Ausgabe 
29.12.1917
 
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.Tanke," «ttlwrtete dieser, indem er fchjtuckbe.

Man utufe ivohl das alte Jahr lftnunter spülen."

Ta funkette es in den kleinen feuchten Aenglcin des heiligen Petrus auf, aber er nickte nur, so gut er ko-nndtz, init seinem steifen Nacken.

Beim Stadttor verlies; er den Bau-er mit vielen Danksagungen und einein ehrlichen Handgeld und begab sich in die Stadt. Es war hier nicht ganz so kalt wie draußen auf dem Lande: rmd die Häuser schnücgten sich aneinander mid wärmten sich wie Ätcnschcn daran, daß sie nicht allein rvaren. Aus den Fenstern strömte Licht. Tie Straßen waren beinalte leer. Was draußen war, das lies oder stand und stampfte in Stvohschuhen an Haltestellen und vor den Toren, wo die Wagen rvarteten. Wenn die Tür zu einem Restaurant aus­ging, dann drang die Wärme luie weißer Rauch heraus, und es roch nach Speisen und Menschen.

Ter heilige Petrus bekam Hrurger mrd stieg in einen Keller hinab, uw Leute an Holztischen mit Wachsleimvand saßen und eine riesenhafte Frauensperson linier einem Zmktisch stand und Por­tionen ausreilte.

Ter heilige Petrus bekam Suppe und Fleisch und, tväHrend er seinen Nachbarn zuhörte einen: gvoßen Mann mit Stier-, rraaen und Selmen wie Lederstreiscn, und einem kleirren, ausge- preßten Männchen, dessen mrreiner Teint rrnd sarrste, kurzsichtige Augen den philosophischen Schuhnracher verrieten.

Tu hast dich nicht schön gegen mich benommen, Jacke, nein, das hast du nicht, aber wir ivollcn doch Freunde sein, denn jetzt ist das Jahr zu Ende und . . . ."

Streusand drauf, Schuster!"

Und siehst du, das nerre Jahr ist gewissermaßen etwas Restlos . . .

Sollst leben, 'Schuster!"

Und da soll man vergessen, tveißt du!"

Ter heilige Petrus war wiÄwr auf der Straße. Tie fassen lagen lvoch leerer da, die Kälte hatte zugenommen, d«»e Sterne zitterten und blinzelten. Es ging gegen zwölf. Der alte himmlisch Pförtner schlenderle einsam mrd verlassen Gasse aus, Gasse ab, -und er begegnete nur einem Hund, der sich an ihm rieb und mit ihm ging. In einem Hause tvarerr im Erdgeschoß die Rouleaus nicht herabgelassen, und der heilige Petrus sah in ein erleuchtetes Zimmer, wo eine Familie um den Abendtisch versammelt war: Vater und Mutter uud Kinder nrrd .Freunde: alle starrten auf ein Zifferblatt, auf dem ein Zeiger langsam zum höchsten Punkte kroch, und der Familienvater stand da, fertig mit seiner Rede auf däs neue Jahr.

Nun fiel der erste Schlag von estr-em Kirchturm. Andere ant­worteten. Ter ganze Raunr erklang. Der Mann mit der feichgen Rede begann die Lipven zu beivegen, und der heilige Petrus brauchte die Worte nicht zu hören, um sie zu verstehen.

In diesem Augenblick sah alles vorwärts, alles, was leben wollte. Das Vergarrgene war ausgelöscht. Der heilige Petrus dachte cm den Trmrk des Bauern, der das alte Jahr hinabspülen sollte, und er sagte zu sich selbst, daß es dieser Trunk ist. an dem die ganze Menschheit sich wärmt, um Mut zu fassen, den Weg über die große, weiße Ebene weiterzugeherr, wo die Kälte so furchtbar ist. Wenn wir nicht vergessen kömrten, könnten wir nicht leben. Das Vergessen ist der große Eichster des L-ebens.

Das ist das Beste, was du ihnen gegeben hast, Herr," mur­melte der heilige Petrus mrd ivanderte weiter, vorbei an erleuchteten Wohnstätten, wo die Menschen danrit beschäftigt ivaren, sich selbst hinters Licht zu führen)

Tie Nach war groß mrd hoch. Ein Polizeimann betrachtete den einsamen Minderer mit schläfrigem Mißtrauen.

VSchertisch.

Tapfer und Tre u". Memoiren eines Offiziers der Schweizers arde Ludwigs XVI. .Historischer Roman in 2 Bänden von Joseph Spillmann S. I., 5 Marck, geb. in Original-Lein­wandband 7 Mark, Herdcrsche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau. Als spannend geschriebenes Werk eines Ge,'chichts sorschers und Dichters zugleich, ist es von Begeistermrgs- fähigkeit und War in Herzigkeit getragen.

Tie bei VelhagenLKlasing in Bielefeld und Leipzig erscheinende SammlungAu s den Tagen des großen Krieges" hat scharr eine Reihe sehr guter Quellen­schriften zur Geschichte des großen Ringsirs unserer Tage gebracht. Ter neueste Baud mit dem TitelUm Riga und Oesel" ans der Feder des bekannten Kriegsberichterstatters Rolf Brandt ist ein Erinnerungsbuch an mrser letztes gegen die rechte Flanke der russischen Front gerichtetes ruhmreiches Unternehmen, das in rnustergültigenr Zusammenarbeiten von Heer und Flotte die alte deutsche Stadt Riga und die dem. Rigaischen Meerbusen vor-, gelagerten Jnselrr irr unseren Besitz brachte.

DieFliegenden Blätter" (Verlag Braun und Schneider, München) haben in dem eberr abschießenden Halbjahr wie während des ganzen Krieges erneut die gesunde und sieg­hafte Kraft des deutschen Humors bewiesen, der bis zur letzten.

Stunde des Weltrstrgens tapfer mit durchhält uitb sich bewuA ist. daß ihnr gerade jetzt eure besondere Aufgabe für Feld und Heimat obliegt: Tie Herzen froh zu erhalten und nach den Art-, streu gnngen und Sorgen schoerger Pftrchterfüllung draußen rrnd drinnen Erholung und Airfyeitermrg zu bieten. Daß in einer solchen. Zeit nuv das Beste gut gemrg ist, bewähren dieFliegenden Blät­ter" wie in dem reichen humoristijchn Teil so auch in den Beiträgen patriotischen Inhalts. Harmlose, nie verletzende Saune, treffsichre Zeitsatire, achte und tiefe Poesie vereinen sich ist Wort irnd Bild, in Vers und Prosa zu einerrr heiteretn rrnd schönen Ganzen, so daß die Wocheirunmmern derFlicgendenj Blätter" den Feldgrauen in allen Heeres teilen wie den Daheim-, gebliebenen stets eine srvhbeqrüßte, null kam mene Gabe sind. Preis für das Vierteljahr (13 Nummern) 4 Ndark.

' T ie Schau b ü hrre, Wochenschrift für Politik, Kunst,

Wirtschaft, herausgegeben von Siegfried Jacobsohn, enthält tn der Nummer 51 ihres dreizehnten Jahrgangs: Gräber-Saluk, von Germanieus. Rathenau mrd die Massentanse, von Fritz Harold Cohn. Trotzkt, von Franz Rudolphy, Zum Problem der Demokrati-, sierung. III, von Moritz Goldstern. Heydebrand, von Erbe. Ernst Barlach Bildlraner rrrrd Dichter, vorr Dora Wentsck)-er. Ergebnisse, von Mfred Grünervald. Worhelrbente von S. I. 30 904 von Msred Polgar. Z. E. G. Anttvorten.

Sven H e d i n,B agdad-Babhlvn-Ninioe^st 165 Seiteir, 26 Wbildrrngen (16 Photographien, 10 Zeichnungen Hedins). Feldpostansgabe 1 ^arf. Leipzig, F. A. Brockl)anS. '

Gietzener Hausfranen-Bcrein. Kochanmeifungen.

Gefüllte Aepsel. Man sckKlt ganze dlepfÄ. alle vorr einer Sorte, und höhlt das Kernhaus aus. Tie Höhlung füllt man mit Johannisbeergelee o-ber Korinthen oder Rosinen, die man gut zuckert. Man legt die Aepsel in einen Kochtopf und gießt etwas Wasser sowie den Saft der ausgeidchen Apfel schalen dazu. Sind ^die Aepsel weich dann füllt man sie in eine tiefe Schüisel. Ten Saft koch man mit soviel Sago auf, daß die Masse dick­flüssig wird. Sie wird nach Zucker abgeschmeckt und über die Aepsel gegossen. Kalt oder warm zu reicherr.

K a r t o f f e l s p e i s e für 8 Personell. 4 Pfund mehlige, am Tage vorchr in der Schale gekoche Kartoffeln loerden gerieben, mit einem Päckchen Ei-Ersatz, den man in zwei Eßlöffel Milch oder Wasser aufgelöst hat. 3 Eßlöffel Mehl aber gemahlene Graupen, V 4 Pfund Zucker, 1P Gramm Salz, gut vermisch. Ter Teig nftrd

1 Zentimeter stark ausgevollt. Eine Springform rmrd mit Fett ausgestrichen. Zurrächst Vonrmt nun eine Lage Teig auf den Boden der Form, dann eine in Scheiben geschnittene Lage Aepsel oder anderes Obst, dann Teig u s. f. Zuletzt Teig. Jetzt bestreich nrarr die Oberflöch mit einer kalten, stnfangerührten Vanille- tmcke und läßt das Ganze etwa 25 Minuten im Backofen backen.

Schwarzwurzel mit Klößen. Tie geputzten Dchwarz- wurzeln werden in etwas Salzrvass-er gargekocht, mit dem Sclfnim!-- löffel herallsgenommen mrd warm gestellt. Ein Teil der Brühe stellt man zur Tunke zurück, im anderen Teil koch man kleine Mehlklöße. Man bereitet solche ans M-el/l, Fett, Magermilch Ei-Ersatz und etrvas Salz mrd stülp sie mit dem Löffel ab Die Tunke bereitet man ans einer h."lle.r Mehleinbrenne, Zitronensaft, Zucker und geriebelrer Muskatnuß.

Vegetarische Sülze. V 2 Pftcrrd Tomaten, 3 Mohrrüben,

2 Salzgurken, 1 Zwiebel. 2 rote Rüben, 1 Knolle Sellerie. 6 Pfefferkörner, Essig und Salz nach Geschmack. 3 Brühwürfel. 3/4 Liter Wasser mrd 12 Blatt Gelatine In 3 / 4 Liter Was'er gibt man die Pfefferkörner und kocht darin die Mohrrüben rrnd SelleAe- schiben gar. Dian schrieidet unterdessen die Zlviebel, Grirkcn und vote Rüben in gvobe Würfel. Sind die Mohrrüben und Sellerie, gar, so Wst man die Brützrvürfel auf, schneckt nach Essig und Salz ab rrnd löst die Gelatine in der Brühe auf. Nun gibt man sämtlich Gemüs-ewürfel hmein und rührt das Donratenmark durch Giebt alles in Schalen amb läßt es erstarren. Es ist eine gute Beilage zu Kartoffeln.

Merkrätlel.

Knabon Verdeck Fechter Brngt Prediger Mariechen Lichter

Don jedem Wort stnd zwei nebeneinarrder stehende Buch- staberr zu merken. Tiefe Aulgahenpaare müssen im Znsanrmenbang etwas bezeichnerr, das mit bcu Bolksgebräuchen am WeiH»rachtsseste innig zrisammenhängt.

(Auflösung in nächster dkunrmer.)

Arrflösmrg des Logogrrphs in voriger Nuucmer.

(Adel. BcrS, Karrt). Advent.

Schrrftleilrurg: W. Aiever. Zivillingsruirddruck der Brüh l'schen lln v. Buch' rrnd Steindrrrckerei. R. Lange, Gießew