Ausgabe 
5.12.1917
 
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Ö18

als geschäftlich außerordentlich jrührig, scharf und nüchtern im Denken mtb rasch und selbständig in seinen Entschlüssen. Nur daß diese Eigenschaften jetzt in ibm gewachsen waren -und daß er es verstand, aus einer Stunde zwei zu machen.

Er genoß bei allen, die mit ihm zu tun hatten, Ver­trauen, welchem freilich immer eine Art Furcht beigemischt war. Diese Furcht galt seiner Rücksichtslosigkeit. Denn es war bekannt, daß er einen unheimlichen Spürsinn belast, dem keine Schwäche des Gegners entging. An dieser Schwäche biß er sich dann bei denen, denen er übel wollte, fest. Und ßonderbawrlveise gab es niemanden, der glaubte, daß Rets- yer ihm wohlwolle. Aus welchem Grunde ReiSner eigent­lich überall verhaßt war.

Es schien indes, als ob Reisner diesen Haß gar nicht bemerke; denn wo immer er sich zeigte, zeigte er sich mit einem Lächeln, dessen Liebenswürdrgkeit jede Härte und jede böse Absicht Lügen zu ftrafen schien. Und immer war er dabei, den Kreis seiner Beziehungen zu erweitern. Ueber- raschend schnell hatte er sich die Fähigkeit angeeignet, sein wahres Gesicht zu verbergen, und Leute, die ihn das erste Mal sahen, waren in der Regel bezaubert von ihm.

Nicht weniger gut verstand er sich auch darauf, seine wahren Pläne zu verschleiern. Stets trat er auf den Plan mit der Miene eines, der nichts will, um sich dann mit spöttischem Dank zu verabschieden, wenn er erreicht hatte, was er wollte.

Was das war, wußte man erst, u-enn es zu spät war, sich vor ihn: zu retten. Denn er hielt sein Opfer fest und gab es erst frei, wenn es sein Verbündeter geworden war. Eine Menge listiger Vertrüge kettete so Menschen an ihn, die, ob­gleich sie wünschten, ihm zu schaden, ihm doch Nutzen stiften mußten.

Er war rastlos. Das von Gutzeit übernommene Ge- chäft füllte längst nicht mehr den Tätigkeitsdrang aus, der n ihm steckte, und er hatte es kaum sieben Monate in fernem Besitz behalten.

Im Winter fand sich eine Gelegenheit, es mit großem Vorteil zu verkaufen, nebst jenem Haus im Westen, in dem zu wohnen ihm nicht mehr gut genug war. Er brachte eine Billa im Grunewald an sich, die er glänzend einrichtete, und anstatt daß ihm dieser Tausch Geld gekostet hätte, brachte er ihm Geld ein.

Er kaufte, verkaufte, kaufte zurück, er verpaßte teine Gelegenheit, die günstig »vor. Und nie verschwendete er .Daß auf diese Werse seine Mittel sich mehrten, war kein Wunder. Innerhalb acht Monaten hatte er erne halbe Million Mark verdient.

In seinem Privatleben genoß er einen tadellosen Ruf, wenn auch den eines Sonderlings, der sich abschloß, der je­den geselligen Verkehr mied, um sich zwischen seinen vier Wänden zu vergraben.

Man sah ihn in keinem Theater, bei keinem Konzert, bei keinem Nennen, ja, nicht einmal Liebschaften hatte er, der doch lwch jung und nicht verheiratet war.

Kein Weib schien Eindruck auf ihn zu machen. Er be­wahrte ihnen gegeirüber eine höfliche Zurückhaltung, hinter der such, wie man glaubte, eine heimliche Verachtung verbarg, me die Frauen indessen nie suhlten, weil die Achtung, mit der er sie behandelte, völlig undurchsichtig war.

. In jenen Tagen nun begegnete Reisner einer Daure, die, wie fte sich ansdrückte, den lebhaften Wunsch hatte, seine Be­kanntschaft zu machen, da inan sie vor ihm gewarnt habe.

Die Unterredung fanb in dem Kontor eines Geschäfts­hauses statt, das Reisner gemeinsam mit der Dame, die in wetten verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Inhaber des Geschäftes stand, eben verließ.

^,Man hat Sie vor mir gewarnt?" fragte er.Wa­rum?"

Weil Sie, wie man mir sagte, ein Raubtier sind."

Ich bin Kaufmann," gab Reisner mit einer lächelnden Verbeugung zurück,sonst nichts."

Und ein Frauenhasser, wie?"

Nicht ein Hasser aller Frauen," euigegnete Reisner und maß sie mit emem langen Blick.

Sie hielt den Blick nicht aus und sah zur Seite. Unter emcm ?// ^te fie auf.Wollen Sie mir eine Schmeichelei

- ^5 wehrte abNein, nein. Aber warum sollte ich Sie yossenr Qj.

lk,Äa, warum?" pflichtete sie ihm bei, während sie aus

die Straße hinaustraten,wo Sie mich doch gar nicht kennen?"

Doch, ich kenne Sie. Sie sind Mary verwitwete von Marisch. Ihr Gatte verstarb vergangenen Winter im Süden und hinterließ Ihnen vier Millionen."

Sie |iut) gut," lachte sie,kommen Sie, wir wollen ein wenig plaudern."

Es ist kall," wandte er ein.Und was hätten wir unH zu sagen?"

>,Sie sind ein Bär! Worüber kann man mit Ihnen sprechen?"

Ueber Geschäfte," sagte er sehr ernsthaft.

Gut, ich will Über Geschäfte mit Ihnen reden. Ja, das! will ich, gerade das. Sie sind mein Mann."

Nicht hier," wich er aus.Hier ist nicht der Ort, über Geschäfte zu sprechen."

,Wo?"

In meinem Kontor."

Sre schüttelte entrüstet den Kopf.Nein, das werde ich nicht. In Ihrem Kontor werde ich Sie nicht aussuchen."

(Fortsetzung wlgr.- ' *

Dämmerung.

Märchen von A. Clara.

ES »vor zur Zeit, als sich cuis dem Nrbeginn alles Lebert-, digen leuchtend iuU> zwingend der Gedanke erhob, mtb die ersten Gesetze schuf, daß in die starre Ruhe die Bewegung kam.

Ta herrschte über dem Erdeirsteru ein mächtiger König, dev gebot der Finsternis rntd lneß Mandat ha. Tie Erde war ganz in Dunkelheit gehüllt, deshalb Ijatfce sie keine Farben und das Leben schlief in ihr, als wäre es bot. Mandarhas KönitMhwn war aus schvarzem Maruuor, er seihst hatte dunRes, lockiges .Haar, und seine Augen glichen ztvei schlvarzen Seen; sein Antlitz allsmj erschien weiß und schön es war das einzig Helle in.Mandarhas Königreich.

Das schlumnterude Leben in der Erde trug unbttvußt tiefes Leid^um die Finsternis, in der es verkümmern mußte, und stö-hnte im Schlaf. Ties Stöhnen floß wie eine Welle der Qnal in die Unendlichkeit hinaus und wurde vom Gedanke;t erfaßt. Er ließ sich von ihm in Mandarlms finsteres Reick) führen mtb es er-, barmte ihn. I)dun jarat er lange Heil, wie er Hilfe bringest könnte. Und er schuf das Licht. Es ?var anznsehen wie ein wunderschönes Weib. Tie Haare glänzttu wie lichtes Gold, das Gewand schim­merte weiß und fein, und die Angen laibchdetQl mrs dem bellen G> sicht, daß es ringsum hell '.vurde. sobald sie offen tvaren. Ter Ge^ danLe namtte das Licht Jalvada, und er freute sich über die un­endliche Schönheit. Aber König Mandarha weigerte sül)r das Licht aufzunehmen, loeil er darin eine Besch,ränkung seiner Macht sab. So kam es zu einem gewaltigen Krieg, in dem der Gedanke siegt denn er war mächtiger als die Finsternis.

Er gebot Jalvada, das Reich des Königs Mandarha zu durchwandern und zu erweckest. tvas schliefe. Dann sollte sie zu ihm zurückkehren und Mandarha mochte während der Stunden ihrerl Abwesenheit sein altes Herrscherrecht ausüben, bis sie uneder kam.

Jalvada machte sich auf den Wog, und Mrndarl-a floh, ehe sie kam, in die tiefste, dunkelste Schlucht seines Reick-es. Tort rang er mit feinem Schmerz, deren er war sehr stolz. Ein heißer Zorn gegen; den Gedanken rmd Jalvada stieg in ibm auf. er schteiwerte den g-e-, schitndeten Herrscherstab von sich rmd riß die Krone aits seinem Haar. Tann wurde er plötzlich ruhig, nicht einmal vor sich selbst wollte er zngeben, wie tief verletzt er war. Bon feinen Lippen strömte ein Eises hauch, sein »ksichr 'wurde leblos starr, rmd aus feinen Augen taute es nieder der erste Reif.

Indessen batte Jalvada das Reich der Finsternis betreten, und ihr Mick fiel mwermitttelt in die Dunkelheit. Da wurde es mit einem Male leuchtend hell. Und die, Erde, die keine Ahnung! der naher, Erlösung hatte, zuckte irr fassungstosent Entsetzen zw, sammeu, «und das leise Leben, das üi ihr war. verkroch sich scheu und dielt erschreckt den Atem an. Jalvada sab, wie sich alle Herzen in YRandarhas Reich vor ihr schlossen, und sie fühlte eilt großes Mit­leid in sich, aufsteigeu. Das ivar roie eine warme Quelle in ihrer Brust, die ihr die Augen ferchtete und ihren Strahl verzehnfachte. Wie eine weiche Hand streichelte ihr Licht iib« die Erde. >me ein sielender, tverbender Hauch flog ein Lächeln von U>ren Livpen über die geschossenen Herzen.

Ta öffneten sie sch sie mußten sich öffnen. (foft geschah cs ganz leise und schichtest, marrche schlossen sich tvohl wieder-, aber auf einmal blickten sie alle staunend um sch Das Licht schmeichelte weiter, und J alvada4 Antlitz ^strahlte, und die Herzen wurd en .immer offener und Jalvadas Licht frei mitten hinein. Ta schritt sie lang, sam vottvärls, und von ihren zarten Füßen ging ein feiner Strom in die lebensfremde Erde; sie leiste ihre Hände ans den Boden, baj wurde der e>tn>m kräftiger. Wie ein träumendes Zirpen fing es tief drinnen cm mtb wurde stärker und stieg mtb iovgtc mtos wurde zur Welle und roitrde ztun Meer und brandete dem Mken ixmuerubeit Iubelschrei weit über die Grmzen des Reiches hmails. lLrne zittnnde Mjanne ging durch jede gchcimste Fas«