Die Rächer.
Womatt von Hermann Wag ne«.
(Fortsetzung.)
Er gab noch einige Anordnungen im Kontor und verlieh dann sofort das Haus, in das er nicht zurückznkehren gedachte, ehe die Leicke fortgescha^st wäre.
Er schritt schnell ans. von einer geheimen Freude be-
K . Sein Herz schlug so heftig^daß er vor einer Auslage blieb, um Atcin zu schöpfen. Während er die ausgestellten Waren musterte, ohne sie in Wirklichkeit zu sehen, fragte er sich, was es denn wäre, das ihn so freudig erregte. Und er muhte bis auf den untersten Grund seiner Seele schauen, um eS zu finden.
Ja, dieses war der Grund: daß einer hatte sterben müssen, mn ihm. Reisner, die Wege zu ebnen. Und dah dieser eine, die Nutzlosigkeit jedes Kampfes einsehend, so geräuschlos davongegangen war. Das war geschehen. Und das war sein Erfolg, der Erfolg seines Willens, der sich nun nicht mehr beirren lieh.
Reisner schritt weiter, von einem Heer von Gedanken angetrieben, das ihm au den Leib rückte.
Wie dutnm war der Mensch und wieviel mußte er lernen und erfahren, mn zu erkennen, dah die Moral nicht ein Mit!- für, sondern gegen die Schwachen war. die mit ihr gefesselt wurden, weil ihre Schwäche, hemmungslos sich selbst Überlassen, nur llnbeil stiften konnte. Für den Starken da-- gegen war die Moral nicht da, und ihm war es auch gegeben, dem Gesetz anszuweichcn. wie einem blind wütenden Tier, das man lenkt, indem man seine brutale Kraft ans eine falsche Bahn, ans ein totes Geleis lockt.
Me. war er einst nickt gestraft worden, nicht iveil er getötet, sondern nur verflucht hatte, zu töten? Und jetzt? Jetzt hatte er getötet. llnb die Folge war nur. dah sich sein Vermögen mehrte. Die Schuld aber, die Schuld an deni Tode eines unnützen, zum Leben nicht inehr tauglichen Menschen trug er keineswegs wie eine Last. Wie eine Genugtuung trug er sie. Er war bei» Leben eine Rache schuldig für das. lvas eS ihm angetan hatte. Er rächte sich.
Reisner speiste mit Behagen bei Hitler und fuhr sodann in den Tiergartell, den der Herbst schon anfing rötlich zu färben. Die Luft umr klar, alle Farben prangten in Reise und Sattheit. Hub es war, als riese alles mit einer Heiter feit, die ans der Ueberzeugmig erfahrenen Alters kam: genieße, geniehe!
Erst gegen Abend fuhr er iH'iui, man begann, als er eintrat, schon das Kontor zu schließen.
„Alles in Ordnung?" fragte er rasch.
Man antlvortetc ihm, dah die Leiche des Selbstmörders sortgesölmsst sei mrd Fron Gutzeit sich oben in ihrer Wohnung befinde.
„Wollte sie n,ich sprechen?"
Nein, Man wnhte nicht-.
Er ging hinaus, läutete und fand Hilde Gutzeit ber ihren Kindern.
Sie sab verweitkt au-, schien aber überwunden zu haben; denn ihre Auaen blickten voll nlüder Ruhe.
Reisner stimmte das fröhlich, und er schlug sofort einen bestimmten Ton an, als lägen hinter den Ereignissen de- Tages schon Monate und Jahre. ..Wir wollen beraten," sagte er. „Sind Sie bereit?"
Sie nickte.
Da Entwickelte er ihr in raschen, sickeren Sätzen, wozu er sich nach reiflicher Ueberlegung entschlossen hatte. Er sah sie dabei mit überlegenem Spott an. Und diese Ueberlegen- heit, die er fühlte, schmeichelte ibm, er spiegelte sich gleichsam in ihr. und er war mit dem Bilde, das dieser Spiegel zu- rttckwars, sehr zufrieden.
Daß sie keinen gesetzlichen Anspruch aus eine Abscrti gung in Geld habe, werde sie wissen. Das, wa- er ihrem Gatten und ihr in den letzten Monaten habe zukommen lassen, sei ein Geschenk gewesen, mit dem er sich ihnen beiden habe dankbar zeigen wollen dafür, dah sie. ohne das freilich zu be absichtigen, durch ihren Ruin ihm selbst Gelegercheit gegeben hatten^ sein eigenes Vermögen zu vermehren. Diese Dank barkeit wolle er aiftfj weiter bekunden, dadurch, dah er ibr nun, womit sie allerdings für alle Zeiten abgesertigt sein würde, noch einen festen Betrag von fünftausend Mark zur Verfügung stelle. Und er fragte sie. ob sie damit einverstanden sei.
Wieder nickte sie stumm.
Er verbeugte sich und zog ein Papier aus der Tasche. „Gut, dann bitte ich. diese Erklärung zu unterschreiben."
Sie unterschrieb und gab das Papier zurück.
Er steckte es sorgfältig ein und zählte ibr sodann in fünf Scheinen den Betrag oon fünftausend Mark ans den Tisch „Stimmt es?" fragte er.
,Ha. es stimmt."
Er lächelte. „Sie sind brav, und das macht mir Freude. Sie sollen deshald auch nickt vergessen, dah. wenn Sie in
ollten, Sre immer einen ah sie prüfend an. „Einen
Zukunft einmal in Not geraten Freund in mir haben werden." Er Freund!" sagte er noch einmal mit Betonung. „Haben Sie mich verstanden?"
„Ja." sagte sie matt.
Er verbeugte sich leicht. „Auf Wiedersehelt also — und. wenn es sich tnacht, . . . das heißt, ick dränge Sie natürlich nicht!, . . . aber es ist doch wohl tlötig. daß ich es saget.
. . . also, ich meine: diese Wohnung . . . müßten Sie bald. . . verlassen . . ."
Sie hörte seine Schritte draußen verhakten.
Mit blinden Angen starrte sie vor sich hin tn$ Leere
9. Kapitel.
Reisner batte Gluck.
Er batte aber nickt nur Glück, er arbeitete auch. Aeußer- lck unterschied sich seine Mber! nicht viel von der. die ec m seiner Jugend in Hamburg geleistet batte. Wieder galt er


