die Fremden und mich, -va ich jedoch ihre Sprache verstehe, hörte ich, wie sie sich darüber wunderten, daß die Städter so teure Kleider tragen, auf ihre Lebensweise so viel verwerrden und in so prachtvollen Hausern wohnen, wo doch schon eine Hütte vor Sturm und Reger: schütze, ja ein kleiner Raun: im Winter wärmer sei als em großes Zimmer. 0 . r
Da sagte ich denn den Männeru vom Stamme Lerla, daß -unser gairzer Luxus irur auf dem Zwange der Gesellschaft beruht, und er weniger uns selbst als beit anderen gilt, denen wir es gleichtun wollen und auch müssen, weil wir, um ihnen knzuge- hören, rms durch uichts von ihnen unterscheiden dürfen.
„Und darum geht ihr so gekleidet, als wäre euch ieber Tag eiu Sonntag, an den: ihr feine Kleider tragt, weck ihr nichts arbeiten müßt?" fragte, ein Vitro-, ein Alter, erstaunt.
„Ja, nur deshalb, denn siehst du, puro, wir leben in dem Wahn, daß wir rurr dann hei unseren Nebeninenschen etwas gelte!?, wenn Nur so tun, als lebten wir nicht durch unsere Arbeit."
„Warum sagst du es nicht, ihr seid ja reich, ihr Fremden, derrn sonst hättet ihr nicht das Geld, irm cs für eure Kleider, euer Leben auszii geben!" sprach ein hagerer Zigeuner feindselig.
„Wir niüsserr es haben, ivir Arbeiten nicht wie ihr, mn zu effert, sonderi: um uns zu kleiden und nicht in einer Hütte zu wohnen: Was wir essen, kostet kaum den dritten Teck dessen, was wir für Wohnung, Kleidung und anderes brauchen."
„Joro vindo! Bon Vindo pttro!" rief der Mte erstaunt. „Und wir arbeiten einzig, um nicht zu verhungern, das andere ist nichts."
Giza !aber, der Hagere, rückte näher und fragte vertrauter: „Darum zeigt ihr-euch auch so böse gegen den Hunger der Armen, weil euer Hunger nach ganz ariderem geht."
„Tu karnist recht haben. Giza, mir verachten euch, weil wir glauben, unser Hunger sei vornehmer, weck wir nach Luxus urrd Kultur hungern. Ihr aber, haßt ihr uns nicht auch?" Ich blickte ihm ernst in die Augen.
Ter Zigeuner starrte finster irrs Feuer. Dann hob sich sein. Blick und glitt hinaus irrs Zelt, wo sich inzwischen die Nacht herangedrängt hatte. Er schwieg, als überlegte er. Urrd er schwieg n-och immer, da ich schon längst eine Antwort erwartete. Das Schweigen wurde peinlich.
Von einer eigentümlichen Unruhe erfaßt, schaute ich Umher, in die vielen Gesichter rings, und war erstaunt, wie viele mich anstarrten. Fast alle Insassen der Zelte hatten sich zusammengefunden.
Plötzlich regte sich Gize und begann:
„Einst, so erzählt man sich in unserem Stamm, als wir in diese Lüiider karnen, arm, verlassen und gehetzt, da fanden wir euch, ihr Seßhaften, urrd glaubten, ihr sew Götter; well ihr so friedlich lebt, immer an einem Ort bleiben könnt, ohne daß euch der Hunger tveiter treibt . . . Wir glaubten, .ihr seid Götter; so wissen es unsere Alten, und wir beteten zu euch, denn wir dachten, ihr würdet Not und Armut von uns nehmen: Wir warteten und warteten, aber ihr nahmt sie nicht von uns. Ihr sähet kaurn nach lmrs', und ließet uns vor eurer: Türen stellerr, durch die Zufriedenheit und Reichtum aus- und eingingen. Wir warteten darauf, daß eure guten Feen auch uns reich machen werden. Neid kanr über uns, da wir sahen, daß nur ihr gute Urmest habt, daß euch stets der Locholitfcho hilft, uns aber nicht. Das Warten erzeugte unseren Neid. . . . Doch der Neid ist ein Säuglings der krank geboren wird. kttum muß et Wrben, wie jenen Saftena, der zu früh kam. Sein Dod ist wie bei einem neuge«, bo reuen Kind, das znm Mulo toird. Der Neid stirbt, indem er den Haß gebärt. Und auch unser Neid ist gestorben, weil eure Urmen uns nicht glücklich machten ..." l
Ter Zigeuner brütete wieder vor sich hin. dtiemand von den übrigen sprach ein Wort. Aber eö tvar, als keime zitternde Hoff- rmiig in dem Hageren, da er wieder begarrn: „Doch du sagst, ihr; seid mrr reich, weil ihr es sein müßt. Ihr habt vielleicht gar keine guten Urmen, well euer Reichtum nicht euer Glück ist. Ihr habt teure guten Urmen' — ihr seid nicht anders als wir!"
„O, daß ihr mrs gleich seid!" rief plötzlich eine zittettckkj Stimme.
„Ja, seht ihr, wir kämpfen ja auch, nur anders wie ihr. Aber müde macht es uns auch, wie euch!" ^
Da begannen plötzlich alle durcheinander zu sprechen, das Zelt schwirrte von Stimmen, von Worten und lebhaften Rufen, die mit einer großen Fröhlichkeit gesättigt waren. Rufe, die fern* gen, als wäre plötzlich em eigenes Leben erstanden, als käme eist jauchzender Volks hause immer näher, gleich einer gewaltig brandenden Woge. Als würde eine erst so fremde Stimme immer bekannter, um zuletzt in eines Freundes herzliche Vertrautheit überzugehen!
Von draußen aber schinrinerten die Lichter des nahen Torfes herüber. Toch wie in werter, fremder Ferne schienen sie zu liegest. Und Menschen gingen oben auf der Straße längs des Baches vorbei, unsichtbar die Nacht durchziehend, nur ihre Stimmen klau geil gleichgültig fremd herab.
Wie eine von allen Seiten umbrandete armselige Siedlung mitten im feindlichen Lande erschien mir dieses Zigeunerlager.
Wie dunkel die Nacht ist. Nun aber muß ich trachten, in mein Torfwirtshaus zu kommen. Der Himmel hat sich wieder bewölkt: vom Weg keine Spur zu sehen. Nur die Bäume, die die Straße besäumerr, zeigen mir die Richtung.
fstun muß ich schon bald im Torfe sein. Aber die Bäume rechts und links nehmen noch kein Endc,^ni:d noch immer rauscht deü Vach frei herein. Ist das nicht ein Schritt hinter mir? Ern eilender und doch schleichender Schritt leichter Füße? Ich drücke mich hinter einen Bannr und märte gespannt. _
Ter Schritt kommt, hält ratlos mitten in der Straße.
Wer ist das nur? Ich gehe auf die Person zu.
Ein Schrecken der Ucherraschten, dann weich: „Ray?'
„Du bist es, Vula? Wohin gehst du?"
Keine Antwort. Da berührt ihre Hand Meinen. Arm. „Warum gingst du schon fort von uns?"
„Ist es nicht spät? Ihr wollt schlafen und ich auch?"


